ePredigt vom 28.03.2004 (Hebräer 5,7-9)

Liebe Lesergemeinde!
Ich grüße Sie herzlich am 5. Sonntag in der Passionszeit, am Sonntag Judika.
Das Predigtwort für diesen Tag steht im Hebräerbrief im 5.Kapitel,
in den Versen 7 – 9:²

„Und er hat in den Tagen seines Fleisches Gebet und Flehen mit starkem Geschrei und Tränen geopfert dem, der ihm von dem Tode konnte aushelfen; und ist auch erhört, darum daß er Gott in Ehren hielt. So hat er, wiewohl er Gottes Sohn war, doch an dem, was er litt, Gehorsam gelernt. Und da er vollendet war, ist er geworden allen, die ihm gehorsam sind, der Urheber ihres ewigen Heils,“

Der Herr segne an uns SEIN Wort!

Liebe Gemeinde!
Für viele ist Gehorsam ein Reizwort. Das gilt nicht nur für Jugendliche. Auch wir Erwachsene haben unsere Probleme mit dem Gehorsam. Wir haben erlebt, dass Gehorsam uns und Andere ins Verderben führen kann. Die Angst vor autoritärer Macht hat viele veranlasst, Dinge zu tun, die sie ablehnten oder verabscheuten. Aber auch im privaten und beruflichen Bereich haben Menschen Gehorsamsforderungen als bedrängend erfahren.

Und doch wissen wir, dass keine Gemeinschaft oder Gruppe ohne Einordnung und Unterordnung in das Gemeinschaftsleben funktioniert. Es ist ein Lernen im Umgang mit Macht.

Wir müssen erkennen lernen:
Wer hat mir was zu sagen und wem habe ich etwas zu sagen.

In diesem Lernprozess begegnet uns Gott mit SEINEM Wort in der Bibel.
ER stellt sich uns vor als der, der uns in grenzenloser Liebe Leben ermöglicht und uns Zukunft gibt. ER fordert unsere Annahme und unseren Gehorsam, damit wir diese Gaben empfangen und daraus leben können.

Denn unsere Ablehnung und Ungehorsam belastet und zerstört unser Leben. Durch das Wort des Propheten Micha sagt ER uns:
„Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott“ (Micha 6,8).

Viele lehnen Gottes Forderung für sich ab. Aber auch wo wir es für uns bejahen scheitern wir daran im täglichen Leben.

Nur ein Mensch hat Gottes Willen ständig und ganz erfüllt.
Das ist der Sohn Gottes, Jesus Christus.

Das bezeugt die Bibel. Aber sie bezeugt auch, dass dies in einem notvollen Ringen, im Gebet geschehen ist. Die Evangelien erzählen, wie ER auf diesem Weg versucht wurde und wie ER sich im Gebet zu einem JA zu Gottes Willen durchgerungen hat.

Der Hebräerbrief drückt das in einer anderen Übersetzung unseres Predigtwortes
so aus: (Die gute Nachricht, Deutsche Bibelgesellschaft)
„Während seines Lebens auf der Erde betete und flehte Jesus mit lautem Schreien und unter Tränen zu dem, der ihn vom Tode retten konnte, und er bekam Antwort, weil er Gott ehrte. Obwohl er Gottes Sohn war, hat er durch seine Qualen gelernt, was Gehorsam heißt.“

In diesen knappen Worten ist die ganze Not des Leidens Jesu eingeschlossen. Es ist die Not der körperlichen Schmerzen und Qualen, aber auch die innere Not SEINES Herzens.

ER, der Sohn Gottes,
ist zur Rettung der Gemeinde und aller Menschen in die Welt gekommen!

ER erfährt die Ablehnung der Welt und der Gottesgemeinde. Die Gemeinde stößt IHN aus ihrer Gemeinschaft aus, verurteilt IHN als Gotteslästerer. Sie lässt IHN von Ungläubigen unter falscher Anschuldigung hinrichten.

Jesus weiß um das alles, was auf IHN zukommt. ER weiß, dass ER nach Gottes Willen dieses Opfer zur Rettung für die Gemeinde und für alle Menschen bringen soll. Unter Blut und Tränen ringt ER um SEIN Herzensja zu Gottes Willen, im Vertrauen auf SEINEN himmlischen Vater.

ER nimmt das alles auf sich, für alle Menschen, auch für Dich und für mich!

Wie ein Ertrinkender klammert ER sich an Gott, als SEINEN Retter.
Und Gott stärkt IHN und rettet IHN durch den Tod zum Leben.
Gott lässt IHN durch SEINE Auferstehung zum Eingangstor zu SEINER Herrlichkeit für alle Menschen werden.

Jesu Worte werden zum Heilandsruf für alle Menschen, zu einem neuen Leben mit Gott. ER verheißt allen, die zu IHN kommen und SEINEN Opfertod für sich annehmen, Gottes Heiligen Geist.

Jesus ermöglicht uns, durch diese Kraft im Gebet, auch unser Leiden anzunehmen. ER ermöglicht uns, dass auch wir Gottes tragende und rettende Kraft erbitten und empfangen können. Das kann uns neu auf Gottes Wort hören lassen, dass aus empfangener Liebe Gehorsam wächst.

Jesus sagt uns mit dem Wochenspruch:
„Der Menschensohn ist nicht gekommen, daß er sich dienen lasse, sondern daß er diene und gebe sein Leben zur Erlösung für viele“ (Mt 20,28).

Gehorsam muss nicht Leistung sein, die wir bringen müssen.
Gehorsam darf erbetenes Geschenk sein, aus einem in Liebe entflammten Herzen, wenn wir Jesu Opfer für uns annehmen.

Zu solchem Schritt schenke uns der Herr SEINEN Segen.

Es grüßt herzlich
Ihr Pfr.i.R. Steinführer