ePredigt vom 31.12.2014 (Lukas 12, 35-40)

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen Altjahrsabend. Jetzt warten wir schon fast 2000 Jahre darauf, dass unser Herr wiederkommt.
Und wieder ist ein Jahr in’s Land gegangen und wieder ist er nicht gekommen. Lassen Sie uns doch einmal schauen, was uns unser heutiger Predigttext, den wir im 12.Kapitel des Lukasevangeliums, die Verse 35-40 finden, dazu sagen möchte:

Lasst eure Lenden umgürtet sein und eure Lichter brennen und seid gleich den Menschen, die auf ihren Herrn warten, wann er aufbrechen wird von der Hochzeit, damit, wenn er kommt und anklopft, sie ihm sogleich auftun. Selig sind die Knechte, die der Herr, wenn er kommt, wachend findet. Wahrlich, ich sage euch: Er wird sich schürzen und wird sie zu Tisch bitten und kommen und ihnen dienen. Und wenn er kommt in der zweiten oder in der dritten Nachtwache und findet’s so: Selig sind sie.
Das sollt ihr aber wissen: Wenn ein Hausherr wüsste, zu welcher Stunde der Dieb kommt, so ließe er nicht in sein Haus einbrechen. Seid auch ihr bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, da ihr’s nicht meint.

Liebe Gemeinde,

in den ersten Monaten und Jahren nach der Himmelfahrt unseres Herrn war es für die Christen der damaligen Zeit sonnenklar, dass der Herr alsbald wiederkommt. Doch als so einige Jahre ins Land gegangen waren, da kamen dann doch die ersten Zweifel auf. Und in diese Zeit hinein spricht unser heutiger Predigttext. Und da wir auch heute noch auf das Kommen unseres Herrn warten, gilt dies, was uns der Predigttext sagt, auch für uns heute im beinahe schon Jahre 2015.

Zunächst einmal dürfen wir sicher sein, dass Gott alle seine Verheißungen erfüllt. Wenn wir uns nur einmal die Anzahl der erfüllten Prophetien anschauen, dann finden wir in der Bibel nahezu 700 Prophezeiungen, die sich bereits erfüllt haben. Also sollten wir auch DER Prophezeiung Glauben schenken, die besagt, dass unser Herr eines Tages wiederkommen wird.

Was sollen wir in der Zwischenzeit tun? Wir sollen ihn so erwarten, als ob er heute noch käme. Wir sollen also wachsam sein mit allen Sinnen unseres Körpers. Lassen Sie uns am heutigen Altjahrsabend überlegen, wie wir es anstellen können, den Herrn so zu erwarten, wie er es sich wünschen würde.

1. Mit dem Körper wachen

Unser Körper ist der Tempel in dem unser Herr Wohnung nehmen möchte.
Also sollten wir auf unseren Körper achten. Ich meine hier keinen übertriebenen Fitnesskult und eine Schönheitsoperation nach der anderen.

Unser Körper besteht ja bekanntermaßen eben nicht nur aus der äußeren Hülle (obwohl ich mir da bei manchen Zeitgenossen nicht mehr so ganz sicher bin), sondern auch aus dem, ich nenne es einmal, körperlichen Innenleben.

Mit diesem sollen wir besonders pfleglich umgehen. Ich kann mich mit Nikotin, Alkohol und Fastfood vollstopfen, darf mich dann aber auch nicht wundern, wenn dieser Körper, dem ich das antue, das irgendwann einmal nicht mehr mitmacht. Das heißt natürlich nicht, dass wir uns heute Abend kein Glas Sekt, Bier oder Wein trinken dürfen. Es soll nur nicht die Regelmäßigkeit werden.

Gerade im angetrunkenen Zustand sind wir willfährige Opfer der satanischen Machenschaften. Denken wir nur einmal an die nun herannahende Karnevalszeit. Wie viele Ehen werden in dieser Zeit durch betrügerisches Verhalten aufs Spiel gesetzt.

Halten wir es doch mit den großen Glaubenshelden der Bibel. Prüfen wir alles und das Gute behalten wird dann. Dann können wir sicherstellen, dass wir unseren Herrn auch in einem körperlichen Zustand empfangen können, der ihm zur Ehre gereicht.

2. Mit dem Geist wachen

Liebe Gemeinde, was tun wir nicht alles unserem Geiste an. Ich nehme nur einmal ein aktuelles Beispiel aus der Computerszene. Ich habe den Eindruck dass der Markt der Computerspiele immer brutaler wird. In jedem dieser Ballerspiele geht es darum, so viele Gegner, wie möglich zur Strecke zu bringen. Und wenn es mich dann einmal persönlich betrifft, ist ja gar nicht so schlimm, ich habe ja noch 5 Restleben.

Wir dürfen uns nicht wundern, wenn geistige Veränderungen bei Dauerkonsumenten derartiger Spiele irgendwann auftreten. Das, was ich den ganzen Tag mache, das bestimmt dann irgendwann auch mein Denken und Handeln. Und dann ist es auf einmal nicht mehr so ganz verwunderlich, wenn ein 14 jähriger Schüler mit der Waffe in der Hand so ein Spiel in die Realität umsetzt.

Oder denken wir nur an die vielen Jugendlichen, auch deutsche Jugendliche, die sich von dem „Islamischen Staat“ zu Kriegern ausbilden lassen. Können wir dies überhaupt verhindern? Liebe Gemeinde, ich sage einmal, Ja, das können wir.

Wenn wir oben unseren Geist mit guten Dingen füttern, dann kommt unten, also an Armen, Händen und Beinen auch Gutes heraus. Halten wir doch unseren Geist fern von diesen und anderen Einflüssen, die versuchen uns in ihren Bann zu ziehen.

Wenn wir unsere Kinder und Jugendliche davor bewahren wollen, dann sollten wir mit einem guten Beispiel vorangehen. Wir könnten zum Beispiel wieder regelmäßig Gottes Wort lesen. Wir könnten anstelle des abendlichen Krimis auch einmal wieder in die Bibelstunde gehen. Auch die Bibel hat ganz spannende Geschichten zu bieten. Wenn wir dies tun, dann bringen wir unseren Geist automatisch in eine „Hab acht“ Position, die ihn auf das Kommen des Herrn einstimmt.

Wenn wir dies vormachen, dann wird das in unseren Kindern nicht ohne Wirkung bleiben. Wo Gott bei Tisch wieder ein Thema ist, da machen wir alle am Tisch auch wieder neugierig auf diesen Gott. Dann kann die Jungschar auch wieder eine ernstzunehmende Konkurrenz zur Playstation werden.

Dass dies Gott sei Dank alles kein frommes Wunschdenken ist, das habe ich in vielen Familien beobachten können. Wir, also die Älteren, müssen nur den Anfang machen. Von alleine kommt da gar nichts.

3. Mit der Seele wachen

Auf Körper und Geist Acht haben, das kann ich mir ja noch ganz gut vorstellen, aber auf die Seele zu achten, wie soll das denn gehen? Nun, ich denke, dass dies eher passiv möglich ist.

Wenn ich dem Heiligen Geist die Möglichkeit geben will, bei mir einzuziehen und dauerhaft bei mir Wohnung zu nehmen, dann geht dies in unserer hektischen Zeit nicht mal eben so im Vorbeigehen.

Wir müssen es, glaube ich, alle wieder lernen, vor Gott zur Ruhe zu kommen, um zum Frieden unserer Seele zu gelangen. Wir müssen dem Heiligen Geist auch die Möglichkeit geben, überhaupt in uns arbeiten zu können.

Zugegeben, jetzt in der etwas ruhigeren Zeit mag dies auch einfacher sein. Aber wenn wir ab der nächsten Woche alle wieder in unserem gewohnten Alltagsstress sind, dann könnte dies schon etwas schwieriger werden.

Daher ein kleiner Tipp: Schaffen wir uns doch Oasen der Ruhe in unserem Alltag. Analysieren wir doch einmal, wo wir diese Zeitfenster einrichten können. Ich hab da auch ein paar Ideen. Wie wäre es mit der stillen Zeit morgens früh, wen wir eine Viertelstunde früher aufstehen?

Wie wäre es, wenn wir auf der morgendlichen Fahrt zur Arbeit und der abendlichen Heimfahrt Radio, MP3-Player und andere Beschallungsgeräte ausstellen und uns auf Gott und sein Wirken in uns besinnen.

Ich bin sicher, wir werden etlichen Zeiten finden, in denen wir auch wieder seelisch zur Ruhe finden können. Und dann kann auch der Heilige Geist in uns so wirken, dass wir es spüren, fühlen und direkt erleben können. Probieren wir es doch gleich um 0.00 Uhr einmal aus. Versuchen wir uns doch einmal auf das Läuten der Kirchenglocken zu konzentrieren und nicht so sehr auf das Feuerwerk um uns herum.

Und nun bleibt mir nur noch, Ihnen allen einen gesegneten Altjahresabend und einen besinnlichen Übergang in das Jahr 2015 zu wünschen. Ich hoffe, wir sehen uns morgen in der Frühe wieder.

Danken für das alte Jahr und bitten für das neue Jahr können wir gemeinsam, wenn wir in den 1. Vers des Liedes „Das alte Jahr vergangen ist…“ (EG 59), und in den 1. Vers des Liedes „Hilf, Herr Jesu, lass gelingen…“ (EG 61) einstimmen, die da lauten, wie folgt:

Das alte Jahr vergangen ist; wir danken dir, Herr Jesu Christ, dass du uns in so großer G’fahr so gnädiglich behüt auch dieses Jahr.

Hilf, Herr Jesus, lass gelingen, hilf, das neue Jahr geht an; lass es neue Kräfte bringen, dass aufs neu ich wandeln kann.
Neues Glück und neues Leben wollest du aus Gnaden geben.

Der Herr lege auch im Jahre 2015 seinen Frieden in Dein Herz hinein Der Herr bewahre Dich auch im Jahre 2015 vor Nöten und Gefahren Der Herr sei auch im Jahre 2015 Dein starker Fels in der Brandung

Amen.

Liebe Gemeinde,

nunmehr wünsche ich Ihnen und all Ihren Lieben einen gesegneten Altjahrsabend.

Bis zum morgigen Tage möge der allmächtige Gott schützend seine Hand über Sie alle halten.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber