ePredigt zum 04.03.2012 (Johannes 19, 26-27)

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag Reminiszere.
Letzten Worten von berühmten Persönlichkeiten sind wir sicherlich alle schon einmal begegnet. So lauteten die letzten Worte von Dietrich Bonhoeffer unmittelbar vor seiner Hinrichtung: „Das ist das Ende. Für mich der Beginn des Lebens.“ Letzte Worte erinnern uns immer auch an die Endlichkeit unseres eigenen Lebens.

Was waren außer „Es ist vollbracht.“ eigentlich die letzten Worte unseres Herrn am Kreuz ?

Dies erfahren wir in unserem heutigen Predigttext. Wir finden den Predigttext im
Johannesevangelium, Kapitel 19, die Verse 26-27. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Als nun Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er liebhatte, spricht er zu seiner Mutter: Frau, siehe, das ist dein Sohn ! Danach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter ! Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.

Liebe Gemeinde,

wenn wir uns diese Worte betrachten, dann unterscheiden sie sich von allen ach so bekannten letzten Worten berühmter und weniger berühmter Persönlichkeiten. Wenn wir über diese Predigt eine Überschrift setzen wollen, so lassen Sie uns doch folgende auswählen:
FASZINATION JESUS.

Was macht eigentlich diese Faszination Jesus aus ? Lassen Sie uns darüber am heutigen Sonntag ein wenig näher nachdenken.

1. Kreuzesbotschaft

Liebe Gemeinde, da hängt nun Jesus am Kreuz und erleidet entsetzliche Qualen. Ich hätte alles erwartet, ich hätte erwartet, dass Jesus vor Schmerzen schreit. Ich hätte erwartet, dass Er einfach still die Qualen auf sich nimmt. Aber eines hätte ich nun wirklich nicht erwartet, nämlich, dass unser Herr sich sogar am Kreuz, von heftigsten Schmerzen gequält, um das Wohl der Menschen kümmert.

Wie unterscheiden sich doch letzte Menschenworte von letzten Gottesworten ! Dieses letzte Gotteswort will uns aber auch aufzeigen, dass eben das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Gott, der für uns in der Gestalt des Jesus von Nazareth am Kreuz hängt will uns wissen lassen:

Es geht noch weiter. Nichts ist zu Ende. Jesus will uns aufzeigen, dass es weitergeht. Mit Seinem Tode ist eben nicht alles aus, wie uns Atheisten so gern beweisen möchten. Mit Seinem Tod hat alles erst so richtig angefangen.

Daher hatte Jesus am Kreuz auch noch die Kraft, sich um uns zu kümmern.
Er wusste, dass es weitergeht, wenn Er diese Erde verlässt. Und erste Vorsorge trifft Er mit dem heutigen Predigttext. Dieser Predigttext hat zwei Adressaten: Den Jünger und Maria.

2. Die Jüngerbotschaft

Siehe, das ist deine Mutter, so lautet die Botschaft an den Jünger Jesu.
Nun muss man bedenken, dass der Stand einer Frau, wenn Angehörige verstarben äußerst dürftig war. In aller Regel bedeutete der Verlust der Angehörigen zugleich den Fall in die Armut hinein. Also brauchte eine Frau damals einen männlichen Fürsorger, um überhaupt irgendwie überleben
zu können. Und dieser wurde auch von Jesus, wie wir es gelesen haben direkt bestimmt.

Und dies ist auch noch ein Zeichen Jesus, dass Er uns heute setzt.

Das Prinzip Fürsorge, welches Jesus noch am Kreuz predigt, gilt uns auch heute noch. Gott stellt uns immer wieder Menschen an unsere Seite und gibt uns den göttlichen Auftrag der Fürsorge.

An dieser Stelle muss ich einmal sagen, dass christlicher Glaube ja nicht irgend etwas abstraktes ist, das einem Denkmodell ähnelt, über welches wir gelegentlich immer mal wieder diskutieren sollen. Nein, christlicher Glaube ist etwas ganz handfestes. Der Glaube ist etwas konkretes. Gott gebietet und wir sollen darauf hören.

Gewiss, liebe Gemeinde, Armut in dieser Form gibt es heute besonders in Deutschland so gut wie gar nicht mehr. Oder gibt es sie doch noch ? Es zeugt bestimmt nicht von Reichtum, wenn Eltern ihren Kindern kein Frühstück mit in die Schule geben können. Und es ist ganz bestimmt konkrete Armut, wenn tausende Kinder in Deutschland nur 2 x wöchentlich eine warme Mahlzeit erhalten. Und in diese Situation hinein werden wir gestellt als Christen. Wir, heute, ganz persönlich !!!

Verzeihen Sie mir, wenn ich dies so drastisch ausdrücke, aber hier können wir zeigen, was wir als Christen wirklich drauf haben. Es geht nicht nur um Spenden für eine Tafel oder für eine Schulspeisung. Es geht auch darum, dass wir ganz konkret mitarbeiten, so wie wir es können. Als
Christen sollen wir gerade da Flagge zeigen, wo es um Randgruppen geht, denen es eben nicht so gut geht, wie der Mehrheit von uns.

Aber es gibt ja nicht nur die materielle, sondern auch die geistliche Armut. In über 50 % der Haushalte finden wir schon keine Bibel mehr. Und ich möchte nicht wissen, in wie vielen Haushalten der Goldschnitt dieses Buches schon zusammengeklebt ist. Hier gilt es ebenfalls anzupacken, wo immer uns dies möglich ist.

Ich höre es leider immer wieder, die Worte: Ich kann einfach nichts für Gottes Reich tun. Ich empfehle immer wieder das Gebet. Gott wird uns schon zeigen wo Er uns wofür gebrauchen kann. Und wenn Er es uns gezeigt hat, dann sollen wir auch zügig zur Tat schreiten.

In dem Maße, wie es uns gelingt, die geistliche Armut zu bekämpfen, werden wir auch die materielle Armut erfolgreich zurückdrängen.

3. Die Marienbotschaft

Jesus hat also dafür gesorgt, dass Maria nicht materiell verarmen muss.
Wir haben gerade gehört, dass Jesus uns immer wieder Menschen anbefiehlt, um deren Wohl wir uns kümmern sollen.

Genauso befiehlt uns Jesus Menschen an, die sich um UNS kümmern. Auch wir sind von ähnlichen Problemen geplagt, wie Maria es war. Wer darf denn heute noch sicher sein, dass sein Einkommen im Alter noch einigermaßen ausreicht. Und wer darf denn noch auf die Sicherheit seines Arbeitsplatzes bauen, wie es noch vor 20 Jahren der Fall war.

Und gerade hier kommt die Botschaft von Jesus auch für uns zum Tragen. Er sagt uns: Mach dir keine Sorgen, ich bin da. Ich war gestern für dich da und ich bin heute für Dich da. Und ich werde auch in Zukunft für dich da sein.

Wenn wir diese Zusage Jesu für uns in Anspruch nehmen, diese Zusage, die all unsere Sorgen relativiert, dann können wir doch alle wieder ein fröhliches Christenleben führen. Gewiss, Probleme wird es in jedem Leben geben. Wir werden bei einem Leben mit Jesus ganz bestimmt nicht „Reich
wie Scheich.“ Und eine Garantie für körperliche Unversehrtheit ist unser Glaube nun auch nicht .

Aber wenn wir unser Leben allein Ihm, in Seine liebenden Hände geben, dann werden wir gerade in den schwersten Stunden unseres Lebens auch Fürsorger an unserer Seite haben, die uns ein Stück weit auf unserem Wege begleiten. Wir nennen sie ja so gern Engel in Menschengestalt. Und
wenn sie ihren Auftrag, den sie von Gott bekommen haben richtig verstehen, dann sind sie es auch ein Stück weit. Das ändert natürlich nichts an der Tatsache, dass wir allezeit unseren Herrn an unserer Seite haben. Nur manchmal benötigen wir halt die konkrete Hilfe von „sichtbaren Engeln“ (Menschen).

Nun kommt jetzt noch ein kleines Problem. Wir müssen auch auf das hören, was uns diese „Engel“ zu sagen haben. Es mag ja sein, dass wir uns auf einem Weg befinden, der uns ganz weit weg von Gott führt. Wenn dann einer dieser „Fürsorger“ auftritt sollen wir auch in Demut erkennen,
dass wir falsch lagen und seiner Ermahnung Beachtung schenken. Ein „Dich schickt der Himmel“ allein ist zu wenig.

Wenn wir unser Christenleben wieder so verstehen, dass wir Fürsorger für unsere Mitmenschen hier auf Erden sind und dass unsere Mitmenschen Fürsorger für uns auf Erden sind, dann verstehen wir auch, was es mit der Faszination Jesus und Seinem Auftrag an uns auf sich hat.

Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen. So sagt es uns der Galaterbrief. Und diesen Auftrag wollen wir beherzt annehmen.

Da wir mit den letzten Worten von Dietrich Bonhoeffer begonnen haben, wollen wir auch mit dem Liedvers seines wohl bekanntesten Liedes schließen, der da lautet, wie folgt:

Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

Der Herr gebe Dir die Kraft, ein Fürsorger für Menschen zu sein, die Deine Hilfe benötigen
Der Herr gebe Dir den Mut, Deinen Fürsorgern zu vertrauen, die ER Dir sendet
Der Herr lege Dir allezeit SEINEN immerwährenden göttlichen Frieden in Dein Herz

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber