Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen Trinitatisfest. In den Predigttexten der nächsten Monate beschäftigen wir uns mit der Dreieinigkeit Gottes, der Kirche im besonderen und damit, was wir für unser Leben daraus lernen und auch umsetzen können.

Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im Epheserbrief, Kapitel 4, 11-15. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Und er hat einige als Apostel eingesetzt, einige als Propheten, einige als Evangelisten, einige als Hirten und Lehrer, damit die Heiligen zugerüstet werden zum Werk des Dienstes. Dadurch soll der Leib Christi erbaut werden, bis wir alle hingelangen zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes, zum vollendeten Mann, zum vollen Maß der Fülle Christi, damit wir nicht mehr unmündig seien und uns von jedem Wind einer Lehre bewegen und umhertreiben lassen durch trügerisches Spiel der Menschen, mit dem sie uns arglistig verführen. Lasst uns aber wahrhaftig sein in der Liebe und wachsen in allen Stücken zu dem hin, der das Haupt ist, Christus.

Liebe Gemeinde,

was ist eigentlich Kirche ? Sind es die prächtigen Gebäude, oder aber die mit Talaren geschmückten Amtsträger oder ist es die Summe aller religiösen Rituale, die für die Kirche stehen ? Nein, das ist Kirche nicht. Wir alle sind Kirche, wir alle, die wir den Herrn Jesus Christus als unseren Erlöser angenommen haben sind Teile des gesamten Werkes Kirche. Wie diese Kirche aufgebaut ist und wie sie funktioniert, darüber erfahren wir etwas in unserem heutigen Predigttext. Lassen Sie uns daher
am heutigen Sonntag der Frage ein wenig näher nachgehen woraus die Kirche besteht und wo unser Platz dort ist.

1. Die Ämter

Zunächst erfahren wir, dass Kirche aus verschiedenen Ämtern besteht, die sich einander ergänzen. Zwei Dinge sind dabei ganz wichtig. Jedes Amt ist von seiner Wertigkeit her gleich. Derjenige, der das Amt des Verkündigers ausübt hat genau den gleichen Stellenwert, wie derjenige, der für die Organisation zuständig ist. Ganz wichtig sind auch die ersten Worte unseres heutigen Predigttextes: „Und er hat…eingesetzt“

Kirchliche Ämter stehen nicht einfach so zur Verfügung oder können beliebig besetzt werden. Nein, unser Herr beruft einen jeden in sein Amt hinein. Und hier kommen wir auch schon zu einem großen Dilemma. Häufig sind wir es, die wir OHNE Gebet und Bitte um geistige Führung Personen einfach so in ein Amt hineinwählen und uns hinterher wundern, wieso das alles nicht so richtig funktioniert.

Wir sollten wieder alle dahin zurückkehren und unter Gebet unsere Ämter besetzen. Wenn wir von Jesus in ein Amt hineinberufen werden, dann müssen wir auch diesem Ruf folgen. Der beste Weg, ein unerfülltes und frustrierendes Leben zu führen ist der, sich immer weiter von Gott und Seinem Auftrag für uns zu entfernen. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir ein erfülltes und glückliches Leben führen können, wenn wir der Stimme Gottes vertrauen und das machen, was ER uns aufträgt.
Insbesondere, wenn es um den Bau Seiner Kirche geht.

2. Die Funktion

Jedes Amt für sich betrachtet ist wenig aussagefähig. Aber wenn wir uns die Ämter ein wenig näher betrachten, dann sind sie untrennbar miteinander verknüpft. Einer allein, und das weiß Gott natürlich auch, kann niemals alle Ämter in Personalunion ausüben. Wenn jeder das ihm übertragene Amt gewissenhaft ausübt, dann entsteht ein großes stimmiges Ganzes daraus. Ein Puzzle entsteht auch nicht dadurch, dass man die einzelnen Teile irgendwie zusammenpfriemelt, sondern indem man sie gewissenhaft ineinanderfügt.

So will es Gott auch, dass wir ZUSAMMEN arbeiten in unserer Kirche und nicht gegeneinander. Wenn wir zusammen Kirche bauen wollen, dann ist es wenig hilfreich, wenn große Staatskirchen und immer mehr Freikirchen sich um Kleinigkeiten streiten.

Zusammen heißt aber auch, dass wir lernen müssen, uns zurückzunehmen. Wir müssen lernen und erkennen, dass wir nicht alles alleine können und dass es Brüder und Schwestern gibt, denen Gott gerade die Begabungen gegeben hat, die wir nicht haben. Da müssen wir auch nicht neidisch auf
unsere Geschwister sein. Nein, wir sollen die Zeit, die wir haben, ganz unseren Gaben, Fähigkeiten und Talenten widmen.

Und wenn dem Bruder oder der Schwester neben uns einmal ein Stück weit mehr Anerkennung zuteil wird, dann ist das natürlich kein Anlass dafür, dass wir uns in unseren Schmollwinkel zurückziehen. Wir dürfen uns darüber mitfreuen, arbeiten wir doch alle an dem ganzen großen Projekt Kirche zusammen. Wenn einer etwas besonders gut gemacht hat, dann kommt das schließlich allen zugute.

3. Warum das alles ?

Ein reichlich komischer dritter Punkt. So habe ich es auch gedacht. Aber, es muss ja alles einen Sinn haben. Gott setzt ja nicht Menschen in Ämter ein und überträgt ihnen Funktionen so ganz ohne Sinn.

Wenn wir zur Einheit des Glaubens gelangen wollen und zur Erkenntnis dann geht es eben nur über den eben beschriebenen Weg. Deshalb ist auch eine christliche Gemeinschaft so wichtig. Jeder hat Fragen, Probleme und Nöte. Gerade in der Gemeinschaft kann er von anderen aufgefangen werden.
In der Gemeinschaft können offene Fragen geklärt werden. Und gerade in der Gemeinschaft kann jemand Trost und Unterstützung finden, der vollkommen niedergeschlagen ist.

Gerade, wenn wir allein sind dann hat der Teufel ein ganz leichtes Spiel. Wenn wir alleine sind, dann folgen wir schnell einem jeden neuen Trend, der sich uns darbietet. Die Gemeinschaft hingegen kann uns wieder zur Besinnung bringen. Viele neue Trends tragen letztendlich nur dazu
bei, dass wir uns als Kirche immer mehr voneinander weg bewegen als aufeinander zuzugehen.

Denken wir nur einmal an den großen Abendmahlsstreit zwischen der evangelischen und der katholischen Kirche. Streitereien, ich will sie mal so nennen, um des Kaisers Bart, finden wir auch in dem Verhältnis vieler Freikirchen untereinander. Es geht immer wieder nur um Kleinigkeiten, die uns voneinander trennen. Im großen ganzen glauben wir das gleiche. Und das ist für den Teufel gefährlich. Daher muss er die Einheit zerschlagen und viele kleine Splittergruppen daraus machen. Die dann einzeln zu beeinflussen ist wesentlich leichter, als eine große Einheit umzustimmen.

Wohlgemerkt, ich habe nichts gegen Staatskirchen und Freikirchen. Lassen Sie mich ein Beispiel nennen. In meiner Jugend gab es in meiner Heimatstadt evangelische und katholische Kirchen, sowie eine Freikirche. Heute haben wir neben den evangelischen und katholischen 12 Freikirchen
in unserer Stadt beheimatet. Alle diese Freikirchen sind aus einer einzigen hervorgegangen, weil es immer wieder Streitereien um „Kleinigkeiten“ gab. Wenn wir uns immer nur über das unterhalten was uns trennt, wird die Kirche sich immer weiter spalten. Wenn wir uns hingegen einmal nur über das unterhalten, was uns verbindet, haben wir die große Chance doch noch zur Einheit des Glaubens zu kommen.

Und dies ist uns Auftrag und Aufgabe zugleich, dass wir an der großen Einheit da mitarbeiten, wo Gott uns hingestellt hat ausgestattet mit unseren ureigenen Fähigkeiten, Begabungen und Talenten, die Er uns geschenkt hat. Lassen Sie uns die kommenden Wochen nach Trinitatis doch ein wenig mehr darüber nachdenken, wie wir Streitereien vermeiden und mehr Einheit und Frieden stiften können.

Der Liederdichter Nikoluas Ludwig von Zinzendorf beschreibt in dem Lied „Herz und Herz vereint zusammen…“ ein Stück weit die Einheit, die wir anstreben sollen. Der erste Vers dieses Liedes lautet sehr schön, wie folgt:

Herz und Herz vereint zusammen
sucht in Gottes Herzen Ruh.
Lasset eure Liebesflammen
lodern auf den Heiland zu.
Er das Haupt, wir seine Glieder,
er das Licht und wir der Schein,
er der Meister, wir die Brüder,
er ist unser, wir sind sein.

Der Herr lasse Dich Deine Begabungen entdecke, die ER Dir geschenkt hat
Der Herr helfe Dir, Deine Fähigkeiten und Talente in SEINEN Dienst zu stellen
Der Herr zeige Dir immer wieder neue Wege, wie Du zur Einheit des Glaubens beitragen kannst

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche. Ein kleiner Hinweis in eigener Sache: Sie erreichen mich neben der bekannten eMail-Adresse naber@epredigt.de ab sofort auch über meine neue eMail-Adresse ulrichnaber@email.de

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

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