ePredigt vom 31.05.2015 (Johannes 3, 1-8)

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag, dem Sonntag Trinitatis. Drei in Einheit so lautet die direkte Übersetzung des heutigen Sonntages. Und um die Begegnung mit einem dieser drei geht es in unserem heutigen Predigttext. Wir finden den Predigttext für den heutigen Sonntag bei Johannes im 3. Kapitel, die Verse 1-8. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Es war aber ein Mensch unter den Pharisäern mit dem Namen Nikodemus, einer von den Oberen der Juden. Der kam zu Jesus bei Nacht und sprach zu ihm: Meister, wir wissen, du bist ein Lehrer, von Gott gekommen; denn niemand kann die Zeichen tun, die du tust, es sei denn Gott mit ihm.
Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand von Neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen. Nikodemus spricht zu ihm: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist ? Kann er denn wieder in seiner Mutter
Leib gehen und geboren werden?
Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Was vom Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; und was vom Geist geboren ist, das ist Geist. Wundere dich nicht, dass ich dir gesagt habe: Ihr müsst von Neuem geboren werden. Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen
wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. So ist es bei jedem, der aus dem Geist geboren ist.

Liebe Gemeinde,

eine Begegnung mit dem Herrn Jesus, also mit einem Teil der Trinität höchstpersönlich, wer würde sich dies nicht wünschen ? Nikodemus begegnete dem Herrn Jesus höchstpersönlich. Drei Aspekte machen diese Begegnung zu etwas ganz Besonderem. Lassen Sie uns diese drei Punkte heute Morgen ein wenig näher betrachten.

1. Die Nacht

Es sollte wohl keiner sehen, dass er, einer der Oberen der Juden zu diesem Jesus geht. Daher machte er sich lieber bei Nacht auf den Weg. So würde man dies auf den ersten Blick wohl auch deuten können.

Wir müssen uns aber einmal in den Orient hineinversetzen. Tagsüber herrschten dort Temperaturen um die 35-40 Grad Celsius. Daher wurden wichtige Besprechungen in die Abendstunden verlegt, wenn es sich etwas abgekühlt hatte und wenn man wieder einen klaren Gedanken fassen konnte.

Aber trotzdem war es nicht nur die äußere Nacht, die Nikodemus zu Jesus trieb. Nikodemus steckte auch in einer inneren Nacht.

Liebe Gemeinde, Wissen gibt keinen Frieden mit Gott. Nikodemus als Gelehrter wusste sicherlich viel mehr über Religion und deren praktische Umsetzung als viele andere Menschen und doch war es tief in ihm ganz dunkel. Er hatte einfach keinen inneren Frieden. Halten wir zunächst einmal kurz fest, dass Religion uns nicht weiterhilft bei der Suche nach Jesus.

Wie Nikodemus, stecken auch heute noch viele Menschen in Sinnkrisen ihres Lebens. Sie finden aus sich selbst heraus keine befriedigenden Antworten, wenn es darum geht, den Sinn des Lebens zu definieren. Also schütteln sie diese Fragen häufig ab und widmen sich dem persönlichen
und beruflichen Erfolg und suchen dort den Sinn des Lebens. Wer ihn dort nicht gefunden hat, versucht es mit Genuss jedweder Art. Aber was zurück bleibt ist doch immer wieder eines: Eine tiefe Unruhe und Leere in den Herzen.

2. Der Weg

Nikodemus trieb es zu Jesus, also ging er hin. Wer trieb ihn denn zu Jesus? Schauen wir doch einmal auf die zweite Person der Trinität, auf Gott, den Vater.

Gott, unser Vater im Himmel, hat einem jeden von uns eine tiefe Sehnsucht in unsere Herzen gelegt, die durch keine Religion der Welt, durch keinen noch so großen beruflichen Erfolg und durch keine noch so tollen Genüsse befriedigt werden kann.

Wir sind ja häufig der Meinung, dass Geld glücklich macht. Das kann auf den ersten Blick auch so sein. Ich habe einen guten Freund, welcher wirklich reich ist. Er betreibt ein Unternehmen mit mehreren tausend Mitarbeitern. Der müsste ja glücklich ohne Ende sein. Ist er leider nicht. Umgetrieben, das alles zu erhalten, arbeitet er Tag und Nacht für sein Unternehmen. Was ihn antreibt ist keine positive Motivation oder gar der Spaß an der Arbeit, was ihn antreibt ist die Angst, das alles zu verlieren. Glückliche Menschen stelle ich mir dann doch irgendwie
anders vor.

Nikodemus ging es nicht anders. Er genoss ein hohes Ansehen in der Bevölkerung. Jeder grüßte ihn freundlich und brachte ihm bestimmt die entsprechend Ehrerbietung entgegen. Und doch, liebe Gemeinde, reicht ihm das nicht.

Eine tiefe Stimme in ihm, also unser Vater im Himmel, sagte ihm, dass dies nicht alles sei. Und dieser Vater im Himmel war es dann auch, der ihn dazu bewegte, zu Jesus zu gehen.

Der gleiche Vater im Himmel, der damals den Nikodemus auf die rechte Spur seines Lebens setze, der gleiche Vater im Himmel will dies auch heute noch mit einem jeden von uns tun. Er möchte nicht, dass auch nur ein einziger Mensch verloren geht. Er möchte, dass all seine Geschöpfe den Weg zum Himmel finden.

„So ein Quatsch, so ein absoluter spinnerter Käse.“ Das sagte vor ungefähr 10 Jahren einmal ein Mensch zu mir, der irgendwie in unsere Versammlung geraten war. Hochgescheit, wie er war, belegte er mir mit all seinem biologischen Fachwissen, dass das alles Unsinn sei, die Sache
mit Gott und der Bibel.

Lassen Sie mich Ihnen einen kleinen Tipp geben. Wenn jemand derart aggressiv auftritt, dann können Sie zu 100 % sicher sein, dass er auf der Suche nach irgendetwas ist. Ihn treibt auch ein unruhiges Herz, nur weiß er die rechte Richtung noch nicht. Was können wir also mit so einem Menschen tun? Ganz einfach, ich habe ihm einen Versuch vorgeschlagen.
Beten Sie doch einfach mal 14 Tage so zu Gott, als ob es ihn wirklich geben würde. Und lesen Sie einfach mal 14 Tage das Neue Testament, als ob es die neusten Erkenntnisse der Wissenschaft seien.

Um es abzukürzen: Er hat sich zu meiner Überraschung nicht sofort bekehrt. Er hat zwar die 14 Tage durchgehalten, dann Bibel und Gebet wieder an die Seite gelegt. Es dauerte rund ein Jahr. In diesem Jahr wurde die innere Stimme immer lauter, die ihn zu Jesus trieb. Und mittlerweile ist er eine tragende Säule einer kleinen Gemeinde. Heute argumentiert er mit seinem wissenschaftlichen Fachwissen damit, dass es keine Welt ohne Gott geben kann.

Wenn wir den wahren Frieden finden wollen, dann müssen wir es machen wie Nikodemus: Einfach zu Jesus gehen, ihm unser Herz übergeben und ihn dann einfach machen lassen.

3. Das Aufhorchen

Wenn wir den Weg zu Jesus gefunden haben, dann ist es auch an der Zeit auf den zu hören, auf den es wirklich ankommt im Leben. Dann ist es auch an der Zeit, das, was er uns sagt, in die Tat umzusetzen.

Natürlich haben wir alle unsere verstandesmäßigen Schwierigkeiten wenn es um die Wiedergeburt geht. Auch wenn wir uns noch so sehr abmühen, wir können sie einfach nicht beschreiben. Wir können keinen verbindlichen Ratgeber herausgeben unter dem Titel: „7 Schritte zur Wiedergeburt, der ultimative Ratgeber für Unbekehrte“.

Aber wir können eines tun, liebe Gemeinde, wir können diese Wiedergeburt in uns geschehen lassen. Wir sollen uns nur nicht gegen diese Wiedergeburt sperren. Das ist alles, was unser Herr von uns erwartet. Mehr müssen wir nicht tun und mehr müssen wir auch nicht wissen.

Dies hat Nikodemus wohl auch getan, wie uns das weitere Geschehen belegt. Und nun kommen wir zur dritten Person der Trinität, dem Heiligen Geist. Als wiedergeborene Christen haben wir mit dem Heiligen Geist Gott höchstpersönlich als Ratgeber an unserer Seite. Das klingt jetzt nicht hochtheologisch wissenschaftlich, trifft aber den Kern der Sache. Wir, die wir unser Leben dem Herrn Jesus übergeben haben, dürfen in allen Situationen unseres Lebens darauf vertrauen, dass uns der Heilige Geist führen, schützen und leiten wird.

Seien wir doch mal ganz ehrlich, wenn wir dies wissen, dann können wir doch den alltäglichen Herausforderungen ganz anders gegenübertreten. Wenn wir wieder mal nicht mehr weiterwissen, dann können wir Ihm, dem Heiligen Geist, ganz getrost all unsere Nöte überlassen.

Diese Gnade der Wiedergeburt beschreibt der Liederdichter Philipp Friedrich Hiller sehr schön in dem ersten Vers seines Liedes: „Mir ist Erbarmung widerfahren…“ (EG 355), der da lautet, wie folgt:

Mir ist Erbarmung widerfahren,
Erbarmung, derer ich nicht wert;
das zähl ich zu dem Wunderbaren,
mein stolzes Herz hat’s nie begehrt.
Nun weiß ich das und bin erfreut
und rühme die Barmherzigkeit.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber