ePredigt vom 27.03.2011 (Markus 12; 41-44)

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen 3. Sonntag in der Passionszeit mit dem Namen Okuli. Unser heutiger Predigttext beschäftigt sich mit der Opfergabe, also einem auch heute noch ziemlich heiklem Thema. Aber auch diesen Themen sollen wir uns nicht verschließen. Bevor wir über den Predigttext gemeinsam nachdenken, lassen Sie uns diesen zunächst zusammen lesen. Wir finden den Predigttext für den heutigen Sonntag im 12. Kapitel des Markusevangeliums, die Verse 41-44:

Das Scherflein der Witwe

Und Jesus setzte sich zu dem Gotteskasten gegenüber und sah zu, wie das Volk Geld einlegte in den Gotteskasten. Und viele Reiche legten viel ein. Und es kam eine arme Witwe und legte zwei Scherflein ein; das macht zusammen einen Pfennig. Und er rief seine Jünger zu sich und sprach zu
ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr in den Gotteskasten gelegt, als alle, die etwas eingelegt haben. Denn sie haben alle etwas von ihrem Überfluss eingelegt; diese aber hat von ihrer Armut ihre ganze Habe eingelegt, alles, was sie zum Leben hatte.

Liebe Gemeinde,

wenn ich das Spendenaufkommen allsonntäglich in den Kirchen einmal näher analysiere, dann komme ich zu einem ähnlichen Ergebnis, wie in unserem Predigttext: In den ärmeren Gegenden unseres Landes wird schlicht und ergreifend mehr gespendet als in den reicheren Gegenden. Eigentlich Grund genug, dass wir einmal gemeinsam über das Thema Opfergabe oder Spende nachdenken. Lassen Sie uns anhand von drei Punkten dieses Thema ein wenig intensiver angehen.

1. Was ist eine Opfergabe ?

Grundsätzlich ist eine Spende nichts anderes als ein Geschenk an jemand anderes. Mal kennen wir ihn persönlich. Ein anderes Mal spenden wir für eine größere Organisation, von welcher wir natürlich nicht wissen, an wen persönlich unsere Spende weitergeleitet wird. Was geben wir
eigentlich ab ? Dumme Frage, werden sie jetzt vielleicht denken. Aber lassen Sie uns dieser Frage trotzdem weiter nachgehen. Wir geben etwas ab, von dem, was wir uns erarbeitet haben.

Soweit, so gut. Wer hat es uns eigentlich ermöglicht, das wir eine Schule besuchen durften und einen hochwertigen Abschluss erzielen konnten ? Wer hat uns denn eigentlich einen Arbeitsplatz gegeben, an welchem wir Monat für Monat unseren Lebensunterhalt verdienen dürfen ?
Und wer erhält uns unsere Kraft und die Gesundheit, dass wir dieser Arbeit auch Tag für Tag nachgehen können ?

Es ist natürlich unser Herr, von dem wir all dies als Geschenk erhalten.
Ja, liebe Gemeinde, das Geschenk eines Arbeitsplatzes wurde vor 20 Jahren gewiss nicht als solches betrachtet. Heute aber erkennen wir den Wert eines derartigen Geschenkes. Und die Gesundheit wird meist solange als selbstverständlich hingenommen, bis uns eine Krankheit ereilt und wir vielleicht nicht mehr im gewohntem Umfange unserer Tätigkeit nachgehen können. Wenn wir die Angelegenheit mal von dieser Seite her betrachten, dann erkennen wir sofort, dass es ja Gott ist, der uns dies alles beschert.

Wenn wir dann spenden, dann geben wir eigentlich ja nur etwas von dem Geschenk zurück, welches wir von unserem Herrn erlangt haben. Wenn wir diesen Gedanken weiter aufnehmen, dann ist die Spende nichts anderes, als ein Danke an unseren Herrn, dass wir im Wohlstand aufwachsen
dürfen und ein demütiges Abgeben an die Menschen, denen es eben nicht so gut geht wie uns.

2. Wie viel sollen wir Spenden ?

Über kein anderes Thema wird so häufig diskutiert, wie über die Höhe der Spende. Paul Deitenbeck, ein evangelistischer Pfarrer aus Lüdenscheid hat einmal gesagt: „Wenn Sie jetzt doppelt so viel geben, wie Sie es sich eigentlich vorgenommen haben, dann geben Sie genau die Hälfte von dem, was Gott von Ihnen erwartet.“ Eine ganz schön steile Behauptung, fand ich.

Aber fragen wir doch einmal die Bibel. Im Alten Testament ist immer wieder vom sogenannten Zehnten die Rede. Das bedeutet nichts anderes, als dass wir 10 % dessen, was wir von unserem Herrn erhalten haben, wieder zurückgeben sollen. 10 % von unserem Gehalt, – ich merke schon, wie jetzt jeder rechnet und nicht nur ich in’s Grübeln kommt. Aber gehen wir doch einmal wirklich davon aus, dass alles, was wir an Einkommen haben ein 100 %iges Geschenk von unserem Herrn ist. Ist es dann zuviel verlangt, dass wir 10 % davon abgeben. Sehen wir es doch einmal von der
anderen Seite: 90 % verbleiben ja schließlich bei uns.

Ich habe in der letzten Woche eine interessante Hochrechnung gelesen, was die Spendenpraxis in Deutschland anbelangt. Durchschnittlich spendet jeder Mensch in Deutschland pro Jahr 1,12 €. Das Komma ist mir nicht verrutscht, liebe Gemeinde, dies ist tatsächlich so wenig. Die gleiche Studie hat einmal den Bedarf an Geld für soziale und caritative Zwecke hochgerechnet und auf die Anzahl der Spender verteilt. Wenn ein jeder von uns im Jahr 12,50 € spenden würde, dann erhielten wir alle zu Weihnachten keinen einzelnen Spendenaufruf mehr. Alle bedürftigen Menschen hätten von allem, was sie benötigen mehr als genug. Das könnte einen schon einmal in’s Grübeln bringen.

Ich selber hatte einmal in meiner Studienzeit eine Spende verweigert, da ich momentan mal nicht so flüssig war. Damals habe ich noch geraucht und der Spendensammler sagte mir ganz offen und klar: Verzichte doch einfach eine Woche auf das Rauchen und spende diesen Betrag. Du schadest eine
Woche deiner Gesundheit nicht und tust auch noch etwas gutes obendrein.
Das hat sich bei mir so festgesetzt, dass ich versuche, allen Spendenaufrufen gerecht zu werden, auch wenn ich mal auf etwas verzichten muss. Übrigens: Der zeitweise Verzicht auf etwas zeigt uns
auch oftmals, dass wir so manche Dinge nicht benötigen. Probieren Sie es doch einfach selber einmal aus.

Übrigens: Das Thema Spenden ist nicht auf Geld allein bezogen. Genau so wertvoll sind z.B. 10 % unserer Zeit, die wir Menschen schenken, die uns und unseren Beistand benötigen.

3. Die innere Einstellung

Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb, so lesen wir es in dem Wort Gottes. Das heißt nichts anderes, als dass wir das, was wir geben, von Herzen geben sollen. Wenn wir mit einem fröhlichen Herzen geben, dann wird unser Schöpfer auch dafür sorgen, dass wir niemals Mangel leiden werden. Fragen Sie mich jetzt nicht, wie das funktioniert. Ich bin nicht Gottes Generalsekretär. Ich kann Ihnen nur sagen, dass ich es dutzende Male, wenn nicht mittlerweile einige hunderte Male erlebt habe, dass es funktioniert.

Bezüglich des Reichtums gibt es ja einen schönen Spruch, den ich Ihnen an dieser Stelle nicht vorenthalten möchte:

Reich ist, wer viel hat
Reicher ist, wer wenig braucht
Am reichsten ist, wer viel gibt

Es lohnt sich wirklich ein wenig näher darüber nachzudenken. Wenn ich viel gebe, dann habe ich einen sofortigen „Zusatznutzen“ für mich selber. Ich mache mich nicht abhängig von materiellen Dingen. Ich schaffe durch das Abgeben die Grundlage dafür, dass sich mein Herz ganz
demjenigen widmen kann, dem ich mein Leben übergeben habe. Ist das nicht wunderbar ? Wir erlangen Freiheit durch Loslassen. Wir sind nicht mehr gefangen in dem Hamsterkäfig von mehr und immer noch mehr.

Lassen Sie mich kurz noch ein Letztes sagen. Ich habe ganz gewiss nichts gegen den Reichtum. Aber ich habe in unserem eigenen Bekanntenkreis leider einige Male erlebt, wie die Droge Geld Menschen süchtig machen kann. Und diese Sucht ist genau so wie die eines Heroin abhängigen
Junkies. Geldsüchtige Menschen gehen über Leichen, wenn es darum geht, an noch mehr Geld zu gelangen. Lassen Sie uns alle dieser Sucht vorbeugen.

Wenn wir neue Prioritäten in unserem Leben setzen, dann können wir auch frohen Mutes in den zweiten Vers des Liedes „Du meine Seele singe…“ von Paul Gerhardt einstimmen, der da lautet, wie folgt:

Wohl dem, der einzig schauet nach Jakobs Gott und Heil !
Wer dem sich anvertrauet, der hat das beste Teil,
das höchste Gut erlesen, den schönsten Schatz geliebt,
sein Herz und ganzes Wesen bleibt ewig ungetrübt.

Der Herr gebe Dir stets genügend Geld, damit Du Bedürftigen genug abgeben kannst
Der Herr gebe Dir nie zu viel Geld, damit sich Dein Herz nicht verhärtet
Der Herr gebe Dir ein offenes Herz, welches stets erkennt, wo es gebraucht wird

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber