Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen Pfingstsonntag im Jahre 2014. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 8. Kapitel des Römerbriefes, die Verse 1-2 und die Verse 10-11. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

So gibt es nun keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind.
Denn das Gesetz des Geistes, der lebendig macht in Christus Jesus, hat dich frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes. Wenn aber Christus in euch ist, so ist der Leib zwar tot um der Sünde willen, der Geist aber ist Leben um der Gerechtigkeit willen. Wenn nun der Geist dessen, der Jesus von den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, so wird er, der Christus von den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen durch seinen Geist, der in euch wohnt.

Liebe Gemeinde,

Pfingsten, die Ausgießung des Heiligen Geistes, können wir damit heute im Jahre 2014 überhaupt noch etwas anfangen? Gelten wir nicht als fromme Spinner, wenn wir darüber berichten? Ich glaube ist ist auf ein gerüttelt Maß an Unkenntnis zurückzuführen, wenn wir so bezeichnet werden. Was geschah in einfachen Worten ausgedrückt vor 2000 Jahren mit der Ausgießung des Heiligen Geistes? Lassen Sie uns darüber heute Morgen ein wenig intensiver nachdenken.

1. Jesus ist wieder da

Die Kreuzigung, die Auferstehung und die Himmelfahrt, all das können wir physisch nachvollziehen. Das fällt uns allen sicherlich nicht all zu schwer. Aber der Heilige Geist ist etwas, das wir nicht sehen können.
Und daher glauben viele Menschen auch nicht an ihn.

Nun, es existieren viele Dinge, die wir nicht sehen können und die es trotzdem gibt. Kein Mensch würde wohl in Frage stellen, dass es elektrischen Strom gibt, nur weil er ihn nicht sehen kann. Jeder der einmal auf unliebsame Weise einen Stromschlag erlitten hat, kann berichten, wie schmerzhaft dies sein kann.

Mit dem Heiligen Geist ist es ebenso, wie mit dem elektrischen Strom.
Wir sehen ihn nicht, aber wenn wir ihn kennenlernen wollen, dann spüren wir sofort seine Allmacht.

Als Teil der Trinität ist Gott also seit Pfingsten wieder bei uns.
Luther nennt ihn den Tröster. In anderen Bibelübersetzungen finden wir den Namen „Beistand“.

Wir alle, die wir dem Herrn gehören, haben also einen unsichtbaren, aber spürbaren und erlebbaren Beistand um uns herum. Jeden Tag unseres Lebens. Überall, wo wir uns befinden ist er bei uns.

Und das schöne ist: Jeder kann ihn spüren, wenn er es denn will.

2. Die Freiheit

Jesus schenkt uns die Freiheit vom Gesetz. In seinem Heiligen Geist macht er uns immer wieder bewusst, dass es für uns das Gesetz der Sünde und der daraus resultierenden Opfer nicht mehr gibt.

Durch seine Allmacht und durch seine Allgegenwart zeigt er uns ja gerade, dass das, was er für uns am Karfreitag erlitten hat, ein für alle mal das letzte Opfer war. Mit seinem Tode hat er für all unsere Sünden die Strafe getragen.

Da er auch die Strafe für unsere zukünftigen Sünden getragen hat, könnten wir ja zu der Ansicht kommen, dass ein sündhaftes Leben keinerlei schädlichen Auswirkungen mehr für die Ewigkeit haben kann.
Aber Vorsicht, liebe Gemeinde, dies ist sicherlich so nicht richtig.

Das wissentliche und willentliche Beharren in der Sünde fällt nämlich nicht unter die Generalamnestie unseres Herrn.

Die Freiheit erhalten wir aber nur, wenn wir diese auch wirklich wollen.
Das Wollen reicht vollkommen aus, wir bekommen diese Freiheit von unserem Herrn nämlich geschenkt.

Und wie wir Menschen nun einmal sind, meinen wir für dieses Geschenk bezahlen zu müssen. Viele Konfessionen und Glaubensrichtungen haben verschiedene „opferähnliche“ Verhaltensweisen, die es einzuhalten gilt.
Und genau damit läuft die Sache auch schon wieder aus dem Ruder. Wir können gar nichts tun, um vor Gott etwas zu gelten. Alles wird uns geschenkt.

Natürlich dürfen wir uns bedanken, dass der Heilige Geist um uns herum ist; wir können ihn aber nicht „gnädig zu stimmen“ versuchen, indem wir bestimmte Rituale einhalten.

3. Die Wohnung des Heiligen Geistes

Ich mag es, wenn Kinder Fragen stellen. Sie tun dies ohne Hintergedanken, niemals wohlüberlegt, aber stets außerordentlich interessiert.

So wurde mir einmal von einem kleinen Jungen folgende Frage gestellt:
„Wo wohnt denn der Heilige Geist?“

Ich glaube, hier wird deutlich, was Jesus an dem kindlichen Glauben so besonders mag. Der kleine Junge stellte niemals in Frage, ob es den Heiligen Geist überhaupt gibt. Das war für ihn selbstverständlich. Er wollte nun wissen, wo er wohnt, damit er Kontakt mit ihm aufnehmen kann.

Ja, liebe Gemeinde, wo wohnt er denn, der Heilige Geist? Wir wissen es natürlich alle und sollen dies auch an unsere Mitmenschen weitergeben.
Der Heilige Geist wohnt in uns allen. Er möchte Wohnung in einem jeden von uns nehmen, der mit ihm zusammen sein möchte.

Nehmen wir einmal an, der Heilige Geist zieht neu bei einem Mitmenschen ein. Er zieht dann nicht so ein, dass er sich still und artig in einen bestimmten Winkel hockt und nur dann zum Vorschein kommt, wenn wir ihn denn dazu bitten. Nein, liebe Gemeinde, der Heilige Geist zieht mit Macht und Vollmacht ein.

Zunächst räumt er die Wohnung einmal gründlich auf, in die er Einzug gehalten hat. Alles, das, was da nichts mehr zu suchen hat, z.B. alle Süchte und Abhängigkeiten, aber auch alle Gottlosigkeit, die schmeißt er achtkantig heraus.

Und dann, ja dann füllt er diesen meist sehr, sehr leeren Raum mit seiner Gegenwart. Nach und nach kommen neue Möbelstücke in dieses seine neue Wohnung. Als erstes zieht dann vielleicht die Liebe dort ein. Aus dem ewigen Grantler wird so nach und nach ein doch recht liebenswerter Zeitgenosse.

Dann zieht das Wort Gottes dort ein. Die fragwürdigen Romane und andere Literatur werden durch einen Hunger nach der Bibel ersetzt. Und an die Stelle der Sehnsucht nach den alten Kneipenkumpanen tritt auf einmal der Wunsch nach Gemeinschaft mit Menschen, die diesen allmachtsvollen Einzug des Heiligen Geistes ebenfalls erlebt haben.

Also kurzum: Der Heilige Geist krempelt das gesamte Leben um. Das ist es, das Pfingstwunder.

Diesen Einzug des Heiligen Geistes in unser Leben beschreibt der Liederdichter Michael Schirmer sehr schön in dem 1. Vers seines Liedes „O Heilger Geist, kehr bei uns ein…“ (EG 130), der da lautet, wie folgt:

O Heilger Geist, kehr bei uns ein und lass uns deine Wohnung sein, o komm, du Herzenssonne.
Du Himmelslicht, lass deinen Schein bei uns und in uns kräftig sein zu steter Freudenwonne.
Sonne, Wonne, himmlisch leben willst du geben, wenn wir beten, zu dir kommen wir getreten.

Der Heilige Geist behüte Dich Dein ganzes Leben lang Der Heilige Geist tröste Dich in allen Nöten, Sorgen und Ängsten Der Heilige Geist gebe Dir die ewige Gewissheit, dass Du vom Tode zum Leben durchgedrungen bist

Amen.

Liebe Gemeinde,

mir wurde einmal gesagt: „Das alles habe ich niemals in meinem Leben gespürt.“ Das Wirken des Heiligen Geistes dürfen wir auch nicht mit einem kommunistischen Umerziehungslager vergleichen. Der Heilige Geist krempelt unser Leben um, ohne dass wir dies merken. Mit ganz viel Liebe und Geduld. Aber unsere Umwelt, die bekommt es schon mit, wenn auf einmal irgendetwas ganz anders ist mit uns.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen noch einen gesegneten Pfingstsonntag in der Gemeinschaft des Heiligen Geistes.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

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