Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen Reformationstag. Den Predigttext für den heutigen Tag finden wir im 5. Kapitel des Galaterbriefes, die Verse 1-6. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Aufruf zur rechten Freiheit

Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen! Siehe, ich, Paulus, sage euch: Wenn ihr euch beschneiden lasst, so wird euch Christus nichts nützen. Ich bezeuge abermals einem jeden, der sich beschneiden lässt, dass er das ganze Gesetz zu tun schuldig ist. Ihr habt Christus verloren, die ihr durch das Gesetz gerecht werden wollt, und seid aus der Gnade gefallen. Denn wir warten im Geist durch den Glauben auf die Gerechtigkeit, auf die man hoffen muss. Denn in Christus Jesus gilt weder Beschneidung noch Unbeschnittensein etwas, sondern der Glaube, der durch die Liebe tätig ist.

 

Liebe Gemeinde,

Martin Luther hatte ja niemals das vor, was aus seinem Thesenanschlag hervorgegangen ist. Martin Luther wollte die Kirche reformieren, also erneuern und nicht spalten. Dass aus dem Thesenanschlag in Wittenberg eine Kirchenspaltung hervorgegangen ist, war also niemals sein Ansinnen. Schauen wir uns doch einmal an, was Martin Luther wichtig war.

1. Herz statt Hand

Wir haben gerade von dem Joch der Knechtschaft gehört. Man kann es sich heute kaum mehr vorstellen, aber in der damaligen Zeit regierte der Klerus mit harter Hand seine Gläubigen.

Als Kirchenmitglied der damaligen Zeit hatte man der Kirche hörig zu sein und gefälligst das zu tun, was diese Organisation einem vorschrieb.

Heutzutage einen Ablasshandel einzuführen erscheint uns undenkbar, aber unter den Rahmendbedingungen der damaligen Zeit war dies relativ einfach möglich.

Aber auch wir müssen ein wenig aufpassen. Ich erlebe es immer wieder, dass an bestimmten Riten mit aller Gewalt festgehalten wird. So gibt es verschiedene Abendmahlsliturgien. In unserer Nachbarschaft entfachte dies einen derartigen Liturgiestreit mit dem Ergebnis, dass ein Teil der Gemeinde seither unseren Gottesdienst besucht und leider auch ein Teil der Gemeinde der Kirche den Rücken ganz zugewandt hat.

Auch wir im 21. Jahrhundert müssen aufpassen, dass das Herz regiert und nicht das sture Festhalten an rituellen Handlungen. Christus ist ja unser Herz wichtig und nicht, was wir nach außen zur Schau tragen mögen.

Insofern wollte Luther also nur das steinerne Herz der Kirche gegen ein Herz aus Fleisch und Blut austauschen.

2. No ranks no titles

Früher waren deutsche Unternehmen durchaus so hierarchisch organisiert, wie es die katholische Kirche heute zum Teil noch ist. Während meines Studiums betraten immer mehr amerikanische Unternehmen den deutschen Markt und warben um die Mitarbeiter mit dem Slogan: „No ranks, no titles“.

Sie wollten halt abrücken von der hierarchischen Struktur um eines besseren Ergebnisses willen.

Im Prinzip wollte Luther schon damals dieses Prinzip auf die Kirche übertragen. Seinen Glaubensmaximen zufolge haben wir nur einen Herrn. Und dies ist unser Herr Jesus Christus. Wir aber sind alle untereinander Brüder und Schwestern.

Das führte natürlich auch dazu dass die Allmacht des Papstes infrage gestellt wurde. Und immer dann, wenn man versucht die Macht der Regierenden zu beschneiden, immer dann liegt auch sofort Ärger in der Luft.

Und so wurde Martin Luther dann auch entsprechend drangsaliert bis hin zu dem Punkt, wo er seine Lehren widerrufen sollte. Gott sei Dank und mit Gottes Hilfe hat er dies nicht getan.

3. Die drei Solas

Und da sind wir jetzt auch an einem Punkt angelangt, wo wir uns die Lehre Martin Luthers noch einmal kurz zusammen anschauen wollen.

Sola Scriptura: Allein die Schrift war für Luther maßgebend. Alle von Menschenhand erdachten Ordnungen und Regelungen mussten sich daran messen lassen, ob sie denn nun bibelkonform waren.

Es stünde uns gut zu Gesichte, wenn wir dies auch heute noch praktizieren würden. Dann gäbe es nämlich gar keine Diskussion über Abtreibungen und gleichgeschlechtliche Ehen.

Sola Scriptura würde jedwede Diskussion schon im Keim ersticken.

Sola fide: Allein der Glaube ist wichtig. Alles, was Menschenhände um den Glauben herum zu installieren versuchen ist nicht wichtig.

Jeder, der sein Leben persönlich dem Herrn Jesus übergeben hat, der hat alles getan, was nötig ist. Mehr geht nicht und mehr will Gott auch nicht.

Kein Kirchenbesuch vermag den Glauben zu ersetzen. Keine noch so pompös ausgestattete Kirche vermag den Glauben zu ersetzen. Und keine Wallfahrt, egal wohin und wie lange sie dauert, vermag den Glauben zu ersetzen.

Ohne Glaube sind der Kirchenbesuch, die toll ausgestattete Kirche und die Wallfahrt religiöser Tand. Wohlgemerkt, ich habe gar nichts gegen Kirchenbesuch, tolle Kirchen und Wallfahrten. Aber sie sollen IM Glauben geschehen und nicht anstelle des Glaubens.

Sola gratia: Mit dem Ablasshandel konnten die Nachfahren den lieben Verblichenen die Aufenthaltsdauer im Fegefeuer verkürzen. Je mehr sie für ihre Lieben auszugeben bereit waren, desto kürzer mussten diese im Fegefeuer schmoren. Das war schon ein geniales Geschäftsmodell, nur eben nicht bibelkonform und dann doch wieder nicht so originell.

Alles Quatsch, sagte Luther und verwies darauf, dass es allein Gottes Gnade ist, die uns vor der Hölle bewahrt und uns in den Himmel trägt.

Das war schon ein gewaltiger Befreiungsschlag. Aber eines hat Martin Luther niemals gesagt. Er hat niemals gesagt, dass wir tun und lassen können was wir wollen. Einige Menschen verstehen dies nämlich gern so. Wir sollen schon als Christen eine Einheit bilden. Allein schon um dem Teufel zu widerstehen. Denn wir sind ja alle Jünger Jesu, die allein IHM nachfolgen. Und das können wir nur, wenn wir IHM ZUSAMMEN nachfolgen.

Lassen Sie uns nun zum Abschluss unseres heutigen Gottesdienstes gemeinsam in den ersten Vers des Liedes „Ein feste Burg ist unser Gott…“ (EG 362) von Martin Luther einstimmen, der da lautet, wie folgt:

Ein feste Burg ist unser Gott, ein gute Wehr und Waffen.
Er hilft uns frei aus aller Not, die uns jetzt hat betroffen.
Der alt böse Feind mit Ernst er’s jetzt meint;
groß Macht und viel List sein grausam Rüstung ist,
auf Erd ist nicht seinsgleichen.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Reformationstag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

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