ePredigt vom 24.12.2015 (Titus 2, 11-14)

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen Heiligabend im Jahre 2015. Ich möchte Ihnen allen ein gesegnetes Weihnachtsfest wünschen. Zu Weihnachten gibt es ja bekanntermaßen Geschenke. Und über ein Geschenk erfahren wir mehr in unserem heutigen Predigttext. Den Predigttext für den heutigen Abend finden wir bei Titus im 2. Kapitel, die Verse 11-14.
Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Die heilsame Gnade

Denn es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen und nimmt uns in Zucht, dass wir absagen dem ungöttlichen Wesen und den weltlichen Begierden und besonnen, gerecht und fromm in dieser Welt leben und warten auf die selige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes und unseres Heilandes Jesus Christus, der sich selbst für uns gegeben hat, damit er uns erlöste von aller Ungerechtigkeit und reinigte sich selbst ein Volk zum Eigentum, das eifrig wäre zu guten Werken.

Liebe Gemeinde,

Lichterglanz in allen Städten, Weihnachtseinkäufe, die noch erledigt werden müssen und all die vielen Weihnachtsfeiern halten uns manchmal ganz schön auf Trab. Manchmal so sehr, dass wir vergessen, um was es denn eigentlich an Weihnachten geht. Gut, alle, die wir heute hier versammelt sind, wissen es ja, aber das sind bekanntermaßen gerade mal
2-3 % der Bevölkerung insgesamt.

Und da ruft uns der Titusbrief mit einem ganz einfachen Satz das ins Gedächtnis zurück, was an Weihnachten geschehen ist: „Denn es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen…“Lassen Sie uns diese zentrale Botschaft am heutigen Abend einmal etwas intensiver betrachten.

1. Es ist erschienen

Wenn man all die vielen Krippen sieht, fromme und manchmal auch weniger fromme Weihnachtslieder hört dann sieht das alles so niedlich aus und hört sich so heimelig an, dass man vermuten könnte, es handele sich um eine fromme Legende derer wir alljährlich zu Weihnachten gedenken.

Und nach Weihnachten werden die Krippen und Weihnachts-CD’s und all der Weihnachtsschmuck wieder für 11 Monate auf den Speicher verbannt. Wer so mit Weihnachten umgeht, liebe Gemeinde, der hat in der Tat noch gar nichts von Weihnachten verstanden.

„Es ist erschienen“ bedeutet nämlich dass der heilige Gott auf die Erde kam. Genau der Gott, der Himmel und Erde gemacht hat kam zu Weihnachten als Mensch auf diese Welt. Auch wenn das Kind in der Krippe so niedlich ausschaut, sollten wir uns immer wieder daran erinnern, wen wir denn da wirklich betrachten. Es ist nämlich der heilige Gott, der dort in Menschengestalt liegt.

Am Mainstream hat sich übrigens auch nach 2000 Jahren nichts geändert.
Da besuchte Gott höchstpersönlich seine Erde und man hatte noch nicht einmal ein gescheites Hotelzimmer für ihn. Alles, was man für ihn übrig hatte war ein Stall. So sehr liebt Gott einen jeden Menschen von uns, dass er sich auch nicht zu schade war, in einem Stall geboren zu werden.

Ich glaube, wenn wir jetzt einmal in Richtung Krippe schauen, dann sehen wir das Kind dort mit ganz anderen Augen an. Lassen Sie uns diesen veränderten Blickwinkel nicht nur zu Weihnachten, sondern das ganze Jahr über in unserem Herzen behalten.

2. Die heilsame Gnade

Gut, zu Weihnachten wurde Jesus geboren. Das wissen immerhin noch die meisten Menschen. Dass dieses aber auch einen tieferen Sinn hatte, das wird meist in den Hintergrund gedrängt.

Wie erklären wir unseren Mitmenschen den nun die Sache mit der heilsamen Gnade. Oftmals geht es ja schon damit los, dass die Menschen von sich behaupten ein vollkommen rechtschaffendes Leben zu führen. Die meisten betrügen nicht, respektieren das Eigentum der anderen Menschen und sind auch sonst nicht strafrechtlich relevant in Erscheinung getreten. Wer so lebt, de behauptet gern von sich, dass er doch gar keine Gnade brauche.

Vordergründig scheint dies auch richtig zu sein. Allerdings werden wir von Gott nicht nach dem deutschen Strafgesetzbuch abgeurteilt, sondern nach dem himmlischen Strafrecht. Und dort ist alles schon dann ein Verbrechen, wenn wir es auch nur denken. Jeder auch nur gedachte Ehebruch ist vor Gott ein Verbrechen. Jeder Streit mit unseren Mitmenschen ist vor Gott ein Verbrechen. Jede unterlassene Hilfeleistung ist vor Gott ein Verbrechen. Gott hat auch einen ganz bestimmten Terminus für diese Himmelsverbrechen, er nennt sie Sünde.

Seit Adam und Eva sind wir alle Sünder. Keiner unter uns ist wirklich ohne Sünde. Wir sind in Gottes Augen also alle Straftäter, die ihre gerechte Strafe verdient haben. Und die gerechte Strafe wäre ein Leben ohne Gott in der Hölle und dies nicht zeitlich begrenzt sondern für alle Ewigkeit.

Nun kennen wir ja alle den Satz „Gnade vor Recht ergehen lassen“. Genau dies hat Gott getan. In der Gestalt von Jesus kam ER in diese Welt um seine Gnade damit zum Ausdruck zu bringen, dass er all das, was wir eigentlich verdient hätten auf sich genommen hat und die Strafe dafür bezahlt hat. Was für ein Weihnachtsgeschenk !!!

Allerdings gilt dies nur für die Menschen, die dieses Gnadengeschenk auch annehmen wollen. Wer trotz besseren Wissens immer noch davon überzeugt ist, er benötige keine Gnade, der muss in der Tat auch für all seine Sünden selber geradestehen.

Diese heilsame Gnade ist zum einen, wie wir gesehen haben, auf unsere Sünden gerichtet. Aber diese Gnade geht noch weiter. Mit allem, was uns persönlich belastet und bedrückt und was uns vielleicht auch seelisch krank macht, mit all dem dürfen wir zu Jesus kommen und ihn bitten, uns wieder zu heilen. Wenn wir ihn ernstlich bitten, so wird er uns auch heilen. Vielleicht nicht immer mit dem Mittel, wie wir es uns denken, aber immer mit der „Himmelsmedizin“, die genau die richtige für uns ist.

3. Allen Menschen

Liebe Gemeinde, wir sind kein elitärer in sich geschlossener Verein, der für sich allein die Gnade unseres Herrn in Anspruch nehmen darf. Man hat ja manchmal so den Eindruck, dass die „Kirchgänger“ ein ganz besonderes Volk sind.

Hüten wir uns davor so zu denken. Wenn Gott sagt „Allen Menschen“ dann meint er auch alle Menschen. Dann meint er auch unseren vielleicht noch voll und ganz gottlosen Nachbarn. Dann meint er aber auch den Obdachlosen am Straßenrand. Und dann meint er auch die unzähligen Flüchtlinge, die jetzt gerade, häufig getrennt von ihren Familien ein Leben unter teils menschenunwürdigen Verhältnissen führen müssen.

Warum erinnere ich uns gerade an Weihnachten daran ? Nun, wir haben gesehen, welch wunderbares Geschenk uns unser Herr bereitet hat. Dieses Geschenk können wir vermehren, indem wir es weitergeben. Reichen wir doch dieses Geschenk allen Menschen weiter, von denen wir annehmen, dass sie es gut gebrauchen können. Nehmen wir doch Weihnachten wieder mal zum Anlass, uns daran zu erinnern, dass Gott niemals wegsieht sondern stets dem Hilfesuchenden zur Seite steht. Wenn Gott diesen Menschen nicht aufgibt, dann können wir es doch auch nicht. Dann können wir auch nur noch eines tun, nämlich auf den zugehen, der unsere Hilfe benötigt.

Wenn wir dies mit Herzen, Mund und Händen tun, dann haben wir alle das Wort Weihnachten mit prallem göttlichen Leben gefüllt.

Lassen Sie uns zum Abschluss des heutigen Gottesdienstes gemeinsam einstimmen in den ersten Vers des Weihnachtsliedes von Paul Gerhardt „Ich steh an deiner Krippen hier“ (EG 37), der da lautet, wie folgt:

Ich steh an deiner Krippen hier, o Jesu, du mein Leben; ich komme, bring und schenke dir, was du mir hast gegeben.
Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn, Herz, Seel und Mut nimm alles hin und lass dir’s wohlgefallen.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen nunmehr einen schönen und besinnlichen Heiligabend und freue mich, morgen wieder bei Ihnen sein zu dürfen.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

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