ePredigt vom 28.03.2016 (1. Korinther 15, 12 – 20)

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen Ostermontag. Den Predigttext für den heutigen Ostermontag finden wir im 1. Brief des Paulus an die Korinther, Kapitel 12, die Verse 12-20. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Gegen die Leugnung der Auferstehung der Toten

Wenn aber Christus gepredigt wird, dass er von den Toten auferstanden ist, wie sagen dann einige unter euch: Es gibt keine Auferstehung von den Toten ? Gibt es keine Auferstehung der Toten, so ist auch Christus nicht auferstanden. Ist aber Christus nicht auferstanden, so ist unsre Predigt vergeblich, so ist auch euer Glaube vergeblich. Wir würden dann auch als falsche Zeugen Gottes befunden, weil wir gegen Gott bezeugt hätten, er habe Christus auferweckt, den er nicht auferweckt hätte, wenn doch die Toten nicht auferstehen. Denn wenn die Toten nicht auferstehen, so ist Christus auch nicht auferstanden. Ist Christus aber nicht auferstanden, so ist euer Glaube nichtig, so seid ihr noch in euren Sünden; so sind auch die, die in Christus entschlafen sind, verloren. Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, so sind wir die elendsten unter allen Menschen. Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind.

Liebe Gemeinde,

Nun aber ist Chrsitus auferstanden von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind. Was wäre aber, fragt sich der Apostel Paulus, wenn dies nicht geschehen wäre ? Was wäre, wenn wir einer frommen Legende aufgesessen sind ? Was dann wäre, das haben wir soeben gehört. Lassen Sie uns noch ein wenig dabei verweilen.

1. Vergebliche Predigt

Wäre Christus nicht auferstanden, dann wäre diese Predigt mehr als überflüssig. Wäre Jesus im Tode geblieben, dann würden wir heute gar nicht mehr beieinander sitzen. Kein Mensch würde sich noch an diesen Mann aus Nazareth erinnern. Und niemand hätte all das Geschehene rund um seinen Tod für würdig befunden, dass es aufgeschrieben wird.

Denken wir doch einmal an unsere eigenen Vorfahren. Viele von uns können sich noch an den eigenen Großvater erinnern. Wie aber ist es mit dem Urgroßvater ? Das dürften nur noch einige wenige sein, die sich an den Urgroßvater erinnern können. Wenn wir jetzt den UrUrUr Großvater hernehmen, dann kann sich wohl keiner mehr an diesen Menschen erinnern und wir kennen auch meist keinen mehr, der sich an diese Person noch erinnern könnte.

Aus den Augen aus dem Sinn greift also auch in diesem Falle. Also hätten wir diesen Nazarener doch auch schon längst alle ad acta gelegt.

Aber mit dem Tode von Jesus hat Gott eben keinen Schlusspunkt in die Geschichte gesetzt, sondern ein Ausrufezeichen. Alles, was wie das Ende eines Religionsstifters aussah, wurde nach drei Tagen komplett über Haufen geworden, als dieser vemeintliche Religionsstifter von den Toten auferstand und unter den Menschen einher wandelte bis zum Himmelfahrtstage.

Und daher ist auch unsere Predigt nicht vergeblich. Immer dann, wenn wir anderen Menschen von dem lebendigen Jesus erzählen, und das ist nichts anderes als eine Predigt, bringen wir diese Menschen ein Stück weit näher in die Gemeinschaft mit diesem Jesus, der eben nicht im Tode geblieben ist, sondern von den Toten auferstanden ist.

2. Der vergebliche Glaube

Der Unglaube sagt: Du kommst auf die Welt, bist weitestgehend auf dich allein gestellt, lebst eine Weile in dieser Welt in deinen engen Grenzen und stirbst dann. Ende aus, das war’s. Ein durch und durch langweiliges und ödes Leben, oder finden Sie etwa nicht ?

Das stimmt auch, wäre Jesus nicht wieder auferstanden. Unserem Glauben wäre die gesamte Basis entzogen worden. Aber wie schaut denn das Leben mit dem auferstandenen Jesus aus ?

Wir kommen auf die Welt zusammen mit den Ungläubigen. Bis wir den Weg zum Glauben finden laufen unsere Wege häufig parallel zueinander. Aber dann, wenn jemand den Weg zu Jesus gefunden hat, dann scheiden sich diese beiden Lebenswege.

Der Gläubige hat nicht nur den Weg zu Jesus gefunden, er übergibt ihm auch logischerweise die Herrschaft über sein Leben und lässt sich fortan von Jesus auf seiner gesamten Lebensbahn führen und leiten. Und auf einmal sind sie nicht mehr da, die absoluten Grenzen in unserem Leben, die der Ungläubige zu kennen glaubt.

Da sind die Grenzen der Gesundheit, die jemandem arg zu schaffen machen können, der seinen Weg ohne Jesus geht. Der Jesusjünger, liebe Gemeinde leidet aber genauso unter einer Krankheit, wie der Ungläubige. Nur hat der Jesusjünger seinen Herrn an der Seite, der ihn tröstet, der ihn kennt und ihn bei seinem Namen nennt. Wenn er nicht mehr weiter weiß oder kann, ist einer da, der mit ihm die Grenzen der Krankheit überwinden kann. Sei es, dass er gesundet, oder aber die Kraft erhält, sein Leiden mit Jesus zusammen durchzustehen.

Da sind die Grenzen der Arbeitswelt. Jahrelang waren beide, der Jesusjünger und der Ungläubige erfolgreich in ihrem Job tätig. Und dann kam sie auf einmal ganz unvermittelt und ohne Vorwarnung: Die Entlassung mit der keiner gerechnet hatte.

Wie gut, dass der Jesusjünger nun jemanden an seiner Seite hat, der ihn auch jetzt oder gerade jetzt trägt und leitet und ihm den rechten Blick für die rechte Entscheidung zeigt. Das bedeutet natürlich nicht, dass alle Nachfolger unseres Herrn sofort wieder einen neuen Job finden, nein, das ganz bestimmt nicht. Aber es bedeutet, dass alle, die IHM nachfolgen nicht am Leben und dessen Unwägbarkeiten und Grenzen scheitern und verzweifeln, weil sie ganz genau wissen, dass da einer gegenwärtig ist, der immer auf sie aufpasst und nur ihr Bestes will. Und da sie dies wissen, lassen sie IHN auch in Ruhe seine Arbeit für sie tun.

3. Die alten Sünden

Jesus ist gestorben, ok. Aber was habe ich damit zu tun ? Diese Frage höre ich sehr häufig und Sie werden sie sicherlich auch schon oftmals gehört haben.

Menschen, die diese Frage stellen, sind recht pragmatische Naturen und lassen sich nicht mit feinsinnigen theologischen Floskeln abspeisen. Also, was sagen wir diesen Menschen ?

Probieren wir es einmal gemeinsam: Nimm einmal an, es gibt einen Gott. Ganz ohne Frage ist der „liebe Gott“ ganz ohne Sünde. Er lügt nicht und betrügt nicht und hintergeht auch keinen Menschen. Dieser „liebe Gott“ möchte gern mit uns Menschen zusammen sein. Allerdings prallen dort zwei Welten aufeinander. Unsere sündige Natur und Gottes absolute Sündenfreiheit.

Gott möchte gern mit uns zusammen sein, aber das geht nicht, weil wir die Sünde mit uns herumschleppen. Ach so, du sündigst ja nicht und hast dies auch noch nie getan. Du hast also noch niemals in deinem ganzen Leben gelogen, natürlich hast du auch noch nie eine Notlüge gebraucht. Du hattest niemals in deinem ganzen Leben einen schlechten Gedanken, auch nicht als Dein Kollege und nicht Du befördert worden ist. Du warst also immer ehrlich, auch damals, als sich die Kassiererin im Supermarkt verrechnet hat und du auf einmal 5 Euro mehr Wechselgeld zurückbekommen hast, als dir zustanden. Ach so, auf einmal erinnerst du dich also doch daran.

Vor Gott sind genau diese Sünden so gegenwärtig, als hättest du sie gerade eben begangen. Also kann er nicht mit dir zusammen sein, es sei denn, dass einer für Deine Sünden bezahlt. Und dieser eine war der Herr Jesus. Er hat mit seinem Blut für alle unsere Sünden bezahlt. Dann ist ja alles klar, dann trennt mich ja nichts mehr von Gott. Von wegen, so einfach ist das auch nicht. Du musst schon deine Sünden bereuen und den Herrn Jesus inständig bitten, dass du dich auch auf seinen Rechnungsausgleich beziehen darfst. Wenn du das machst, dann bist du vor Gott vollkommen sündlos und er wird ab sofort eine innige Gemeinschaft mit Dir haben.

Das alles wäre nicht möglich, wenn der Herr Jesus nicht auferstanden wäre. Du hättest ja gar keine Möglichkeit, dich direkt an ihn zu wenden und ihm dein Leben zu übergeben. Im Ruhrgebiet, wo ich herkomme sage ich das dann meist noch etwas drastischer: „Mit deinen toten Oppa kannse nich mehr reden, aber dem lebendigen Jesus kannse deinen ganzen Murks und alles wasse im Leben verbockt hass vor die Füße knallen.“

Und weil dies so ist, liebe Gemeinde, sind auch die Gebetsstunden eines Tages die schönsten Stunden für mich. Ich laufe nicht 12 Stunden am Tag mit gefalteten Händen und einem heiligen Gesichtsausdruck durch die Gegend, aber ich rede mit Jesus den ganzen Tag hindurch, wie ich dies mit jedem guten Freund tue, der gerade bei mir ist. Übrigens: Jesus ist nicht nur bei mir, sondern bei einem jeden von uns. Er wartet nur darauf, dass wir ihn anreden.

All das, was wir heute gemeinsam bedacht haben, das drückt der Liederdichter Nikolaus Hermann kurz und knapp in dem ersten Vers seines Liedes: „Wir danken dir, Herr Jesu Christ…“ (EG 107) aus, der da lautet, wie folgt:

Wir danken dir, Herr Jesu Christ,
dass du vom Tod erstanden bist
und hast dem Tod zerstört sein Macht
und uns zum Leben wiederbracht.
Halleluja.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen besinnlichen Ostersonntag und einen guten Start in den Alltag nach Ostern.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber