Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag, dem Sonntag Jubilate. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir bei Johannes im 15. Kapitel, die Verse 1-8. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Der wahre Weinstock

Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater der Weingärtner. Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, wird er wegnehmen; und eine jede, die Frucht bringt, wird er reinigen, dass sie mehr Frucht bringe. Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe.
Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer, und sie müssen brennen. Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch
bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren.
Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.

Liebe Gemeinde,

hatten wir in der letzten Woche einen Vergleich aus dem Tierreich, so haben wir es heute analog dazu mit einem Vergleich aus dem Pflanzenreich zu tun. Jesus sagt von sich, dass er der wahre Weinstock sei.

Ich hab einmal im Internet recherchiert und herausgefunden, dass es tatsächlich einen Weinstock gibt, der seit über 400 Jahren alljährlich auf’s Neue Früchte trägt. Was für ein Weinstock ist da unser Herr Jesus, trägt er doch schon seit 2000 Jahren Tag für Tag Früchte.

Lassen Sie uns am heutigen Sonntag doch einmal den Weinstock in seiner Gesamtheit betrachten und die einzelnen Bestandteile von ihm näher analysieren.

1. Der Weinstock

Der Weinstock spendet den Reben einen festen Standort, ist er doch ganz fest mit dem Erdreich verbunden und verwurzelt. Dies will der Herr Jesus auch für uns sein, der feste Grund auf dem wir unser Leben aufbauen.

Stellen wir uns einmal vor, wir bauen ein Haus ohne Fundament. Bei den ersten witterungsbedingten Unbillen wird es wohl sofort ineinander stürzen. Haben wir indes unser Haus auf ein festes Fundament gebaut, dann können ihm die Stürme und anderen Unwetter so gut wie gar nichts anhaben. So ist es auch mit all den Menschen, die Jesus Christus als Lebensfundament erwählt haben.

Natürlich sind auch wir, die wir dies getan haben, den Stürmen des Lebens ausgesetzt. Natürlich wird sich im übertragenen Sinne auch einmal die eine oder andere Dachpfanne lösen, aber das Gesamtwerk unseres Lebenshauses trotzt allen Unbillen des Lebens.

Eine Rebe braucht bekanntermaßen auch Nahrung. Ohne diese kann sie nicht überleben. So auch wir als Christen. Unser Herr versorgt uns mit allem, was wir zum Leben benötigen. Zunächst einmal erhalten wir von ihm unsere geistliche Nahrung. So lernen wir unseren Herrn immer besser kennen und wir lernen auch von ihm die Wege zu erkennen, die er für uns vorbereitet hat. Ohne diese geistliche Nahrung würden wir alsbald in die Irre laufen.

Aber auch die ganz konkrete tägliche physiologische Nahrung stellt uns unser Herr bereit. Er sorgt dafür, dass wir alles, was wir benötigen, auch tatsächlich erhalten. Zumindest zeigt er uns den Weg dahin. Wir sind schon manchmal ein komisches Geschlecht. Wir trauen dem Herrn zwar zu, dass er die Welt in seinen Händen hält und wir sind sicher, dass er der Schöpfer allen Lebens ist. Aber wenn es um uns ganz persönlich geht, um unsere ganz konkrete Nahrung, dann können wir uns auf einmal nicht mehr so recht vorstellen, dass unser Herr auch dafür sorgt.

Liebe Gemeinde, wir sind unserem Herrn viel zu wichtig, als dass er sich nicht um uns kümmern würde. Daher dürfen wir ganz getrost all unsere Nöte, Sorgen und Probleme auf ihn werfen, denn er sorgt für uns.

2. Die Rebe

Wenn denn nun schon alles für uns getan ist, was sollen wir denn dann noch tun ? Ganz einfach, einfach dranbleiben an dem Weinstock. Unsere Aufgabe als Reben des Weinstocks ist es, ganz nah an Jesus dranzubleiben.

Wie machen wir das? Wenn mich eine bestimmte Persönlichkeit interessiert und ich möchte etwas mehr von ihr erfahren, dann schaue ich bei Wikipedia nach. Und schon bin ich ein Stück weit schlauer. Unser christliches Wikipedia ist natürlich die Bibel. Dort erfahren wir alles über unseren Herrn Jesus Christus.

Dranbleiben heißt aber nicht nur alles über ihn zu erfahren, sondern auch in Erfahrung zu bringen, was er denn für mein Leben vorgesehen hat. Den groben Weg, den ich als Christ gehen soll, den zeichnet mir die Bibel natürlich vor. An welcher Stelle in meinem Leben ich welchen Abzweig, welche Umleitung oder welche Abkürzung nehmen soll, dies erfahre ich direkt von meinem Herrn ganz persönlich.

Wir sollen uns immer wieder vor Augen führen, dass unser Herr ja nur einen Gebetsanruf von uns entfern ist und nur darauf wartet, dass wir Kontakt zu ihm aufnehmen. Deshalb bete ich auch zu meinem Herrn. Deshalb halte ich den täglichen Kontakt zu meinem Herrn aufrecht. Deshalb komme
ich mit all meinen Nöten und Sorgen aber auch mit allen freudigen Ereignissen in meinem Leben zunächst zu ihm. Ich habe in meinem Leben noch keinen ernsthaften Beter kennengelernt, der nicht von Gott erhört worden ist.

Dranbleiben heißt übrigens nicht, dass der Weinstock mein ganz persönlicher Wunscherfüllugsautomat ist. Salopp gesagt haben wir keinen „Wünsch Dir was Gott“, sondern einen „Du kriegst alles, was Du brauchst Gott“ zu dem wir beten.

3. Die Früchte

Wenn Sie Weintrauben kaufen, nehmen Sie dann die alten, gammeligen und schon leicht zermatschten Trauben oder lieber die schönen, prallen und frischen Trauben? So soll es auch mit uns sein.

Wir sollen schöne pralle Früchte sein, die jeder gern haben will. Übersetzt heißt dies: Wir sollen unser Christenleben so leben, dass alle, die mit uns zu tun haben sagen: So möchte ich auch sein. So möchte ich auch leben. Wie macht der das nur?

Wenn es uns gelingt, Menschen neugierig auf diesen Weinstock zu machen, wenn es uns gelingt, dass diese Menschen sagen: Ja ich will auch so eine Rebe sein, dann haben wir unseren Auftrag auf Erden voll und ganz erfüllt.

Um jetzt ja nicht missverstanden zu werden. Wir sollen nun nicht mit einem permanenten Dauergrinsen durch die Gegend laufen, stets einen Choral vor uns hin summend und der Welt erklären, wie easy und leicht das Leben mit unserem Herrn doch ist. Leider gibt es wirklich solche, ich
muss leider sagen „Spinner“. Das Leben ist auch für uns Christen nicht immer easy und leicht. Und oftmals steht mir der Sinn so ganz und gar nicht nach einem fröhlichen Choral. Aber ich bin und bleibe auf ewig Teil des Weinstocks, der mich auch in solchen Zeiten nicht verhungern lässt.

Lassen Sie uns am besten gleich damit beginnen, diese Botschaft, wie man so schön sagt unters Volk zu bringen.

An Jesus dranbleiben, das drückte der Liederdichter Gerhard Tersteegen sehr schön n dem 2. Vers seines Liedes „Ich bete an die Macht der Liebe…“ (EG 661) aus, der da lautet, wie folgt:

Ich bete an die Macht der Liebe, die sich in Jesus offenbart;
ich geb mich hin dem freien Triebe, wodurch ich Wurm geliebet ward;
ich will, anstatt an mich zu denken, ins Meer der Liebe mich versenken.

Der Herr versorge Dich jeden Tag mit geistlicher und körperlicher Nahrung
Der Herr helfe Dir, dass Du Dein ganzes Leben lang ganz nah an ihm dran bleibst
Der Herr mache Dich zu fröhlichen Boten seiner frohen Botschaft

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

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