Liebe Lesergemeinde!
Ich grüße Sie herzlich am 20. Sonntag nach Trinitatis.
Das Predigtwort steht für diesen Sonntag im 1.Thessalonicherbrief im 4. Kapitel,
in den Versen 1 – 8:²

„Weiter, liebe Brüder, bitten wir euch und ermahnen in dem Herrn Jesus, da ihr von uns empfangen habt – wie ihr sollt wandeln und Gott gefallen, was ihr ja auch tut -, daß ihr darin immer völliger werdet. Denn ihr wisset, welche Gebote wir euch gegeben haben durch den Herrn Jesus. Denn das ist der Wille Gottes, eure Heiligung, daß ihr meidet die Unzucht und ein jeglicher unter euch sein eigen Weib zu gewinnen suche in Heiligung und Ehrbarkeit, nicht in gieriger Lust wie die Heiden, die von Gott nichts wissen; und daß niemand zu weit gehe und betrüge seinen Bruder in solcher Sache; denn der Herr ist ein Rächer über das alles, wie wir euch schon zuvor gesagt und bezeugt haben. Denn Gott hat uns nicht berufen zur Unreinigkeit, sondern zur Heiligung. Wer dies nun verachtet, der verachtet nicht Menschen, sondern Gott, der seinen heiligen Geist in euch gibt.“

Der Herr segne an uns SEIN Wort!

Liebe Gemeinde!
Unsere Dörfer sind in diesen Tagen wie herbstlich geschmückte Fenster.
Es liegt an unsere Herzen, ob unsere Augen das sehen.
Es liegt an unsere Verbundenheit mit Gott, ob wir davon zum Gottesdank geführt werden oder nicht.

Sehen und leben wir aus der Verbindung von Gottesgeschenk und Menschenmühe?

Viele leben nach der Werbung: 3-2-1-meins!
Die Betonung auf -meins- gilt bei ihnen nicht nur für das, was mit Mühen erworben ist, sondern für alles, was ihnen zugefallen ist. So präsentieren sie auch alles, was sie besitzen.

Zäune, Hecken und Mauern sind nicht nur Ausdruck für berechtigtes Schutzbedürfnis für das Eigene, sondern auch gestaltgewordener Ausdruck: das ist meins!

Natürlich brauchen wir Grenzen für das Eigene, aber auch Grenzen für unsere Freiheit. Die eigene Freiheit muss auch die Freiheit des Anderen respektieren. Immer wieder gerät Macht in die Gefahr, die Freiheit des Anderen zu eigenem Vorteil einzuschränken. Lebensentfaltung und Lebensmöglichkeiten Anderer werden eingeschränkt oder zerstört. Das gilt im Kleinen wie im Großen. Manches davon haben wir unter staatlicher Regulierung erlebt. Anderes begegnet uns heute als wirtschaftlicher Zwang oder Sozialabbau. Aber wir erleben auch in Ordnungen religiöser Gemeinschaften Unfreiheit.

Da erinnert uns Paulus im Monatsspruch von Oktober:
„Wo der Geist des Herrn wirkt, da ist Freiheit“ (2.Kor. 3,17).

Gottes Geist wirkt in der Gemeinde Räume der Freiheit. Das kann durch SEIN Wort und SEINE Gegenwart mitten in der Unfreiheit geschehen. Und es kann geschehen, dass uns Wege zur Freiheit gezeigt und wir auf diese Wege geführt werden.

Gottes Geist, den wir in Jesu Gemeinschaft empfangen haben, ist ein Geist der Freiheit. Er ist ein Geist, der Leben verändert und neu ermöglicht.

Das gilt auch für das Leben im Miteinander in der Gemeinde. Anstöße zur Veränderung in der Gemeinde können von Außen kommen, aber auch innerhalb der Gemeinde. Die Ausrichtung einer Veränderung aber muss immer aus der Begegnung mit dem lebendigen Gott und SEINEM Wort geschehen. Wirtschaftliche Zwänge oder weltliche Zeitströmungen wirken kein neues Leben in der Gemeinde.

Der Spruch unserer Woche gibt uns die Richtung an:
„Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott“ (Micha 6,8).

Die uns von Gott geschenkte Freiheit richtet uns auf Gott und unsere Mitmenschen aus. Und Gottes Wort zeigt uns die Grenze, die wir nicht ohne Schaden für uns und für Andere überschreiten können. Im Hören auf Gottes Wort und im Gebet können wir lernen, mit der geschenkten Freiheit umzugehen.

Gottes Wort bewahrt uns davor, Zeitströmungen in der Gemeinde und in der Welt unbesehen zu übernehmen. Gottes Wort will uns im Miteinander in der Gemeinde und in unserem Wirken in der Welt auf Gott ausrichten. Dazu gehört das Annehmen der Gaben Gottes und der rechte Umgang mit den Gaben.

Paulus weist im Predigtwort auf den rechten Umgang mit dem besonderen Geschenk innigster Gemeinschaft zwischen Männer und Frauen:
„Denn das ist der Wille Gottes, eure Heiligung, daß ihr meidet die Unzucht und ein jeglicher unter euch sein eigen Weib zu gewinnen suche in Heiligung und Ehrbarkeit … und das niemand zu weit gehe und betrüge seinen Bruder in solcher Sache … Denn Gott hat euch nicht berufen zur Unreinheit, sondern zur Heiligung. Wer dies nun verachtet, der verachtet nicht Menschen, sondern Gott, der seinen heiligen Geist in euch gibt.“

Paulus spricht aus seiner Zeit heraus die Männer an, das gleiche gilt aber auch für die Frauen. Es geht im Miteinander von Frauen und Männer, weniger um das Festschreiben eines moralischen Verbotes als um geschenkte Freiheit, die in der Freiheit des Partners ihre Grenzen hat. Jeder hat die Freiheit, sich für die volle Gemeinschaft mit einem anderen Partner zu entscheiden.

Aber wenn beide eine gemeinsame Entscheidung füreinander getroffen haben, gehen sie eine Bindung ein, die nicht ohne Verletzung und Schuld einseitig aufgegeben oder beendet werden kann. Solche Schuld muss mit dem Partner und mit Gott bereinigt werden, um für beide Partner ein neues Leben zu ermöglichen. Solcher Weg ist im Glauben an Christus möglich.

Aber es kann auch sein, dass der Partner so verletzt ist, dass man mit der Last der Schuld leben muss. Untreue ist keine normale Lebensfreiheit und Sexualität ist mehr als ein Spaßfaktor. Wir sollten uns nicht von gängigen Weltvorstellungen täuschen lassen.

Wer die Grenzen geschenkter Freiheit nicht respektiert, begibt sich in eine Unfreiheit, die sein Leben belastet und ihm die Quelle zu einem Leben in Gottes Gemeinschaft verschüttet. Er wird es schwer haben, für sich den Zugang zur rettenden Gnade in Jesu zu sehen.

Die Warnung des Paulus will nicht richten oder verdammen, sondern helfend bewahren, Gottes Geschenk nicht leichtfertig weg zu werfen und im Ungehorsam Gottes Wort und Gemeinschaft beiseite zu schieben.

Paulus lädt ein zu einem Leben in der Gemeinschaft Gottes, das uns hier und in Ewigkeit Räume der Freiheit öffnet.

Gottes Geist heilige unser Leben unter dem Segen des Herrn.
Es grüßt herzlich
Pfr.i.R. Steinführer

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