ePredigt vom 24.12.2012 (Johannes 7, 28-29)

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen Nachmittag des 24.12.2012.
Ich wünsche uns allen, dass wir neben Geschenken, Weihnachtsbaum und Weihnachtsessen noch etwas mehr mitnehmen, auch über das Weihnachtsfest hinaus. Darum geht es auch in unserem heutigen Predigttext.

Wir finden den Predigttext für den Heiligabend bei dem Evangelisten Johannes im 7. Kapitel, die Verse 28-29. Lassen Sie uns zunächst hören, was uns Johannes zum Thema Weihnachten sagen will:

Da rief Jesus, der im Tempel lehrte: Ihr kennt mich und wisst, woher ich bin. Aber nicht von mir selbst aus bin ich gekommen, sondern es ist ein Wahrhaftiger, der mich gesandt hat, den ihr nicht kennt. Ich aber kenne ihn; denn ich bin von ihm, und er hat mich gesandt.

Liebe Gemeinde,

dieser Text hat zunächst so gar nichts weihnachtliches in sich. Wenn wir ihn aber in den rechten Kontext setzen, dann kommt etwas ganz wunderbares dabei heraus, nämlich:
Gottes Liebesbrief an uns. Lassen Sie uns zusammen über diesen Predigttext ein wenig nachdenken.

Woraus besteht ein Brief ? Eigentlich eine lächerliche Frage. Lassen Sie uns diese Frage aber trotzdem beantworten.

1. Absender

Wenn wir einen Brief erhalten, dann wollen wir natürlich wissen von wem er ist. Nun, der Liebesbrief Gottes trägt natürlich Seinen Absender. Haben wir das eigentlich alle verstanden ? Der allmächtige Gott, der Schöpfer des Himmels und der Erde schreibt einem jeden von uns ganz
persönlich einen Liebesbrief. Das kann man auch nicht verstehen,
jedenfalls nicht mit unserem Verstande.

2. Umschlag

Ein Brief befindet sich gewöhnlich in einem Umschlag, der den wertvollen Inhalt umhüllt. Beziehen wir diesen äußeren Umschlag einmal auf Weihnachten. Das Kind, welches wir in der Krippe sehen ist der äußere Umschlag. Auch wenn es am heutigen Tage die Hauptperson ist, es ist
nicht die frohe Botschaft.

In den letzten Wochen hat sich sehr viel um dieses Kind in der Krippe gedreht. Und wenn die Feiertage vorüber sind, dann bauen wir unsere Krippen wieder ab und sie werden bis zum nächsten Jahr auf dem Dachboden gelagert. Genau so machen es viele Menschen mit dem Glauben.

Viele Menschen nehmen nur den Umschlag wahr, also das Umfeld, was wir alle betrachten können. Gewiss, Weihnachtslieder werden gesungen und die Weihnachtsgeschichte kennt man auch. Aber über das Babyalter hinaus kommt Jesus in vielen Herzen gar nicht vor.

Aber, liebe Gemeinde, Jesus ist mehr, viel mehr als das Kind in der Krippe.

3. Inhalt

Jeder Liebesbrief hat natürlich auch einen Inhalt. Mit diesem Inhalt soll der oder die Geliebte angerührt werden. Den Inhalt des Liebesbriefes Gottes an uns finden wir im Neuen Testament. Dort können wir erfahren, dass Jesus nicht auf das Kind in der Krippe reduziert werden darf. Dort erfahren wir, wie sehr uns unser Herr liebt. Doch schauen wir uns die Botschaft einmal in aller Kürze an. Was steht denn nun drin in dem Liebesbrief Gottes ?

Die Kernaussage des Liebesbriefes ist die, dass Gott uns so sehr liebt, dass Er uns von all unseren Sünden, unserer Schuld und allem befreien und erretten will, was der Beziehung zu Ihm im Wege steht.

Wir können all unsere „Altlasten“ loswerden und ganz einfach im Gebet auf Ihn werfen. Wenn wir dies tun, dann sind all unsere Sünden vergeben und wir sind frei für die Liebesbeziehung zu Gott.

Das ist übrigens nicht mit irgendwelchen Kraftanstrengungen verbunden. Wir müssen uns nur von Gott lieben lassen. Einfach lieben lassen – ohne aufrechnende Gegenleistungen. Das passt so gar nicht mit unserem Verstand zusammen. Daher kommt noch etwas hinzu. Wir müssen IHM einfach vertrauen.

Ich weiß auch nur, dass es einen lebendigen Gott gibt. Wie genau Er wann und wo in unsere Geschicke eingreift, das entzieht sich meiner Kenntnis. Aber ich vertraue darauf, dass Er zur rechten Zeit am rechten Ort auch mich immer behütet und beschützt. Wie das geht, das ist mir auch egal, mir ist nur wichtig, dass es funktioniert. Und ich kann nur aus eigener Erfahrung sagen, dass dies seit über 54 Jahren gut geklappt hat. Warum soll ich da noch zweifeln ?

Neben dem sich lieben lassen, und vertrauen kommt noch ein Punkt hinzu:
Der Glaube. Über den Glauben sind schon manche kluge Bücher geschrieben worden. Eine Definition hat mir besonders gut gefallen:
„Glaube ist mein Vertrauen in das, was bei Gott wahr ist.“

4. Adressat

Ein Liebesbrief ist ja immer auch etwas ganz privates. Und das ist der Liebesbrief Gottes an uns auch. Gott sendet den Liebesbrief ganz persönlich an einen jeden von uns. Wir müssen ihn nur aufmachen und aus dem Umschlag holen, ihn lesen und seinen Ratschlägen folgen.

Wenn wir dies tun, dann haben wir Weihnachten richtig verstanden. Dann haben wir auch verstanden, dass die Worte dieses Liebesbriefes nicht nur zur Weihnachtszeit gelten, sondern das ganze Jahr über, ja, liebe Gemeinde, sogar unser ganzes Leben lang. Wenn wir diesen Liebesbrief sorgsam in unseren Herzen tragen, dann dürfen wir auch dem Worte Jesu glauben wenn Er sagt: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“

Gibt es ein schöneres Weihnachtsgeschenk, als die ausgestreckte Hand Gottes annehmen zu dürfen, mit der Er uns verspricht in Ewigkeit mit uns vereint sein zu wollen. Jedes noch so tolle und teure Geschenk kommt nicht ansatzweise an das heran, was uns Gott schenken will. Nehmen wir das Geschenk also in Freuden an.

Diesen Liebesbrief Gottes beschreibt auch Paul Gerhardt sehr schön in dem 3. Vers seines Liedes „Kommt und lasst uns Christus ehren…“, der da lautet, wie folgt:

Sehet, was hat Gott gegeben:
Seinen Sohn zum ewgen Leben.
Dieser kann und will uns heben
aus dem Leid ins Himmels Freud

Lassen Sie uns nun alle nach Hause gehen unter dem wunderbaren
Aaronitischen Segen:

Der Herr segne Dich und behüte Dich;
der Herr lasse SEIN Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig;
der Herr hebe SEIN Angesicht über Dich und gebe Dir SEINEN Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen einen besinnlichen und natürlich auch fröhlichen Heiligabend. Bis zum morgigen Tage seien Sie alle geborgen in der unendlichen Liebe unseres Herrn.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber