ePredigt vom 28.10.2012 (Jeremia 29, 1, 4-7, 10-14)

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen 21. Sonntag nach Trinitatis mit dem Wochenspruch aus dem 12. Kapitel des Römerbriefes, Vers 21: „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“ Darum geht es auch in unserem heutigen Predigttext. Wir
finden den Predigttext für den heutigen Sonntag bei dem Propheten Jeremia im 29. Kapitel,
die Verse 1, 4-7 und 1-14. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Das sind die Worte des Briefes, den der Prophet Jeremia von Jerusalem sandte an den Rest der Ältesten, die weggeführt waren, an die Priester und Propheten und an das ganze Volk, das Nebukadnezar von Jerusalem nach Babel weggeführt hatte. So spricht der Herr Zebaoth, der Gott Israels, zu den Weggeführten, die ich von Jerusalem nach Babel habe wegführen lassen:

Baut Häuser und wohnt darin, pflanzt Gärten und esst ihre Früchte; nehmt euch Frauen und zeugt Söhne und Töchter, nehmt für eure Söhne Frauen, und gebt eure Töchter Männern, dass sie Söhne und Töchter gebären; mehret euch dort, dass ihr nicht weniger werdet. Suchet der Stadt Bestes, dahin ich euch habe wegführen lassen, und betet für sie zum Herrn; denn wenn’s ihr wohlgeht, so geht’s euch auch wohl. Denn so spricht der Herr: Wenn für Babel siebzig Jahre voll sind, so will ich
euch heimsuchen und will mein gnädiges Wort an euch erfüllen, dass ich euch wieder an diesen Ort bringe. Denn ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der Herr:

Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe das Ende, des ihr wartet. Und ihr werdet mich anrufen und hingehen und mich bitten, und ich will euch erhören. Ihr werdet mich suchen und finden; denn wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen, spricht der Herr, und will eure Gefangenschaft wenden und euch sammeln
aus allen Völkern und von allen Orten, wohin ich euch verstoßen habe, spricht der Herr, und will euch wieder an diesen Ort bringen, von wo ich euch habe wegführen lassen.

Liebe Gemeinde,

die Ausgangslage ist alles andere als rosig. Menschen befinden sich in babylonischer Gefangenschaft. Niedergeschlagenheit macht sich breit und auch ein Stück weit Verzweiflung. Natürlich fragen die Menschen in dieser Situation nach dem „Warum“ und nach der Gegenwart Gottes.

Eigentlich Situationen, die wir auch heute noch kennen. Es ist eben nicht alles eitel Sonnenschein in unserem Leben. Immer wieder erleben wir auch dunkle Tage, Wochen und Monate in unserem Leben. Da ist es nur all zu natürlich, dass auch wir in Anfechtungen geraten, nach dem „Warum“
fragen oder gar nach der Gegenwart Gottes.

Genau in diese Situation hinein spricht Gott seinen Trost an das Volk aus der ewigen Heimat heraus. Es ist kein billiger Trost nach dem Motto „Das wird schon wieder“, nein es ist ein Trost der ganz konkrete Verhaltensweisen für Notsituationen anspricht. Lassen Sie uns diese, ich möchte einmal sagen „Anleitung für Notsituationen“ am heutigen Sonntag einmal ein wenig näher betrachten:

1. Mach das Beste draus

Ist die Wand auch noch so steil, a bisserl was geht allderweil. So nett drückte es einmal der Schauspieler Wolfgang Fiereck aus, sein Motto in Verlegenheitssituationen.

Ähnliches sagt auch Gott durch den Propheten Jeremia zu seinem Volk.
Nehmt das Leid an, so wie es nun einmal ist. Macht das Beste aus der Situation. Das ist es, was auch heute noch für uns gilt, wenn wir in Situationen geraten, wo wir keinen Ausweg sehen.

Wir sollen dann das tun, was am naheliegendsten ist. Nicht krampfhaft versuchen, mit eigenen Möglichkeiten die Notsituation zu ändern, sondern sich ihr anpassen. Gott ist nämlich auch in diesen Situationen bei uns.

Ein gutes Beispiel habe ich bei einem meiner Mentoren erlebt. Er führte eine sehr, sehr glückliche Ehe. Plötzlich verstarb seine Frau und auch, wie wir meinten ein Stück von ihm. Aber so war es nicht. Er nahm das Schicksal so an, wie es ihm begegnete und machte das Beste daraus. In seiner Freizeit kümmerte er sich um bedürftige Jugendliche in sozialen Brennpunkten des Ruhrgebietes, er war aktiv ein seiner Kirchengemeinde tätig und engagierte sich für mannigfache andere Projekte.

Natürlich ging dies nicht von heute auf morgen. Aber die Grundeinstellung stimmte und so wich im Laufe eines sehr kurzen Zeitraumes seine Trauer und er, ich sage es, wie es ist, er erstrahlte in einer neuen christlichen Freudigkeit.

2. Kümmere dich um die Mitmenschen

Dieser Punkt knüpft an den vorhergehenden fließend an. Der Ratschlag Gottes an die Weggeführten lautete: „Suchet der Stadt Bestes, so geht’s euch auch wohl“.

Wir leben ja heute in einer vollkommen Ich-bezogenen Gesellschaft.
Hauptsache mir geht es gut. Alles andere ist egal. Hauptsache ich habe von allem genug, auch wenn es auf Kosten der anderen geht. Dies führt, liebe Gemeinde nicht nur in die soziale Isolation, sondern irgendwann auch in persönliche Notsituationen. Wenn man so lebt, dann hat man im
Zweifelsfalle niemanden mehr, der sich um einen kümmert, wenn man selber einmal Hilfe benötigt.

Und daher sagt Gott auch, dass diese Lebensregel genau das ist, was nicht funktioniert. Wenn wir es wieder lernen, uns in erster Linie um diejenigen Personen zu kümmern, die uns Gott an die Seite gestellt hat, dann werden wir merken, dass auch wir in Notsituationen Hilfe erfahren werden. Aber nicht nur das. Wenn wir uns aufopferungsvoll um andere Menschen kümmern, dann kommt dies auf mannigfache Art und Weise wieder zu uns zurück.

Das mag wohl in der Kirche so gehen, aber ganz gewiss nicht im „richtigen“ Leben. Das ist es doch, was wir jetzt alle denken, zumindest ansatzweise. Ich kann nur jedem den guten Ratschlag geben: Probier es doch einmal selbst. Kümmere Dich in der nächsten Woche vermehrt um Menschen in Deinem ganz persönlichen Umkreis. Sei mal ganz freundlich zu dem miesepetrigen Arbeitskollegen. Nicht nur morgen, sondern eine ganze Woche lang.

Ich kann nicht versprechen, was sich konkret verändern wird. Aber ich kann versprechen, dass sich etwas ändern wird. Wir müssen nur mit offenen Augen durch unser Leben gehen und auf unser Herz hören, wenn Gott zu uns spricht.

3. Suchet mich von ganzem Herzen

In ihrer Notsituation haben die Menschen in der babylonischen Gefangenschaft Gott wohl aus ihrem Herzen gedrängt. Was habe ich von einem Gott, der mich in die Gefangenschaft führt. Das werden einige wohl gedacht haben. Und das war der Anfang vom Ende einer wundervollen
Liebesbeziehung.

Leid, und das möchte ich an dieser Stelle einmal betonen, hat niemals einen Sinn. Auch wenn vielfach das Gegenteil behauptet wird. Aber Gott ist auch im Leiden bei uns. Und das vergessen wir sehr schnell. Gott lässt uns auch im Leide nicht allein, sondern möchte uns durch unser Leiden hindurch begleiten.

Mein Vater geriet 1943 in russische Kriegsgefangenschaft, aus welcher er erst im Jahre 1949 wieder zurückkehrte. Er hatte die Gegenwart Gottes im Leiden immer wieder spüren und erleben dürfen. Wenn das Leid unscheinbar groß war, war ein noch größerer Gott an meiner Seite. So erzählte er es
immer wieder.

Dazu muss ich mich aber auch auf die Suche nach Gott machen und darf ihn nicht einfach an die Seite stellen. Dies galt damals und gilt auch noch heute. Wenn wir die Sinnsuche in unserem Leben allein auf Gott ausrichten, dann wird er sich auch von uns finden lassen.

ER wird sich nicht nur finden lassen, nein ER wird uns auch niemals wieder loslassen, wenn wir den Weg hin zu IHM gefunden haben. Egal, was uns auch passiert, ER ist immer bei uns. ER führt uns an SEINER starken Hand unser ganzes Leben lang. Und nicht nur dies. Auch in der Stunde unseres Todes führt ER uns, geborgen in SEINEN Armen, hinein in SEINE göttliche Ewigkeit, wo wir in Ewigkeit bei IHM wohnen dürfen.

Diese Verheißung ist es doch sicherlich wert, sich einmal am heutigen Tage Zeit zu nehmen, die Sinnsuche in unserem Leben zu überdenken. Von Zeit zu Zeit bestimmen nämlich auch bei mir weitere Dinge als die alleinige Suche nach Gott mein Leben. Und dann ist es immer hilfreich,
wenn ich mir die Zeit nehme und mich selber ganz kritisch hinterfrage.

Ein leider unbekannter Liederdichter drückte dies einmal sehr schön, wie folgt aus:

Der Sinn in meinem Leben bist du nur Gott allein
Zu dir hin will ich streben, bei dir nur will ich sein
Du hältst mir hin zum Leben, deine allmächt’ge starke Hand
die mir will Führung geben, in’s ewig Heimatland.

Der Herr lasse Dich erkennen, wie Du IHM dienen kannst
Der Herr leite Dich auf Deinem Dienst für SEIN Reich
Der Herr sende herab auf Dich SEINE göttliche Stärke für Deinen Dienst

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche. Bis zum nächsten Mittwoch, dem Reformationstag wünsche ich Ihnen allen Gottes reichen Segen.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber