ePredigt vom 31.03.2019 (Johannes 6, 47-51)

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 4. Sonntag der Passionszeit. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 6. Kapitel des Johannesevangeliums, die Verse 47-51. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer glaubt, der hat das ewige Leben. Ich bin das Brot des Lebens. Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben. Dies ist das Brot, das vom Himmel kommt, damit, wer davon isst, nicht sterbe. Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot isst, der wird leben in Ewigkeit. Und dieses Brot ist mein Fleisch, das ich geben werde für das Leben der Welt.

Liebe Gemeinde,

wir kennen Sie alle, die „Ich bin Worte“ unseres Herrn. Heute geht es um das Brot des Lebens. Lassen Sie uns gemeinsam einmal dieses Ich bin Wort bedenken.

1. Vor der Klammer

Bevor wir zu dem Ich bin Wort kommen steht quasi vor der Klammer noch etwas ganz entscheidendes. Dort lesen wir: Wer glaubt, der hat das ewige Leben.

Die „Ich bin Worte“ Jesu ziehen ja meist auch eine Aktivität nach sich. Klipp und klar sagt unser Herr an dieser Stelle, dass dies nichts mit Errettung oder ewiger Verdammnis zu tun hat.

Wer an den Herrn glaubt, der hat das ewige Leben und landet ohne Gerichtsverhandlung direkt im Himmel. Die ich bin Worte haben vielmehr etwas mit unserem geistlichen Wachstum und unserem Auftrag als Jünger Jesu Christi zu tun.

2. Wachstum

Wenn wir klein sind, dann benötigen wir für unser Wachstum natürlich eines; nämlich Nahrung. Das beginnt zunächst mit der Muttermilch und geht dann so nach und nach auf feste Kost über.

Als Jünger Jesu müssen wir nach unserer Bekehrung ebenfalls wachsen. Das Brot des Lebens ist unabdingbar für unser geistliches Wachstum. Was wir für unser Leben als Christ benötigen das lernen wir in der Jüngerschule direkt von unserem Herrn.

Während des Wachstums ist natürlich die Lernphase am wichtigsten. Das meiste über unsere Aufgabe als Jünger lernen wir aus der Bibel. Nun ist die Bibel natürlich für manch einen Neubekehrten schon eine schwer verdauliche Kost. Daher empfehle ich immer, das Bibelstudium zunächst mit einer modernen Übersetzung zu beginnen.

Wenn ich das alles umsetzen will, was in der Bibel steht, dann benötige ich auch die Hilfe meiner Brüder und Schwestern. Als Neubekehrter weiß ich längst noch nicht alles. Daher ist es auch so wichtig, dass wir uns mit allen Fragen an die Gemeinschaft wenden können.

Für uns „alte Hasen“ ein kleiner Ratschlag: Es gibt keine dummen Fragen, es gibt nur dumme Antworten. Ich habe es leider oftmals erlebt, dass Glaubensneulinge auch in unseren christlichen Gemeinschaften so von oben herab behandelt wurden, nur weil sie die „falschen“ Fragen stellten. Das ist für deren geistliches Wachstum natürlich wenig förderlich.

3. Bleiben

Irgendwann sind wir aus dem Kindheitsalter heraus und sind erwachsene Menschen und Christen geworden. Natürlich benötigen wir weiterhin unsere Nahrung, damit unser Körper funktionstüchtig bleibt.

Im geistlichen Bereich ist das nicht anders. Wenn wir aufhören unsere geistliche Nahrung zu uns zu nehmen, dann beginnt unsere Seele zu verkümmern und alsbald wird der Teufel ein leichtes Spiel mit uns haben.

Geistliche Nahrung im Erwachsenenalter ist natürlich auch das Gebet, welches uns eine ständige Verbindung zu unserem auferstandenen Herrn ermöglicht. Im Gebet besprechen wir uns mt unserem Herrn. Wir bringen all unsere Nöte und Sorgen und Fürbitten vor ihn. Aber im Gebet erhalten wir auch unseren ganz konkreten Auftrag als Christ in dieser Welt.

So, wie wir tagtäglich mit unseren Vorgensetzen reden und neue Anweisungen erhalten, so sollen wir auch tagtäglich mit unserem ewigen Vater im Himmel in Verbindung bleiben.

Kein Mensch auf dieser Welt kann alle Aufgaben alleine stemmen. In den meisten Fällen sind wir dabei auf die Mithilfe anderer Menschen angewiesen. Und daher ist es auch ganz wichtig, dass wir den Kontakt zu einer wie auch immer gearteten christlichen Gemeinschaft aufrechterhalten.

4. Weitersagen

Und jetzt kommt noch die Königsdisziplin unserer Aufgabe als Christen; nämlich die Verbreitung der frohen Botschaft mit Worten und mit Händen.

Jeder Radrennsportler nimmt vor jeder Etappe mehr Kalorien auf, als ansonsten im Alltag üblich. Wenn wir unsere christliche Botschaft verkündigen wollen, dann benötigen wir dafür noch mehr Brot des Lebens als für das Wachsen und das Bleiben.

Ich kann Ihnen eines versprechen: Sobald Sie außerhalb der geschützten Kirchenmauern die frohe Botschaft verkündigen, dann wird Ihnen heftigster Gegenwind entgegenwehen. Sie werden blächelt werden. Es wird Ihnen Spott entgegengebracht. Und manchmal werden Sie auch einfach als Vollidiot bezeichnet.

Ganz ohne Frage, das tut mächtig weh. Aber unser Herr hat immer wieder tröstliche Worte für uns parat. Gut, wenn wir uns diese schon vorher an die Seite legen und im Bedarfsfalle darauf zurückgreifen können.

Und dann werden wir auch mit allen möglichen Argumenten angegriffen, die stellenweise schon derart abgegriffen sind, dass wir darüber gar nicht mehr reden müssen. Aber es gibt auch ernstzunehmende Kritik und Zweifel, die häufig einem Menschen entfährt, der sich ernsthaft mit dem Christentum beschäftigt.

Und gerade hier gilt es, das zarte Pflänzchen des sich heran bahnenden Glaubens nicht zu zertreten, sondern aufzuklären und den Fragesteller zu ermuntern, den Weg doch einmal zu probieren, damit dieses Pflänzchen wachsen kann.

Und für diese Aufgaben, liebe Gemeinde, sind eben nicht nur die professionellen Theologen zuständig. Hier ist ein jeder für uns beauftragt. Grund genug also, auch für diese Fälle genug Brot des Lebens zu konsumieren.

Das klang jetzt wahrscheinlich ein wenig arbeitsintensiv und nach viel Mühe und Plage. Gewiss, ohne Bibel, Gebet und Gemeinschaft geht es nicht. Aber wir haben ja einen lebendigen Herrn an unserer Seite, der uns gerade auf diesen Wegen eine ganz besondere Hilfe und Unterstützung sein will.

Dass wir bei all unseren Bemühungen immer auf die Hilfe unseres Herrn angewiesen sind, dass wusste natürlich auch schon Martin Luther. Dies drückt er in dem zweiten Vers seines wohl bekanntesten Liedes „Ein feste Burg ist unser Gott….“ (EG 362) sehr schön aus wie folgt:

Mit unsrer Macht ist nichts getan, wir sind gar bald verloren;
es streit für uns der rechte Mann, den Gott hat selbst erkoren.
Fragst du, wer der ist ? Er heißt Jesus Christ,
der Herr Zebaoth, und ist kein andrer Gott,
das Feld muss er behalten.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber