Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen 10. Sonntag nach Trinitatis mit dem Wochenspruch für die kommende Woche „Wohl dem Volk, dessen Gott der Herr ist, das er zum Erbe erwählt hat.“ (Psalm 33,12).
Und um dieses Wohl geht es auch in unserem heutigen Predigttext. Wir finden den Predigttext für den heutigen Sonntag im Römerbrief, Kapitel 11, die Verse 35-32. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Ich will euch, liebe Brüder, dieses Geheimnis nicht verhehlen, damit ihr euch nicht selbst für klug haltet: Verstockung ist einem Teil Israels widerfahren, so lange bis die Fülle der Heiden zum Heil gelangt ist ;
und so wird ganz Israel gerettet werden, wie geschrieben steht (Jesaja 59,20; Jeremia 31,33): „Es wird kommen aus Zion der Erlöser, der abwenden wird alle Gottlosigkeit von Jakob. Und dies ist mein Bund mit ihnen, wenn ich ihre Sünden wegnehmen werde.“ Im Blick auf das Evangelium sind sie zwar Feinde um euretwillen; aber im Blick auf die
Erwählung sind sie Geliebte um der Väter willen. Denn Gottes Gaben und Berufung können ihn nicht gereuen. Denn wir ihr zuvor ungehorsam gewesen seid, nun aber Barmherzigkeit erlangt habe wegen ihres Ungehorsams, so sind auch jene jetzt ungehorsam geworden wegen der Barmherzigkeit, die euch widerfahren ist, damit auch sie jetzt Barmherzigkeit erlangen. Denn Gott hat alle eingeschlossen in den Ungehorsam, damit er sich aller erbarme.

Liebe Gemeinde,

kennen Sie die größte Gefahr der Christenheit ? Es ist nicht der Islam, wie ich es vermutet habe, sondern etwas, das von uns selber ausgeht; nämlich die Verstockung. Lassen Sie uns den heutigen Sonntag nutzen, um dieser Gefahr auf den Grund zu gehen und zu schauen, wie wir der Gefahr begegnen können.

Drei Punkte fallen mir bei dem Begriff Verstockung ein.

1. Ich kann alles allein

Jeder Mensch ist seines Glückes Schmied. Diesen Ausdruck kennen wir sicherlich alle. Und es gibt viele Menschen, die sich eher auf sich selbst und ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten verlassen, als denn auf Gott.

„Das habe ich mir alles selbst erarbeitet“ ist ein typischer Ausspruch dieser Art von Verstockung. Menschen wollen gar nicht mehr darüber nachdenken, dass im Hintergrund jemand ist, der sie mit all den benötigten Fähigkeiten ausgestattet hat. Alles wird als selbstverständlich angenommen.

Wie begegne ich nun dieser Gefahr? Egal, wie verstockt ein Mensch auch sein mag, eines ist ganz gewiss: Gott hält diesem Menschen seine Hand entgegen. Er braucht sie nur zu ergreifen und schon werden seine himmlischen Augen aufgetan und er darf und wird erkennen, dass nicht er es ist, dem er alles zu verdanken hat, sondern, dass Gott ihn mit allem ausgestattet hat, was er für seinen Erfolg benötigt.

2. Glück und Zufall

„Zufälligerweise bin ich dem Herrn X begegnet und der hat mir ein ganz tolles Angebot unterbreitet.“ „Mensch, ich hab ein Riesenglück gehabt, dass ich den Job bekommen habe“. Ausdrücke, die wir sicherlich alle schon einmal gehört haben.

Alles, was uns passiert ist, wenn wir es uns nicht selber erarbeitet haben Glück, Zufall oder eben Pech. Die Gefahr dieser Verstockung besteht darin, dass ich somit ein Spielball des Schicksals werde. Und ich kenne nicht wenige Menschen, die sich, vermeintlich wissentlich, dass alles im Leben eben Glück, Zufall oder Pech ist, ganz einfach in
ihrem Leben treiben lassen. Alles, was geschieht, wird dann auf diese drei Parameter reduziert.

Der Mensch, diese dies extrem lebt ist ganz einfach nur noch abgestumpft.

Auch wenn wir diesbezüglich noch so verstockt sind, so schwebt doch ständig die ausgestreckte Hand Gottes über uns, die einfach nur von uns ergriffen werden will. Wenn wir dies tun, dann werden uns sofort unsere inneren Augen aufgetan und wird dürfen erkennen, dass Glück, Zufall und Pech weit mehr sind als Zufallsparameter.

Wir werden dann erkennen dass Glück in Wahrheit das Eingreifen von unserem Herrn ist, der uns in mannigfacher Art vor allen möglichen Unglücken bewahrt hat.

Wir werden dann erkennen, dass hinter dem Zufall in Wahrheit die fürsorgende Hand Gottes steht, der uns eben nicht zufällig durch unser Leben stolpern lässt, sondern uns stets zur rechten Zeit den richtigen Menschen an dem richtigen Ort begegnen lässt.

Aber auch, ich drücke es salopp aus Pech geht auf seine Kappe. Wir dürfen dann mit unseren inneren Augen erkennen, dass gerade manches Pech uns vor viel Unheil bewahrt hat oder sogar erst den Boden bereitet hat für etwas viel schöneres, was wir haben erleben dürfen.

3. Rambo

Die dritte Verstockung möchte ich Herrn Stallone widmen, dem Rambo aus der Filmreihe. Rambo braucht keinen Menschen, Rambo macht alles allein und wenn Rambo Hilfe braucht dann ist das pure Schwäche. Zugegeben ein wenig übertrieben habe ich. Aber in gar nicht mal so abgeschwächter Form leben sehr viele Rambos unter uns.

Natürlich will Gott nicht, dass wir unselbständige Menschen werden, die stets immer und überall auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen sind. Das gefährliche an der Rambo-Mentalität ist auch nicht dass man etwas allein kann. Das Gefährliche ist, dass man nur sich selbst betrachtet, also den anderen Mitmenschen gar nicht mehr richtig wahrnimmt.

Wenn ich meine Mitmenschen nicht mehr richtig wahrnehme, dann habe ich auch keinen Blick mehr für ihre Nöte, Sorgen und Ängste. Wenn ich alles selber kann, dann erwarte ich dies schließlich auch von meinen Mitmenschen.

Aber auch diesen vertockten Menschen streckt Gott seine liebende Hand entgegen. Wenn Rambo diese ergreift, dann wird er erkennen, dass er eben nicht alles alleine kann und dass da sehr wohl jemand im Hintergrund ist, der auch ihn behütet und beschützt auf allen seinen Wegen.

Und dann werden Rambo auch die Augen aufgetan für die Nöte, Sorgen und Probleme seiner Mitmenschen.

Zusammenfassend kann ich nur sagen: Gott sei Dank, haben wir einen liebenden Gott, der uns immer wieder die Hand entgegenstreckt, auch wenn wir uns gerade mal wieder so verhalten, wie wir es eigentlich nicht tun sollten.

Aus der Verstockung herauszukommen dabei kann uns auch der erste Vers des Liedes „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ von Georg Neumarkt eine segensreiche Hilfe sein. Dieser Vers lautet, wie folgt:

Wer nur den lieben Gott lässt walten
und hoffet auf ihn allezeit,
den wird er wunderbar erhalten
in aller Not und Traurigkeit.
Wer Gott, dem Allerhöchsten traut,
der hat auf keinen Sand gebaut.

Der Herr lasse Dich erkennen, was er Dir alles in Deinem Leben mit auf den Weg gegeben hat
Der Herr lasse Dich erkennen, vor wieviel Sorgen, Nöten und Unglücken er Dich in Deinem Leben bewahrt hat
Der Herr lasse Dich stets auch die Nöte, Sorgen und Probleme Deiner Mitmenschen erkennen

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

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