ePredigt vom 28.11.2010 (Jeremia 23; 5-8)

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen 1. Sonntag im Advent des Jahres 2010. In den kommenden Wochen gedenken wir traditionsgemäß des ersten Kommens unseres Herrn vor über 2000 Jahren. Genau von der anderen Zeitschiene her gesehen, also der Zeit, lange vor Christi Geburt, entstammt unser heutiger Predigttext, der sich aber auch schon mit dem Kommen unseres Herrn beschäftigt. Wir finden den Predigttext für den heutigen Sonntag bei dem Propheten Jeremia im 23. Kapitel, die Verse 5-8. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, dass ich dem David einen gerechten Spross erwecken will. Der soll ein König sein, der wohl regieren und Recht und Gerechtigkeit im Lande üben wird. Zu seiner Zeit soll Juda geholfen werden und Israel sicher wohnen. Und dies wird sein Name sein, mit dem man ihn nennen wird: „Der Herr unsere Gerechtigkeit“. Darum siehe, es wird die Zeit kommen, spricht der Herr, dass man nicht mehr sagen wird: „So wahr der Herr lebt, der die Israeliten aus Ägyptenland geführt hat !“, sondern: „So wahr der Herr lebt, der die Nachkommen des Hauses Israel herausgeführt und hergebracht hat aus dem Land des Nordens und aus allen Landen, wohin er sie verstoßen hatte.“ Und sie sollen in ihrem Land wohnen.

Liebe Gemeinde,

„Zu seiner Zeit soll Israel sicher wohnen“, so lesen wir es in unserem heutigen Predigttext. Was ist eigentlich mit dem Wort Sicherheit gemeint. Ich glaube, Sicherheit, wie wir sie in unserem heutigen Predigttext lesen hat eine zweifache Bedeutung.

1. Sicherheit aus menschlicher Sicht

Wenn wir an die Nachrichten der beiden letzten Wochen denken, dann erinnern wir uns sofort an schwer bewaffnete Polizisten, die öffentliche Einrichtungen vor Terroranschlägen schützen wollen. Ein vermehrtes Aufgebot an bestens ausgerüsteten Sicherheitshütern ist in nahezu allen großen Städten auch heute noch spürbar.

Sicherheit kann man sich nur mit Gewalt erkaufen, das ist ein Credo unserer menschlichen Gesellschaft. Ruhe und Frieden können wir nur erreichen, wenn wir zuvor den Krieg gewinnen. Das ist nicht erst heute so, nein das war auch schon zu Zeiten Jesu nicht anders. Die Masse, die bei seinem Einzug in Jerusalem Hosianna rief, die schrie schon alsbald „Kreuzige Ihn“, weil ER ihren Erwartungen so gar nicht entsprach.

Mit dem Messias hatten die Juden den streitbaren Fürsten erwartet, der sie endlich von ihrem Joch befreit und die Feinde gefälligst in die Flucht schlägt. Und als alles ganz anders kam, da schlug die
Begeisterung sehr schnell um. Und daran hat sich auch heute im 21. Jahrhundert nicht viel geändert. Wie schnell laufen wir den angeblichen Heilsbringern hinterher, nur um festzustellen, dass dauerhafter Friede und Sicherheit auch von ihnen nicht garantiert werden können. Ausländer und Muslime raus, das ist so eine gängige Parole rechtsgerichteter Parteien derzeit, falls notwendig auch mit Gewalt. Dann haben wir endlich Ruhe. Wo immer wir auch darauf hereinfallen, liebe Gemeinde, das nächste Problem ist nur eine Handbreit von uns entfernt.

Und so werden wir im Laufe unseres Lebens immer wieder von Heilsbringern enttäuscht bis wir eine GmbH werden, eine Gesellschaft mit (nur noch) begrenzter Hoffnung.

Dieser vordergründige Friede und diese vordergründige scheinbare Sicherheit, das ist es eben nicht, was uns Jesus bringt. Seine Definition von Sicherheit ist eine vollkommen andere.

2. Sicherheit aus göttlicher Sicht

Sicherheit bei unserem Herrn Jesus Christus bedeutet eben nicht die Abwesenheit von (vermeintlicher) Gefahr, sondern die Anwesenheit Gottes. Sicherheit und Ruhe im Sinne Jesu haben nichts mit äußeren Gegebenheiten zu tun, sondern finden vor allem im Inneren statt.

Diese Anwesenheit Gottes hat auch nichts mit vorhergehender Gewalt zu tun. Diese Ruhe und diesen Frieden in unserem Herrn können wir alle finden, wenn wir uns IHM ganz übergeben.

Diese Ruhe und diesen Frieden hatte auch ein Dietrich Bonhoeffer gefunden, der innerlich und äußerlich gelassen seinem körperlichen Ende entgegensah. Wusste er doch ganz gewiss, dass Gott in allem anwesend ist, sogar in Krankheit, Tod und Gefahr und dass ER letztendlich dies alles verwandeln kann. Dies alles dürfen auch wir ganz real wahrnehmen und spüren, wenn wir IHM unser ganzes Vertrauen schenken.

Und gerade dies ist nur möglich geworden, indem Gott Mensch wurde und mit SEINER Erlösungstat unseren Weg hin zu IHM wieder frei gemacht hat.

So niedlich das Jesuskind in der Krippe auch sein mag, liebe Gemeinde, aber mit dem Advent feiern wir insbesondere die Menschwerdung des allmächtigen Gottes. Das Kind, welches wir zu Weihnachten in der Krippe liegen sehen, das ist das Kind , das uns den Frieden bringt, der höher
ist als all unsere Vernunft. Wenn wir dies anerkennen, dann sind wir nicht mehr eine Gesellschaft mit begrenzter Hoffnung, sondern eine echte GmbH eine Gesellschaft mit begründeter Hoffnung.

Gerade das ist doch das schönste Weihnachtsgeschenk, welches wir als Menschen erhalten können. Finden Sie nicht auch ?

Dieses Kommen Gottes in seine Welt hinein, dies beschreibt auch schon der Liederdichter Georg Weissel in dem ersten Vers seines Liedes „Macht hoch die Tür…“, der da lautet, wie folgt:

Macht hoch die Tür, die Tor macht weit;
es kommt der Herr der Herrlichkeit;
ein König aller Königreich,
ein Heiland aller Welt zugleich,
der Heil und Leben mit sich bringt;
derhalben jauchzt, mit Freuden singt:
Gelobet sei mein Gott, mein Schöpfer reich von Rat.

Möge Dir der Advent zeigen: Dein Herr wurde für Dich geboren
Möge Dir der Advent zeigen: Dein Herr ist für Dich gestorben
Möge Dir der Advent zeigen: Dein Herr ist allezeit bei Dir

Amen.

Liebe Gemeinde,

heute beginnt mein viertes Predigtjahr für die epredigt. Zeit, Ihnen allen einmal „Danke“ zu sagen. Danke, dass Sie der epredigt die Treue gehalten haben. Danke, dass Sie mir auch eine Rückmeldung auf die Predigten geben. Und Danke dafür, dass zahlreiche Leser der epredigt diese auch an Freunde und Bekannte weiterleiten. Möge uns der Herr auch weiterhin die Kraft geben, als rechte Streiter für IHN tätig zu sein. Das wünsche ich uns allen.

In diesem Sinne grüße ich Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber