ePredigt vom 26.08.2012 (Apostelgeschichte 3, 1-10)

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen 12. Sonntag nach Trinitatis. Unser heutiger Predigttext beschäftigt sich mit einem Thema, welches wohl in allen Kirchen, Glaubensgemeinschaften und sonstigen kirchlichen Organisationen recht kontrovers diskutiert wird. Das Thema des heutigen Predigttextes lautet: Wunder. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir in der Apostelgeschichte, Kapitel 3, die Verse 1-10. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Petrus aber und Johannes gingen hinauf in den Tempel um die neunte Stunde, zur Gebetszeit. Und es wurde ein Mann herbeigetragen, lahm vom Mutterleibe; den setzte man täglich vor die Tür des Tempels, die da heißt die Schöne, damit er um Almosen bettelte bei denen, die in den Tempel gingen. Als er nun Petrus und Johannes sah, wie sie in den Tempel hineingehen wollten, bat er um ein Almosen. Petrus aber blickte ihn an mit Johannes und sprach: Sieh uns an ! Und er sah sie an und wartete darauf, dass er etwas von ihnen empfinge. Petrus aber sprach: Silber und Gold habe ich nicht; was ich aber habe, das gebe ich dir: Im Namen Jesu Christi von Nazareth steh auf und geh umher ! Und er ergriff ihn bei der rechten Hand und richtete ihn auf. Sogleich wurden seine Füße und Knöchel fest, er sprang auf, konnte gehen und stehen und ging mit ihnen in den Tempel, lief und sprang umher und lobte Gott. Und es sah ihn alles Volk umhergehen und Gott loben. Sie erkannten ihn auch, dass er es war, der vor der schönen Tür des Tempels gesessen und um Almosen
gebettelt hatte; und Verwunderung und Entsetzen erfüllte sie über das, was ihm widerfahren war.

Liebe Gemeinde,

warum geschehen heuter weniger Wunder als zur Zeit Jesu ? Oder geschehen genau so viele Wunder ? Warum sind wir immer gleich so skeptisch, wenn es um Wunder geht ? Lassen Sie uns über diese und weitere Themen ein wenig näher nachdenken. Schauen wir uns dazu doch einfach das Wunder des heutigen Predigttextes an. Man kann es in drei Schritten unterteilen.

1. Vor dem Wunder

In unserem Predigttext erleben wir etwas ganz besonderes, nämlich das erste Wunder „nach“ Jesus. Die Wunder endeten nicht mit dem Tode oder der Himmelfahrt Jesu, nein die Wunder geschehen bis zum heutigen Tage weiter. Wer sich näher dafür interessiert, dem rate ich an, sich einmal auf einer der vielen katholischen Websites umzuschauen und dort nach bestätigten Wundern zu suchen.

Bevor es überhaupt zu einem Wunder kommt, werden Petrus und Johannes auf wundersame Weise zu dem gelähmten Mann geführt. Sie sind genau am richtigen Tag zur rechten Zeit am richtigen Ort. Denken wir doch einmal daran, wie oft uns Gott zur rechten Zeit an den rechten Ort gestellt hat, um dort Gutes zu bewirken. Denken Sie heute Nachmittag ruhig einmal darüber nach. Dieses Eingreifen Gottes können wir ruhig schon einmal als Wunder betrachten.

Bevor alledings das eigentliche Wunder geschieht lesen wir etwas eigentümliches. Petrus sagt zu dem gelähmten Mann: „Sieh uns an !“ Dies war schon etwas besonderes, wenn ein einfacher Bettler einem Gönner in die Augen sehen sollte. Dies stellte ihn auf die Stufe mit dem Gebenden und forderte natürlich auch Vertrauen heraus. So dürfen wir diese Aufforderung auch verstehen. Mit dem „Sieh uns an !“ ist sinnbildlich ein „Vertrau Jesus allein“ gemeint.

Erleben wir vielleicht manchmal scheinbar so wenig Wunder, weil uns dies so schwer fällt ? Haben wir bei allem Gottvertrauen nicht auch oft noch einen Restzweifel in uns ? Versuchen wir es doch, wie der gelähmte Mann in unserem Preigttext. Vertrauen wir doch wieder Jesus allein.

2. Das Wunder

Im Namen Jesu Christi geschieht das Wunder. Es ist nicht Petrus, der das Wunder bewirkt, wie wir es bei oberflächlicher Betrachtung des Textes vielleicht annehmen könnten, nein es ist die Autorität unseres Herrn Jesus Christus, die durch Petrus hindurch dieses Wunder bewirkt.

Dies müssen wir uns immer wieder vor Augen führen. Egal, was für ein Wunder passiert, es ist immer der Herr, durch den dieses Wunder passiert. Wenn bei einer Heilung durch Handauflegung die Gesundung eintritt, dann ist es nicht der Mensch, der die Hand auflegt, der etwas bewirkt, sondern es ist der Herr Jesus Christus, der durch diesen Heiler hindurch wirkt. Auch heute noch nach 2000 Jahren.

Vielleicht maßen wir „neuzeitlichen“ Menschen uns ja manchmal auch zuviel an. Schauen wir nur die Anzeigen von Wunderheilern in den entsprechenden Esoterikmagazinen. Ganz unverhohlen wird dort mit Heilsgarantien geworben. Wenn wir alles auf den Heiler projizieren, dann wird in der Regel nichts geschehen. Wenn wir aber alles auf den Herrn Jesus projizieren, dann kann tatsächlich ein Wunder geschehen.

Und noch eines ist ganz wichtig. Wunder können, müssen aber nicht passieren. Es ist alles allein die Entscheidung des Herrn Jesus. Ich habe es selber erlebt, dass der eine Patient geheilt wurde und der
andere Patient weiter seine Krankheit in sich trug. Das hat auch nichts mit mangelndem Vetrtrauen zu tun. Denken wir immer daran, Wunder sind die Ausnahmen und nicht die Regel. Und keiner von uns hat irgendeinen Rechtsanspruch auf ein Wunder.

3. Nach dem Wunder

Schon Jesus war es passiert. Da hatte er zehn Aussätzige geheilt, und nur einer kam zurück um sich zu bedanken. Und dies ist bis zum heutigen Tage gleich geblieben. Wenn Gott uns auf wundersame Weise behütet und bewahrt, dann ist dies schließlich sein Job. Und wehe, wenn er dies nicht macht.

Wenn wir so mit Wundern in underem Leben umgehen, dann dürfen wir uns in der Tat nicht wundern, dass wir so wenige Wunder erleben. Was machte eigentlich der Gelähmte aus unserem Predigttext ? „Er sprang umher und lobte Gott.“ Ich kann die Luftsprünge des Mannes förmlich vor meinem geistigen Auge sehen. Und das ist es auch, was Gott von uns erwartet. Er wartet darauf, dass wir ihm danken für alles, was er an uns tut.

Es ist nämlich nicht selbstverständlich, dass wir jeden morgen gesund aufwachen. Es ist auch nicht selbstverständlich, dass wir immer genug zu essen haben. Und es ist auch nicht selbstverständlich, dass wir in einem Land leben dürfen, in welchem seit über 70 Jahren Frieden herrscht.
Danken wir doch Gott einmal wieder für diese Wunder.

Ich bin mir sicher, dass wir aus dieser Sichtweise heraus, wieder mehr Wunder in unserem eigenen Leben erkennen können. Probieren wir es doch gleich einmal aus.

Dieses unbedingte Vertrauen auf Gott drückte der Liederdichter Joachim Neander sehr schön in dem ersten Vers seines Liedes „Wunderbarer König, Herrscher von uns allen…“ aus, der da lautet, wie folgt:

Wunderbarer König, Herrscher von uns allen,
lass dir unser Lob gefallen.
Deine Vatergüte hast du lassen fließen,
ob wir schon dich oft verließen.
Hilf uns noch, stärk uns doch;
lass die Zunge singen, lass die Stimme klingen.

Der Herr segene Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber