ePredigt zum 11.03.2012 (1. Petrus 1, 18-21)

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag Okuli, dem dritten Sonntag in der Passionszeit. Die Predigttexte der Passionszeit sind ja immer etwas ernster und wollen uns zum nachdenken und auch zum umdenken anregen. So auch der Predigttext für den heutigen Sonntag, den wir im 1. Kapitel des 1. Petrusbriefes, die Verse 18-21 finden. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Denn ihr wisst, dass ihr nicht mit vergänglichem Silber oder Gold erlöst seid von eurem nichtigen Wandel nach der Väter Weise, sondern mit dem teuren Blut Christi als eines unschuldigen und unbefleckten Lammes. Er ist zwar zuvor ausersehen, ehe der Welt Grund gelegt wurde, aber offenbart am Ende der Zeiten um euretwillen, die ihr durch ihn glaubt an Gott, der ihn auferweckt hat von den Toten und ihm die Herrlichkeit gegeben, damit ihr Glaube und Hoffnung zu Gott habt.

Liebe Gemeinde,

als ich den Predigttext zum ersten Male gelesen habe, da stolperte ich gleich über drei Textstellen. Lassen Sie uns den heutigen Sonntag nutzen und uns ein wenig näher mit diesen drei Textfragmenten befassen.

1. Erlöst von nichtigem Wandel

Wenn wir die Elberfelder Übersetzung zu Rate ziehen, dann wird diese Textstelle wie folgt übersetzt: „Erlöst von eurem eitlen, von den Vätern überliefertem Wandel“. Das können wir schon etwas besser verstehen als die Übersetzung von Dr. Martin Luther. Aber das Problem geht sofort
weiter. Was ist denn eigentlich unter „eitel“ zu verstehen ? Mir fiel sofort „übertriebenes Geltungsbedürfnis“ ein. Das mag zwar auch dazu gehören, trifft die Sache aber nicht im Kern.

Im Griechischen finden wir das Wort „mataios“. Dieses Wort hingegen wird auch übersetzt mit: „Zu keinem Ziel führend, besonders nicht zu Gott“. Wir sind also erlöst von allen Dingen, die uns von Gott weg-, anstatt zu Ihm hinführen.

Welche Handlungen und Dinge könnten dies sein ? Ich denke, es sind alle Handlungen, die uns keinen Nutzen in der Ewigkeit bringen und die wir, wenn wir sterben, auf der Erde zurücklassen müssen.

Im einzelnen können dies z.B. Geld, Macht und Ansehen sein. Dies sind alles Dinge und Bestrebungen, die zu keinem Ziel führen. Denken wir nur einmal an Geld. Geld benötigen wir alle, um irgendwie überleben zu können. Darüber hinaus gibt es aber auch die Gier nach Geld. Und diese Gier hört niemals auf. Egal, wieviel Geld ich auch habe, die Gier nach immer mehr und noch immer mehr ist allgegenwärtig und lässt mich nicht mehr los. Von dieser Knechtschaft des Geldes sind wir also erlöst.

Bei der Gier nach Macht und Ansehen verhält es sich nicht viel anders. Wie viele Menschen hat es nicht schon gegeben und gibt es noch, die bei der Gier nach Macht über Leichen gegangen sind. Die Gier nach Macht und Ansehen führt dazu, dass wir uns nur noch auf uns selber fokussieren und
nur auf unsere eigenen Vorteile blicken. Auf Dauer macht uns dieses Verhalten unausstehlich und letztendlich auch einsam.

Und auch davon hat uns unser Herr erlöst. Wohlgemerkt, unser Herr hat nichts gegen einen fleißigen Arbeiter, der sich für seinen Job einsetzt. Auch hat Er nichts gegen ehrenwerte Politiker, die häufig 20 und mehr Stunden am Tag arbeiten. Selbstverständlich verfügen diese über Macht
und Ansehen. Nur darf dies nicht der zentrale Inhalt unseres Lebens sein.

Um es mathematisch zu betrachten, so muss Geld, Macht und Ansehen innerhalb der Klammer stehen. Außerhalb sollte immer unser Herr stehen, der über allem steht und das Geschehen in der Klammer maßgeblich beeinflusst.

2. Ausersehen, ehe der Welt Grund gelegt wurde

Wer hat uns eigentlich von dem eitlen Wandel erlöst ? Wer hat denn dafür gesorgt, dass wir nicht mehr Gefangene von Geld, Macht und Ansehen sind ? Gott hat uns persönlich von diesem eitlen Wandel und von all unseren Sünden erlöst. Und jetzt kommt das, was wohl kaum einer unter uns
verstehen kann. Gott wusste vor Anbeginn der Welt, dass wir uns von Ihm abkehren und ein sündiges Leben führen würden.

Trotzdem hat Er uns erschaffen. Er hätte es auch sein lassen können, dann wäre die ganze Lage für Ihn viel unproblematischer gewesen. Aber Er hat uns erschaffen aus Liebe. Liebe deckt alles zu, alles, was negativ zu sein scheint, das sieht die Liebe nicht. Da Gott die Liebe schlechthin ist, hat Er uns aus Liebe erschaffen. Und Er, der die Liebe ist, wollte schließlich auch nicht, dass nur eines Seiner Geschöpfe nicht erlöst wird.

„Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“ (Johannes 3,16)

Wenn wir darüber heute Nachmittag einmal in aller Ruhe nachdenken, dann beginnen wir vielleicht die grandiose Liebe Gottes zu uns zumindest ansatzweise zu verstehen. Vollständig begreifen werden wir sie auf Erden wohl niemals, weil diese Liebe einfach zu groß für uns Menschen ist. Und trotzdem oder gerade deswegen dürfen wir das Erlösungswerk unseres Herrn als ein unverdientes Gnadengeschenk in Demut und Dankbarkeit annehmen.

3. Damit Ihr Glaube und Hoffnung zu Gott habt

Erlöst ? Wovon, weswegen und wozu ? Dies, liebe Gemeinde werde ich immer wieder von glaubenskritisch eingestellten Menschen gefragt. Lassen Sie mich daher noch kurz auf diesen Punkt eingehen.

Wenn wir uns nur noch um uns selber drehen, also alles in uns auf Ansehen, Macht und Geld ausgerichtet ist, dann befinden wir uns in einem Hamsterkäfig, aus dem es kein Entrinnen gibt. Wir haben den Blick gar nicht mehr frei für die anderen Dinge des Lebens. Man könnte auch sagen,
getriebenen von satanischen Mächten bewegen wir uns auf schnellstem Wege weg von Gott. Und genau davon hat uns der Herr erlöst.

Durch sein Erlösungswerk werden uns die Augen geöffnet. Wir dürfen den Hamsterkäfig verlassen und wieder nach Hause kommen. Gott macht uns den Weg frei für Glaube und Hoffnung. Kirchenkritiker rümpfen bei Glaube und Hoffnung immer gleich die Nase, weil diese Begriffe nicht besonders konkret sind.

Also, ganz konkret: Gott schenkt uns den Glauben in unser Herz, damit wir erkennen können, dass einer da ist, der über alles wacht und ein Auge auf einen jeden von uns hat. Hoffnung, von Gott geschenkte Hoffnung gibt uns die Gewissheit, dass mit dem Tode nicht alles aus ist.

Wenn wir wissen, dass einer da ist, der auf uns aufpasst, der uns behütet, trägt und geleitet und wenn wir davon ausgehen dürfen, dass wir mit dem Glauben die unumstößliche Option auf das ewige Leben haben, können wir dann nicht viel einfacher, lockerer und fröhlicher leben ?
Können wir dann nicht auch einfacher mit den Unbillen des Lebens fertig werden, denen wir alle zweifelsohne immer wieder ausgesetzt sind in dieser vergänglichen Welt ?

Wenn wir fröhlicher leben, dann wirkt sich dies auch auf unsere Mitmenschen aus. Wenn sie uns die Leichtigkeit unseres Lebens anmerken und sie quasi sogar fühlen können, dann haben wir die beste Chance auch unsere Mitmenschen für ein Leben mit Christus zu begeistern. Fangen wir doch gleich damit an.

Am besten beginnen wir damit, dass wir unserem Herrn immer wieder für das danken, was er für uns getan hat. Dies können wir auch mit dem ersten Liedvers des Liedes „Vergiss nicht zu danken dem ewigen Herrn… “ von Heino Tangermann tun, der da lautet, wie folgt:

Vergiss nicht zu danken dem ewigen Herrn,
er hat dir viel Gutes getan.
Bedenke, in Jesus vergibt er dir gern,
du darfst ihm, so wie du bist, nahn.
Barmherzig, geduldig und gnädig ist er,
vielmehr als ein Vater es kann.
Er warf unsre Sünden ins äußerste Meer,
komm betet den Ewigen an.

Der Herr halte Dich fern von allem, was Dich von IHM wegführt
Der Herr zeige Dir immer wieder den Weg, der zu IHM hinführt
Der Herr bewahre Dich allezeit auf Deinem Wege hin zu IHM

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber