Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen Gründonnerstag.
Traditionell gedenken wir am heutigen Tage der Einsetzung des Heiligen Abendmahles. Natürlich hat dies auch der heutige Predigttext zum Inhalt. Wir finden den Predigttext für den heutigen Tag im 1. Korintherbrief, Kaptel 10, die Verse 16-17. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Der gesegnete Kelch, den wir segnen, ist der nicht die Gemeinschaft des Blutes Christi ? Das Brot, das wir brechen, ist das nicht die Gemeinschaft des Leibes Christi ? Denn ein Brot ist’s: So sind wir viele ein Leib, weil wir alle an einem Brot teilhaben.

Liebe Gemeinde,

wir wissen alle, was das Heilige Abendmahl ist. Lassen Sie uns am heutigen Gründonnerstag einmal darüber nachdenken, in welche Richtungen wir bei dem Abendmahl schauen. Es sind 5 Blickrichtungen, die wir heute gemeinsam betrachten wollen.

1. Der Blick zurück

Bei dem Abendmahl denken wir zurück an den Gründonnerstag, an welchem Jesus das Heilige Abendmahl mit seinen Jüngern gefeiert hat. Wir werden uns durch das Abendmahl immer wieder so richtig bewusst, was unser Herr für uns getan hat, als er für uns den Kreuzestod gestorben ist. Und wir werden daran erinnert, dass wir dieses Mahl zum Gedächtnis an unseren Herrn feiern.

Unabhängig von allen liturgischen Streitigkeiten sagen wir innerlich:
Danke, Jesus für alles, was DU für uns getan hast.

2. Der Blick nach oben

Bei dem Abendmahl geht unser Blick auch nach oben. Nach oben, da wo sich unser Herr nunmehr befindet. Er sitzt nunmehr zur Rechten Gottes. Er ist ja nicht einfach von uns gegangen. Er hat uns ja gesagt, wo Er sich jetzt befindet. Und wenn wir Abendmahl feiern, dann dürfen wir gewiss
sein, dass unser Herr mitten unter uns ist.

Er will uns auch heute noch durch das Abendmahl in unserem Glauben stärken und uns für unser Leben in der Welt rüsten. Und wenn wir nach oben schauen, dann werden wir uns auch gewiss, dass wir das Abendmahl mit all denjenigen feiern, die uns im Glauben bereits vorausgegangen sind.

3. Der Blick in uns hinein

Diese Blickrichtung ist zugegebenermaßen die schwierigere. Denn hier geht es darum, wie es denn eigentlich mit unserem Glauben aussieht. Ein alter Ausleger hat einmal gesagt, dass die Abendmahlsliturgie die Liturgie ist, in welcher sich Himmel und Erde berühren. Und in diesem
Moment können wir, von Jesus geleitet, auch ganz tief in uns selbst hineinschauen.

Wir können und werden erkennen, was denn nicht unbedingt in Ordnung ist in unserem Leben und wir können und dürfen den Herrn bitten, dies wieder in Ordnung zu bringen. Bei diesem Blick nach innen dürfen wir auch ganz wir selbst sein. In diesem Moment sind wir ganz authentisch in der
Gegenwart Gottes. Hier ist auch kein Platz mehr für irgendein Rollenspiel.

Wenn wir von der reinigenden Kraft des Abendmahles reden, dann ist genau dies gemeint. Diese reinigende Kraft ist aber keine Oberlehrerschelte, sondern diese Reinigung geschieht allein durch die Liebe Gottes in uns. Gott liebt uns so sehr, dass Er uns von allem befreien möchte, was uns
bei einer Beziehung zu Ihm im Wege steht. Und darum dürfen wir Ihm bei dem Heilgen Abendmahl immer wieder bitten.

4. Der Blick um uns herum

Wenn wir der Einladung an den Tisch des Herrn folgen, dann tun wir dies, weil er uns sagt: Für dich ist ein Platz an meinem Tisch reserviert. Komm herbei, dein Namensschild steht schon an deinem Platz. Und das wirklich wunderbare ist, dass Gott für alle Menschen Namensschilder bereitgestellt hat. Alle, die mit uns zusammen Abendmahl feiern, sind genau so eingeladen, wie wir es sind.

Es gibt auch keine Rangordnungen im Reiche Gottes. Da steht der erfolgreiche Unternehmer neben dem Hartz IV-Empfänger und Beide haben die gleiche Einladung erhalten. Und wenn wir dann den Blick umherschweifen lassen, dürfen wir erkennen, dass wir alle, die wir hier stehen, eine einzige große Familie sind.

Dafür dürfen wir Gott in unserem Herzen danken, dass Er uns als Teil Seiner Familie haben will. Diese Familie hört aber nicht auf zu existieren, wenn wir den Abendmahlstisch verlassen. Gott will, dass wir auch unter der Woche immer wieder daran denken, dass wir alle Teile Seiner großen Familie sind. Daher ist es nicht nur in christlichen Kreisen durchaus üblich, sich mit Bruder oder Schwester anzureden.

Bei der Anrede soll es aber nicht bleiben. Wir sollen uns auch geschwisterlich verhalten. Wenn ein Mensch in Not ist, dann ist mein Bruder oder meine Schwester in Not. Und meine Geschwister lasse ich doch nicht hängen.

Gleiches gilt bei Krankheit und allen anderen Nöten und Problemen, die unsere Mitmenschen quälen. Wenn wir davon erfahren, sollen wir uns stets daran erinnern, dass sie ja zu unserer Familie gehören. Ähnlich verhält es sich, wenn wir selber in Not geraten. Gerade dann sollen sich unsere
Geschwister an ihre Familienpflichten erinnern.

Die Älteren unter uns hatten vielleicht noch das Glück in einer Großfamilie aufwachsen zu dürfen. Ich hatte dieses Glück auch. Ich kann nur sagen, dass ich viel in dieser Zeit gelernt habe. Ich habe gelernt, dass ältere Menschen mit Respekt zu behandeln sind. Ich habe gelernt, dass ältere Menschen nicht zum alten Eisen gehören, sondern unendlich viel von ihrer Lebensweisheit weitergeben können. Und ich habe gelernt, dass Probleme immer besser mit der Gemeinschaft, als allein gelöst werden können.

Da wir die Großfamilie in diesem Sinne eben nicht mehr haben, ist es um so wichtiger unseren Familienrahmen zu erweitern, so wie unser Herr dies von uns erwartet. Kümmern wir uns doch in unserer Umgebung und in unserem Alltag etwas mehr um die Menschen, die unserer Hilfe bedürfen.

5. Der Blick nach vorne

Wenn die ersten Christen das Abendmahl feierten, so war ihr Blick auf das Kommen des Herrn gerichtet. Daher riefen sie unisono „Maranata“, was mit „Komm Herr, ach komm doch bald“ übersetzt werden kann.

Da wir ja nun fast schon 2000 Jahre auf das Kommen des Herrn warten, gerät dieser Blickpunkt immer ein wenig ins Abseits. Aber denken wir doch immer daran: Das heißt nicht, dass unser Herr nicht morgen oder übermorgen wiederkommt. Auch heute noch sollen wir mit der Freude der
Urchristen rufen : „Maranata“.

Diese absolute Gewissheit in unseren Herzen, dass unser Herr wiederkommt bewahrt unsere Herzen auch vor vielen negativen Einflüssen. Wenn wir uns diese Freude im Herzen bewahren und sie hegen und pflegen, dann schauen wir mit ganz anderen Augen auf das, was in der Welt geschieht.

Angeblich wichtige Sachen werden ganz klein im Angesicht der Wiederkunft unseres Herrn. Dieser freudige Blick nach vorn ist auch ein probates Mittel, was uns wieder „auf Kurs“ bringt, wenn wir von der Jesuslinie in unserem Leben abgewichen sind, wenn auf einmal viele andere Dinge viel
wichtiger geworden sind, als unser Herr. Bei dem Abendmahl erfahren wir durch diesen Blickwinkel eine Kurskorrektur in unserm Leben.

Dass wir bei dem Abendmahl eine innere Wandlung erfahren drückt der Liederdichter Moritz Arndt sehr schön in dem zweiten Vers seines Liedes:
“ Kommt her, ihr seid geladen…“ aus, der da lautet, wie folgt:

Kommt her, verzagte Sünder, und werft die Ängste weg,
kommt her, versöhnte Kinder, hier ist der Lebensweg.
Empfangt die Himmelslust,
die heilge Gottesspeise, die auf verborgne Weise
erquicket jede Brust.

Der Herr stärke Dein Herz, damit Du IHM mit Freude dienen kannst
Der Herr gebe Dir stets die rechten Worte, um Deinen Geschwistern beizustehen.
Der Herr bewahre Dich auf Deinem Weg zu IHM und stärke Dich auf Deinem Weg mit IHM

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten restlichen Gründonnerstag.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

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