ePredigt vom 24.03.2019 (Jeremia 20, 7-11a)

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 3. Sonntag in der Passionszeit. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir bei dem Propheten Jeremia im 20. Kapitel, die Verse 7-11a. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Die Last des Prophetenamts

Herr, du hast mich überredet und ich habe mich überreden lassen. Du bist mir zu stark gewesen und hast gewonnen; aber ich bin darüber zum Spott geworden täglich, und jedermann verlacht mich. Denn sooft ich rede, muss ich schreien: “ Frevel und Gewalt !“ muss ich rufen. Denn des Herrn Wort ist mir zu Hohn und Spott geworden täglich. Da dachte ich: Ich will nicht mehr an ihn denken und nicht mehr in seinem Namen predigen. Aber es ward in meinem Herzen wie ein brennendes Feuer, in meinen Beinen verschlossen, dass ich’s nicht ertragen konnte, ich wäre schier vergangen. Denn ich höre, wie viele heimlich reden: „Schrecken ist um und um!“ „Verklagt ihn!“ „Wir wollen ihn verklagen!“. Alle meine Freunde und Gesellen lauern, ob ich nicht falle: „Vielleicht lässt er sich überlisten, dass wir ihm beikommen können, und uns an ihm rächen.“ Aber der Herr ist mir wie ein starker Held, darum werden meine Verfolger fallen und nicht gewinnen.

Liebe Gemeinde,

wie gehen wir eigentlich damit um, wenn wir als Christen belächelt werden? Wie gehen wir als Christen eigentlich damit um, wenn uns blanker Hass entgegenschlägt? Wohin können wir uns wenden, wenn dies passiert ? Darauf hat der Prophet Jeremia eine Antwort, die heute noch genau so aktuell ist, wie zu Zeiten Jeremias. Lassen Sie uns diese Antwort und den Weg dahin einmal gemeinsam anschauen.

1. Der leidende Prophet

Als Christen sind wir ja selbst in unserem Lande eine Minderheit geworden, die stetig weiter abnimmt. die Kirchenaustritte liegen 10x über den Kircheneintritten und auch freie Christusgemeinschaften beschreiben einen zunehmenden Mitgliederschwund.

Da klingt unsere Botschaft schon ein wenig verwunderlich, bei den meisten Menschen jedenfalls. Manchmal fühlt man sich schon, wie unsere Nachbarn in Österreich sagen, ein wenig „deppert“. Und dann kommt es auch schon mal dazu, dass wir uns die Frage stellen: Worauf habe ich mich da eigentlich eingelassen.

Diese Frage stellte sich auch Jeremia. Er ging sogar soweit, dass er Gott vorwirft, er habe ihn in seiner Stärke ganz einfach dazu überredet sein Wort zu verkündigen. Er habe ja gar keine Chance gehabt, einfach „Nein“ zu sagen.

Gewiss, Jeremia hätte die Möglichkeit gehabt, das Wort Gottes den Zuhörern ein wenig erträglicher zu machen. Dann wäre ihm nicht der Hass entgegengeschlagen. Das wird ja heutzutage gern gemacht. Bloß nicht anecken mit der frohen Botschaft. Am besten so verkündigen, dass alle zufrieden sind und weiter ihr Leben so leben können, wie sie es wünschen.

Das hingegen tat Jeremia nicht. Er sagte dem Volk das Wort Gottes so weiter, wie es ihm aufgetragen wurde. Er ließ nichts weg und tat auch nichts dazu. Und das führte dann auch zu dem Dilemma, wie wir es bereits gehört haben.

2. Die menschliche Lösung

Liebe Gemeinde, jetzt mal Hand auf’s Herz: Wie würden wir denn reagieren ? Käme nicht auch bei uns der Gedanke, einfach alles hinzuschmeißen, damit wir endlich wieder unseren Frieden haben und in Ruhe leben können ?

Wenn ich permanent angegriffen werde ob der Botschaft willen, die es zu verkündigen gilt, dann käme ich irgendwann bestimmt auch an diesen Jeremianischen Punkt.

So, und dann ging etwas sonderbares in Jeremia vor: Er konnte es nicht, einfach nicht mehr an den Herrn denken. Er spürte ein brennendes Feuer in seinem Herzen, welches ihn einfach nicht losließ.

Und je mehr dieses Feuer in ihm brannte, desto größer wurde seine Klage gegen Gott. Es war ja nicht nur Hohn und Spott, der auf Jeremia einprasselte, sondern man trachtete ihm wohl ernsthaft nach dem Leben. Je mehr er klagte, desto gewaltiger brannte das Feuer Gottes in seinem Herzen.

Seine menschliche Lösung führte also zu keinem Ergebnis. Die Situation hatte sich nicht verbessert, sondern augenscheinlich verschlimmert. Sogar seine Freunde und Weggefährten sagten sich von Jeremia ab. Und dennoch brannte dieses Feuer in seinem Herzen.

Und genau dies haben wir auch heute noch in unseren Familien. Da hat sich ein Familienmitglied bekehrt und wird zunächst belächelt. Dann ändert er auch noch seinen Lebensstil und nimmt nicht mehr an dem teil, was die Familie sonst so macht. Und dann will er der Familie auch noch den rechten Weg zeigen. Spätestens dann wird es langsam ernst. Und nicht selten wird er irgendwann vor die Wahl gestellt, sein Leben mit Gott zu beenden oder aber die Familie in Ruhe zu lassen.

3. Die göttliche Lösung

„Aber der Herr ist mir ein starker Held, darum werden meine Verfolger fallen und nicht gewinnen.“ So genau lesen wir es am Ende unseres Predigttextes.

Wenn ich von allen Seiten drangsaliert werde, würde mir dieser Satz wohl kaum einfallen. Familie weg, Freunde futsch und dann auch noch in ständiger Angst vor meinen Mitmenschen zu sein wären wohl kaum die besten Voraussetzungen für eine so steile Aussage.

Und doch sieht Jeremia dies vollkommen anders. Jeremia erkennt in dem Brennen seines Herzens die unmittelbare Kraft Gottes, die ihn zum Weitermachen drängt. Da er sein ganzes Vertrauen auf seinen Herrn gesetzt hat, wird ihm bewusst, dass dieses Brennen ein Auftrag ist, ein Auftrag, ja nicht von der Botschaft abzulassen, ja nicht die Wege des Herrn zu verlassen. Aber auch eine feste Zusage des Herrn, dass er ihn nicht fallenlässt.

Dieses Brennen, liebe Gemeinde, könnte man auch als Gewissen bezeichnet, durch welches Gott noch heutzutage mit uns spricht. Wie oft habe ich dieses Brennen in meinem Gewissen schon gespürt, wenn ich etwas anderes vorhatte, als das, was Gott von mir erwartete. Und wie oft sind diese anderen Vorhaben dann auch in die Hose gegangen.

Was Jeremia uns einfach sagen will ist: Hört auf Gott, sein Wort wohnt in Euch. Hört darauf, was er von euch will und macht das dann auch. Und wenn ihr das macht, dann könnt ihr euch felsenfest darauf verlassen, dass der Herr Euch ein starker Held sein wird und Euch nicht fallen lässt. Und wenn Ihr fallen solltet, dann niemals tiefer als in seine rettenden Hände.

Liebe Gemeinde, nutzen wir doch diese ruhige Passionszeit wieder einmal dazu, intensiver auf das zu hören, was uns der Herr sagen will. Das geht nämlich nur in der Stille und nicht mal so nebenbei in unserem hektischen Alltag. Und lassen Sie uns auch dann das machen, was der Herr von uns erwartet.

Bleiben wir doch in Gott, so wie es der Liederdichter Benjamin Schmolck in dem ersten Vers seines Liedes „Tut mir auf die schöne Pforte…“ (EG 166) beschreibt, und lassen Sie uns noch einmal in diesen Vers einstimmen, der da lautet, wie folgt:

Tut mir auf die schöne Pforte, führt in Gottes Haus mich ein;
ach wir wird an diesem Orte meine Seele fröhlich sein !
Hier ist Gottes Angesicht, hier ist lauter Trost und Licht.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber