Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen 14. Sonntag nach Trinitatis.
Unser heutiger Predigttext beschäftigt sich mit dem Thema Glauben.
Das ist von sich aus sicherlich nicht besonders originell, sollte doch jeder Gottesdienst dieses Thema zum Inhalt haben. Aber wir lernen heute eine ganz besondere Gemeinde kennen, nämlich die Gemeinde von Thessalonich.

Lassen Sie uns zunächst einmal darauf hören, was der Apostel Paulus über diese Gemeinde sagt. Wir finden den Predigttext für den heutigen Sonntag im 1. Thessalonicher,
Kapitel 1, die Verse 2-10:

Der vorbildliche Glaube der Gemeinde

Wir danken Gott allezeit für euch alle und gedenken euer in unserem
Gebet und denken ohne Unterlass vor Gott, unserem Vater, an euer Werk im
Glauben und an eure Arbeit in der Liebe und an eure Geduld in der
Hoffnung auf unsern Herrn Jesus Christus. Liebe Brüder, von Gott
geliebt, wir wissen, dass ihr erwählt seid; denn unsere Predigt des
Evangeliums kam zu euch nicht allein im Wort, sondern auch in der Kraft
und in dem heiligen Geist und in großer Gewissheit. Ihr wisst ja, wie
wir uns unter euch verhalten haben um euretwillen. Und ihr seid unserm
Beispiel gefolgt und dem des Herrn und habt das Wort aufgenommen in
großer Bedrängnis mit Freuden im heiligen Geist, sodass ihr ein Vorbild
geworden seid für alle Gläubigen in Mazedonien und Achaja. Denn von euch
aus ist das Wort des Herrn erschollen nicht allein in Mazedonien und
Achaja, sondern an allen Orten ist euer Glaube an Gott bekannt geworden,
sodass wir es nicht nötig haben, etwas darüber zu sagen. Denn sie selbst
berichten von uns, welchen Eingang wir bei euch gefunden haben und wie
ihr euch bekehrt habt zu Gott von Abgöttern, zu dienen dem lebendigen
und wahren Gott und zu warten auf seinen Sohn vom Himmel, den er
auferweckt hat von den Toten, Jesus, der uns vor dem zukünftigen Zorn
rettet.

Liebe Gemeinde,

so sieht er also aus, der vorbildliche Glaube. Was zeichnet die Thessalonicher nun in besonderer
Art und Weise aus ? Ich glaube es sind drei Dinge, die der Apostel Paulus im Kern ansprechen will. Lassen Sie uns darüber am heutigen Sonntag ein wenig näher nachdenken.

1. Mit Freuden

Wir erfahren von Paulus, dass sich die Thessalonicher wohl in einer ziemlich misslichen Lage befunden haben, als er ihnen das Evangelium gebracht hat. Stellen wir uns doch einmal vor,
aulus würde uns morgen in aller Frühe einen Besuch abstatten und uns von dem Evangelium
berichten wollen. Ich gehe mal davon aus, dass wir uns in keiner misslichen Lage befinden,
sondern Paulus nur ein wenig ungelegen käme. Gewiss würden wir sagen:
Lieber Paulus, jetzt gerade nicht, ich muss zur Arbeit. Heute Abend ?
Nein, nein, das geht erst recht nicht, da bin ich zum Tennis verabredet.
Ach so, morgen, nein, morgen klappt auch nicht, da habe ich einen wichtigen Termin
mit meinem Chef.

In einer ähnlichen Situation, vielleicht noch ein wenig misslicher, befanden sich die
Thessalonicher. Und doch reagierten sie ganz anders auf das, was Paulus ihnen zu sagen hatte.
Von innerem Widerstand oder gar Ausflüchten und Ausreden überhaupt keine Spur. Sie öffneten sich einfach für das Wort Gottes.

Und hier haben wir auch schon den ersten Schritt zu einem, wenn wir es so nennen wollen, vorbildlichem Glauben. Glauben heißt nicht Aufgabe des Verstandes, sondern Aufgabe des Widerstandes. Was haben wir nicht alles an Argumenten, äußeren und inneren Argumenten,
um uns ja nicht mit Gott beschäftigen zu müssen. Viele Menschen, wir natürlich ausgenommen,
wollen sich Gott doch einfach nur vom Halse halten, weil es ein wenig unbequem werden könnte. Andere wiederum möchten weiter in ihren Zweifeln leben und widerstehen so der Einladung
Gottes immer wieder.

Aber erst wenn ich den Widerstand aufgebe, dann kann das Wort Gottes in mir wirken.
Wenn ich das Wort freudig aufnehme, dann kann es auch in mir Früchte hervorbringen,
die ich dann wieder weitergeben kann.

2. Im Heiligen Geist

Es gibt ja nun reichlich Literatur über den heiligen Geist. Wir könnten bis heute Abend zusammen sitzen und jeder würde etwas interessantes dazu beitragen können. Leider haben wir
die Zeit heute nicht.

Stellen Sie sich einmal vor, Sie werden gefragt, wie das denn nun geht, die Sache mit
dem Heiligen Geist. Übrigens, genau in diesem Wortlaut kommt die Frage.
Im allgemeinen habe ich zur Beantwortung dieser Frage maximal 2 Minuten Zeit. Also muss ich mich kurz fassen. Meine Antwort lautet dann meist , wie folgt:
Der Heilige Geist ist die dritte Person Gottes, die jederzeit von uns kontaktiert werden kann.
Es ist quasi die Standleitung Gottes zu Seinen geliebten Kindern. ER ist an der anderen Seite immer am Hörer, nur wir legen den Hörer häufig auf, oder haben ihn noch niemals aufgenommen.

Wenn sich jemand mit dem Wort Gottes beschäftigt und er spürt das Verlangen, sein Leben
Gott zu übergeben, dann muss er nur den Hörer aufnehmen, Gott sagen, dass er Sein geliebtes Kind sein will und schon zieht der Heilige Geist beim ihm ein. Aber Vorsicht:
Er ist ein unbequemer Geselle, Er räumt nämlich mit dem ganzen alten Leben auf.
Alles, was Er nicht mehr haben will, das schmeißt Er hinaus. Zum Beispiel, den
problematischen Umgang mit Alkohol. Nach und nach säubert Er die Wohnung,
in der Er von nun an leben will.

So war das auch bei den Thessalonichern. Sie haben sich mit dem Wort Gottes beschäftigt,
ihren inneren Widerstand aufgegeben, freudig die Gotteskindschaft angenommen und
dann zog der Heilige Geist bei ihnen ein.

Wir hingegen, in unserer heutigen Gesellschaft leben ja nach dem Motto:
„Ich glaube nur, was ich sehen kann.“ Und daher resultieren auch die dämlichsten und dümmsten Witze über den Heiligen Geist. Wenn ich Ihn derart „auslade“ darf ich mich nicht wundern,
wenn Er nicht bei mir einzieht. Gott ist schließlich ein Gentleman, wer Ihn nicht will, dem
drängt Er sich auch nicht auf. Die Menschheit ist doch derzeit offen für alles, für Engel, für Wahrsagerei, Pendeln und Horoskope, fernöstliche Religionen und dergleichen. Warum nicht für etwas wirklich reales, nämlich den Heiligen Geist. Ob hier der große Widersacher seine Hand im Spiel hat ? Das ist übrigens nur eine rhetorische Frage.

3. Die Abgötter

Jetzt kommen wir zum Schluss noch zu einem etwas heiklen Thema. Wie wir es im Predigttext gelesen haben, taten die Thessalonicher alle Götzen von sich weg. Das machen wir natürlich auch. Oder etwa nicht ? Aber halt, was sind denn eigentlich Götzen ?

Götzen, liebe Gemeinde, sind alle Dinge und alles, was uns von unserem Herrn fernhält.
Das kann der Umgang mit Geld sein. Über Geld spricht man nicht. Doch, das tut man und
das muss man auch. Es ist keine Sünde, reich zu sein. Das sagt auch schon der Herr Jesus,
aber es ist eine Sünde, Geld allein für sich zu scheffeln nur um des Besitzes willen. Wie
stehen wir denn zu unserem Besitz. Nimmt er uns so stark in Besitz, dass wir keinen Blick
mehr für den Mitmenschen haben ? Wenn ja, dann ist es allerhöchste Zeit, einmal darüber nachzudenken.

Götzen können aber auch unsere geliebten Hobbys sein, wenn sie uns derart fesseln,
dass wir nur noch für diese zu leben scheinen. Götzen können sogar andere Menschen sein,
an die wir uns so stark binden, dass keine Bindung mehr zu unserem Herrn möglich ist.

Daher denke ich ist es ganz gut, wenn wir uns heute Nachmittag einfach mal ein Stündchen Zeit nehmen, um über unsere Götzen nachzudenken. Was hält mich derart gefangen, dass ich kaum
mehr Zeit für das Wort Gottes habe ? Ist es das wirklich wert im Angesicht der Ewigkeit.
Wenn ich nur noch einen Monat zu leben hätte, wären es mir diese Götzen wert, meine
Zeit mit ihnen zu verbringen.

Von den Thessalonichern erfahren wir eine erstaunliche einfache Lösung, wie sie die Götzen verbannt haben. Sie haben ihre Zeit genutzt, um dem einzigen, wahren und lebendigen Gott
zu dienen. Da blieb gar keine Zeit mehr für den Götzendienst. Eine gute Idee, finden Sie nicht auch ? Je mehr wir dem Herrn dienen, desto mehr wird Er Besitz von uns nehmen und
desto ferner sind alle Götzen von uns, denen wir bisher zu Diensten waren.

Diese dienende Einstellung zu Gott, unserem Vater, beschreibt der Liederdichter Bartholomäus Crasselius sehr schön in dem zweiten Vers seines Liedes: „Dir, dir, o Höchster, will ich singen…“, der da lautet, wie folgt:

Zieh mich, o Vater, zu dem Sohne,
damit dein Sohn mich wieder zieh zu dir;
dein Geist in meinem Herzen wohne
und meine Sinne und Verstand regier,
dass ich den Frieden Gottes schmeck und fühl
und dir darob im Herzen sing und spiel.

Der Herr schenke Dir die Freude an SEINEM Wort in Dein Herz
Der Herr lasse SEINEN Heiligen Geist für alle Zeit in Dir wohnen
Der Herr halte Dich fern, von allem, was Dich von IHM trennt
Amen.

Liebe Gemeinde,
ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche in der Gegenwart unseres Herrn.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr Ulrich Naber

Comments are closed.

Post Navigation