Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 1. Weihnachtsfeiertag.
Sehen wir uns unsere Krippe doch einmal ganz pragmatisch an. Wir sind anwesend, das Kind in der Krippe ist anwesend. Da stellt sich doch dann ganz einfach die Frage: Wie komme ich denn nun zu dem Kind in der Krippe ? Und genau das erfahren wir in unserem heutigen Predigttext. Wir finden den Predigttext für den heutigen 1. Weihnachtsfeiertag bei Titus im 3.
Kapitel, die Verse 4-7. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Als aber erschien die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes, unseres Heilands, machte er uns selig – nicht um der Werke der Gerechtigkeit willen, die wir getan hatten, sondern nach seiner Barmherzigkeit – durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung im Heiligen Geist, den er über uns reichlich ausgegossen hat durch Jesus Christus, unsern Heiland, damit wir, durch dessen Gnade gerecht geworden, Erben des ewigen Lebens würden nach unserer Hoffnung.

Liebe Gemeinde,

hier haben wir sie also soeben gehört, die Antwort auf die eingangs gestellte Frage. Lassen Sie uns diese Antwort einmal genauer betrachten.

1. So nicht

Nicht um der Werke der Gerechtigkeit willen. Wir sind es ja als Menschen gewohnt, dass wir für alles, was wir erlangen wollen, erst einmal etwas leisten müssen. Das ist in unserem ganzen Leben so. Ohne lernen keine guten Zensuren. Ohne Arbeit kein Lohn. Dies überträgt sich dann ganz automatisch auch auf all unsere anderen Lebensbereiche.

Und dann müssen wir schmerzlich in Erfahrung bringen, dass wir von uns aus nichts aber auch gar nichts machen können, um mit Gott versöhnt zu werden. Und dabei würden wir doch so gerne so viel tun, um in den Himmel zu kommen. Was würden wir nicht alles tun wollen um dereinst an der Himmelspforte unseren Leistungsnachweis abgeben zu können.

Aber all die guten Werke bringen uns nicht die gewünschte Erlösung und damit auch nicht einen Schritt näher zu Gott. Wohlgemerkt das heißt nicht, dass wir keine guten Werke tun sollen, das heißt nur, dass uns gute Werke nicht die Erlösung bringen.

Aber wie kommen wir denn in den Genuss der Vergebung unserer Sünden ?

2. Durch Barmherzigkeit, Wiedergeburt, Heiliger Geist

Wir verdanken es allein der Gnade unseres Herrn, dass uns unsere Sünden vergeben werden und wir verdanken es allein der Barmherzigkeit, dass wir mit den Folgen unserer Sünden weiterleben können.

Durch die Gnade Gottes haben wir Vergebung der Sünden erlangt. Aber es sind nach wie vor die Folgen der Sünden überall um uns herum und vielleicht auch in uns spürbar. Was nutzt mir aber die Gnade, wenn ich mich weiter mit Selbstvorwürfen quäle und immer wieder von der eigenen Schuld bzw. deren Folgen eingeholt werde ?

Ich bin ja auch nach der Sündenvergebung der gleiche Ulli Naber, der ich auch vorher war.

Und jetzt kommt die Barmherzigkeit ins Spiel. Durch Gott dürfen wir das Wunder der Wiedergeburt erfahren. In Gott wiedergeboren zu werden können wir uns ruhig einmal so vorstellen, als wenn unser altes Leben, das Leben 1.0 ausgelöscht wird und wir ein vollkommen neues Leben das 2.0 Leben geschenkt bekommen. Wir sehen zwar noch unseren alten 1.0 Menschen, wir leben aber nicht mehr in ihm, sondern in unserem neuen 2.0 Menschen.

Und dann werden wir auch noch im Heiligen Geist erneuert. Was bedeutet den dieses ? Gehen wir noch einmal einen Schritt zurück. Uns ist Gnade widerfahren, also wurden die Sünden vergeben. Wir haben durch Barmherzigkeit unser 2.0 Leben erhalten, mit welchem wir ganz von vorn neu durchstarten können.

Wenn wir so durchstarten, also mit Gnade und Barmherzigkeit ausgestattet, dann geht der Schuss ganz bestimmt nach hinten los. Wir machen irgendwann genau so weiter wie bisher. Und das will Gott natürlich nicht. Gott, liebe Gemeinde, macht keine halben Sachen.

Und somit brauchen wir auch Gottes Hilfe, damit der Neustart nicht zum Rohrkrepierer wird. Wenn der Heilige Geist in uns einzieht, wenn also Jesus in unsere Herzen einzieht, dann bestimmt ER fortan, wie es mit unserem neuen Leben weitergeht. Er bestimmt die Richtung. Laufen müssen wir dann schon selber. Glauben besteht nicht aus Herrgott, Hängematte und irgendwann dann den Himmel erreichen.

Glaube heißt, den Anweisungen zu folgen, die ER, der in uns Wohnung genommen hat, uns erteilt. Die erfahren wir allerdings nur dann, wenn wir auch mit ihm reden. Wir Christen nennen das allgemein Gebet. Im Gebet zeigt uns unser Herr dann schon, was wir tun sollen. Wer gut zugehört hat, der kommt jetzt bestimmt an den Punkt, wo er sagen kann:
Jetzt haste Dich aber selber widersprochen. Erst keine guten Taten und jetzt doch ?

Liebe Gemeinde, jetzt müssen wir die guten Taten unterscheiden. Durch gute Werke können wir nichts zu unserer Erlösung beitragen. Das bleibt auch so. Aber wenn wir Gnade und Barmherzigkeit erfahren haben, dann wird uns unser Herr schon zu guten Werken anleiten. Und jetzt tun wir die guten Werke nicht mehr, um selig zu werden, sondern aus der Seligkeit heraus werden wir tätig.

3. Erbe

Gnade, Barmherzigkeit, Heiliger Geist warum das alles ? Ohne lebt es sich doch auch ganz gut auf Erden. Und wollen wir mal so sagen: Es ist schon eine Einschränkung, wenn ich auf einmal meinen lieben Sünden nicht mehr nachgehen kann. Und warum soll ich dann ausgerechnet auf den hören, der bei mir eingezogen ist ?

Fragen, die man sich sicher stellen darf. Wollen wir versuchen, auch noch diese letzte Frage zu beantworten.

Durch Gnade und Barmherzigkeit sind wir Gottes Kinder geworden. Vorher waren wir nur seine Geschöpfe. Die Kindschaft hingegen bedeutet, dass wir mit unserem Vater im Himmel in gerader Linie verwandt sind. Wir dürfen ihn übrigens auch ganz vertraut mit „Papa“ anreden.

Als Kind habe ich immer einen liebenden Vater um mich herum, der sich in allen Belangen um mich sorgt und kümmert. Ihm allein darf ich mein ganzes Vertrauen schenken, was ER auch niemals missbrauchen wird.

Als Kind Gottes habe ich mich aber auch an die Hausordnung Gottes zu halten. Und diese ist bestimmt nicht schwer, vielleicht anfangs ein wenig gewöhnungsbedürftig. Und zu dieser Hausordnung gehören unter anderem auch die guten Werke. Übrigens: Gut ausformuliert finden wir Gottes Hausordnung im 5.-7. Kapitel des Matthäusevangeliums. Lesen Sie es doch einfach mal wieder.

Wir sind aber nicht nur Kinder unseres Vaters im Himmel. Nein, mit der Kindschaft sind wir auch Erben geworden.

Und als Erbe haben wir auch einen unmittelbaren Anspruch an den Erblasser. Diesen können übrigens nur wir einseitig kündigen. Gott als Erblasser kann uns unser Erbe nicht einfach wieder wegnehmen. Als Erbe habe ich Anspruch auf alles, was dem Erblasser gehört. In unserem Falle habe ich als Erbe einen Rechtsanspruch, dereinst meine himmlische Wohnung beziehen zu dürfen. Als erlöster Mensch muss ich mich nicht mehr duckmäuserisch meinem Herrn im Himmel nähern und immer wieder um Gnade winseln.

Als erlöster Mensch kann ich frei mit meinem Vater im Himmel über alles reden, was mir auf dem Herzen liegt und ich darf ganz gewiss sein, dass ich im Augenblick meines Ablebens her auf Erden meine neue Wohnung im Himmel beziehen werde.

Das ist es übrigens auch, was uns von allen Religionen dieser Erde unterscheidet. Wir wissen, wo wir hingehen, wenn unsere Zeit hier abgelaufen ist. Wir ahnen und wünschen uns nicht nur, in den Himmel zu kommen, wir wissen, dass wir in den Himmel kommen werden, so wir es denn auch wirklich wollen.

Den Weg auf Erden und unser Ziel im Himmel beide beschreibt der Liederdichter Paul Gerhardt sehr schön in dem 6. Vers seines Liedes:
„Ich bin ein Gast auf Erden…“ (EG 529), der da lautet, wie folgt:

So will ich zwar nun treiben mein Leben durch die Welt, doch denk ich nicht zu bleiben in diesem fremden Zelt.
Ich wandre meine Straße, die zu der Heimat führt, da mich ohn alle Maße mein Vater trösten wird.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten 1. Weihnachtsfeiertag.
Bleiben Sie bis zum morgigen Tag wohlbehütet von unserem Vater im Himmel.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

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