Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen 19. Sonntag nach Trinitatis mit dem Wochenspruch für diese Woche
“ Heile du mich Herr, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen.“ (Jeremia 17,14).

Um Heilung von Krankheiten aber auch um noch viel mehr geht es in unserem heutigen Predigttext. Wir finden den Predigttext für den heutigen Sonntag bei dem Evangelisten Markus im ersten Kapitel, die Verse 32-39. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Am Abend aber, als die Sonne untergegangen war, brachten sie zu ihm alle Kranken und Besessenen. Und die ganze Stadt war versammelt vor der Tür. Und er half vielen Kranken, die mit mancherlei Gebrechen beladen waren, und trieb viele böse Geister aus und ließ die Geister nicht reden; denn sie kannten ihn. Und am morgen, noch vor Tage, stand er auf und ging hinaus. Und er ging an eine einsame Stätte und betete dort. Simon aber und die bei ihm waren, eilten ihm nach. Und als sie ihn fanden, sprachen sie zu ihm: Jedermann sucht dich. Und er sprach zu ihnen: Lasst uns anderswohin gehen, in die nächsten Städte, dass ich auch dort predige; denn dazu bin ich gekommen. Und er kam und predigte in ihren Synagogen in ganz Galiläa und trieb die bösen Geister aus.

Liebe Gemeinde,

so zum Ende des Kirchenjahres hin haben wir einen auf den ersten Blick recht unspektakulären Predigttext vor uns. Das einzige, was uns sofort auffällt ist auch noch etwas negatives; nämlich dass Jesus offensichtlich die Kranken nicht heilt, die Ihm nacheilten. Aber keine Sorge, Er heilt sie doch, indem Er ihnen das Rüstzeug vermittelt, das Rüstzeug für ein gelungenes Leben mit Gott. Und dieses Rüstzeug besteht aus drei Teilen. Lassen Sie uns diese drei Teile ein wenig näher betrachten.

1. Das Gebet

Martin Luther hat einmal gesagt: „Heute habe ich schrecklich viel zu tun, also will ich viel beten.“ Auch wenn die Heilsgeschichten immer im Vordergrund stehen, so erfahren wir von allen Evangelisten, dass Jesus ebenso viel betete, wie Er „arbeitete“. Machen wir das auch noch so ?
Beginnen wir den Tag mit einem Gebet. Vor allem mit einem Gebet, welches uns Kraft geben und uns führen soll ? In aller Regel wohl eher nicht.

Und hier liegt auch schon der erste Grund, warum wir häufig kein all zu gelungenes Leben mit unserem Herrn führen können. Wir beten einfach zu wenig. Wenn wir wissen wollen, was der Herr mit uns vorhat, dann müssen wir Ihn auch danach fragen. Auf unserer Arbeitsstelle nehmen wir doch auch alltäglich die Aufträge von unserem Chef entgegen. Nur bei Jesus, dem eigentlichen Direktor unseres Lebens, machen wir dies häufig nicht.

Ich glaube Jesus hält so vieles für uns bereit, es muss nur erbeten sein. Also lassen Sie uns umdenken und dem Gebet wieder mehr Zeit einräumen. Ich habe einmal folgendes bei mir selber gemerkt. Je weniger Zeit ich hatte, je hektischer wurde ich. Habe ich mich dann zum Gebet
zurückgezogen, so lief auf einmal alles wieder in geregelten Bahnen. Es ist so, als würde Gott mich zwingen, eine Auszeit zu nehmen, um bei Ihm wieder zur Ruhe zu kommen und offen zu werden für Seine Aufträge.

Noch drastischer drückte es einmal Hans-Peter Royer aus, als er sagte:
„Ich weiß, warum du so wenig mit Gott erlebst. Weil du so wenig betest.“ Gewiss, Hans-Peter polarisiert, aber ich finde dies auch richtig so. Es gibt nur einen Weg, um mit Gott in’s Gespräch zu kommen, nämlich das Gebet. Und es gibt nur einen Weg, um mit Gott dauerhaft verbunden zu
bleiben, nämlich das Gebet.

2. Die Arbeit

ein gelingendes Leben mit Gott beinhaltet immer auch die Arbeit. Ich unterhalte mich sehr viel mit Menschen auch über deren Jobs. Ich höre immer häufiger, wie unzufrieden doch die Menschen mit ihrer Arbeit sind. Die Kollegen mobben ständig. Dem Chef kann man fast nichts recht machen
und überhaupt man ist ständig überfordert.

Häufig frage ich dann: „Wie bist Du denn an den Job gekommen ?“ Ich höre viele Antworten, aber eine höre ich ganz, ganz selten; nämlich die Antwort: „Ich habe Gott gebeten, mir eine Arbeit zu geben, die zu mir passt.“ So, und jetzt ist es schon bedenkenswert, dass nahezu alle Menschen, die Gott um den Beistand bei ihrer Berufswahl gebeten haben, ein ausgefülltes Berufsleben führen. Das ist jetzt kein frommes Wunschdenken, sondern spiegelt ganz einfach meine bald 25 jährige
Erfahrung wider.

In der Bibel lesen wir übrigens auch, dass Jesus es nicht anders gemacht hat. Aus eigener Kraft, das gab Er selber zu, konnte Er gar nichts tun, sondern Er konnte nur den Willen Seines Vaters im Himmel tun. Um den zu erfahren, hat Er sich regelmäßig zum Gebet zurückgezogen und dann den
Willen Seines Vaters in die Tat umgesetzt.

Genau das können wir heute auch tun. Was mache ich aber mit meinem ungeliebten Job ? In der heutigen Zeit kann ich doch diesen nicht so einfach hinschmeißen. Das sollte auch keiner von uns tun. Wir können aber trotzdem Gott bitten, uns eine Aufgabe zu übertragen, die mehr unseren Begabungen entspricht. Und was mache ich in der Zwischenzeit ? Nun, ich kann auch den „verhassten“ Job einmal mit ganz anderen Augen betrachten. Ich kann auch meinen Beruf als einen wahren Dienst ansehen, als einen Dienst an Gott und somit als einen Gottesdienst.

Ich kann um die Kraft bitten, dem Mobbing zu widerstehen. Ich kann Gott um die Kraft bitten, es dem Chef recht zu machen und ich kann Gott bitten, meine gesamte Einstellung zu verändern. Probieren wir es doch ruhig einmal aus. Sie werden erstaunt sein, was der allmächtige Gott
auch heute noch zu leisten vermag. Besonders bei denen, die IHN inständig bitten und immer wieder mit ihren Anliegen bedrängen.

3. Predigen

Wir hatten gesehen, dass Arbeit und Gebet zusammengehören. Dies hat Jesus auch den Gemeinden hinterlassen, wenn Er weitergezogen ist. Er hat Ihnen gezeigt, wo Er Seine Kraft herbekommt und wie auch jeder Einzelne von uns, seine individuelle Kraftquelle anzapfen kann. Insofern hat
Jesus die Menschen nicht im Stich gelassen, wenn Er von Gemeinde zu Gemeinde zog und nicht alle Menschen persönlich geheilt hat.

Zu einem gelingenden Christenleben gehört außer Arbeit und Gebet noch ein weiteres; nämlich das Weitersagen des Wortes Gottes. In den beiden großen Staatskirchen machen das die Pfarrer, dafür werden sie ja schließlich auch bezahlt. Dann können sie uns auch gefälligst sonntags unterhalten. So jedenfalls denkt die überwältigende Mehrheit unserer Gesellschaft. Dabei wird aber oft der Missionsbefehl unseres Herrn vergessen, den wir im letzten Kapitel des Matthäus-Evangeliums finden. Da hat Jesus eben nicht die Pharisäer und andere Gelehrte versammelt und sie in die Welt hinausgesandt. Nein, liebe Gemeinde, unser Herr sandte ganz einfache Menschen, wie Sie und mich in die Welt, um das Evangelium zu verkündigen.

Und dieser Missionsbefehl ist bis heute aktuell. Das heißt aber nun auch nicht, dass wir alle die Kanzeln dieser Welt erobern sollen. Nein, ein jeder von uns hat ganz bestimmte Fähigkeiten mitbekommen. Und genau diese Fähigkeiten sollen wir in den Dienst unseres Herrn stellen. Unsere
Arbeit soll eine Predigt sein und unsere Predigt soll unsere Arbeit sein.

Das beginnt mit vielen kleinen und manchmal ganz banalen Dingen. Man überzieht eben nicht die Mittagspause um fünf Minuten, weil es ja doch keiner merkt. Wir wissen, einer sieht es. Wir schwärzen eben nicht unseren Kollegen bei dem Vorgesetzten an. Wir wissen, es hört noch einer
mit, der dies nicht ok findet. Und wir basteln auch nicht mit einem kreativen Element an unserer Steuererklärung herum. Wir wissen, einer schaut uns über die Schulter, der auch dies nicht ok findet. Wenn wir so durch unser Leben gehen, dann dürfen wir gewiss sein, dass der Herr uns
stets führen und leiten wird. Und wir werden so auch Menschen zu Jesus führen können, die Er auch gern führen und leiten möchte.

Arbeit, Gebet und Predigt sind eigentlich ganz einfach kombinierbar.
Lassen Sie uns doch alle in der nächsten Woche einen Neustart wagen. Es wird gewiss spannend werden.

Der Liederdichter Salomo Liscow beschreibt diesen ganz besonderen Gottesdienst sehr schön in dem ersten Vers seines Liedes „In Gottes Namen fang ich an…“, der da lautet, wie folgt:

In Gottes Namen fang ich an,
was mir zu tun gebühret;
mit Gott wird alles wohlgetan
und glücklich ausgeführet.
Was man im Namen Gottes tut,
ist allenthalben recht und gut
und kann uns auch gedeihen.

Der Herr zeige Dir im Gebet den Weg, den ER für Dich vorgesehen hat
Der Herr gebe Dir die Kraft, diesen Weg mit IHM zusammen zu gehen
Der Herr lasse Dich auf Deinem Weg eine Leuchte für Deine Mitmenschen sein

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen einen geruhsamen Sonntag. Bis zum morgigen Tage, dem Reformationsfest verabschiede ich mich von Ihnen allen und verbleibe

mit herzlichen Segensgrüßen
Ihr

Ulrich Naber

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