ePredigt vom 30.09.2018 (Jakobus 2, 1-13)

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 18. Sonntag nach Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 2. Kapitel des Jakobusbriefes, die Verse 1-13. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Kein Ansehen der Person in der Gemeinde

Liebe Brüder, haltet den Glauben an Jesus Christus, unsern Herrn der Herrlichkeit, frei von allem Ansehen der Person. Denn wenn in eure Versammlung ein Mann käme mit einem goldenen Ring und in herrlicher Kleidung, es käme aber auch ein Armer in unsauberer Kleidung, und ihr sähet auf den, der herrlich gekleidet ist, und sprächet zu ihm: Setzt du dich hierher auf den guten Platz !, und sprächt zu dem Armen: Stell du dich dorthin !, oder: Setze dich unten zu meinen Füßen !, ist’s recht, dass ihr solche Unterschiede bei euch macht und urteilt mit bösen Gedanken?

Hört zu, meine lieben Brüder! Hat nicht Gott erwählt die Armen in der Welt, die im Glauben reich sind und Erben des Reichs, das er verheißen hat denen, die ihn lieb haben? Ihr aber habt dem Armen Unehre angetan. Sind es nicht die Reichen, die Gewalt gegen euch üben und euch vor Gericht ziehen? Verlästern sie nicht den guten Namen, der über euch genannt ist?

Wenn ihr das königliche Gesetz erfüllt nach der Schrift (3.Mose 19,18) “ Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“, so tut ihr recht; wenn ihr aber die Person anseht, tut ihr Sünde und werdet überführt vom Gesetz als Übertreter. Denn wenn jemand das ganze Gesetz hält und sündigt gegen ein einziges Gebot, der ist am ganzen Gesetz schuldig. Denn der gesagt hat (2. Mose 20, 13-14) “ Du sollst nicht ehebrechen“, der hat auch gesagt: „Du sollst nicht töten“.

Wenn du nun nicht die Ehe brichst, tötest aber, bist du ein Übertreter des Gesetzes. Redet so und handelt so wie die Leute, die durchs Gesetz der Freiheit gerichtet werden sollen. Denn es wird ein unbarmherziges Gericht über den ergehen, der nicht Barmherzigkeit getan hat; Barmherzigkeit aber triumphiert über das Gericht.

Liebe Gemeinde,

kein Ansehen der Person in der Gemeinde, so ist unser heutiger Predigttext überschrieben. Das sollte eigentlich selbstverständlich sein, birgt aber doch so manche Tücken in sich. Aber unser Predigttext gibt uns noch weitere Hinweise, die für uns als Gemeinde wichtig sind. Lassen Sie uns diese Hinweise heute Morgen ein wenig näher betrachten:

1. Der Reiche

Wenn Bill Gates oder Herr Zuckerberg ein Interview geben, dann lauscht die halbe Welt ehrfürchtig den Worten, die sie und verkünden. Wird Otto Normalverbraucher befragt, interessiert dies keinen Menschen.

Es geht schon eine gewisse Faszination aus von den Reichen dieser Welt. Man möchte vielleicht auch so sein, wie sie und erhofft sich den einen oder anderen Tipp von ihnen.

Demzufolge behandelt man sie auch zuvorkommender als andere Menschen. Und genau hier setzt Jakobus ein und sagt uns, dass ein derartiges Verhalten in der Gemeinde nichts zu suchen hat.

Natürlich übertragen wir Weltverhalten gern auf unsere Gemeinden. Und hiervor sollen wir uns hüten. In unseren Gemeinden soll ein ganz anderer im Mittelpunkt stehen, nämlich unser Herr Jesus Christus.

Sobald wir aber einen anderen Menschen in den Mittelpunkt stellen, laufen wir Gefahr uns von unserem geistlichen Zentrum zu entfernen.

In den USA gibt es eine religiöse Bewegung, die sich allein dem Reichtum verschrieben hat und allen Mitgliedern Reichtum ohne Ende verspricht, wenn sie nur genügend für Jesus abgeben. Geblendet von dieser Aussicht auf Reichtum haben schon hunderte von Menschen ihr gesamtes Vermögen verloren. Natürlich blieb bei allen, bis auf die Kirchenobersten, der versprochene Geldsegen aus.

Zudem ist Reichtum auch gefährlich; er kann nämlich arm machen, und zwar geistlich arm. Wenn ich mich nur auf meinen Reichtum verlasse, ihn also zu meinem Gott erkläre, dann verliere ich ganz schnell die persönliche Beziehung zu meinem Herrn und Heiland.

2. Der falsche Arme

Wenn Jakobus in unserem Predigttext von dem Armen spricht, dann meint er dies nur materiell.

Es gibt aber, wie wir eben schon gesehen haben, eine weitere Lebensebene, welche nicht durch arm und reich klassifiziert ist. Das ist die geistliche Ebene, also die Ebene auf der wir als Christen leben.

Jeder, der mit dem Herrn Jesus unterwegs ist, wird mir zustimmen, dass dort Vermögensverhältnisse gar keine Rolle mehr spielen. Überall dort, wo mein Herr und Heiland im Mittelpunkt meines Lebens steht, da ist nur noch eines wirklich wertvoll, nämlich meine intakte Beziehung zu ihm.

Jeder, der mit Jesus unterwegs ist weiß, dass materieller Reichtum in gewissen Situationen zwar hilfreich sein kann, dieser aber keine Antwort auf die letztendlich wichtigen Fragen des Lebens bereithält.

Materieller Reichtum schützt nicht vor Krankheit und Tod und Hölle. Geistlicher Reichtum hingegen schützt natürlich auch nicht vor Krankheit und Tod. Aber er bringt uns nicht in die Hölle, sondern in den Himmel.

Und ein Leben mit meinem Herrn an meiner Seite führt mich zwar nicht am Leiden vorbei aber immer durch das Leiden hindurch. Und schlussendlich wenn ich meinen Körper auf Erden verlassen muss, darf ich sicher sein, dass meine Wohnung im Himmel schon bereit ist und ich dort Einzug halten kann. Denn dies hat der Herr Jesus uns allen ja ganz konkret versprochen.

Diese Predigt soll kein Plädoyer für Armut sein. Gott mag natürlich auch reiche Menschen. Jakobus will uns nur aufzeigen, dass wir in unserem Leben nicht die falschen Prioritäten setzen sollen.

3. Die Konsequenz

Gibt es etwas, was Beide, also der Reiche und der Arme tun können, ohne dass es einen Unterschied macht? Ja, liebe Gemeinde, das gibt es in Gottes Reich tatsächlich. Jakobus nennt es Barmherzigkeit.

Was ist das denn eigentlich, die Barmherzigkeit. Ein barmherziger Mensch öffnet sein Herz fremder Not und nimmt sich derer mildtätig an, so eine Definition des Begriffes Barmherzigkeit.

Und jetzt kommen wir auch schon wieder zu unseren beiden Menschen, dem Reichen und dem Armen. Wer öffnet sein Herz wohl eher fremder Not? Es dürfte kein Geheimnis sein, dass dies der Arme sein wird. Derjenige, der nur aus Gott heraus lebt, also eine lebendige Beziehung zu Gott unterhält, der wird auch in der Jüngerschule schon gelernt haben, dass es eine der christlichen Kardinaltugenden ist, Barmherzigkeit zu üben.

Der Reiche hingegen, der sich immer nur auf sein Geld und seinen Wohlstand verlassen hat, wird eher zurückhaltend sein, sein Herz fremder Not zu öffnen und sich derer auch noch mildtätig anzunehmen.

Und jetzt kommt die eigentliche Botschaft, die sich durch den gesamten Jakobusbrief zieht und die uns heute zum Schluss noch einmal richtig wachrütteln soll. Diese heißt: Vorleben und nicht vorschreiben.

Wir können noch so viel beten, noch so viel in der Bibel lesen, noch so viele Gottesdienste besuchen, aber wenn wir das, was wir dort erfahren nicht mit Leben füllen, dann ist unser Glaube irgendwo in der Tat unglaubwürdig.

Wen ich meinen Führerschein mache, dann lerne ich zunächst die Theorie. Danach bekomme ich Fahrunterweisungen der praktischen Art. Und dann nach der Prüfung werde ich in die Praxis entlassen.

In der Bibel lerne ich die Theorie. In der Gemeinschaft und im Gebet erahne ich wie ich alles praktisch umsetzen kann. Die Prüfung ist die Bekehrung. Und dann ist es wichtig, dass ich mein Wissen auch in die Tat umsetze. Das sagt uns Jakobus durch seinen ganzen Brief hindurch.

Lesen wir diesen Brief doch heute Nachmittag mal an einem Stück durch.

Lassen Sie uns zum Abschluss des heutigen Gottesdienstes unserem Herrn danken, dass er uns arm gemacht hat, damit wir seinen Reichtum erst erkennen konnten. Lassen Sie uns dies mit dem ersten Vers des Liedes „Vergiss nicht zu danken dem ewigen Herrn…“ (EG 644) von dem Liederdichter Heino Tangermann tun, der da lautet, wie folgt:

Vergiss nicht zu danken dem ewigen Herrn, er hat dir viel Gutes getan.
Bedenke, in Jesus vergibt er dir gern, du darfst ihm, so wie du bist, nahn.
Barmherzig, geduldig und gnädig ist er, viel mehr als ein Vater es kann.
Er warf unsre Sünden ins äußerste Meer, kommt, betet den Ewigen an.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

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