ePredigt vom 31.10.2011 (Matthäus 10; 26 b – 33)

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen Reformationstag des Jahres 2012.
Den Predigttext für den heutigen Gedenktag finden wir im Matthäusevangelium
Kapitel 10, die Verse 26 b – 33. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Menschenfurcht und Gottesfurcht

Es ist nichts verborgen, was nicht offenbar wird, und nichts geheim, was man nicht wissen wird. Was ich euch sage in der Finsternis, das redet im Licht; und was euch gesagt wird in das Ohr, das predigt auf den Dächern. Und fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, doch die Seelen
nicht töten können; fürchtet euch aber vielmehr vor dem, der Leib und Seele verderben kann in der Hölle. Kauft man nicht zwei Sperlinge für einen Groschen ? Dennoch fällt keiner von ihnen auf die Erde ohne euren Vater. Nun aber sind auch eure Haare auf dem Haupt alle gezählt. Darum fürchtet euch nicht; ihr seid besser als viele Sperlinge. Wer nun mich bekennt vor den Menschen, den will ich auch bekennen vor meinem himmlischen Vater. Wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den will ich auch verleugnen vor meinem himmlischen Vater.

Liebe Gemeinde,

war der letzte Predigttext noch ein wenig seicht, so kommt es heute wirklich, wie man so schön zu sagen pflegt „knüppeldicke“. Schonungslos werden wir von unserem Herrn auf drei konkrete Wahrheiten hingewiesen, denen wir uns alle einmal stellen müssen. Lassen Sie uns heute ein wenig
näher über diese Wahrheiten nachdenken.

1. Alles kommt raus

Stellen wir uns doch einmal ganz konkret vor, dass alles, was wir jemals in unserem Leben gedacht, gesagt und gemacht haben vor unsrem Schöpfer ausgebreitet wird. Ich glaube, wir müssen gar nicht all zu lange zurückdenken bis wir zu dem Ergebnis kommen, dass diese Konfrontation ganz schön peinlich für uns wäre. Und doch können wir an dieser Situation, was die Vergangenheit anbelangt, nichts ändern.

Aber, liebe Gemeinde, was die Zukunft anbelangt, da können wir in der Tat etwas verändern. Nennen wir es doch einfach einmal „Mentalhygiene“. Achten wir doch wieder vermehrt auf das, was wir denken, fühlen, sagen und tun. Wenn wir dies konsequent betreiben dann können wir einen
Großteil unseres „unreinen“ Gedankengutes aus unserem Kopf eliminieren und Platz machen für reine und aufbauende Gedanken, Worte und Taten.

Aber die Sache hat auch noch eine Kehrseite. Wenn nun wirklich alles herauskommt, was wir gedacht und getan haben, dann kommt auch alles heraus, was man uns angetan hat. Alle Verfehlungen unserer Mitmenschen, die uns tief getroffen haben kommen ebenfalls an’s Tageslicht. Wenn nun dies so ist, dann kann ich eigentlich heute schon etwas entspannter mit dem umgehen, was mir die anderen antun. Ich muss keinen Groll gegenüber meinen Mitmenschen hegen, die mir etwas angetan haben, ich kann alles ganz getrost unserem Herrn übergeben.

2. Sie fürchten weder Tod noch Teufel

so lautete ,liebe Gemeinde, der Titel eines Filmes mit Anthony Quinn aus dem Jahre 1966. Wenn dies denn nun mal so einfach wäre. Wenn mir jemand nach dem Leben trachten würde, dann wäre ich alles andere als furchtlos. Aber ich glaube, Jesus will uns etwas ganz anderes sagen. Jesus will uns nämlich sagen, dass wir mehr zu verlieren haben, als unser körperliches Leben. Das körperliche Leben ist endlich. Irgendwann sterben wir alle.

Jesus sagt uns, dass unsere Existenz mehr ist als das körperliche Leben, welches wir jetzt führen. Jesus sagt uns, dass da noch mehr ist, etwas, das über unseren Tod hinausgeht.
Unser Herr spricht unsere Seele an.

Unseren irdischen Körper verlassen wir irgendwann, unsere Seele hingegen begleitet uns ewiglich. Daher ist es auch dem Teufel viel lieber, wenn er unsere Seele angreifen kann, als unseren Leib. Der Teufel weiß sehr wohl ob der Endlichkeit unsers Leibes. Er weiß aber auch, dass er unsere Seele verderben kann mit der Folge, dass wir nicht im Himmel, sondern in der Hölle landen.

Wenn ich körperlich angegriffen werde, dann sehe, spüre und fühle ich diesen Angriff. Bei dem Angriff des Teufels auf meine Seele ist es aber häufig so, dass ich dies nicht sogleich bemerke. Denn wir müssen immer bedenken, dass der Teufel ein Lügner durch und durch ist. Er kann uns
die Lüge so geschickt als Wahrheit verkaufen, dass wir, wenn wir nicht „höllisch“ aufpassen, darauf hereinfallen.

Eines kann ich Ihnen allen versprechen: Der Teufel wird bis zu unserem letzten Atemzug immer wieder an die Türe unseres Herzens klopfen und probieren dort hinein zu gelangen. Daher sagte Martin Luther einmal:
„Wenn der Teufel an die Türe meines Herzens klopft, dann mache ich ihm die Türe ganz weit auf, damit er sieht, dass Jesus dort eingezogen ist. Sodann verschwindet er sofort wieder.“

3. Bekennen oder Verleugnen

Dieser Abschnitt ist so wichtig, dass wir noch einmal den Predigttext heranziehen wollen:
„Wer nun mich bekennt vor den Menschen, den will ich auch bekennen vor meinem himmlischen Vater. Wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den will ich auch verleugnen vor meinem himmlischen Vater.“

Insbesondere kommt es bei diesem Text auf zwei Übersetzungen an. Luther hat das griechische Wort „homologeo“ mit „bekennen“ übersetzt. Man kann es aber auch mit „zustimmen“ übersetzen. Ich will dem Text ganz gewiss nicht seine Schärfe nehmen, aber ich will uns allen auch die Furcht vor diesem Text nehmen. Zustimmen heißt: ich sage JA zu Jesus und Seinem Erlösungswerk. Nicht mehr und nicht weniger. Unter bekennen verstehen wir ja gern tiradenartige Reden, in denen wir unseren Herrn vor aller Welt bezeugen. Das ist nicht gemeint. Gemeint ist unser klares JA zu Jesus.

Jetzt kommt es noch etwas stärker. Wo Luther „verleugnet“ schreibt, steht das griechische Wort „arneomai“. Dieses bedeutet „sich von jemandem lossagen“. Mit dem verleugnen ist also nicht unser Schweigen gemeint, wenn wir eigentlich reden sollten und wir dies aus Angst nicht tun. Mit dem „verleugnen“ ist das endgültige Lossagen von Jesus gemeint. Und dann, liebe Gemeinde, ist es nur folgerichtig, dass Jesus diese Personen, die sich von Ihm losgesagt haben, auch vor Seinem Vater nicht mehr als die Seinen kennt.

Wir alle, die wir heute Abend beisammen sind, kommen alle immer mal wieder in Situationen, wo wir einfach eine „Ladehemmung“ haben, was unser Bekenntnis zu Jesus anbelangt. Deswegen sagen wir uns noch lange nicht von Jesus los. Übrigens: Auch an den „Ladehemmungen“ kann man mit Jesus gemeinsam arbeiten. Sprechen wir doch mal wieder mit Ihm und fragen Ihn, wie wir diese loswerden.

Wenn ich jetzt gefragt werde: Kannst du das alles auch in einem Satz sagen ?, dann würde ich folgendes aussagen:
„Achten wir alle auf unsere Gedanken und auf unsere Seele und lassen wir einander ein immer wieder großes JA zu Jesus über unsere Lippen kommen.“

Lassen Sie uns gemeinsam mit DEM Reformationslied von Martin Luther in die nächste Woche gehen, dessen erster Vers lautet, wie folgt:

Ein feste Burg ist unser Gott,
ein gute Wehr und Waffen.
Er hilft uns frei aus aller Not,
die uns jetzt hat betroffen.
Der altböse Feind mit Ernst er’s jetzt meint,
groß Macht und viel List sein grausam Rüstung ist
auf Erd ist nicht seinsgleichen.

Der Herr bewahre Deine Seele vor den Angriffen des Teufels
Der Herr bewahre Dein Herz vor bösen Worten, Taten und Gedanken
Der Herr erfülle Dich stets mit SEINEM göttlichen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Reformationsabend. Bis zum nächsten Sonntag verabschiede ich mich und wünsche Ihnen allen Gottes reichen Segen.

Ich grüße Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber