Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen drittletzten Sonntag des Kirchenjahres. Das Kirchenjahr neigt sich wieder einmal dem Ende zu. Aber auch wir leben in der Endzeit, also in der Zeit, in der wir auf das Kommen unseres Herrn warten. Mit diesem Warten beschäftigt sich daher
auch unser heutiger Predigttext. Wir finden den Predigttext für den heutigen Sonntag im 1. Thessalonicherbrief, Kapitel 5, die Verse 1-6.
Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Von den Zeiten und Stunden aber, liebe Brüder, ist es nicht nötig, euch zu schreiben; denn ihr selbst wisst genau, dass der Tag des Herrn kommen wird wie ein Dieb in der Nacht. Wenn sie sagen werden: Es ist Friede, es hat keine Gefahr -, dann wird sie das Verderben schnell überfallen wie
die Wehen eine schwangere Frau, und sie werden nicht entfliehen. Ihr aber, liebe Brüder, seid nicht in der Finsternis, dass der Tag wie ein Dieb über euch komme. Denn ihr alle seid Kinder des Lichtes und Kinder des Tages. Wir sind nicht von der Nacht noch von der Finsternis. So lasst uns nun nicht schlafen wie die andern, sondern lasst uns wachen und nüchtern sein.

Liebe Gemeinde,

ich habe einmal ein Buch gelesen mit dem Titel „Und wenn er heute noch käme“. In dem Buch ging es um die Frage, ob uns Jesus, so er heute kommen würde, so vorfinden würde, wie er es erwartet. Eine durchaus spannende Frage. Jetzt leben wir ja in der Wartezeit auf unseren Herrn.
Warten wird immer als etwas Passives gesehen. Wenn wir z.B. auf den Bus oder Zug warten, dann ist dies durchaus ein passiver Vorgang.

Von uns Christen wird aber ein „aktives Warten“ erwartet. Lassen Sie uns heute Morgen gemeinsam darüber nachdenken, was es denn auf sich hat mit dem aktiven Warten. Wie warten wir aktiv?

1. Das Wort

Viele Menschen lesen z.B. ein Buch, wenn sie auf den Zug warten. Oder aber die Tageszeitung. Das erkennt man heute nicht mehr sofort, da alles per Tablet-PC geschieht. Und so sollen auch wir, die wir auf das Kommen unseres Herrn warten nicht in eine Schockstarre verfallen, sondern wir sollen die Wartezeit aktiv verbringen.

Wie andere Menschen ein Buch oder aber eine Tageszeitung lesen, so sollen wir uns mit dem Wort unseres Herrn, also mit der Bibel beschäftigen. Nun kann man die Bibel wie einen Roman lesen, Kapitel für Kapitel bis man schließlich durch ist. Wir können die Bibel aber auch unter der Fragestellung lesen: Was will uns Gott mit diesem Wort sagen? Wenn wir die Bibel in der Wartezeit lesen, dann sollen wir dies aktiv tun, also über Gottes Wort nachdenken und meditieren, die Bibel benutzt auch den Ausdruck nachsinnen.

Wenn wir das Wort Gottes so an die erste Stelle unseres Lebens setzen, dann sind wir nicht mehr in der ständigen Gefahr, dass uns der Zeitgeist bestimmt, was wir denken und wie wir handeln sollen. Massenmedien gaukeln uns ja häufig Umstände vor, die fernab von jeder Realität sind. Gottes Wort kann uns davor bewahren auf Manipulationen hereinzufallen und kann uns lehren, alles kritisch zu hinterfragen, was uns Weltmenschen als wahr verkaufen wollen.

In christlichen Kreisen besonders beliebt ist ja die Allversöhnungstheorie, wie sie der Karnevalsschlager so treffend ausdrückt: “ Wir kommen alle, alle, alle in den Himmel.“ Zugegeben,
diese Theorie hat was an sich. Ich kann tun und lassen, was mir gefällt, am Ende lande ich doch im Himmel. Die Bibel sieht dies leider etwas anders. Wenn wir wirklich alle in den Himmel kommen, warum warnt uns Jesus dann vor der Hölle? Er tut dies nicht einmal oder zweimal. Nein,
Jesus warnt uns immer wieder vor der Hölle.

Ein schlichter Blick in die Bibel kann uns also davor bewahren, auf Scharlatane und deren Theorien hereinzufallen.

2. Die Tat

Eine Tat sagt mehr als tausend Worte. Das trifft genau das, was wir in der Wartezeit tun sollen. Alles, was wir im Leben tun, sollen wir so tun, dass uns Jesus getrost dabei über die Schulter schauen könnte.

Ich meine nicht das berühmte „Big Brother is watching you“, sondern das liebevolle über die Schultern schauen. Das, was wir in der Bibel lesen, das, liebe Gemeinde, sollen wir auch in die Tat umsetzen.

Wir könnten jetzt stundenlang gute Taten aufführen. Lassen Sie uns aber ganz pragmatisch einen Handlungsrahmen betrachten, an welchem wir unsere Taten prüfen können. Der Handlungsrahmen heißt Jesus. Schauen wir uns doch einfach an, wie Jesus auf Erden gelebt hat. Er lebte in Gemeinschaft, liebte das Teilen des vorhandenen Besitzes und vorverurteilte niemanden. Jesus ging einfach liebevoll mit uns Menschen um.

Fangen wir doch einfach an, es Jesus nachzumachen. Schließen wir uns doch einer christlichen Gemeinschaft an. Lassen Sie uns doch alle, von dem, was wir zu viel haben, denen etwas abgeben, die von allem zu wenig haben.

Wie oft sind wir schnell dabei, andere Menschen für das, was sie (angeblich) getan haben zu verurteilen. Geben wir doch jedem Menschen die berühmte zweite Chance. Lassen Sie uns ganz einfach versuchen, mit all unseren Mitmenschen ein wenig liebevoller umzugehen. Das kann
morgens damit beginnen, indem ich meinen Sitzplatz in der Straßenbahn der älteren Dame anbiete, die ein wenig unsicher auf den Beinen ist. Das kann mittags bedeuten, dass ich meinem überlasteten Kollegen etwas aus der Kantine mitbringe und das kann abends bedeuten, dass ich meinen Kollegen, der kein Auto hat, nach Hause fahre, auch wenn es für mich einen Umweg bedeutet.

Liebe Gemeinde, es sind nicht die großen Taten, die Jesus von uns erwartet. Gerade die Summe der kleinen Taten ist es die etwas ganz besonderes entstehen lassen können.

3. Der Schlaf

Die ersten Christen, liebe Gemeinde, die brannten noch so richtig von innen, wenn sie anderen Menschen von Jesus erzählten. Das können wir alles in der Apostelgeschichte nachlesen. Wie sieht es indes heute bei uns aus? Ich habe manchmal den Eindruck, dass die frohe Botschaft zu einer „Ist ok Botschaft“ verkommen ist.

Ich habe die Befürchtung, dass wir kurz davor sind, uns in einen geistigen Tiefschlaf zu versetzen. Und das ist alles andere als aktives Warten auf unseren Herrn. Im christlichen Tiefschlaf öffnen wir dem
Teufel die Türe und Tore unseres Herzens. Wenn wir Jesus so in die Ecke stellen, dann haben alle möglichen Ersatzreligionen die Möglichkeit uns in ihren Bann zu ziehen.

Schauen Sie doch einmal wie viele anderen geistigen Zentren es bereits in unserer Republik gibt. Da kommt der Dalai Lama und tausende pilgern durch die halbe Republik, zahlen auch noch ein horrendes Eintrittsgeld nur um seine Weiheiten zu hören. Dabei wäre der sonntägliche Gottesdienstbesuch mit wesentlich weniger Aufwand verbunden und zudem noch kostenlos.

Da ziehen Jugendliche in den heiligen Krieg, weil sie von irregeleiteten Muslimen geistig „umgedreht“ werden.

Lassen Sie uns selbst und unsere Mitmenschen doch ganz schnell wachrütteln. Wachrütteln damit wir zu einem aktiven Warten auf unseren Herrn in der Lage sind. Ich glaube, liebe Gemeinde, dies ist die größte Herausforderung unserer Zeit. Wir müssen versuchen es zu schaffen, die Menschen wieder für Jesus zu begeistern. Dass uns dies gelingen kann, das sehen wir z.B. in Afrika oder aber auch in China, wo trotz ungünstigster politischer Umstände täglich tausende den Weg zu Jesus finden. Also keine Angst, packen wir es mutig an.

Sagen wir es doch allen unseren Mitmenschen weiter, was uns der Liederdichter Erdmann Neumeister in dem ersten Vers seines Liedes „Jesus nimmt die Sünder an…“ (EG 353) mitteilt, der da lautet, wie folgt:

Jesus nimmt die Sünder an.
Saget doch dies Trostwort allen,
welche von der rechten Bahn
auf verkehrten Weg verfallen.
Hier ist, was sie retten kann:
Jesus nimmt die Sünder an.

Der Herr verleihe Dir ein freudiges Herz, das gerne sein Wort liest und darüber nachsinnt
Der Herr verleihe Dir einen wachen Geist, damit Du sein Wort in die Tat umsetzen kannst
Der Herr schenke Die Kraft und Mut, damit Du sein Wort in die Welt tragen kannst

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

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