ePredigt vom 24.12.2010 (Johannes 3; 16-21)

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am Heiligabend des Jahres 2010.
„Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.“

Diese Worte sprach der Engel des Herrn zu den Hirten auf dem Felde vor über 2000 Jahren. Und diese Worte haben auch heute noch die gleiche Gültigkeit, wie vor 2000 Jahren. Näheres zu diesen Worten und die Folgen, die sich daraus ergeben, erfahren wir in unserem heutigen Predigttext. Wir finden den Predigttext für den heutigen Heiligabend im Johannesevangelium, Kapitel 3, die Verse 16-21. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde.
Wer an ihn glaubt, der wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet, denn er glaubt nicht an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes. Das ist aber das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht, denn ihre Werke waren böse. Wer Böses tut, der hasst das Licht und kommt nicht zu dem Licht, damit seine Werke nicht aufgedeckt werden. Wer aber die Wahrheit tut, der kommt zu dem Licht, damit offenbar wird, dass seine Werke in Gott getan sind.

Liebe Gemeinde,

Johannes 3, Vers 16, wer kennt ihn nicht, diesen bekannten Vers. Bei all zu bekannten Versen neigt man ja schnell dazu, diese zu überlesen nach dem Motto „Kenn ich bestens, nichts Neues“.
Das geht mir bei dieser und anderen Bibelstellen auch immer so. Wird diese bekannte Stelle zum Predigttext, dann denkt man natürlich intensiver über diesen Text nach. Bei genauerem Hinsehen fiel mir auf, dass dieser Text in Johannes 3,16 eine Liste von drei Geschenken enthält, die uns unser Herr passend zum Heiligabend persönlich überreichen möchte. Lassen Sie uns doch heute gemeinsam diese drei Geschenke auspacken.

1. Vergebung der Sünden

Wenn wir uns die Opferriten im Alten Testament ein wenig näher anschauen, so war für die Entsühnung für begangene Sünden schon ein gewaltiges Procedere notwendig. Nicht einmalig, sondern in ganz bestimmten Zeitabschnitten mussten diese Rituale nach einer ganz bestimmten Ordnung durchgeführt werden. Fehlerhafte oder unvollständige Entsühnungsrituale führten dazu, dass begangene Sünden nicht vergeben waren und der Sünder bis zu einer fehlerfreien Entsühnung als verloren galt.

Wenn wir in unserem heutigen Predigttext die Worte „verloren werden“ lesen, so finden wir im Urtext das Wort „Apollymi“. Etwas genauer übersetzt bedeutet dies: Nicht nur zeitlich, sondern für alle Ewigkeit getötet sein. Mit anderen Worten ausgedrückt, erwartete den nicht gerechtfertigten Sünder zu Zeiten des Alten Testamentes nicht der Himmel, sondern die Hölle.

Wie gewaltig ist da doch unser heutiges erstes Geschenk. Mit dem Kind, dass wir in der Krippe liegen sehen, hat Gott SEINEN Sohn in die Welt gesandt. Und alle Menschen, die an IHN glauben sind nicht mehr verloren. Mit der Erlösungstat unseres Heilandes waren ein für alle Mal alle Sünden vergeben. Mit einem Male war die gesamte Menschheit von allen Opferriten dieser Welt befreit. Allein der Glaube reicht für die Vergebung der Sünden aus.

Was für ein gewaltiges Geschenk. Aber es kommt noch besser

2. Das ewige Leben

Nicht verloren werden ist die eine Seite. Aber was haben wir genau davon. In dem Moment, wo wir sterben, sterben wir also erlöst. Wenn sich dieses Sterben von dem unerlösten Sterben in nichts unterscheidet, dann macht in der Tat das Erlösungswerk unseres Herrn keinen Sinn. Dann wäre
es auch unsinnig, wenn wir uns am heutigen Tage an der Krippe und unter dem Kreuz versammeln, um den Heiligen Abend zu feiern.

Aber unser Predigttext geht ja noch weiter mit den Worten: „Sondern das ewige Leben haben“. Im Klartext gesagt heißt dies: Christus hat für uns den Tod überwunden. Für uns Christen gibt es keinen Tod mehr. Wir haben bereits hier auf Erden die Zusage, dass es mit dem Ablegen unserer
körperlichen Hülle weiter geht. Vergleichen können wir diesen Vorgang durchaus mit einem Samenkorn. Wir bekommen von unserem Herrn ein Samenkorn in die Hand gedrückt. Diesen wertvollen Besitz halten wir unser Leben lang ganz fest umklammert. Aber ein Samenkorn kann
bekanntermaßen nur aufgehen, wenn es in die Erde gelegt wird. Und dann erwächst daraus ein neues Leben.

Wir haben also hier auf Erden in gewisser Hinsicht schon das ewige Leben als Gutschein in der Hand, können diesen aber erst in dem Moment unseres irdischen Ablebens einlösen.

Was für ein gewaltiges zweites Geschenk. Aber es kommt noch besser.

3. Ewige Gemeinschaft

Ewiges Leben, so sagte es mir einmal ein Bekannter, ist ja ganz schön, aber den ganzen Tag auf irgendeiner Wolke verbringen und christliche Choräle singen ist nicht mein Ding. Mein Ding übrigens auch nicht. So steht es jedenfalls auch nicht in der Bibel. Und wenn es wirklich so
wäre, dann liebe Gemeinde würde sich wohl kaum einer auf den Himmel und das Ewige Leben freuen.

Was macht denn nun das Ewige Leben so reizvoll ? Nun es ist ja nicht nur das Ewige Leben, sondern das Ewige Leben in der ständigen Gemeinschaft mit unserem Herrn. Eine kurze Beschreibung dessen, was uns erwartet finden wir in Offenbarung 21, 3,4: „Und er (Gott) wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das erste ist vergangen.“

Angesichts der Nachrichtenlage auf dieser Welt kann man es sich schon kaum mehr vorstellen, eine Welt ohne Kriege ohne Tod und Leid. Und gerade für dieses Unvorstellbare wird am heutigen Tage mit dem Kind in der Krippe der Grundstein gelegt.

Was für ein gewaltiges drittes Geschenk. Aber was müssen wir tun, um dieses Geschenk zu erhalten ? Gar nichts, liebe Gemeinde, wir müssen es nur entgegennehmen und auspacken. Die Bibel sagt dazu das Wort „G l a u b e n“.

Das ist in der Tat die einzige Voraussetzung. In unserem heutigen Predigttext lesen wir:
„Damit alle, die an ihn glauben…“. Und dies, liebe Gemeinde sollte uns nicht nur ein Anrecht, sondern auch eine Verpflichtung zugleich sein. Eine Verpflichtung dahingehend, dass wir möglichst vielen Menschen davon erzählen, welche drei wunderbaren Geschenke das Kind in der Krippe auch für sie bereit hält.

Traditionell singen wir an den Weihnachtstagen als Schlusslied in jedem Gottesdienst das Lied „O du fröhliche“. Lassen Sie uns diese Tradition auch in diesem Jahre aufrecht erhalten, indem wir am Heiligen Abend den ersten Vers dieses Liedes singen, der da lautet, wie folgt:

O du fröhliche, o du selige,
gnadenbringende Weihnachtszeit !
Welt ging verloren, Christ ist geboren:
Freue, freue dich, o Christenheit !

Der Herr mache Dich gewiss, dass Du SEIN erlöstes und geliebtes Kind bist
Der Herr lasse Dich erkennen, dass Dich das Ewige Leben in SEINER Gemeinschaft erwartet
Der Herr gebe Dir die Kraft und den Mut, dies Deinen Mitmenschen weiter zu sagen

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen ein gesegnetes Weihnachtsfest. Mögen Sie alle genügend Ruhe und Muße finden, damit der Heiland, der heute geboren worden ist auch Einzug halten kann in Ihre Herzen. Möge ER nicht nur Einzug halten, sondern dauerhaft in einem jeden von uns Wohnung finden.
Das wünsche ich uns allen zu dem diesjährigen Weihnachtsfest.

Diesen Wünschen schließen wir uns als Teil des e-predigt-Teams an
und grüßen herzlich

Jens und Waltraud Steinführer

Bis zum morgigen Tage verabschiede ich mich und grüße Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber