ePredigt vom 29.11.2015 (1. Advent – Römer 13, 8-12)

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen 1. Sonntag im Advent, dem ersten Sonntag des neuen Kirchenjahres. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 13. Kapitel des Römerbriefes, die Verse 8-12. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Die Liebe als Erfüllung des Gesetzes

Seid niemandem etwas schuldig, außer dass ihr euch untereinander liebt; denn wer den andern liebt, der hat das Gesetz erfüllt. Denn was da gesagt ist (2.Mose 20, 13-17): “ Du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht töten; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht begehren“, und was da sonst an Geboten ist, das wird in diesem Wort zusammengefasst (3.Mose
19,18) „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses. So ist nun die Liebe des Gesetzes Erfüllung.
Und das tut, weil ihr die Zeit erkennt, nämlich dass die Stunde da ist, aufzustehen vom Schlaf, denn unser Heil ist jetzt näher als zu der Zeit, da wir gläubig wurden. Die Nacht ist vorgerückt, der Tag aber nahe herbeigekommen. So lasst uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts. Lasst uns ehrbar leben wie am Tage, nicht in Fressen und Saufen, nicht in Unzucht und Ausschweifung, nicht in Hader und Eifersucht; sondern zieht an den Herrn Jesus Christus und sorgt für den Leib nicht so, dass ihr den Begierden verfallt.

Liebe Gemeinde,

in diesen vier Wochen gedenken wir wieder der Geburt unseres Herrn, wie er zum ersten Male zu uns kommt. Lassen Sie uns heute Morgen gemeinsam ergründen, wie wir uns vorbereiten, was Jesus uns mitbringt und was dies für Konsequenzen für uns alle hat.

1. Besuchsvorbereitung

Wenn wir persönlich einen Besucher erwarten, dann ist es auch für uns höchste Zeit, aufzustehen vom Schlaf, wie wir es in unserem Predigttext nachlesen können. Niemand unter uns wird wohl einem Besucher, der zum ersten Male zu uns kommt, eine unaufgeräumte und schmutzige Wohnung präsentieren wollen. Also was machen wir ? Wir räumen auf, putzen, dass alles sauber erscheint und präsentieren damit unsere Wohnung so, dass sich der Besucher darin auch wohlfühlen kann.

Und jetzt kommt der Herr Jesus zu uns. Er darf doch wohl sicher das Gleiche erwarten, was unsere irdischen Besucher von uns erwarten. Nur, dass der Herr Jesus nicht die äußere Wohnung anschaut. Nein, ihn interessiert als erstes, wie aufgeräumt es denn in unserem Herzen ausschaut. Und damit es darin wohnlich ausschaut, dafür haben wir schon lange vor dem Kommen unseres Herrn von Gott persönliche Richtlinien erhalten.

Diese sind uns natürlich alle in Form der zehn Gebote bestens bekannt.
Ich gehe einfach mal davon aus, dass keiner von uns ein Massenmörder ist, dass wir unsere Ehegatten auch nicht betrügen und unseren Lebensunterhalt auch nicht mit Klauen sicherstellen.

Aber die Sache mit dem Begehren ist schon etwas schwieriger. Gut, bei meines Nächsten Rind und Esel fällt mir die Sache mit dem nicht begehren nicht besonder schwer. Aber, wie sieht es aus bei den übrigen Gegenständen, die mein Nächster besitzt ? Kommt da nicht ab und wann ein wenig Neid auf, wenn ich nur einen Golf fahre und mein Nachbar den neuen 911er Porsche vor der Garage platziert. Könnte ja sein, dass im tiefsten Inneren meines Herzens ein Funken Neid aufkommt.

Also so 100%ig klappt das dann doch nicht mit unserem inneren Hausputz.
Egal, wie sauber wir auch wischen, in irgendeiner Ecke wird sich sofort wieder Staub und Dreck ansammeln.

2. Der Besuch kommt

„Wenn das der liebe Gott sieht !!!“ damit wurden Heerscharen von Kindern in Angst und Schrecken vor dem alleskontrollierenden Gott versetzt. Aus Angst einen Fehler zu machen, versuchte man furchterfüllt alles nur erdenklich Gute zu tun, um Gott gnädig zu stimmen.

Und jetzt kommt der Herr Jesus und alles ist anders. Es ist eben nicht der Herr Jesus mit dem Zeigefinger, welchen er immer wieder in unsere Wunden steckt, damit wir auch ja daran erinnert werden, was wir doch für arme Sünder sind. Auch ist es nicht der Herr Jesus mit dem erhobenen Zeigefinder, der zu uns kommt und uns warnt, ja alles richtig zu machen.

Es ist das kleine Kind in der Krippe, dass in seiner ganzen Sanftheit zu uns herabkommt.

Was erwartet denn der Herr Jesus von uns ? Gehen wir anders an die Sache heran. Wie finden wir den kleine Babys ? Doch meist knuddelig und einfach mal zum liebhaben. Und das erwartet der Herr Jesus auch von uns, nicht dass wir ihn knuddelig finden, sondern dass wir ihn einfach nur liebhaben und ihn in unser Herz aufnehmen. Das alleine reicht nämlich aus.

Unsere ganzen geistlichen Klimmzüge, sturen Rituale und alles, was nur Gekrampfe ist, das alles will der Herr Jesus nicht. Er will nur, dass wir ihn von Herzen liebhaben.

Aber es kommt noch besser.

3. Die Geschenke

Wenn Besuch zu uns kommt, dann bringt er meist ein Anstandsgeschenk mit.
Der Herr Jesus hingegen bringt ein viel größeres Geschenk mit, ein Geschenk dessen wir eigentlich gar nicht wert sind. Er schenkt sich uns selber. Doch dazu in den nächsten Wochen mehr.

Geschenke, die eingepackt in der Ecke liegen bleiben, haben keinen Wert.
Das Geschenk, das uns unser Herr mitbringt müssen wir also auch auspacken und anwenden.

Was tritt denn zutage, wenn wir das Geschenk auspacken ? Zunächst einmal befreit Jesus uns von den Taten des Gesetzes, die wir nun nicht mehr in ihrer Gesamtheit erfüllen müssen. Später lehrt er uns auch ein neues Gesetz, welches wir teilweise auch schon in unserem heutigen Predigttext finden. „Du sollst den Nächsten lieben, wie dich selbst.“

Ihn liebhaben und unseren Nächsten lieben, wie uns selbst das ist ein Geschenk, welches uns der Herr Jesus mit auf unseren Lebensweg gibt. Und jetzt kommt auch schon das wesentliche an diesem Satz. Nur wer sich selbst liebt, der kann auch den Nächsten lieben.

Nur, was wir uns selber Gutes tun, das können wir auch wirklich von ganzem Herzen dem Nächsten tun. Alles andere wäre wieder nur ein geistliches Gekrampfe mit christlichem Anstrich.

Wenn wir uns selber lieben, dann kommen Gedanken wie Eifersucht ja gar nicht auf. Wenn wir uns selber Gutes tun, dann tragen wir auch keine Unzufriedenheit in uns, die wir mit Unzucht und Ausschweifungen jedweder Art kompensieren müssen.

Erst dann, wenn wir verstanden haben, uns selber zu lieben, erst dann werden wir ehrbar leben können, so wie es der Herr Jesus von uns erwartet.

Darum lassen Sie uns den willkommen heißen, der uns all diese Geschenke gebracht hat mit dem ersten Vers des Liedes „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit… (EG 1) von Georg Wessel, der da lautet, wie folgt:

Macht hoch die Tür, die Tor macht weit;
es kommt der Herr der Herrlichkeit,
ein König aller Königreich, ein Heiland aller Welt zugleich, der Heil und Leben mit sich bringt; derhalben jauchzt, mit Freuden singt:
Gelobet sei mein Gott, mein Schöpfer reich von Rat.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen geruhsamen und gesegneten 1. Sonntag im Advent und eine ebensolche beschauliche Adventswoche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber