Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag mit dem Namen Sexagesimae. Unser heutiger Predigttext beschäftigt sich mit dem Aufbau und dem Wachsen des Reiches Gottes. In Markus 4, die Verse 26-29, benutzt unser Herr einen interessanten Vergleich hinsichtlich des Reiches Gottes. Lassen Sie uns diesen Predigttext für den heutigen Sonntag zunächst gemeinsam lesen:

Vom Wachsen der Saat

Und er sprach: Mit dem Reiche Gottes ist es so, wie wenn ein Mensch Samen auf’s Land wirft und schläft und aufsteht, Nacht und Tag; und der Same geht auf und wächst – er weiß nicht, wie. Denn von selbst bringt die Erde Frucht, zuerst den Halm, danach die Ähre, danach den vollen Weizen in die Ähre. Wenn sie aber die Frucht gebracht hat, so schickt er alsbald die Sichel hin; denn die Ernte ist da.

Liebe Gemeinde,

ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass unser Herr, wenn Er uns das Reich Gottes erklären will, häufig scheinbar alltägliche Begebenheiten aus der Natur heranzieht ? Sicherlich will Er, dass wir erkennen, dass Schöpfer und Schöpfung einander bedingen. Wir sollen durch diese Beispiele immer wieder daran erinnert werden, dass es einen gibt, der hinter all den Geschehnissen steht. Und um dessen Reich geht es in unserem heutigen Predigttext. Schauen wir uns doch am heutigen Sonntag
einmal gemeinsam an, wie denn das Reich Gottes  bzw. als Synonym dazu der Glaube wächst und gedeiht.

1. Der Same

Weltliche Mächte feiern ja immer mit viel Tamtam, Getöse und Menschenaufläufen ihr Dasein und ihre Wichtigkeit. Je lauter und schriller, desto besser. Denken Sie nur einmal an das Getöse, welches alljährlich um die Verleihungen des Oscars gemacht wird. Rund 50 Menschen erhalten eine kleine goldfarbene Plastikfigur und die ganze Welt ist in Verzückung. Ja, liebe Gemeinde, so schaut es in der Welt aus.

Aber wie wächst denn eigentlich das Reich Gottes ? Ganz anders und doch, so möchte ich einmal behaupten, viel effizienter, weil der Schöpfer nämlich selber dahinter steht. Und dieser braucht kein menschliches Getöse, wenn Er beginnt, Sein Reich aufzubauen. Wenn das Reich Gottes bei einem Menschen einzieht, dann beginnt das ganz klein, nämlich mit einem Samenkorn. Gott legt das Samenkorn des Glaubens in unser Herz hinein; zunächst ganz klein und unscheinbar.

Damit ein Same angehen kann, das wird Ihnen jeder Gärtner bestätigen, benötigt er fruchtbare Erde und eine entsprechende Pflege. Der Glaube wächst zwar von sich aus in uns, wir können ihn aber auch ausreißen oder eingehen lassen. Ausreißen ist dabei ein aktiver Prozess, wo ein Mensch
sich aktiv gegen Gott entscheidet. Das Eingehenlassen ist eigentlich viel gefährlicher. Es ist ein schleichender Prozess. Zunächst ist man noch mit Feuereifer bei der Sache, besucht Gottesdienst und Gemeinschaftsstunden. Doch dann, nach einiger Zeit holen einen die Probleme des Alltages wieder ein.

Da wird dann der Sonntag wieder zu einem normalen Arbeitstag und die Gemeinschaftsstunden können nach und nach auch nicht mehr besucht werden. Natürlich verliert man dann auch schnell den Kontakt zu den Schwestern und Brüdern der Gemeinde.

Und hier liegt auch unsere erste christliche Verpflichtung: Wir sollen den zarten Samen hegen und pflegen und ihm reichlich Nahrung geben, damit er ja auch in unserem Herzen angehe.

Nahrung gebe ich dem Samen z.B. immer wieder, wenn ich mich mit Gottes Wort ernsthaft auseinandersetze. Hegen und pflegen kann ich den Glauben, indem ich den Kontakt zu dem, der ihn mir in mein Herz gelegt hat, nicht abreißen lasse. Wenn wir dies tun, dann kann der kleine Same in uns wachsen und gedeihen.

2. Halm, Ähre und Weizen

Bevor eine Pflanze Früchte trägt, muss sie erst einmal nach oben wachsen. Diese banale Weisheit ist natürlich nichts Neues für uns alle. Aber übertragen wir dies doch einmal auf unseren Glauben. Wenn unser Glaube nach oben wächst dann wachsen wir sinnbildlich gesprochen immer ein Stück weit unserem Schöpfer entgegen. So lange wir wachsen verringern wir die Distanz zwischen Ihm und uns und können Ihm so immer ähnlicher werden.

Das Wachstum nach oben beginnt zunächst einmal mit der Ausbildung von Wurzeln. Diese Wurzeln haben ihre Aufgabe darin, dass sie uns in stürmischen Zeiten unseres Lebens immer Halt geben und uns gewiss machen, dass wir eine feste Basis haben aus der heraus wir leben können. Ohne diese feste Basis würde ein kleiner Sturm schon ausreichen, um den wachsenden Halm umknicken zu lassen.

Wenn genügend Wurzeln vorhanden sind, erst dann beginnt die Pflanze nach oben zu wachsen. Gleichzeitig verzweigt sich das Wurzelwerk, denn es soll ja die wachsende Pflanze ernähren. Wenn der Glaube in uns Gestalt annimmt ist es besonders wichtig, dass wir nicht aufhören, uns dem Worte Gottes auch weiterhin zu widmen. Wir dürfen nicht nach dem Motto leben „Kenn ich, weiß ich, kann ich“. Als Jünger in der Schule unseres Herrn hören wir nicht auf zu lernen bis zu dem Tage, wo wir Ihm gegenüber stehen.

Interessant ist es auch zu sehen, dass der Halm und die Ähre noch keine Früchte tragen. Wozu ist eigentlich eine Frucht da ? Nun, sie soll andere Menschen satt machen. Übertragen wir dies auch auf unser Glaubensleben. In der Phase, wo wir wachsen, also noch keine Früchte tragen, werden wir auf unsere Aufgaben vorbereitet. Wir dürfen und sollen unsere enge Beziehung zu unserem Herrn immer weiter vertiefen. Wenn wir dies tun, so werden wir eine kräftige Pflanze im Reiche unseres
Herrn, die Er gerne mit Früchten versieht.

Wie wir gerade gehört haben, sind Früchte nicht um ihrer selbst willen da, sondern um andere zu sättigen. So sollen wir uns auch nicht ob unseres all so treuen Glaubens willen vor anderen Menschen brüsten. Nein, liebe Gemeinde, wir tragen diese Früchte, um unsere hungrigen
Mitmenschen zu sättigen.

Und in jeder Frucht steckt bekanntlich auch ein Same, den wir somit Dank der Hilfe unseres Herrn in das Herz der anderen Menschen legen. Was diese dann aus dem in sie hineingelegten Samen machen, das liegt nicht mehr in unserer Hand. Es ist nicht unsere Aufgabe, den Glauben in anderen
Menschen wachsen zu lasen, dies ist allein die Aufgabe unseres Herrn.
Oder wie Corrie ten Boom es einmal so schön gesagt hat:
„Wir sind nur Bettler, die anderen Bettlern sagen, wo es Brot gibt.“

3. Die Ernte

Irgendwann ist die Zeit der Ernte gekommen. So ist es auch im Reiche Gottes. Wenn unsere Aufgaben hier auf Erden erfüllt sind, dann liebe Gemeinde, dürfen wir darauf vertrauen, dass uns unser Herr in Sein Reich abberuft. Die Zeit der Ernte ist also etwas ganz und gar nicht trauriges. Die Zeit der Ernte ist die Zeit, wo wir getrost die Hände in den Schoß legen dürfen und uns darauf freuen können, dass wir IHM, der Himmel und Erde gemacht hat, persönlich gegenüberstehen.

Ja nicht nur das. Wir dürfen als Seine geliebten Kinder ewige Gemeinschaft mit dem Vater haben. Er möchte Sein Reich mit uns teilen. Aber bis es soweit ist dürfen wir dafür sorgen, dass möglichst viele unserer Mitgeschwister auf Erden die gleiche Aussicht auf eine Ewigkeit in Seiner Herrlichkeit haben, wie wir. Und in diesem Sinne lassen Sie uns fröhlich unseren Dienst versehen und allen Menschen weitersagen, wo es das Brot des Lebens gibt.

Manchmal, liebe Gemeinde, fällt uns dieser Dienst nicht ganz so leicht.
Dies war sicherlich auch schon dem Liederdichter Philipp Spitta bekannt.
Mit dem ersten Vers seines Liedes „Ich steh in meines Herren Hand…“
tröstet er uns sehr schön durch solche Zeiten hindurch. Dieser Vers
lautet, wie folgt:

Ich steh in meines Herren Hand
und will drin stehen bleiben;
nicht Erdennot, nicht Erdentand
soll mich daraus vertreiben.
und wenn zerfällt die ganze Welt
wer sich an ihn und wen er hält,
wird wohlbehalten bleiben.

Der Herr lasse den Samen des Glaubens in Deinem Herzen wohl gedeihen
Der Herr lasse Dich jeden Tag auf’s Neue Früchte des Glaubens tragen
Der Herr lasse Dich diese Früchte an alle hungrigen Mitmenschen weitergeben

Amen.

Liebe Gemeinde,

lassen Sie uns alle unter dem Segen und dem Beistand unseres Herrn Jesus Christus wohlgemut in die neue Woche gehen. Möge ER uns bei allem, was uns bevorsteht beistehen.

In diesem Sinne grüße ich Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

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