ePredigt vom 27.04.2014 (Jesaja 40, 26-31)

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag Quasimodogeniti, was übersetzt bedeutet „wie die neugeborenen Kindlein“. Den Grundstein dafür, dass wir wieder in Gottes Nähe kommen dürfen, hat Jesus mit Seinem stellvertretenden Tod für uns gelegt. Unser Predigttext beschäftigt sich mit dem nächsten Schritt. Wir könnten auch sagen : Und wie geht es weiter ? „.
Wir finden den Predigttext für den heutigen Sonntag bei dem Propheten Jesaja im 40. Kapitel,
die Verse 26-31. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Hebet eure Augen in die Höhe und seht ! Wer hat dies geschaffen ? Er führt ihr Heer vollzählig herauf und ruft sie alle mit Namen; seine Macht und starke Kraft ist so groß, dass nicht eins von ihnen fehlt.
Warum sprichst du denn, Jakob, und du, Israel, sagst: „Mein Weg ist dem Herrn verborgen, und mein Recht geht vor meinem Gott vorüber“ ? Weißt du nicht ? Hast du nicht gehört ? Der Herr, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich. Er gibt dem Müden Kraft, und Stärke genug, dem Unvermögenden. Männer werden müde und matt, und Jünglinge straucheln und fallen; aber die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.

Liebe Gemeinde,

der entscheidende Teil unseres heutigen Predigttextes steht im letzten Satz desselben. Lassen Sie uns drei Punkten ein wenig nachgehen.

1. Harren

Voraussetzung für die Kraft, die wir von unserem Herrn bekommen, ist, dass wir auf den Herrn harren. Nun ist harren ein Wort, welches wir so nicht mehr in unserem Wortschatz benutzen, jedenfalls die allermeisten unter uns nicht mehr. Also sollten wir uns zunächst die Frage stellen:
Was ist das eigentlich, das Harren ?

Unter Harren verstehen wir in diesem Zusammenhang das Hoffen und das Festhalten an Gott, auch und gerade bei Umständen, die dies nicht gerade einfach machen.

Egal, wie es mir gerade auch gehen mag, wie schlecht es um meine Gesundheit, meinen Arbeitsplatz usw. bestellt ist, ich verlasse mich allein auf meinen Herrn im Himmel. Das ist Harren. Harren ist der Blick hinter dem Augenblick, der uns wieder feste Gewissheit verleiht.

Häufig bleibt unser Blick ja an der Situation oder in der Lage hängen, in welcher wir uns gerade befinden. Und da kann es schon mal geschehen, dass wir weder ein noch aus wissen, weil wir uns in unseren Problemen verrannt haben. Doch gerade dann sollten wir einen Blick hinter diesen Augenblick wagen. Einen Blick, der über die momentane Misere herausgeht.

Wenn wir dies wagen, dann wird uns aus unserer Geduld neue Kraft erwachsen. Das sagt sich gewiss einfacher als es wirklich ist. Wenn ich einen lieben Menschen verloren habe, dann fällt es mir verdammt schwer, diesen Blick hinter den Augenblick zu tun. Aber, als Christ weiß ich, dass es danach, also nach meiner Trauer noch etwas gibt. Gott wird mich durch diesen Augenblick führen und mir den Blick hinter diesen Augenblick ermöglichen. Das ist unsere Hoffnung als Christen.

2. Auffahren mit Flügeln wie Adler

Für das Wort „Auffahren“ finden wir im Urtext das Wort „Alah“, welches soviel bedeutet, wie „Empor zu Gott“.

Wenn wir es direkt übertragen, dann bedeutet dies, die Fortbewegung von einem niedrigeren zu einem höher gelegenen Platz.

Und damit, liebe Gemeinde ist das gemeint, was wir unter geistlichem Wachstum verstehen.

Als Quasimodoginiti, also als die neugeborenen Kindlein sind wir zwar unter der Gnade unseres Herrn, aber noch vollkommen unerfahren, wenn es um das Leben als Christ geht. Und mit diesem neuen Leben als Christ geht Gott ganz behutsam mit uns um.

Zunächst einmal sollen wir nur eines, nämlich Ihm allein voll und ganz vertrauen, also auf Ihn harren. Damit haben wir die Basis für eine gute Beziehung zu Gott geschaffen. Wenn wir dies getan haben, dann verheißt Er uns, dass Er uns geistlich wachsen lassen wird.

Also ganz wichtig, nicht wir wachsen geistlich, sondern Gott lässt uns geistlich wachsen. Wenn wir es so wollen, dann gehen wir als bekehrte Christen jeden Tag unseres Lebens ein Stück weit weiter dem Himmel entgegen. Und das nicht allein auf uns gestellt, sondern immer an des Herren Hand.

Ist das nicht wunderbar, dass wir uns stets von Seiner Liebe getragen und geborgen fühlen dürfen ?

3. Laufen und nicht matt werden, wandeln und nicht müde werden

Liebe Gemeinde, was ist eigentlich unsere Aufgabe als Christen ?
Natürlich wissen wir dies alle: Wir sollen die frohe Botschaft mit den Gaben und Talenten weitergeben, die uns der Herr dafür verliehen hat.

Jetzt machen wir uns mal bitte alle nichts vor, 90% unserer Bemühungen verlaufen doch meist im Sande. Jedenfalls nach unserer Betrachtungsweise.

Wenn man über uns lacht ok, damit kann ich noch ganz gut leben. Feiner Spott und Häme lassen mich schon ein wenig unruhiger werden. Wenn ich dann auf einer Christlichen Gegendemo das Transparent lese: „Hätt Maria abgetrieben, wärt ihr uns erspart geblieben.“ dann möchte ich am liebsten….

Ja, manchmal möchte man sich dann doch wieder am liebsten zurückziehen in die Geborgenheit der eigenen Gemeinde, wo man ohne alle Unbillen Gott anbeten kann.

Und genau das, das sollen wir eben nicht tun. Die Schlacht ist dann am schönsten, wenn einem die Kugeln um die Ohren fliegen. Gerade dann, wenn solche Transparente, wie eben beschrieben uns um die Ohren gehauen werden, gerade dann müssen wir aufrecht stehen und Farbe bekennen.

Nur wer vor Gott in die Knie geht, kann vor den Menschen aufrecht stehen. Vor Gott in die Knie gehen, das ist es, was das Harren ausmacht.
Geistlich zu wachsen bildet die Basis für unsere Tätigkeit als Christen in dieser Welt. Und die Kraft des Laufens und Wandelns ohne müde und matt zu werden, die schenkt uns unser Herr.

Aber Achtung, wir haben keine Kraftreserven in uns. Gott stärkt uns immer dann, wenn wir es nötig haben. Auf Vorrat gibt es keine Kraft.
Warum eigentlich nicht ? Wenn das so wäre, dann würden wir uns, wie wir Menschen nun einmal sind, doch wieder nur auf uns verlassen und aus wäre es, die Sache mit dem Harren auf den Herrn.

Wenn Sie mich jetzt fragen, wie ich die heutige Predigt in einem Satz zusammenfassen würde, so würde ich sagen: „Die Botschaft lautet:
Dranbleiben, egal, was immer auch passiert.“
Probieren wir das doch einmal alle zusammen in der nächsten Woche.

Wer sich mit der Lebensgeschichte von Paul Gerhardt ein wenig näher befasst, der erfährt, dass er durch so manches tiefe Tal gegangen ist. Und trotz allem ist er „drangeblieben“.
Sehr schön beschreibt er dies in dem 6. Vers seines Liedes „Ich bin ein Gast auf Erden…“ (EG529), der da lautet, wie folgt:

So will ich zwar nun treiben mein Leben durch die Welt,
doch denk ich nicht zu bleiben in diesem fremden Zelt.
Ich wandre meine Straße, die zu der Heimat führt,
da mich ohn alle Maße, mein Vater trösten wird.

Der Herr gebe Dir jeden Tag die Kraft auf IHN zu harren
Der Herr lasse Dich Tag für Tag weiter geistlich wachsen
Der Herr stärke Dich Tag für Tag auf Deinem Weg mit IHM

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen besinnlichen Sonntag und einen guten Start in die neue Woche begleitet und geleitet von der Liebe unseres Herrn Jesus Christus.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber