Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen Pfingstsonntag, dem Tag an welchem wir an die Ausgießung des Heiligen Geistes gedenken. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir bei dem Evangelisten Johannes im 14. Kapitel, die Verse 23-27. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen. Wer aber mich nicht liebt, der hält meine Worte nicht. Und das Wort, das ihr hört, ist nicht mein Wort, sondern das des
Vaters, der mich gesandt hat. Das habe ich zu euch geredet, solange ich bei euch gewesen bin. Aber der Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich zu euch gesagt habe. Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.

Liebe Gemeinde,

wenn wir uns mit dem Heiligen Geist beschäftigen, dann stellen sich unweigerlich drei Fragen, nämlich: Zu wem kommt er ? Was macht er? Und was gibt er uns ? Lassen Sie uns am heutigen Pfingstsonntag diesen Fragen nachgehen, deren Beantwortung wir in unserem Predigttext finden.

1. Zu wem kommt er?

Haben Sie ganz persönlich den Heiligen Geist empfangen? Alle Indizien sprechen dafür, dass Sie ihn empfangen haben. Sie lesen diese ePredigt ja nicht, weil sie zufällig mal irgendwann über die ePredigt gestolpert sind oder weil Sie nichts anderes zur Hand habe, was lesenswert wäre.

Sie lesen die ePredigt vermutlich, weil Sie den Herrn Jesus lieb gewonnen haben und gern sein Wort hören und halten möchten. Wenn Sie diese Voraussetzungen erfüllen, und das tun Sie, dann haben Sie den Heiligen Geist empfangen.

Wer Jesus liebt und sein Wort halten möchte, den liebt auch der Vater im Himmel. Den möchte er niemals mehr ohne Beistand seinem Leben überlassen. Wen Gott liebt, den liebt er bedingungslos. Salopp gesagt können wir ruhig sagen, wenn wir Gott lieben, dann wird diese Liebe von ihm 1000fach erwidert. Er möchte mit uns durch unser weiteres Leben gehen und zwar durch alle Situationen unseres Lebens. Immer dann, wenn wir einen Beistand benötigen, dann ist er da.

Wenn wir einem noch ungläubigen Menschen davon erzählen, dass wir den Heiligen Geist empfangen haben, dann gehen der ganze Spott und die ganze Häme erst richtig los. Man versucht uns in aller Regel so richtig durch den Kakao zu ziehen.

Wir dürfen diesen Menschen aber gar nicht böse sein. Wie wir anfangs gesehen haben, kommt der Heilige Geist nur zu den Menschen, die den Herrn lieben und die sein Wort halten wollen. Wer, ich sage mal, mit Gott nichts am Hut hat zudem wird der Heilige Geist auch nicht ungefragt kommen.

Jeder Mensch auf Erden hat vor Gott nämlich die absolute Freiheit. Er hat die Freiheit, sich zu ihm zu bekehren, er hat aber auch die Freiheit, sich ganz und gar von ihm abzuwenden. Also, liebe Gemeinde, lassen wir uns von denen die den Heiligen Geist ja gar nicht haben können, lassen
wir uns von denen nicht zum Narren halten.

2. Was macht der Heilige Geist

Der Heilige Geist, so sagt es der Herr Jesus, lehrt uns und erinnert uns.

Gehen wir mal ganz praktisch vor. Ein junger Mann hat sich entschieden Bäcker zu werden. Zunächst hat er sich beworben und hat einen Lehrvertrag bekommen. Kann er am ersten Tag schon Brote, Kuchen und andere Gebäckstücke backen? Nein, natürlich kann er dies nicht.

Genau so verhält es sich mit einem neubekehrten Christen. Er hat sich entschieden, dass er dem Herrn nachfolgen will. Natürlich wird er von der Gemeinschaft fröhlich aufgenommen. Man achtet auch, wenn es sich um einen verantwortungsvolle Gemeinschaft handelt, ganz besonders auf den
Neubekehrten. Man ist für ihn da, wenn er Fragen hat. Auch mit Zweifeln kann er gern zu uns kommen.

Aber was ist mit dem Alltag. Da sind wir nicht bei ihm, da ist er also ganz auf sich allein gestellt. Wenn dies so wäre, liebe Gemeinde, dann würde wohl jeder innerhalb eines bestimmten Zeitraumes, den Glauben wieder an den Nagel hängen. So groß und stark im Glauben sind wir nämlich nicht aus uns selbst heraus. In diesen Zeiten außerhalb unserer Gemeinschaft begleitet uns der Heilige Geist ganz intensiv durch unser Leben.

Er will uns stets den rechten Weg zeigen, den wir gehen sollen. Und, was auch ganz wichtig ist, er erinnert uns an den rechten Weg, wenn wir ihn einmal verlassen sollten. Gesetzt der Fall, wir fallen doch wieder einmal in unser altes sündiges Leben zurück, dann werden wir alsbald ein schlechtes Gewissen spüren und eine innere Stimme vernehmen, die uns zur Umkehr aufruft. Das ist z.B. eine Erinnerung durch den Heiligen Geist.

In nicht wenigen Glaubensrichtungen wird ja leider die Auffassung vertreten, dass derjenige, der den Heiligen Geist empfangen hat, diesen wieder verliert, wenn er in sein altes Verhaltensmuster zurückfällt. Da bin ich dann aber heilfroh, dass ich diesem Gott, der so etwas macht, nicht nachfolge. Mein Herr Jesus passt immer wieder auf mich auf, egal wie oft ich falle und reumütig wieder zurückkehre.

3. Was gibt uns der Heilige Geist?

Wer den Heiligen Geist empfangen hat, der hat einen dauerhaften Freund gewonnen, der ihn niemals mehr im Stich lässt. Wenn ich an meine besten Freunde denke, dann sind dies beileibe nicht diejenigen, die alles supertoll finden, was ich mache und die alles immer nur stumm abnicken.
Nein, meine besten Freunde sind diejenigen, die mich auch einmal heftig kritisieren, wenn ich falsche Pfade einschlage. Sie sind derart um mich besorgt, dass sie alles tun, um mir zu helfen, wenn ich der Hilfe bedarf.

Dies und noch 1000 mal 1000 mal mehr gibt uns der Heilige Geist. Wenn ich jemanden um mich herum habe, der mir stets den rechten Weg weisen wird, dann muss ich auch keine Angst haben, mich zu verlaufen und in die Irre zu gehen. Wenn ich diese Angst nicht haben muss, dann kann ich auch innerlich zur Ruhe kommen.

Und dann setzt eine, ich nenne sie einmal Aufwärtsspirale in den Himmel ein. Wenn ich die innere Ruhe vor Gott habe, dann kann er noch mehr in mir wirken und mir noch mehr zur Seite stehen, sodass ich schlussendlich durch den Heiligen Geist zu meinem Frieden mit Gott komme.

Und dieser Friede, der höher ist als alle unsere Vernunft der bewahrt unsere Herzen in Christus Jesus unserm Herrn. Gerade weil dieser Friede höher ist, als all unsere Vernunft, gerade deswegen kann es auch keinen vernunftbasierten theoretischen Glauben geben. Mit aller Theorie und unserer Vernunft kommen wir nicht zum Glauben. Wer den Heiligen Geist empfangen möchte, der muss ganz einfach den praktischen Schritt hin zu Gott wagen und ihn bitten ihn als Kind anzunehmen.

Denken Sie einmal daran, dass keiner von uns seinen Führerschein erhalten hat, nachdem er ein Buch über das Autofahren gelesen hat. Ohne Fahrstunden und praktische Erfahrung ging da gar nichts. Genau so ist es auch in unserem Glaubensleben. Und lassen Sie uns den noch Ungläubigen sagen, dass sie keine Angst haben müssen, den Glaubenswagen an die Wand zu fahren. Der Fahrlehrer ist ja immer dabei und passt auf, dass dies nicht passiert.

Das Wesen der Wirkung des Heiligen Geistes beschreibt der Liederdichter Paul Gerhardt sehr schön in dem 11. Vers seines Liedes: Zieh ein zu deinen Toren…“ (EG133), der da lautet, wie folgt:

Erfülle die Gemüter mit reiner Glaubenszier,
die Häuser und die Güter mit Segen für und für.
Vertreib den bösen Geist, der dir sich widersetzet
und, was dein Herz ergötzet, aus unsern Herzen reißt.

Der Heilige Geist führe Dich Dein ganzes Leben lang
Der Heilige Geist begleite Dich auf allen Deinen Wegen
Der Heilige Geist schenke Dir Deinen tiefen Frieden mit Gott

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Pfingstsonntag. Bis zum morgigen Tage verabschiede mich von Ihnen.

Herzliche Grüße sendet Ihnen
Ihr

Ulrich Naber

Comments are closed.

Post Navigation