ePredigt vom 31.12.2010 (Jesaja 30;15-17)

Liebe Gemeinde,

seien Sie alle herzlich gegrüßt am heutigen Altjahrsabend im Jahre des Herrn 2010. Während viele Menschen versuchen, mit Böllerschüssen und anderem Feuerwerk die bösen Mächte und Geister zu vertreiben, dürfen wir alljährlich den Altjahresabend als eine Siegesfeier unseres Herrn gerade gegen diese bösen Mächte feiern. Gerade an diesem Tage sollen wir einen Blick zurück werfen auf dieses Jahr und vor allem darauf, wo uns Gottes Gnade überall begegnet ist. Gleichzeitig dürfen wir aber voller Vertrauen auf unseren Herrn schon auf das kommende Jahr 2011 blicken.

Lassen Sie uns dies in aller Ruhe und Stille tun. Um Ruhe, Stille und Hoffnung geht es auch in unserem heutigen Predigttext. Wir finden den Predigttext bei dem Propheten Jesaja im 30. Kapitel, die Verse 15-17. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Denn so spricht Gott der Herr, der Heilige Israels: Wenn ihr umkehrtet und stille bliebet, so würde euch geholfen; durch Stillesein und Hoffen würdet ihr stark sein. Aber ihr wollt nicht und sprecht: „Nein, sondern auf Rossen wollen wir dahinfliegen“, darum werdet ihr dahinfliehen, „und auf Rennern wollen wir reiten“, darum werden euch eure Verfolger überrennen. Denn euer tausend werden fliehen vor eines einzigen Drohen; ja vor fünfen werdet ihr alle fliehen, bis ihr übrigbleibt wie ein Mast oben auf einem Berge und wie ein Banner auf einem Hügel.

Liebe Gemeinde,

das Ende des Jahres ist sehr gut dafür geeignet, einmal eine christliche Standortanalyse der Beziehung zu unserem Herrn durchzuführen. Der Prophet Jesaja gibt uns ein unserem heutigen Predigttext drei wertvolle Hilfsmittel, die uns aufzeigen, wie wir christlich (wieder) erstarken
können.

1. Umkehr

Wenn ihr umkehrtet, würdet ihr gerettet, so lautet die direkte Übersetzung aus dem Urtext. Wenn wir uns verfahren haben, dann kehren wir einfach um, fahren denselben Weg zurück und orientieren uns dann neu. Die Umkehr setzt also voraus, dass wir erkennen, dass wir auf einem falschen Wege sind.

Dies ist manchmal gar nicht mal so einfach, werden wir doch auch auf einem falschen Wege vielfältig abgelenkt. Der Teufel weiß schon, wie er uns am besten ablenken kann. Die Erkenntnis des falschen Weges setzt also voraus, dass wir uns ganz intensiv mit dem Navigationssystem
unseres Lebens, der Bibel, beschäftigen. Ist das Ziel immer noch auf Ewigkeit programmiert oder haben wir es mittlerweile durch Karriere, Geld oder etwas anderes ersetzt. Dann ist es in der Tat kein Wunder, wenn der Kurs unseres Lebens in eine falsche Richtung läuft. Vielleicht haben wir ja auch nur die leisen Töne unsers Navigationssystemes „Bitte wenden Sie“ überhört, weil wir mit anderen Dingen zu beschäftigt waren. Dann wäre es doch jetzt ein idealer Zeitpunkt, um das Steuer
herumzureißen, damit wir wieder auf dem rechten Kurs sind.

2. Stille

Wenn ihr Stille bliebet, so würdet ihr gerettet. Dies ist also die zweite Anweisung, die direkt von Gott kommt. Seien wir doch einmal ehrlich, wer kann denn heute noch die Stille ertragen ? Irgendwie sind wir doch alle umgeben von hektischer Betriebsamkeit. Schneller, höher, weiter und besser. So lauten sie doch die Faktoren, die uns heute antreiben.

Sind wir nicht schneller, als die Konkurrenz, dann stehen wir beruflich alsbald im Abseits. Mit den anderen Faktoren ist es doch nicht anders. Und so kämpfen wir uns permanent gehetzt durch unser Leben. Das Wort Stille ist für viele von uns zu einem Fremdwort geworden. Ich habe einmal gelesen, dass der Stressfaktor eines Menschen, der sich mit seinem Wagen im Stau befindet, drei Mal so groß ist, wie der Stressfaktor eines Kampfpiloten. Wir, die wir doch stets und immer und
überall alles im Griff haben, sind auf einmal dazu verdonnert, nichts zu tun. Dies müssen wir also wieder neu erlernen.

Wir müssen also wieder lernen, zur Ruhe zu kommen. Nur so am Rande bemerkt. In unserem Predigttext steht nichts von „Hände in den Schoß legen“. Diese Stille ist hier nicht gemeint. Gott meint hier die aktive Stille, die Stille, die ich benötige, um vor Ihm zur Ruhe zu kommen. Diese aktive Stille geht aber noch weiter. Sie beinhaltet auch den direkten Kontakt mit Gott. Ein Gebetskontakt kann nur dann stattfinden, wenn ich alles um mich herum ausblende und mich und mein Herz ganz offen mache für die Stimme meines Herrn.

Nur so kann ich von Gott die Kraft für meinen Alltag erhalten, indem ich mich Ihm vollständig öffne und mit Ihm rede. Ich habe einmal folgendes Zitat eines Pfarrers gelesen: “ Wenn ich einen Tag nicht bete, dann merkt es Gott. Wenn ich zwei Tage nicht bete, spüre ich es selber. Wenn ich drei Tage nicht bete, dann spürt es meine Umgebung.“ Besser, liebe Gemeinde, kann man die Kraft der Stille und des Gebetes gar nicht beschreiben.

3. Hoffnung

Durch Hoffen würdet ihr stark sein. Dies ist die dritte Anweisung unseres Herrn an sein Volk. Hoffnung ist das, was uns in der Dunkelheit trägt. Hoffnung ist das, was übrig bleibt, wenn uns alles verlässt. Und Hoffnung ist das, was uns über die äußeren momentanen Umstände hinweg auf ein größeres Ziel schauen lässt.

Ein von Hoffnung getragener Christ ist ein Mensch, der körperlich auf Erden lebt, aber geistlich schon im Himmel angekommen ist, so drückte es der große Erweckungsprediger Spurgeon einmal aus. Somit verhindert die Hoffnung auch die Verzweiflung. Wir Christen sollen uns immer wieder
einander gewiss machen:

Unser Herr ist für uns gestorben
Unsere Sünden sind vergeben
Er hat für uns bereits einen Platz im Himmel reserviert

Wie oft denken wir eigentlich im Alltag daran ? Ist es nicht vielmehr so, dass wir bei auftauchenden Problemen eher tagelang über mögliche Lösungen nachdenken, und gar nicht mehr auf den Gedanken kommen, dies alles zu unserem Herrn zu tragen ? Er ist ja nur ein Gebet weit von uns
entfernt. Er wartet ja nur darauf, dass wir Ihn um Hilfe bitten.

Alle eure Sorgen werfet auf Ihn, denn Er sorgt für euch.

Daran sollten wir immer wieder denken. Dies sollte das Fundament unseres Lebens werden. Umkehr, Stille und Gebet, sowie die gewisse Hoffnung des ewigen Lebens; damit will uns unser Herr helfen, niemals zu vergessen, dass ER es ist, der uns trägt. Wir müssen nicht mehr hilflos durch unser Leben stolpern, wir können aufrecht in aller Ruhe und Gelassenheit unseren Weg gehen, den ER uns vorgibt.

Ich wünsche uns allen für das Jahr 2011 einen so festen Glauben und eine so intensive Beziehung zu unserem Herrn, wie sie Dietrich Bonhoeffer hatte. Selbst aus seiner Todeszelle heraus schrieb er noch das folgende Lied:

Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

Der Herr gebe Dir Zeiten der Stille, die allein für IHN bestimmt sind
Der Herr schenke Dir Zeiten des Gebets, damit Du mit IHN über alles reden kannst
Der Herr lege die Hoffnung SEINER Ewigkeit in Dein Herz, die Dich tragen möge

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Altjahresabend und einen besinnlichen Übergang in das neue Jahr. Mögen auch in diesem Jahre die Kirchenglocken alle Böller und Kracher übertönen.

Ich verabschiede mich bis zum morgigen Tage und grüße Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber