ePredigt vom 28.10.2018 (Römer 7, 14-25a)

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 22. Sonntag nach Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 7. Kapitel des Römerbriefes, die Verse 14-25 a. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Denn wir wissen, dass das Gesetz geistlich ist; ich aber bin fleischlich, unter die Sünde verkauft. Denn ich weiß nicht, was ich tue. Denn ich tue nicht, was ich will; sondern was ich hasse, das tue ich. Wenn ich aber das tue, was ich nicht will, so gebe ich zu, dass das Gesetz gut ist. So tue nun nicht ich es, sondern die Sünde, die in mir wohnt. Denn ich weiß, dass in mir, das heißt in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt. Wollen habe ich wohl, aber das Gute vollbringen kann ich nicht. Denn das Gute, das ich will, dass tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich. Wenn ich aber tue, was ich nicht will, so tue nicht ich es, sondern die Sünde, die in mir wohnt. So finde ich nun das Gesetz, dass mir, der ich das Gute tun will, das Böse anhängt. Denn ich hab Lust an Gottes Gesetz nach dem inwendigen Menschen. Ich sehe aber ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das widerstreitet dem Gesetz in meinem Gemüt und hält mich gefangen im Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist. Ich elender Mensch ! Wer wird mich erlösen von diesem todverfallenen Leibe? Dank sei Gott durch Jesus Christus, unsern Herrn! So diene ich nun mit dem Gemüt dem Gesetz Gottes, aber mit dem Fleisch dem Gesetz der Sünde.

Liebe Gemeinde,

der Apostel Paulus steckt offenbar in dem Dilemma. Was er gern tun möchte das tut er nicht, und was er besser lassen sollte, genau das tut er. Das kommt uns doch sicherlich allen ein wenig bekannt vor. Wie oft sagen wir: „Eigentlich hätte ich ja…, oder „Besser wäre es gewesen, wenn…“. Lassen Sie uns dieses Weltendilemma doch einmal etwas genauer anschauen:

1. Wollen und Tun

Eigentlich, so könnte man denken, sollten wir als Christen doch wissen was wir tun sollen und eigentlich sollten wie dies doch auch wollen. Denn schließlich sind wir ja nicht von irgendeiner Institution zwangsbekehrt worden, sondern haben aus eigenen Stücken genau diesen Weg eingeschlagen.

Und doch klappt das irgendwie nicht. Auch wenn wir uns noch so sehr anstrengen und bemühen. Und das ist auch ganz normal in dier Welt. Dies bedarf sicherlich einer Erklärung.

Nun, als wir uns bekehrt haben, gewann der Geist in uns die Herrschaft über uns und unser Leben. Wir wurden also vor Gott ein neuer Mensch, ein Mensch, der wieder freien Zugang zu Gott hat, weil ein anderer für unsere Sünden bezahlt hat und wir fortan vor Gott als sündlos gelten.

Nun hat bekanntermaßen jede Medaille zwei Seiten. Die andere Seite ist das Fleisch, also unser alter Mensch. In uns wohnt also sowohl der neue, von Sünden befreite Geist und zugleich auch der alte Mensch.

Dass es dort zu Auseinandersetzungen zwischen diesen beiden kommt ist so sicher, wie das berühmte Amen in unserer Kirche.

Würde dieser innere Zwiespalt nicht in uns toben, dann würde auch der Heilige Geist nicht in uns wohnen. Wir würden weiterhin in unserem alten Sündentrott leben und uns auch ganz wohl dabei fühlen, da es ja eben nicht zu dem Kampf Geist gegen Fleisch kommt.

Das bedeutet aber auch auf der anderen Seite die ewige Verlorenheit. Der innere Kampf, der in uns tobt, führt uns immer wieder auf unsere Lebensspur mit Gott. Vergleichen wir dies ruhig einmal mit einem Zug. Als wir den Zug Richtung Himmel bestiegen haben, da regierte uns der Heilige Geist. Aber der Teufel bringt uns immer wieder dazu, die Weichen ein wenig anders zu stellen um falsch abzubiegen. Und dann kommt der Heilige Geist und bringt uns wieder auf das richtige Gleis, welches uns Richtung Heimat und damit in den Himmel führt.

Wichtig ist es also, dass wir erkennen, dass diese innere Zerrissenheit von Gott her kommt, und einzig und allein den Zweck hat, uns wieder auf die richtige Spur zu leiten.

2. Das Gesetz

Stellen wir uns doch einmal einen Staat vor, in welchem es keine Gesetze gibt. Alles wäre erlaubt und nichts wäre verboten. Natürlich würde dieser Staat binnen kurzer Zeit untergehen, da sich vermutlich die Menschen untereinander zerfleischen würden.

Ein Staat, der auf soliden Gesetzen aufgebaut ist, gibt seinen Bürgern indes eine Richtschnur an die Hand. Halten sie sich an das Gesetz, dann ist alles gut, halten sie sich nicht an das Gesetz, dann drohen ihnen staatliche Repressalien. Die Menschen sollen also durch das Gesetz in der Lage sein, gut und böse zu unterscheiden.

Ähnlich ist es mit Gottes Gesetz, welches er uns in der Bibel gegeben hat. Dies soll uns als Richtschnur für unser Leben dienen und uns zeigen was gut und was böse ist. Und wenn wir alles einhalten, ja, liebe Gemeinde, wenn wir wirklich alles einhalten, dann kommen wir auch in den Himmel.

Aber wenn wir uns Gottes Gesetz einmal etwas näher betrachten, dann erkennen wir unschwer, dass kein Mensch in der Lage ist, alle Vorschriften dieses Gesetzes einzuhalten. Und jeder Verstoß, häufig auch schon allein der Gedanke daran, ist vor Gott eine Sünde. Und auch mit nur einer Sünde im Gepäck geht es eben nicht im den Himmel, sondern in die Hölle.

Und darum können wir es jetzt vielleicht ganz gut verstehen, wenn Paulus sagt: „Ich elender Mensch!!!. Und das müssen wir alle sagen, wenn wir erkennen, dass wir Gottes Gesetz gar nicht einhalten können.

Halten wir einmal fest: Wir alle haben die Hölle, aber nicht den Himmel verdient. Ich nehme mal an, dass keiner von uns die Ewigkeit in der Hölle verbringen will. Also bleibt noch die Frage offen, wie wir denn trotzdem noch in den Himmel kommen können.

3. Der Ausweg

Paulus nennt uns den einzigen Weg und den einzigen Ausweg, der sich uns bietet, damit wir der ewigen Verdammnis entkommen können.

Indem Jesus für all unsere Sünden mit seinem Blut bezahlt hat, hat er uns auch von dem Gesetz befreit. Wir können jetzt das Gesetz als Richtschnur für unser Leben erkennen und nicht mehr als Damoklesschwert, welches drohend über unserer Zukunft schwebt.

Natürlich sollen wir nach bestem Wissen und Gewissen uns an das halten, was Gott uns geboten hat. Aber der Herr Jesus hat auch für unsere zukünftigen Sünden bereits bezahlt. Sollte also wieder einmal der Super GAU der Sünde eintreten, dann dürfen wir uns auch dann wieder auf die Gnadentat unseres Herrn berufen.

Und so dürfen wir auch in die Worte des Apostels Paulus einstimmen, wenn er gegen Ende unsers Predigttextes die Worte spricht: „Dank sei Gott durch Jesus Christus, unsern Herrn!

Lassen Sie uns dem Herrn für seine Erlösungstat danken, indem wir gemeinsam in den 1. und 2. Vers des Liedes von Christoph Fischer „Wir danken der Herr Jesu Christ…“ (EG 79) einstimmen, die da lauten wie folgt:

Wir danken dir, Herr Jesu Christ, dass du für uns gestorben bist
und hast uns durch dein teures Blut gemacht vor Gott gerecht und gut,
und bitten dich, wahr Mensch und Gott, durch dein heilig fünf Wunden rot:
Erlös uns von dem ewgen Tod und tröst uns in der letzten Not.

Der Herr segne dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

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