Liebe Gemeinde,

seien Sie alle recht herzlich gegrüßt am heutigen Gründonnerstag, dem Tag der Einsetzung des Heiligen Abendmahles.
Den Predigttext für den heutigen Abend finden wir im 2. Buch Mose, Kapitel 12,
die Verse 1, 4-6, 6-7 und 11-14. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Der Herr aber sprach zu Mose und Aaron in Ägyptenland: Sagt der ganzen Gemeinde Israel: Am zehnten Tage dieses Monats nehme jeder Hausvater ein Lamm, je ein Lamm für ein Haus. Wenn aber in einem Haus für ein Lamm zu wenige sind, so nehme er’s mit seinem Nachbarn, der seinem Hause am nächsten wohnt, bis es so viele sind, dass sie das Lamm aufessen können.
Und sie sollen von seinem Blut nehmen und beide Pfosten an der Tür und die obere Schwelle damit bestreichen und an den Häusern, in denen sie’s essen. So sollt ihr’s aber essen: Um eure Lenden sollt ihr gegürtet sein und eure Schuhe an euren Füßen haben und den Stab in der Hand und sollt essen als die, die hinwegeilen; es ist des Herrn Passa. Denn ich will in derselben Nacht durch Ägyptenland gehen und alle Erstgeburt schlagen in Ägyptenland, unter Mensch und Vieh und will Strafgericht halten über alle Götter der Ägypter, ich, der Herr. Dann aber soll das Blut euer Zeichen sein an den Häusern, in denen ihr seid: Wo ich das Blut sehe, will ich an euch vorübergehen, und die Plage soll euch nicht widerfahren, die das Verderben bringt, wenn ich Ägyptenland schlage. Ihr
sollt diesen Tag als Gedenktag haben, und sollt ihn feiern als ein Fest für den Herrn, ihr und alle eure Nachkommen als ewige Ordnung.

Liebe Gemeinde,

wenn wir das Alte Testament lesen, so sollten wir die Texte nicht isoliert betrachten, sondern immer im Hinblick auf das Neue Testament. Blut für Sünde, Blut, das vor Verderben schützt, dies sind alles Hinweise auf unseren Herrn Jesus Christus. Und so können wir auch Ähnlichkeiten zwischen dem Passafest und dem Abendmahl erkennen. Etwas vereinfacht ausgedrückt könnten wir sogar sagen, das Passafest war der Vorläufer des Heiligen Abendmahles.

Das Zeremoniell des Heiligen Abendmahles und dessen liturgische Bedeutung sind uns allen sicherlich hinreichend bekannt. Lassen Sie uns heute doch einmal die drei Blickrichtungen betrachten, aus denen heraus wir das Abendmahl auch betrachten können.

1. Nach Oben

Das Heilige Abendmahl ist der Ort, wo Himmel und Erde eins werden, so schrieb es einmal ein bekannter Theologe. Daher auch unsere Blickrichtung nach oben. Voller Demut und Dankbarkeit gedenken wir an das Leiden und Sterben Jesu Christi, aber vor allem daran, dass ER im
Heiligen Abendmahl zugegen ist.

Wenn wir Brot und Wein zu uns nehmen, dann nehmen wir den Herrn Jesus Christus in uns auf. Alle Nöte, Sorgen und Ängste dürfen wir getrost an die Seite legen und uns ganz unserem Herrn hingeben. Im Heiligen Abendmahl will Er uns erquicken und uns stärken für unser Leben in der Welt.

Wenn wir das Abendmahl so betrachten, dann ist es eine Tankstelle für unseren Glauben und eine Tankstelle für unser christliches Leben in der Welt.

2. Nach Links und nach Rechts

Wenn wir unseren Predigttext zu Rate ziehen, dann ist dort sehr viel von Gemeinschaft die Rede. Und dies ist auch ein Blickwinkel des Abendmahles. Es geht auch um die Gemeinschaft von uns Menschen untereinander.

Wenn wir nach links und nach recht schauen, dann entdecken wir dort den Bruder oder die Schwester, die genau so zu der Gemeinde Gottes gehört, wie wir. Hier zählen keine Titel, Orden und Ehrenzeichen, hier zählt nur der einzelne Mensch so wie er am Altar vor dem Kreuz steht. Egal ob arm ob reich, vor unserem Schöpfer sind wir alle gleich. Es gibt auch keine honorigen oder weniger honorige Sünder, wie manche es vielleicht meinen.

Dies sollen wir natürlich auch über die Zeit des Abendmahles hinweg nicht aus den Augen verlieren. In diesem Sinne sollen wir immer mit unseren Mitmenschen umgehen. Nehmen wir nur einmal die Familie. Wie oft werden hier wahre Machtkämpfe untereinander ausgetragen. Wie viele
Familien zerbrechen daran, dass ein Despot dort das sagen hat und alle anderen klein beigeben müssen. Im Abendmahl lernen wir, wie wir uns auch in der Familie zu verhalten haben.

Nehmen wir noch ein weiteres Beispiel, unseren Beruf. Natürlich haben wir schwere Zeiten, aber das gibt uns noch lange nicht das Recht, unsere Geschwister einfach zu übergehen und nur an uns zu denken. Alle unsere Kollegen und Kolleginnen werden von den gleichen Nöten, Sorgen und Problemen geplagt, wie wir. Warum diese nicht einmal gemeinsam angehen und ausstehen, als immer wieder gegeneinander zu kämpfen.

Wo zwei oder drei in Seinem Namen zusammen sind, da ist Jesus mitten unter ihnen. Dies gilt nicht nur für die Kirche, liebe Gemeinde, nein, das gilt für unser ganzes Leben. Und mit Jesus gemeinsam können wir durch dick und dünn gehen. Er wird uns niemals im Stich lassen, egal, was auch geschieht.

3. Nach Unten

Im Heiligen Abendmahl gedenken wir auch derer, die nicht mehr unter uns weilen und trotzdem mit uns zusammen dieses Mahl feiern.Wenn das Heilige Abendmahl der Ort ist, wo sich Himmel und Erde berühren, dann dürfen wir gewiss sein, dass auch alle die, die uns im Glauben vorausgegangen sind, an diesem Mahl teilnehmen.

Wir dürfen uns an dieser Stelle daran erinnern, dass uns der Tod eines geliebten Menschen nicht für immer von diesem trennt, sondern, dass wir ihn in der Ewigkeit wiedersehen werden. Jesus Christus hat dem Tod die Macht genommen und die Himmelspforten für uns alle ganz weit geöffnet.
Darauf dürfen wir all unser Vertrauen setzen.

Wenn wir das Heilige Abendmahl zusammenfassend betrachten, dann gedenken wir auch immer der Zusage unseres Herrn, die Er uns im Matthäusevangelium gemacht hat, als Er sagte:
„Ich bin bei euch, alle Tage bis an der Welt Ende.“

Wenn wir das wirklich von ganzem Herzen glauben und annehmen, dann bin ich sicher, werden wir alle die Kraft und die Stärke unseres Herrn und Heilandes weit über das heutige Abendmahl hinaus spüren und erleben dürfen.

Eine sehr schöne Deutung des Heiligen Abendmahles beschreibt uns der Liederdichter Johann Franck in dem 6. Vers seines Liedes: „Schmücke dich, o liebe Seele…“, der da lautet, wie folgt:

Jesu, wahres Brot des Lebens,
hilf, dass ich doch nicht vergebens,
oder mir vielleicht zum Schaden
sei zu deinem Tisch geladen.
Lass mich durch dies heilge Essen
deine Liebe recht ermessen,
dass ich auch, wie jetzt auf Erden,
mög dein Gast im Himmel werden.

Der Herr stärke Dich durch SEINEN Leib und SEIN Blut
Der Herr lasse SEINE ganze Liebe in Dir wirksam werden
Der Herr gebe Dir die Kraft, diese Liebe immer wieder weiter zu reichen

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Abend und verabschiede mich bis zum morgigen Karfreitag.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

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