ePredigt vom 28.04.2019 (1. Petrus 1, 3-9)

Liebe Gemeinde,
ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 1. Sonntag nach Ostern, dem Sonntag Quasimodogeniti. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 1. Petrusbrief, Kapitel 1, die Verse 3-9. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:
Lebendige Hoffnung
Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten, zu einem unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das aufbewahrt wird im Himmel für euch, die ihr aus Gottes Macht durch den Glauben bewahrt werdet zur Seligkeit, die bereit ist, dass sie offenbart werde zu der letzten Zeit. Dann werdet ihr euch freuen, die ihr jetzt eine kleine Zeit, wenn es ein soll, traurig seid in mancherlei Anfechtungen, damit euer Glaube als echt und viel kostbarer befunden werde als das vergängliche Gold, dass durchs Feuer geläutert wird, zu Lob, Preis und Ehre, wenn offenbart wird Jesus Christus.
Ihn habt ihr nicht gesehen und habt ihn doch lieb; und nun glaubt ihr an ihn, obwohl ihr ihn nicht seht; ihr werdet euch aber freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude, wenn ihr das Ziel eures Glaubens erlangt, nämlich der Seelen Seligkeit.
Liebe Gemeinde,
übersetzt heißt der heutige Sonntag „Wie die neugeborenen Kindlein“. Und das können wir alle sein und werden, nachdem der Herr Jesus Christus uns die Tür zum Himmel durch seinen Kreuzestod wieder sperrangelweit aufgetan hat. Was ist aber nun das besondere an den neugeborenen Kindlein ? Lassen Sie uns dies heute morgen einmal gemeinsam ergründen.

1. Die Wiedergeburt

Damit, liebe Gemeinde, tat sich schon der Pharisäer Nikodemus schwer dies zu begreifen. Daher suchte er den Herrn Jesus im Schutze der Dunkelheit auf, um mehr zu erfahren von dieser Wiedergeburt. Unser Herr Jesus Christus erläuterte ihm dann auch, dass die Wiedergeburt keine neue körperliche Geburt, sondern eine Geburt aus dem Geist heraus sei.
Wie können wir uns dies heute vorstellen ? Auf der einen Seite haben und behalten wir unser fleischliches Leben weiterhin. Aber der Mensch, der sich für ein Leben mit unserem Herrn entscheidet, der erhält, vereinfacht ausgedrückt, ein zweites Leben, ein Leben aus dem Geist.
Das ist auch das, was wir erfahren, wenn uns der Heilige Geist erfüllt. Das Problem ist nur, dass dies jedem einzelnen ganz persönlich widerfährt. Er kann und soll auch darüber berichten, die noch Unbekehrten werden dies aber in aller Regel als Unsinn abtun, da sie eben diese Erfahrung noch nicht gemacht haben.
Dieses neue geistliche Leben, und das ist das manchmal etwas schwierige in einem Leben als Christ, konkurriert stets mit unserem fleischlichen Leben.
Der Geist will dies, das Fleisch will genau das Gegenteil. Das ist auch der Grund, warum wir nach unserer Wiedergeburt auch weiterhin sündigen werden. Nur leiden wir mehr darunter.
Da kann man schon die Menschen verstehen, die sich sagen: „Da bleibe ich lieber auf meinem alten Weg, der ist einfacher.“  Wäre da nicht, ja wäre da nicht ein zweiter Aspekt der Wiedergeburt:

2. Die lebendige Hoffnung

Liebe Gemeinde, allein aus diesem Dilemma Geist gegen Fleisch herauszukommen ist uns allen unmöglich. Gewiss, es mag immer mal wieder ein paar Tage funktionieren, aber dann siegt auf einmal doch wieder das Fleisch.
Aber, und das unterscheidet uns von unseren noch nicht wiedergeborenen Mitmenschen, wir haben einen Beistand an unserer Seite, der uns fortan seit unserer Wiedergeburt begleiten möchte. Es handelt sich hierbei natürlich um den lebendigen Jesus Christus, der stets nur einen Gebetsruf weit von uns entfernt ist.
In allen Nöten und Sorgen und bei allen Problemen steht uns diese Standleitung zu unserem Herrn offen. Wenn wir merken, dass wieder einmal das Fleisch gewinnen möchte, dann können wir IHN sofort anrufen und um seinen Beistand bitten.
Und trotzdem sündigen wir immer wieder. Das ändert aber nichts an unserem Status der Wiedergeburt. Einmal angenommen ist und bleibt angenommen in Ewigkeit. Immer dann, wenn es wieder mal passiert ist, dürfen wir unsere Sünden zu unserem Herrn tragen und ihn um Vergebung bitten.
So wir denn unsre Sünden ehrlich bereuen, ist und bleibt er treu und gerecht.
Die ganze Sache ist aber irgendwie noch nicht ganz rund, finden Sie nicht auch ? Es fehlt nämlich noch etwas.

3. Wir sind Himmelserben

Das Ziel unsres Glaubens, so schreibt es Petrus, ist nämlich der Seelen Seligkeit.
Wie dürfen wir uns denn das nun wieder vorstellen ? Nun, liebe Gemeinde, mit unserer Bekehrung haben wir nicht nur die geistliche Wiedergeburt erlangt und den stetigen Beistand unseres Herrn Jesus Christus, nein wir haben auch noch etwas in die Hand gedrückt bekommen für unsere ganz persönliche Zukunft, nämlich einen Erbschein.
Dieser Erbschein, liebe Gemeinde, ist unsere Eintrittskarte in den Himmel. Mit unserer Bekehrung sind wir wieder Gottes geliebte Kinder geworden. Gott möchte zusammen mit all seinen geliebten Kindern die Ewigkeit verbringen. Und dieser Erbschein berechtigt uns, an dieser ewigen Gemeinschaft teilzunehmen.
Gut, aber was habe ich hier auf Erden davon ? Nun, zunächst einmal habe ich die feste Gewissheit, dass mein Leben hier auf Erden nicht alles ist und dass ich nach meinem irdischen Tode in den Himmel umziehen darf, wenn ich es denn mal so salopp sagen darf.
Es findet aber auch eine Prioritätenverschiebung statt. Was mir bisher auf Erden so wichtig erscheint, das bekommt unter dem Aspekt des Himmelserbes einen ganz anderen Stellenwert. Plötzlich ist es eben nicht mehr so wichtig, auf Erden möglichst viel zu erreichen oder zu erleben. Wir haben ja noch die gesamte Ewigkeit in Gottes Gegnwart vor uns.
Ich laube, Sie stimmen mir zu, dass es etwas Vergleichbares auf Erden gar nicht geben kann. Allein schon die Vofreude auf den Himmel ist allen „Quasimdogeniti“ ins Gesicht geschrieben. Sie ist aber auch ein Auftrag für uns alle. Wir sollen diese Vorfreude nämlich nicht für uns behalten, sondern sie in die Welt hinaustragen, damit es noch möglichst viele „Qasimodogeniti“ geben wird.
Diese Himmelsfreude der neugeborenen Kindlein drückt der Liederdichter Johann Ludwig Konrad Allendorf sehr schön in dem 1. Vers seinen Liedes „Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude…“ (EG 66) aus, der da lautet, wie folgt:
Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude;
A und O, Anfang und Ende steht da.
Gottheit und Menschheit vereinen sich beide;
Schöpfer, wie kommst du uns Menschen so nah !
Himmel und Erde, erzählet’s den Heiden:
Jesus ist kommen, Grund ewiger Freuden.
Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden
Amen.
Liebe Gemeinde,
ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.
Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr
Ulrich Naber