Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen Reformationstag im Jahre 2020. Den Predigttext für den heutigen Tag finden wir im 10. Kapitel des Matthäusevangeliums, die Verse 26b-33. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Es ist nichts verborgen, was nicht offenbar wird, und nichts geheim, was man nicht wissen wird. Was ich euch sage in der Finsternis, das redet im Licht; und was euch gesagt wird in das Ohr, das predigt auf den Dächern. Und fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, doch die Seele nicht töten können; fürchtet euch aber vielmehr vor dem, der Leib und Seele verderben kann in der Hölle. Kauft man nicht zwei Sperlinge für einen Groschen?

Dennoch fällt keiner von ihnen auf die Erde ohne euren Vater. Nun aber sind auch eure Haare auf dem Haupt alle gezählt. Darum fürchtet euch nicht; ihr seid besser als viele Sperlinge. Wer nun mich bekennt vor den Menschen, den will ich auch bekennen vor meinem himmlischen Vater. Wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den will ich auch verleugnen vor meinem himmlischen Vater.

Liebe Gemeinde,

mit dem Wort Reformationstag können ja nur noch die wenigsten Menschen etwas anfangen. Mit Martin Luther schon eher. Und wenn man sie fragt, was Martin Luther denn eigentlich wollte, dann erhält man oftmals als Antwort: Luther wollte eine neue Kirche gründen.

Dies ist sicherlich so nicht richtig. Luther wollte die Kirche eigentlich nur zurück zu dem ursprünglichen Sinn führen. Denn es hatten sich einige Unsitten breit gemacht in der Kirche. So wurde ein finanziell lukrativer Ablasshandel betrieben der es Angehörigen gestattete ihre verblichenen Lieben auch nach deren Tod noch in den Himmel zu befördern gegen Entrichtung einer gewissen Gebühr an die Kirche. Und da genau griff Luther ein. Lassen Sie uns unseren heutigen Predigttext einmal in Bezug setzen auf das, was Luther wollte und was dies für uns heute noch für Konsequenzen hat.

1. Sola fide, Sola gratia, Sola scriptura

Das waren die Credos, die Martin Luther den Christen wieder ins Gedächtnis bringen wollte. Kurz zusammengefasst bedeuten diese, dass allein der Glaube zählt und keine wie auch immer gearteten Rituale diesen Glauben ersetzen können.

Sola gratia bedeutet, dass der Mensch allein durch Gnade errettet werden kann und nicht aufgrund von Ablassbriefen oder anderen irdischen Konstrukten. Das, was der Herr Jesus für uns am Kreuz getan hat reicht aus, damit wir wieder in den direkten Kontakt zu unserem Vater im Himmel treten können. Allein unser „Ja“ zu der Bezahlung aller unserer Sünden am Kreuz sichert uns unsere Eintrittskarte in den Himmel.

Dann wäre da noch das Sola scriptura. Dies bedeutet, dass allein die Schrift, also allein die Bibel die Grundlage für unseren Glauben und unser Leben darstellt. So, liebe Gemeinde und da hapert es in letzter Zeit ganz gewaltig.

Wir als treue Bibelleser und Hörer des Wortes wissen natürlich, dass eine Ehe für alle der Lehre der Bibel widerspricht. Wir wissen auch, dass gleichgeschlechtliche Beziehungen von Gott nicht gewollt sind. Und wir wissen auch, dass Gott nicht will, dass ungeborene Menschen im Mutterleibe getötet werden.

Leider sehen dies unsere Landeskirche total anders. Das sollte uns aber nicht davon abhalten, dieses Vorgehen immer wieder kritisch zu hinterfragen. Allein der Auslegegungsgrundsatz: „Die Bibel muss durch die Bibel ausgelegt werden“ dürfte uns eine große Hilfe bei unserer Argumentation sein.

2. Fürchtet euch nicht

Wir haben ja schon öfters darüber gesprochen, dass dieser Satz sehr häufig in der Bibel erwähnt wird. Nun, was hat er mit dem heutigen Reformationstag zu tun?

Ich glaube, eine ganze Menge. Wir sind ja mittlerweile eine säkulare Gesellschaft geworden. Vor ein paar Jahren wurden wir noch milde belächelt, wenn wir uns öffentlich zum Christentum bekannt haben.

Leider hat sich diese Situation auch in unserem Lande gründlich verändert. Mittlerweile schlägt uns schon mal versteckter oder gar offener Hass entgegen, wenn wir die frohe Botschaft verkündigen. Und genau in diese Situationen hinein sagt uns Jesus, sollen wir ganz besonders seinem „Fürchte dich nicht “ vertrauen.

Wenn wir die frohe Botschaft weitergeben, dann sind wir nie allein. Unser Herr ist stets bei uns und an unserer Seite. Natürlich sollen wir auch nicht all zu zart besaitet sein. Wir sollen einstecken können, aber um der Wahrheit des Evangeliums willen sollen wir auch austeilen können. Ich meine damit nicht die Evangelisation mit der Brechstange, sondern die Evangelisation mit dem reinen und wahren Wort der Bibel.

Genau dies und nichts anderes tat Martin Luther mit der Reformation. Lassen Sie uns dies auch tun und nichts zu den Lehren der Bibel hinzufügen und auch nichts weglassen, was vielleicht unbequem erscheint.

Vor gut einem Jahr wurde einem Mitarbeiter von IKEA gekündigt, weil er offen bekannte, dass die Ehe für alle gegen Gottes Wort verstößt. Wie ich erfahren habe, hat dieser Mitarbeiter bei einem anderen Unternehmen eine bessere und sicherere Position erhalten.

Lassen Sie uns also immer darauf vertrauen, dass wir in den besten Händen sind, wenn wir die frohe Botschaft weitersagen und ER uns niemals hängenlassen wird, was unser Leben auf Erden betrifft.

3. Praktischer Teil

Was jetzt kommt, das wusste auch Martin Luther schon und das hat ihm mächtig Angst eingejagt. Nicht für sich, sondern für seine Mitmenschen.

Jesus sagt es nämlich ganz deutlich: Wer mich bekennt, den bekenne ich auch vor dem himmlischen Vater. Wer mich verleugnet, den verleugne ich auch vor dem himmlischen Vater.

Diese Worte Jesu sind brutal, aber wahr. Wir kommen eben nicht alle, alle, alle in den Himmel und das ganz automatisch.

Nein, liebe Gemeinde, in den Himmel kommen wir nur, wenn wir unser Ja zu dem was Jesus tat, im Glauben angenommen haben und auch zu dieser Entscheidung stehen.

Machen wir dies nicht und verleugnen unseren Glauben, dann landen wir alle in der Hölle.

Das ist mal der Grundsatz. Natürlich wird es uns immer passieren, dass es Situationen gibt, wo wir uns nicht getraut haben, diese frohe Botschaft weiterzugeben. Und es kann auch Situationen geben, wo wir es vielleicht geleugnet haben, Christ zu sein. Landen wir deswegen in der Hölle?

Nein, das tun wir natürlich nicht. Wenn wir dies von Herzen bereuen, dass wir unseren Herrn verleugnet haben und diese Sünden vor unseren Herrn bringen, dann wird er uns auch diese Sünde wieder verzeihen. Er haut uns also nicht die Türe vor der Nase zu.

Aber, was unser Herr von uns erwarten darf ist das Bemühen, seine Rettungstat allen Menschen zu verkünden. Und zwar nicht nur durch unser Reden, sondern vielmehr auch durch unser Handeln.

Und darum lassen Sie uns sola fide, sola gratia und sola scriptura unter den Menschen mit den Möglichkeiten verbreiten, die uns der Herr mit auf unseren Lebensweg gegeben hat.

Lassen Sie uns zum Abschluss des heutigen Gottesdienstes nunmehr gemeinsam in den ersten Vers DES Reformationsliedes schlechthin von Martin Luther „Ein feste Burg ist unser Gott…“ (EG 362) einstimmen, der da lautet, wie folgt:

Ein feste Burg ist unser Gott, ein gute Wehr und Waffen.
Er hilft uns frei aus aller Not, die uns jetzt hat betroffen.
Der altböse Feind mit Ernst er’s jetzt meint;
groß Macht und viel List sein grausam Rüstung ist,
auf Erd ist nicht seinsgleichen.

Der Herr segne dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen noch einen besinnlichen Reformationsabend und ich verabschiede mich bis zum morgigen Sonntag von Ihnen allen.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

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