ePredigt vom 25.04.2011 (Lukas 24;36-45)

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen Ostermontag. Das Auferstehungsgeschehen beschäftigt uns sicherlich alle noch und ist sicherlich auch über die Ostertage hinweg in unseren Herzen gegenwärtig. Aber auch am Ostermontag geschah etwas ganz besonderes. An diesem Tage waren zwei Jünger auf dem Weg nach Emmaus. Die Stimmung war getrübt und Zweifel bestimmten ihre innere Grundhaltung.

Und um Zweifel geht es auch in unserem heutigen Predigttext, den wir bei dem Evangelisten
Lukas im 24. Kapitel, die Verse 36-45 finden.
Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Jesu Erscheinung vor den Jüngern

Als sie aber davon redeten, trat er selbst, Jesus, mitten unter sie und sprach zu ihnen:
Friede sei mit euch ! Sie erschraken aber und fürchteten sich und meinten, sie sähen einen Geist. Und er sprach zu ihnen: Was seid ihr so erschrocken, und warum kommen solche Gedanken in
euer Herz ? Seht meine Hände und meine Füße, ich bin’s selber. Fasst mich an und seht; denn ein Geist hat nicht Fleisch und Knochen, wie ihr seht, dass ich sie habe. Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen Hände und Füße. Als sie aber noch nicht glaubten vor Freude und sich
verwunderten, sprach er zu ihnen: Habt ihr hier etwas zu essen ? Und sie legten ihm ein Stück gebratenen Fisch vor. Und er nahm’s und aß vor ihnen. Er sprach aber zu ihnen: Das sind meine Worte, die ich zu euch gesagt habe, als ich noch bei euch war: Es muss alles erfüllt werden,
was von mir geschrieben steht im Gesetz des Mose, in den Propheten und in den Psalmen.
Da öffnete er ihnen das Verständnis, so dass sie die Schrift verstanden.

Liebe Gemeinde,

heute beschäftigen wir uns also mit einem allgegenwärtigen Thema, welches auch uns als Christen immer wieder ereilt, dem Zweifel. Ich wage einmal folgende Behauptung:
Wer als Christ noch niemals gezweifelt hat, der ist entweder noch ganz jung im Glauben oder aber er hat überhaupt noch nicht erkannt, worauf er sich eigentlich eingelassen hat.
Also Zweifel sind also nichts ungewöhnliches in unserem Leben. Lassen Sie uns aber dennoch am heutigen Ostermontag ein wenig näher mit den Zweifeln beschäftigen.

1. Zweifel erlaubt oder verboten ?

In manchen christlichen Gemeinschaften werden Zweifel immer als ein Indiz für einen Kleinglauben angesehen und sind somit verwerflich. Für den, der zweifelt, ist das natürlich auch keine wirkliche Hilfe. Schauen wir uns doch einmal an, wie unser Herr mit Zweifeln umgeht.

Eigentlich könnte man ja erwarten, dass Jesus Seinen Jüngern erst einmal eine gewaltige Standpauke hält, als sie Ihn nicht sogleich erkennen, bzw. auch noch an der Echtheit Seiner Erscheinung zweifeln. Aber ganz im Gegenteil. Jesus sieht die Zweifel als etwas ganz normales und auch notwendiges an. Wer zweifelt, der beschäftigt sich ja auch mit einer Angelegenheit. Wer zweifelt zeigt also ein grundsätzliches Interesse.

Ganz anders übrigens der Skeptiker, er schiebt eine Sache sofort an die Seite nach dem Motto von Christian Morgenstern: „Also schloss er messerscharf, weil nicht sein kann, was nicht sein darf.“

Der Zweifler möchte also überzeugt werden. Und diese Menschen liebt unser Herr. Wir sollen aus tiefstem Herzen und aus tiefster Überzeugung unser „Ja“ zu Ihm sagen. Nur dieses eherne „Ja“ wird auch die Stürme des Lebens überstehen. Dieses „Ja“ bildet einen festen Grund in unserem
Leben, der zwar mal wanken kann, aber der immer der feste Grund bleibt.

Halten wir also zunächst einmal fest: Zweifel sind erlaubt.
Nun sollten wir uns natürlich damit beschäftigen, wie denn diese Zweifel ausgeräumt werden.
In unserem Predigttext finden wir zwei Wege, die unser Herr mit dem Zweifler beschreitet:

2. Der falsche Weg, Zweifel zu beseitigen

Wir alle kennen doch diesen abgedroschenen Spruch: „Ich glaube nur, was ich sehe.“
Stimmt der eigentlich ? Würden wir glauben, wenn wir Jesus wirklich sehen könnten, wie Ihn die Jünger gesehen haben. Schauen wir doch wieder einmal in unseren Predigttext. Jesus zeigt sich den Jüngern in Seinem ganzen Auferstehungsleib. Jesus sah also genau so aus, wie vor seinem Tode. Die Jünger konnten Ihn sehen und sogar anfassen. Haben sie sich davon überzeugen lassen ?
Nein, wir lesen nach diesem Geschehen: „Als sie aber noch nicht glaubten…“.

Um den endgültigen Beweis Seiner leibhaftigen Auferstehung anzutreten,
verzehrt Jesus vor Seinen Jüngern einen Fisch. Und dies kann wahrhaftig kein Geist.
Aber glaubten die Jünger jetzt endlich ?
Nein, das taten sie offensichtlich nicht.

Der Herr Jesus kennt uns und unser zweifelndes Herz auch heute noch all zu gut. Ihm, dem es gewiss möglich wäre, uns ein Zeichen zu senden, kommt es nicht in den Sinn dies zu tun. Warum nicht ? Ganz einfach. Wir sind genau so geprägt wie die Jünger damals. Haben wir ein Zeichen
erhalten, fordern wir zur Gewissheit ein zweites. Dieses wird aber auch auf Dauer nicht ausreichen, also verlangen wir weitere Zeichen. Und letztendlich kommt nichts dabei heraus, außer, dass wir vielleicht noch mehr zweifeln.

Daher hat unser Herr einen viel besseren Weg gefunden, uns von unseren
Zweifeln zu befreien, nämlich:

3. Die Überzeugung durch das Wort Gottes.

Jesus legt den Jüngern die Schrift aus. Und als Er dieses tut, werden ihnen die Augen geöffnet und sie werden so von all ihren Zweifeln befreit.
Und diese Schrift, die Bibel, die steht uns auch heute noch zur Verfügung. Geleitet von Gottes Geist entdecken wir in ihr alle Geheimnisse des Glaubens. Je mehr wir uns mit dem Wort Gottes
beschäftigen, desto mehr werden auch uns die Augen aufgetan.

Wenn Jesus uns mit äußeren Zeichen die Zweifel wegnehmen wollte, dann würden nur unsere äußeren Augen dies erkennen. Unsere inneren Augen wären nach wie vor mit Blindheit geschlagen. Mit dem Wort Gottes aber werden auch unsere inneren Augen aufgetan und wir dürfen die ganze
Herrlichkeit des Evangeliums erkennen.

Das interessante ist, dass dies auch Auswirkungen auf die äußeren Augen, ich nenne sie einmal Sehorgane, hat. Sind unsere Inneren Augen von der Blindheit des Unglaubens befreit worden, so erkennen unsere Sehorgane auf einmal auch Gottes Wesen und Wirken in der äußeren Welt.

Und genau so erging es auch den Jüngern. Als Zweifler könnte man ja nun sagen: Ja gut, aber damals ist Jesus ja auch direkt zu den Jüngern gegangen und war schließlich unmittelbar gegenwärtig.

Liebe Gemeinde, dies tut Er auch heute noch. Vor eines jeden Herzens Türe steht unser Herr und wartet darauf, hineingelassen zu werden. Doch häufig sind unsere Herzen dermaßen verstockt und mit allen möglichen anderen Dingen beschäftigt, dass wir dies gar nicht wahrnehmen.

Gerade die Osterzeit ist doch eine gute Gelegenheit, unser Leben wieder zu „entschleunigen“ und es frei zu machen für Gottes Wort und Sein Wirken in und an uns. Lassen wir den Herrn doch wieder in uns SEIN Werk tun. Nicht nur heute und morgen, sondern einen jeden Tag den wir erleben
dürfen. Wenn wir so wollen, von Ostern bis zur Ewigkeit.

Wenn der Herr wieder Einzug in unser Herz gehalten hat, dann können wir
freudig in den ersten Vers des Liedes „Herr, du hast mich angerührt…“
einstimmen, der da lautet, wie folgt:

Herr, du hast mich angerührt.
Lange lag ich krank darnieder,
aber nun die Seele spürt:
Alte Kräfte kehren wieder.
Neue Tage leuchten mir.
Gott, du lebst. Ich danke dir.

Der Herr öffne Deine inneren Augen, damit Deine Zweifel keinen Raum mehr
haben
Der Herr zerstreue Deine Zweifel indem Du SEINE Herrlichkeit erkennen kannst
Der Herr ersetze Deine Zweifel durch SEINE Herrlichkeit, die fortan in Dir lebt

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen besinnlichen Ostermontag und eine
schöne Woche, welche mit der Osterfreude gefüllt sein möge.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr
Ulrich Naber