Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag Okuli, dem 3. Sonntag in der Passionszeit. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 5. Kapitel des Epheserbriefes, die Verse 1-8 a. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Das Leben im Licht

So folgt nun Gottes Beispiel als die geliebten Kinder und lebt in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt hat und hat sich selbst für uns gegeben als Gabe und Opfer, Gott zu einem lieblichen Geruch. Von Unzucht aber und jeder Art Unreinheit oder Habsucht soll bei euch nicht einmal die Rede sein, wie es sich für die Heiligen gehört. Auch schandbare und närrische und lose Reden stehen euch nicht an, sondern vielmehr Danksagung. Denn das sollt ihr wissen, dass kein Unzüchtiger oder Unreiner oder Habsüchtiger – das sind Götzendiener – ein Erbteil hat im Reich Christi und Gottes. Lasst euch von niemandem verführen mit leeren Worten; denn um dieser Dinge willen kommt der Zorn Gottes über die Kinder des Ungehorsams. Darum seid nicht ihre Mitgenossen. Denn ihr wart früher Finsternis; nun aber seid ihr Licht in dem Herrn. Lebt als Kinder des Lichts.

Liebe Gemeinde,

viele Dinge im Leben kann man eigentlich nur mit dem Gegenteil erklären. Versuchen Sie einmal jemandem den Begriff „Gut“ zu erklären, der den Sinn von dem Wort „Böse“ gar nicht kennt. Und so können wir die Aufforderung als Kinder des Lichts zu leben auch am besten dadurch erklären, wie wir eben nicht leben sollen nämlich als Kinder Finsternis. Was sollen wir als Christen also nicht tun? Das ist die zentrale Botschaft unseres heutigen Predigttextes, der die nicht gewünschten Verhaltensweisen in drei Kategorien einteilt.

1. Unzucht und Unreinheit

Für das Wort Unzucht finden wir im Urtext das Wort „Porneia“, was uns sofort auf den Begriff der Pornographie hinweist. Das ist sicherlich simpel und für jeden ganz einfach zu verstehen. Aber der Begriff porneia geht nicht etwas weiter; denn wir können ihn auch mit den Worten Götzendienst, Abfall von Gott übersetzen.

Das Wort UN-Zucht beinhaltet ja schon den Begriff: Weg von jeder Art Zucht. Wenn wir weg von aller Zucht unser Leben beschreiten, dann wird es vollkommen durcheinander, nicht mehr zielgerichtet und rein lustorientiert. So sind wir auf dem besten Wege weg von Gott. So sollen wir als Christen eben nicht leben.

Dann haben wir noch den Begriff der Unreinheit. Hier finden wir im Urtext den Begriff „Aktharsia“, welcher auch mit moralischer Unanständigkeit und Unsauberkeit übersetzt werden kann. Wir alle, liebe Gemeinde, habe ein Gewissen in uns, welches als eine Art Wächter auf uns achtet. Dieses Gewissen zeigt uns ganz genau, was moralische die Grenzen des gebotenen Verhaltens überschreitet. Und dann sollten wir reagieren und eben die Finger davon lassen.

Nun kann man aber diese jedem Menschen innewohnende moralische Instanz zum Abstumpfen bringen, indem man immer wieder gegen sie verstößt. Keine Bange, unsre Mitmenschen werden uns schon darauf hinweisen, wenn wir den Bogen zu arg überspannt haben. Dann sollten wir zu unserem Herrn im Gebet zurückkehren und ihn bitten, uns doch wieder den rechten Weg zu zeigen.

2. Habsucht

Habsucht entsteht immer zuerst durch den Vergleich. Wir vergleichen uns gern mit dem, was unsere Mitmenschen alles haben. Da ist der Nachbar, der einen Mercedes fährt, ich hingegen nur einen Golf. Da ist die Nachbarin, die nur in teuren Designerkleidern einher geht, während ich mir gerade mal die Sachen von C&A leisten kann.

Aaus diesen schnöden Vergleichen wird dann irgendwann einmal Neid. Neid ist der Zustand, wo ich dem anderen etwas missgönne, was er hat und ich eben nicht habe. Und dann kommt die nächste Stufe des Neides, die Habsucht.

Bis hierher ist ja alles auch noch so halbwegs im grünen bis grauen Bereich. Allerdings führt die Habsucht oftmals so weit, dass sich Menschen Dinge erlauben, die sie sich gar nicht leisten können. Das allerschlimmste an der Habsucht ist aber der Zustand der permanenten Unzufriedenheit. Wenn ich das eine Teil habe, dann weckt das nur die Gier nach mehr und noch mehr und noch viel mehr. Die Spirale der Habsucht hört einfach gar nicht mehr auf.

Bei vielen Menschen endet die Habsucht im positiven Falle in der privaten Insolvenz und im negativen Fall in Räumen, die von innen keine Klinken haben und deren Aussicht auch noch vergittert ist.

Wann immer sich uns, und das geschieht uns allen, ein Vergleich aufdrängt, dann sollten wir uns einfach mal zurücklehnen und überlegen, ob wir das denn wirklich alles brauchen, von dem was z.B. unser Nachbar hat. Wir sollten einmal darüber nachdenken, was wir nicht eh schon alles haben. Und wir könnten einmal ganz konsequent darüber nachdenken, was wir denn wirklich zum Leben brauchen.

Die wirklichen Essentials für das Leben sind doch ein Dach über dem Kopf, ein Einkommen, dass unseren Lebensunterhalt sichert und ein gnädiger Gott, in dessen Hände wir unser Leben ganz getrost legen können.

Das gefährliche an der Habsucht ist nämlich auch, dass diese uns immer mehr in Stück weit von Gott entfernt. Bei all unseren Bemühungen nach immer mehr vergesen wir gar manchmal, dass wir alle von dem, was wir haben nichts mitnehmen können und dass wir alle einmal vor Gott dem Schöpfer Rechenschaft über unser Leben ablegen müssen. Und dann zählt ganz bestimmt nicht mehr das, was wir uns alles erlaubt haben, dann zählt unter anderem nur noch das, was wir anderen abzugeben bereit gewesen sind.

3. Loses Reden

Wir alle, liebe Gemeinde, beherrschen immer eine Sprache mehr, als wir gelernt haben, nämlich die Sprache über andere Leute. Es ist ja auch so schön, mal so richtig abzutratschen. Ich muss dir mal was erzählen…, so fangen diese Tratschgeschichten meist an.

Lassen Sie mich dazu eine kleine Geschichte erzählen:

Zum weisen Sokrates kam ein Mann und sagte: Höre, Sokrates, ich muss dir was erzählen! Halte ein, unterbrach ihn der Weise, hast du das, was du mir sagen willst, durch die drei Siebe gesiebt? Drei Siebe?, fragte der Mann voller Verwunderung.

Ja, guter Freund ! Lass sehen, ob das, was du mir sagen willst, durch die drei Siebe hindurchgeht:

Das erste ist die Wahrheit. Hast du das, was du mir erzählen willst, geprüft, ob es wahr ist? Nein, ich hörte es jemanden erzählen und…

Aber sicher hast du das zweite Sieb geprüft. Es ist das Sieb der Güte. Ist das, was du mir erzählen willst, wirklich gut ? Zögernd sagte der Mann: Nein, im Gegenteil….

So lass uns auch noch das dritte Sieb anwenden sagte Sokrates. Ist es notwendig, dass du mir das erzählst? Notwendig nun gerade nicht, aber… antwortete der Mann.

Also sagte Sokrates lächelnd zu dem Mann: Wenn es weder wahr, noch gut, noch notwendig ist, so lass es begraben sein und belaste dich und mich nicht damit.

Liebe Gemeinde, ich versuche seit ich diese Anleitung kenne, sie in mein Leben zu integrieren. Nur leider gelingt mir die allzu oft nicht. Daher sind wir gerade bei losem Reden auf die Hilfe unseres Herrn angewiesen. Bitten wir ihn doch immer wieder, alles, was wir von uns geben wollen, zunächst durch diese drei Siebe prüfen zu lassen.

Wenn wir uns also von Unzucht und Unreinheit fernhalten, der Habsucht den Kampf ansagen und uns vor losen Reden hüten, dann liebe Gemeinde, sind wir alle auf dem besten Wege als Kinder des Lichtes zu leben. Der allmächtige Gott möge und auf diesem Wege stets ein treuer Begleiter sein.

Wie ein Gebet eines Kindes des Lichts lauten könnte, dies beschreibt der Liederdichter Johann Olearius sehr schön in dem ersten Vers seines Liedes „Herr, öffne mir die Herzenstür…“ (EG 197), der da lautet, wie folgt:

Herr, öffne mir die Herzenstür,
zieh mein Herz durch dein Wort zu dir,
lass mich dein Wort bewahren rein,
lass mich dein Kind und Erbe sein.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

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