Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag, dem Palmsonntag.
Leid und Freude liegen häufig sehr dicht beieinander. Die gleiche Menschenmenge, die am Palmsonntag noch „Gelobt sei der da kommt im Namen des Herrn“ gerufen hatte, die rief 5 Tage später „Kreuzigt ihn“. Wohlgemerkt, es ging um die gleiche Person. Unser heutiger Predigttext
beschäftigt sich auch mit dem Thema Leid, aber auch mit praktischen Ratschlägen, wie wir auch 2500 Jahre später mit unserem Leid umgehen können.
Wir finden den Predigttext im 50. Kapitel des Propheten Jesaja, die Verse 4-9. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Der Knecht Gottes im Leiden

Gott der Herr hat mir eine Zunge gegeben, wie sie die Jünger haben, dass ich wisse, mit den Müden zu rechter Zeit zu reden. Alle Morgen weckt er mir das Ohr, dass ich höre, wie Jünger hören. Gott der Herr hat mir das Ohr geöffnet. Und ich bin nicht ungehorsam und weiche nicht zurück. Ich
bot meinen Rücken dar denen, die mich schlugen, und meine Wangen denen, die mich rauften. Mein Angesicht verbarg ich nicht vor Schmach und Speichel. Aber Gott der Herr hilft mir, darum werde ich nicht zuschanden. Darum hab ich mein Angesicht hart gemacht wie einen Kieselstein; denn ich weiß, dass ich nicht zuschanden werde. Er ist nahe, der mich gerecht spricht; wer will mit mir rechten ? Lasst uns zusammen vortreten ! Wer will mein Recht anfechten ? Der komme zu mir ! Siehe, Gott der Herr hilft mir; wer will mich verdammen ? Siehe, sie alle werden wie Kleider zerfallen, die die Motten fressen.

Liebe Gemeinde,

wir schreiben das Jahr 600 vor Christi Geburt. Juda war praktisch zerstört. Die Führungsschicht des Landes wurde verbannt und eine allgemeine Resignation und Niedergeschlagenheit macht sich breit. In diese ausweglos erscheinende Situation hinein schickt Gott einen Boten mit einer wichtigen Botschaft an alle die niedergeschlagen sind. Es sind drei Kernpunkte, die Gott durch seinen Botschafter ausrichten lässt.

1. Redet mit Jüngerzungen

Denken wir doch einmal an unseren letzten Bundespräsidenten, Herrn Wulff. Irgendwann kam ein Gerücht auf, dass etwas nicht so gelaufen ist, wie es eigentlich hätte sein sollen. Medien aller Art fanden schnell ein weiteres Vergehen. Und eh man sich versah, war der gute Ruf ramponiert.
Die Gerüchtespirale hatte wieder einmal zugeschlagen. Aus heißer Luft war in den Köpfen der Menschen ein richtiges Desaster entstanden. Ähnlich war es sicherlich auch vor über 2500 Jahren in Juda gewesen.

Gegenseitig zogen sie sich so richtig runter. Der eine hatte gehört, dass alle Felder abgebrannt werden sollen, der nächste wusste schon etwas von Brunnen, die angeblich trocken gelegt werden sollten und wieder andere berichteten etwas von weiteren Deportationen. In den Köpfen der Menschen liefen wahre Horrorszenarien ab. Und in diese gespannte Situation hinein sagt Gott, der Herr „Redet mit Jüngerzungen“.
Was will er denn damit sagen ? Sollten die Menschen in Juda einfach so weiterleben, wie bisher ? Nein, ganz gewiss nicht. Aber sie sollten eines lernen, sie sollten lernen, einander aufzubauen, anstatt immer wieder zu klagen und zu jammern. Ein Mensch, der Gott fürchtet, vertraut sich und sein Leben allein Gott an. Er vertraut darauf, dass sein Vater im Himmel immer nur das Beste mit ihm vorhat. Und wer derart vertraut, der hat überhaupt keinen Platz mehr für Jammerei und Klagerei.

Eigentlich könnten wir doch daraus lernen. Und was machen wir häufig. Genau das Gegenteil, es wird geklagt und gejammert, was das Zeug hält. Was war das Gejammer vor einigen Jahren in der Autoindustrie groß. Tausende fürchteten um ihren Arbeitsplatz. Und was passiert gerade ? Es
werden an alle Mitarbeiter vierstellige Boni ausgeschüttet, weil die Werke so große Gewinne gemacht haben.

Jammern und klagen macht also keinen Sinn, insbesondere, wenn man bedenkt, dass in der Tat 90 % aller Katastrophen vor denen wir uns fürchten, gar nicht eintreffen. Zudem kostet jammern und klagen genau so viel Energie wie die Suche nach etwaigen Auswegen und Alternativen.

2. Höret mit Jüngerohren

Haben Sie schon einmal einen handfesten Streit von außen beobachtet ? In den meisten Fällen besteht er aus einem unsäglichen Gebrüll, wo keiner mehr den anderen versteht, weil er damit beschäftigt ist noch lauter zu brüllen als sein Gegenüber. Das hat mit Hören mit Jüngerohren überhaupt nichts mehr zu tun.

Der Prophet richtet sich an die Niedergeschlagenen, die Müden und Ermatteten und sagt ihnen: Hört doch auf mit der Schreierei. Seid doch wieder mal ganz stille und hört darauf, was Gott euch sagen will. Und dann richtet euch danach. Wenn ihr das tut, dann habt ihr auch keinen Grund mehr zum schreien und jammern.

Das ist es doch, was uns auch heute wieder gut zu Gesicht stehen würde, ein aktives hören auf das, was Gott uns sagen will. Aber was macht der überwiegende Teil der Menschheit, wenn Probleme auftauchen ? In hektischer Betriebsamkeit wird in aller Schnelle nach Lösungen gesucht.
Umgeben von dem Sorgenschirm hat man den Blick überhaupt nicht mehr frei für alternative und noch dazu bessere Lösungen. Man wuselt vor sich hin, bis man den Karren endgültig an die Wand gefahren hat.

Wie wäre es, wenn man Gott um Seinen Rat und Beistand bittet und dann einmal in aller Stille und Ruhe abwartet, was Gott uns denn sagen will. Ich glaube, es wäre die gescheitere Lösung. Gott will nämlich nicht, dass wir den Karren unseres Lebens vor die Wand fahren. Gott möchte nicht, dass auch nur eines Seiner Kinder zuschanden kommt.

Das mit dem Hören hat aber noch eine zweite Bewandtnis. Wir sollen auch wieder lernen, einander zuzuhören. Wie schnell würgen wir doch den anderen ab, der uns etwas erzählen will. Und wenn sich jemand mit einem Problem an uns wendet, schaffen wir es überhaupt noch intensiv zuzuhören
? Lassen Sie uns an die alte Faustregel denken, die nach wie vor gilt:
„Gott hat uns zwei Ohren und einen Mund gegeben, damit wir doppelt soviel zuhören als sprechen sollen.“

Wenn uns dies gelingt, kommen wir ganz automatisch zu einem harmonischen Miteinander. Wir sind keine Herde von Einzelpersonen, die ihre Sorgen herausbrüllen, sondern eine echte Gemeinschaft, die sich der Sorgen des jeweils anderen annimmt und mit Rat und Tat zur Seite steht. Und wo dies geschieht, verschwindet ein großer Teil aller Sorgen von ganz allein.

3. Die große Abrechnung

Gott schickt diesen Satz zum Trost und Vertrauen an Sein Volk. Wer leidet, der möchte sich doch am liebsten sofort an seinem Peiniger rächen. Wie du mir, so ich dir. Das geistert doch nach wie vor in unseren Köpfen herum.

Doch da greift Gott ein, indem Er versichert: Am Ende werde ich mit allen abrechnen, die euch Böses getan haben. Da wird es dann keine Ausreden und Ausflüchte mehr geben. Da wird Gott den Nazischergen mit dem Juden zusammen vortreten lassen, den er zu Tode gefoltert hat. Da wird auch der Ehebrecher mit seiner Frau zusammen vortreten, die er mit vier Kindern allein gelassen hat. Keiner wird sich im Gericht mehr seiner Verantwortung entziehen können.

Was bedeutet dies für uns ganz praktisch. Egal, was auch geschieht, ob wir gedemütigt werden, am Arbeitsplatz gemobbt werden oder auf andere Weise angegriffen werden. Immer dürfen wir uns darauf verlassen, dass einmal der Tag der Abrechnung kommen wird. Und an diesem Tage werden
unsere Peiniger nicht mehr über uns stehen.

Natürlich heißt das nicht, dass wir alles Unrecht in seelischer Ruhe ertragen sollen. Aber es gibt sicherlich Situationen, in denen wir uns nicht wehren können. Und genau diese Situationen vergisst Gott nicht in Seinem großen Weltgericht. Darauf sollte sich auch das Volk Juda verlassen. Wenn ich all diese Dinge Gott anbefehlen kann, dann führe ich auch wieder ein ruhiges friedvolles Leben, da mich die Rache nicht zerfressen kann. Und ich habe die feste Gewissheit der göttlichen Gerechtigkeit. Diese Gerechtigkeit kann aber auch so weit gehen, dass Gott meinem Peiniger seine Sünden verzeiht, wenn er diese ehrlich bereut und ebenfalls ein Jünger im Reiche des Herrn wird.

Auf Gottes Wort hören, Sein Wort in die Tat umsetzen und alle Dinge, die ich nicht mehr beeinflussen kann Gott anbefehlen, das war vor 2500 Jahren bestimmt nicht der schlechteste Rat an Menschen, die vor lauter Sorgen nicht mehr ein noch aus wussten. Und dieser Rat gilt auch heute
noch. Wir müssen ihn nur in die Tat umsetzen.

Wenn wir bei diesem Unterfangen einmal die Hilfe unseres Herrn benötigen, dann dürfen wir sicher sein, dass Er stets gegenwärtig ist. Dies beschreibt der Liederdichter Georg Weisel sehr schön in dem dritten Vers seines Liedes „Such, wer da will, ein ander Ziel…“, der da lautet, wie folgt:

Such, wer da will, Nothelfer viel,
die uns doch nichts erworben;
hier ist der Mann, der helfen kann,
bei dem nie was verdorben.
Uns wird das Heil durch ihn zuteil,
uns macht gerecht der treue Knecht,
der für uns ist gestorben.

Der Herr gebe Dir die Kraft, wie ein Jünger zu reden
Der Herr gebe Dir die Sensibilität, wie ein Jünger zu hören
Der Herr schenke Dir Gelassenheit, SEIN Eingreifen abzuwarten

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und verabschiede mich bis zum nächsten Donnerstag, dem Gründonnerstag.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

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