ePredigt vom 27.08.2016 (Römer 8, 14-17)

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen 14. Sonntag nach Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 8. Kapitel des Briefes von Paulus an die Römer, die Verse 14-17. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Denn welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder. Denn ihr habt nicht einen knechtische Geist empfangen, dass ihr euch abermals fürchten müsstet; sondern ihr habt einen kindlichen Geist empfangen, durch den wir rufen: Abba, lieber Vater ! Der Geist selbst gibt Zeugnis unserm Geist, dass wir Gottes Kinder sind. Sind wir aber Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christi, wenn wir denn mit ihm leiden, damit wir auch mit zur Herrlichkeit erhoben werden.

Liebe Gemeinde,

viele Menschen sind ja der Überzeugung, dass sie möglichst viel für unseren Herrn tun müssen, um auch ja von ihm anerkannt zu werden. Als Gottesknechte sind sie permanent in Amt und Würden unterwegs um auch ja nichts falsch zu machen. Und irgendwann werden sie dann zu dem, was Gott überhaupt nicht möchte, nämlich zu total frustrierten Heiligen. Das ist übrigens keine neuzeitliche Entwicklung der Postmoderne, das gab es schon zu Paulus Zeiten. Daher hat Paulus diese Menschen auch darauf hingewiesen, dass sie eben nicht den Geist der Knechtschaft sondern den kindlichen Geist empfangen haben.

Lassen Sie uns heute Morgen einmal ein wenig näher betrachten, wo denn der Unterschied liegt zwischen einem Gottesknecht und einem Gotteskind.

1. Das Arbeitsverhältnis

Jeder Knecht ist ein ganz normaler Arbeitnehmer. Nur wenn er seiner Arbeitsleistung auch nachkommt, erhält er auch allmonatlich seinen gerechten Lohn. Er MUSS also seinem Herrn dienen, um auch von ihm entlohnt zu werden.

Ganz anders sieht dies bei einem Kind des Hauses aus. Ein Kind darf allezeit im Vaterhaus leben und all das benutzen, was auch dem Vater gehört. Ein Kind wird natürlich nicht zur Arbeit gezwungen wie ein Knecht. Natürlich freut sich der Vater, wenn sich das Kind im Hause nützlich macht, aber eine bestimmte Pflicht hat das Kind dabei nicht zu erfüllen.

Ein Kind des Hauses soll als erstes einmal in seiner Eigenschaft als Kind voll und ganz aufgehen. So ist dies auch bei uns Christen. In erster Linie sind wir einmal Kinder unseres himmlischen Vaters. In dieser Eigenschaft sollen wir vollkommen aufgehen. Täglich sollen wir uns bewusst werden, dass wir eben keine Vertragsknechte Gottes sind, sondern seine geliebten Kinder.

2. Das Familienverhältnis

Wir hatten es ja gerade schon angedeutet. Ein Knecht gehört meist nicht zur Familie. Meist wohnt er auch in einem separaten Gesindehaus und hat bis auf seine Dienstverrichtung herzlich wenig mit dem Hausherren zu tun.

Wie anders geht es uns da doch da als Kinder Gottes. Wir sind ein selbstverständlicher Teil der Familie. Während der Knecht demutsvoll von seinem Herrn in die Knie gehen muss, dürfen wir unseren himmlischen Vater sogar mit dem Kosewort Abba anreden. Heute würde man sagen „Papa“ oder „Paps“.

Ja, liebe Gemeinde, wir haben richtig gehört, so dürfen und sollen wir unseren himmlischen Vater anreden. Ganz vertraut, so wie unsere Kinder uns anreden. Alles, was unserem Vater im Himmel gehört, das gehört uns schon hier und heute ein Stück weit mit.

Natürlich hat der Hausherr gegenüber seinen Dienstbefohlenen auch eine gewisse Fürsorgepflicht, wie sie jeder Arbeitgeber auch heutzutage noch hat. Wir als Kinder unseres himmlischen Vaters stehen auch in dieser Beziehung ganz anders da, als die Knechte. Für seine geliebten Kinder hat unser Vater nämlich eine permanente Liebespflicht übernommen. Wir dürfen sicher sein, dass egal, was andere Menschen auch über uns denken, er uns indes immer der liebende Vater bleibt.

Wenn wir Sorgen haben, traurig sind oder manchmal gar nicht mehr weiterwissen, dann möchte er uns stets eine Hilfe auf allen unseren Wegen sein. Mit allem, was uns bedrückt dürfen wir jederzeit vor ihn treten und ihn um seine Hilfe bitten.

Jetzt kommt noch ein entscheidender Unterschied zum Knecht. Wenn der Knecht seine Arbeit nicht ordentlich versieht, dann wird er in aller Regel abgemahnt. Kommt er weiterhin seiner Tätigkeit nicht in der Art und Weise nach, die sein Herr von ihm erwartet, dann kann es ihm passieren, dass er hinausgeworfen wird.

Das kann uns als Kindern Gottes niemals widerfahren. Egal, was wir auch verbocken, egal wie oft wir mal wieder der Sünde nachgeben; die Liebe des himmlischen Vaters zu uns ist und bleibt grenzenlos. Er wird uns niemals hinauswerfen; er hindert uns aber auch nicht, wenn wir gehen wollen. Bei allem Bockmist, den wir verzapfen reicht eine ehrliche Entschuldigung aus und alles ist vergeben und vergessen.

3. Die Zeit

Knechte altern nun einmal. Und irgendwann können sie den ihnen gestellten Aufgaben nicht mehr gerecht werden. In aller Regel verlassen sie dann das Herrenhaus und ziehen sich auf ihren Ruhesitz zurück. Meist endet dann auch der Kontakt zum Hausherrn. Es war eben nur ein Dienstverhältnis auf Zeit.

Als Kinder Gottes sieht unsere Situation da weitaus komfortabler aus. Anstelle eines Dienstverhältnisses auf Zeit haben wir zu unserem himmlischen Vater eine Liebesverhältnis auf Ewigkeit. Ein Liebesverhältnis das niemals aufhört.

Unser Vater liebt uns in der Blüte unseres Lebens, wenn wir getrieben von seiner Liebe zu uns in unseren Diensten voll und ganz aufgehen. Aber er liebt uns ganz besonders auch im Alter, wenn wir vielleicht so rein gar nichts mehr vorzuweisen haben, was wir für ihn tun können. Er liebt uns stets und immer gleich. Nicht mal weniger und mal mehr. Wir sind und bleiben seine geliebten Kinder.

Irgendwann einmal müssen wir uns auch nicht auf unseren bescheidenen Ruhesitz zurückziehen. Irgendwann einmal, wenn unser irdisches Leben endet, holt uns der Vater, der uns schon zu Lebzeiten über alles liebte heim in sein Reich.

Das hat auch rein gar nichts damit zu tun, dass wir vielleicht besser sind als ein Knecht. Die angenommene Kindschaft ist das, was uns von einem Knecht unterscheidet. Als Kinder Gottes sind wir nicht besser, aber besser dran.

Wenn wir aus dieser Bestimmung heraus leben, dann wirkt sich das auch schon auf unser Leben auf Erden aus. Wir müssen nicht krampfhaft versuchen, wertvoll vor Gott zu erscheinen indem wir mehr und noch mehr und noch mehr für ihn leisten. Als Kinder haben wir unseren Lohn schon erhalten, nämlich das ewige Leben welches Gott für all seine geliebten Kinder bereithält. Wir müssen uns auch keine Sorgen machen, dass Gott uns seine Liebe entzieht. Seine Liebe bleibt ewiglich. Und da uns unser Vater derart liebt dürfen wir auch schon hier auf Erden darauf vertrauen, dass ER uns immer führen leiten und begleiten wird, egal wohin die Reise auch gehen mag.

Und getragen von dieser göttlichen Liebe können wir auch den nicht ganz so schönen Stunden unseres Lebens ganz getrost entgegensehen.

Möge uns dabei der Kehrvers des Liedes von Dietrich Bonhoeffer „Von guten Mächten …..“ (EG 652) stets ein kraftspendender Begleiter sein. Dieser lautet kurz und prägnant, wie folgt:

Von guten Mächten wunderbar geborgen
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Bleiben Sie alle wohlbehütet wünscht Ihnen
Ihr

Ulrich Naber