ePredigt vom 31.10.2012 (Galater 5, 1-6)

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen Reformationstag des Jahres 2012. In der vorlutherischen Zeit trieb der Glaube manchmal recht seltsame Blüten. Denken wir nur einmal an die Ablassbriefe, mit welchen die Hinterbliebenen den bereits Verstorbenen, die Fegefeuerzeit
verkürzen, wenn nicht sogar ganz erlassen konnten. „Die Seele in den Himmel springt, wenn das Geld im Kasten klingt.“ Dies haben wir sicherlich alle schon gehört. Nun, Luther hat mit diesem (Aber)Glauben Schluss gemacht und uns den Weg hin zu Gott wieder bewusst gemacht. Dies
musste auch der Apostel Paulus schon bei den Galatern tun. Denn auch sie waren von dem wahren Weg abgewichen und „ruderten“ glaubensmäßig zurück. Daher die ernste Ermahnung in unserem heutigen Predigttext an die Galater. Wir finden den Predigttext für den heutigen Reformationstag im 5. Kapitel des Galaterbriefes, die Verse 1-6. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen.

Aufruf zur rechten Freiheit

Zur Freiheit hat uns Christus befreit ! So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen ! Siehe, ich, Paulus, sage euch: Wenn ihr euch beschneiden lasst, so wird euch Christus nichts nützen. Ich bezeuge abermals einem jeden, der sich beschneiden lässt, dass er das ganze Gesetz zu tun schuldig ist. Ihr habt Christus verloren, die ihr durch das Gesetz gerecht werden wollt, und seid aus der Gnade gefallen. Denn wir warten im Geist durch den Glauben auf die Gerechtigkeit, auf die man hoffen muss. Denn in Christus Jesus gilt weder Beschneidung noch Unbeschnittensein etwas, sondern der Glaube, der durch die Liebe tätig ist.

Liebe Gemeinde,

wie Paulus die Gemeinde zur Ordnung gerufen hat, so hat dies auch Dr. Martin Luther mit seinen reformatorischen Prinzipien getan, die da lauten:

Sola Scriptura – Allein die Schrift
Sola Fide – Allein durch den Glauben
Sola Gratia – Allein durch Gnade

Lassen Sie uns am heutigen Tage ein wenig näher mit diesen reformatorischen Grundprinzipien befassen.

1. Allein die Schrift

Zu allen Zeiten, angefangen bei Mose und seinem Volk bis hin in unsere heutige Zeit gab und gibt es die Tendenz nicht die Bibel allein als Grundlage des Glaubens zu nehmen, sondern diversen Auslegungen einen gleichen Stellenwert beizumessen.

Solange diese Auslegungen das Wort Gottes auch durch die Bibel gestützt auslegen, ist daran auch gar nichts zu bemängeln. Wenn die Bibel durch die Bibel ausgelegt wird, dann ist dies der richtige Weg, weil die Schrift allein durch die Schrift ausgelegt werden kann.

Häufig wird aber in die ein oder andere Bibelstelle etwas hineininterpretiert, welches dann im Laufe der Zeit zum Dogma wird. Und da Dogmen in aller Regel unumstößlich sind und auch nicht mehr
hinterfragt werden, sind sie so brandgefährlich. Nehmen wir nur einmal das Glaubensbild der Zeugen Jehovas. Auf den ersten Blick betrachtet ist dies alles Bibelkonform. Erst, wenn man etwas tiefer in die Materie einsteigt, erkennt man die systematische Veränderung der Schrift durch
Anpassung der Schrift an das eigene Glaubensverständnis.

Und davor warnte nicht nur Paulus die Galater, das meint Luther auch, wenn er sagt: Allein die Schrift. Was ich sage oder irgend ein anderer Prediger das ist völlig bedeutungslos, wenn es sich nicht durch die Bibel nachweisen lässt.

Deshalb auch mein dringender Appell an Sie alle. Egal, was Ihnen auch immer gepredigt wird. Lesen Sie in der Bibel etwas anderes, dann sprechen sie den Pfarrer oder die Pfarrerin darauf an.

Ich weiß nicht, ob sie in der vergangenen Woche die Morgenandachten gehört haben. In meiner Region ist der Sender WDR 2 dafür zuständig. Am Montag, den 22.10.2012 hörte ich bei der Morgentoilette die eindringliche Warnung eines Religionslehrers, wir sollten uns nicht wegen der Hölle verrückt machen. Die Hölle gibt es nämlich gar nicht. Und wenn es sie geben sollte, dann wäre sie leer. Wir können tun und lassen was wir wollen. Wir kommen alle in den Himmel. Bitte, bitte, schenken Sie solchen Äußerungen keinen Glauben. Lesen Sie einmal die Evangelien und das was Jesus zum Thema Hölle zu sagen hat.

2. Allein durch Glauben

Egal welche religiösen Purzelbäume wir auch veranstalten, wir werden es nicht schaffen durch unsere eigenen religiösen Leistungen in den Himmel zu kommen.

Wir können noch so viel spenden, noch so oft in die Kirche gehen und eine Wallfahrt nach der anderen durchführen. Das alles zählt am Tage X überhaupt nichts.

Wenn wir vor dem Schöpfer stehen, dann zählt nur noch eins, nämlich unser Glaube. Unser Ja zu der Erlösungstat unseres Herrn, dies allein sichert uns unser Heimatrecht im Himmel. Paulus führt dies noch ein wenig weiter aus, indem er sagt, der Glaube, der durch die Liebe tätig wird.

Das „Ja, ja ist schon gut, ich glaub das mal“, das ist nicht gemeint, wenn Luther sagt „Allein durch den Glauben“. Wenn ich aus dem tiefsten Inneren meines Wesens mein JA gesagt habe und mein Leben Gott übergeben habe, dann regiert Er auch fortan in mir. Und wenn Er regiert, dann ist in meinem Herzen kein Platz mehr für Hass, Neid und Eigensucht. Dann erfüllt Er mein Herz mit reiner, lauterer Liebe.

Getrieben von der Liebe, mit der ich geliebt werde, brenne ich darauf, diese Liebe weiter zu geben. Schauen wir nur einmal auf die großen Glaubenshelden. Das waren allesamt Frauen und Männer, deren Herz vor Liebe brannte und die diese Liebe ganz einfach weitergegeben haben.

3. Allein durch Gnade

Wir hatten gerade schon ein wenig über eigene Verdienste geredet. Allein die Gnade ist es, die uns die Tür zum Himmel öffnet und uns den Eintritt gewährt.

Wir haben durch nichts auf der Welt ein Anrecht erworben, in den Himmel zu gelangen. Es ist allein die Gnade Gottes, die uns diese Gnade gewährt. Er gewährt sie allen, die ehrlichen Herzens zu Ihm kommen. Aber Achtung, liebe Gemeinde, Dietrich Bonhoeffer hat es schon gesagt „Billige Gnade gibt es nicht“.

Was heißt eigentlich Gnade ? Wir kennen sicherlich alle das Gnade vor Recht Prinzip. Wenn der Richter Gnade vor Recht gelten lässt, dann verzichtet er darauf, den Schuldigen der verdienten Strafe zuzuführen. Der Schuldige kann sich diese Gnade nicht verdienen, er kann nur eines tun, nämlich inständig um Gnade bitten.

Dieses Wissen lässt uns demütig werden vor Gott und lässt uns Ihm bekennen, dass wir den Himmel überhaupt nicht verdient haben. Wenn wir dies erkennen und Ihm dies bekennen, dann ist Er uns gnädig. Dann haben wir auch den immensen Wert dieser Gnade richtig erkannt, dann ist es in der Tat keine billige Gnade mehr.

Ich weiß, die Worte heute waren nicht leicht. Dies können sie auch nicht sein. Ich gehe mal davon aus, dass wir alle in den Himmel kommen möchten, das geht aber nur durch sola scriptura, sola fide und sola gratia. Aber sehen wir es doch einmal von der anderen Seite. Stellen Sie sich vor, jeder Mensch müsste auf Erden einen bestimmten Punktescore erreichen um in den Himmel zu kommen. Das wäre wohl kaum mehr zum aushalten. Da halten wir uns doch lieber an die lutherischen
Reformationsprinzipien.

Der Liederdichter Friedrich Hiller drückt die Barmherzigkeit unseres Herrn sehr schön in dem ersten Vers seines Liedes „Mir ist Erbarmung widerfahren…“ aus, der da lautet, wie folgt:

Mir ist Erbarmung widerfahren, Erbarmung, deren ich nicht wert;
das zähl ich zu dem Wunderbaren, mein stolzes Herz hat’s nie begehrt.
Nun weiß ich das und bin erfreut und rühme die Barmherzigkeit.

Der Herr segne Dich auf Deinem Wege zu IHM
Der Herr behüte Dich auf Deinem Wege mit IHM
Der Herr beschütze Dich auf allen Deinen Wegen für SEIN Reich

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Reformationstag. Bis zum nächsten Sonntag mögen Sie alle unter der Gnade Gottes Ihren Weg gehen.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber