Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag Palmarum, dem Palmsonntag. Noch wird Halleluja in den Straßen und Gassen gerufen, doch es soll nicht all zu lange dauern bis die Stimmung umschlägt und aus dem Halleluja ein „Kreuzige ihn“ wird.

Heute werden wir in unserem Predigttext Zeugen des letzten Gebets unseres Herrn vor Seinem Leidensweg. Lassen Sie uns dieses Gebet zunächst gemeinsam lesen. Wir finden das Gebet im Johannesevangelium, Kapitel 17, die Verse 1, 6-8:

So redete Jesus, und hob seine Augen auf zum Himmel und sprach: Vater, die Stunde ist da: Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrliche. Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie waren dein, und du hast sie mir gegeben, und sie haben dein Wort bewahrt. Nun wissen sie, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir kommt. Denn die Worte, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben, und sie haben sie angenommen und wahrhaftig erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und sie glauben, dass du mich gesandt hast.

Liebe Gemeinde,

es ist schon ein erhebendes Gefühl, eines der letzten Gebete unseres Herrn nachlesen zu können. Er wusste genau, was auf Ihn zukam und doch galt all Seine Sorge und all Seine Liebe den Menschen, für die Er in den Tod gehen würde.

Lassen Sie uns am heutigen Palmsonntag dieses Gebet aus zwei verschiedenen Perspektiven betrachten.

1. Rechenschaftsbericht von Jesus Christus

Wenn wir die Trinitätslehre einen Augenblick an die Seite stellen, dann werden wir hier Ohrenzeugen von einem Rechenschaftsbericht von Jesus an Gott. Schauen wir uns die Tätigkeiten von Jesus einmal im einzelnen an.

Jesus hat den Namen Gottes den Menschen offenbart. Genauer gesagt, hat Jesus den Menschen gezeigt, wie Gott wirklich ist. Das wahre Wesen Gottes hat Jesus den Jüngern und allen, die Ihm nachfolgen wollten direkt oder aber in Gleichnissen immer wieder nahegebracht.

Mit dem Wesen Gottes allein war es aber nicht getan. Jesus hat den Menschen seiner Zeit auch das Wort Gottes in rechter Art und Weise ausgelegt. Nun müssen wir uns daran erinnern, dass die Menschen zu Lebzeiten Jesu nur das Alte Testament kannten. Altes Testament verbunden mit zahlreichen priesterlichen Vorschriften,das war schon ein ganz harte Brocken für die Menschen. Eh man sich versah, hatte man auch schon gegen eine der zahlreichen Vorschriften verstoßen und sich versündigt.

Jesus entwirrt dies alles und gibt klare Richtlinien vor. Denken wir nur einmal an die Sabbatordnungen. Diese fegt Jesus mit einem Federstrich beiseite, indem Er sagt, dass der Sabbat für den Menschen gemacht ist und nicht der Mensch für den Sabbat. Oder erinnern wir uns an das
Doppelgebot der Liebe, mit welchem alle anderen Vorschriften in einem ganz anderen Licht standen.

Das alles hat dazu geführt, dass viele Menschen diese Worte in ihrem Herzen bewahrt haben und zum Glauben gefunden haben.

2. Mein Rechenschaftsbericht

Der Einfachkeit halber nehme ich jetzt meinen Namen anstelle eines Platzhalters. Bitte setzen Sie Ihren Namen immer dort ein, wo mein Name steht. Das hört sich einfach besser an, als wenn ich von Herrn oder Frau „x“ spreche.

Ich bin fest davon überzeugt, dass unser Herr von jedem von uns nach unserem irdischen Tode einen Rechenschaftsbericht einfordert. Das hat nicht mit unserem Eingang in die Herrlichkeit Gottes zu tun, sondern darf losgelöst davon betrachtet werden. In verschiedenen Gleichnissen
deutet Jesus dies auch ganz konkret an.

Wenn ich einen Rechenschaftsbericht ablegen soll, dann muss ich zuvor natürlich einen Auftrag erhalten haben, ansonsten kann ich keine Rechenschaft über mein irdisches Leben ablegen. Wir alle haben einen ganz konkreten Auftrag von unserem Herrn bekommen. Wir finden diesen Auftrag im Matthäusevangelium, Kapitel 28, die Verse 19-20:
„Darum geht hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie halten alles, was ich euch befohlen habe.“

Wie Jesus einen Auftrag auf Erden hatte, so haben auch wir einen Auftrag auf Erden. Wenn wir den Predigttext in Bezug setzen zu dem Missionsbefehl, dann entdecken wir erstaunliche Ähnlichkeiten.

So, jetzt aber ganz konkret: Ulrich Naber steht vor dem Schöpfer und muss Rechenschaft ablegen. „Hast Du den Menschen gezeigt, wie ich wirklich bin ? Hast Du ihnen von MEINEM Wesen erzählt ?“ Das könnten Fragen sein, die ich zu beantworten habe. Wohlgemerkt, ich kann mich
nicht dahinter verstecken, dass ich selber nichts von Gott gewusst habe, ich habe ja schon das Neue Testament, also kann ich einiges von Gottes Wesen wissen. An dieser Stelle bekomme ich natürlich ein schlechtes Gewissen, da ich nicht immer, wo dies möglich war, den Menschen von Gott erzählt habe.

„Hast Du, Ulrich Naber, den Menschen auch von MEINEM Wort, also der Bibel, erzählt ?“ Diese Frage wird gewiss auf mich zukommen. Und schon wieder kommt da dieses schlechte Gewissen, eben doch nicht all zu vielen Menschen etwas über Gottes Wort und dessen Inhalt erzählt zu haben, in mir hoch. Häufig habe ich die frohe Botschaft dann doch lieber für mich behalten, um nicht irgendwo anzuecken.

„Hast Du den Menschen den Weg zu Ihrer Errettung gezeigt, sodass sie zum Glauben finden konnten ?“ Ja, einigen schon, aber bestimmt nicht so vielen wie ich es eigentlich hätte tun sollen.

Sie können sich gar nicht vorstellen, wie froh Ulrich Naber ist, dass er nicht in diesem Moment diese Fragen seinem Schöpfer beantworten muss. Geht es Ihnen genau so ?

3. Kraftquelle Jesus

Es ist doch häufig so, wenn wir in christlichen Kreisen beieinander sind, dann fällt es uns ganz leicht von Gott, der Bibel und der Heilstat unseres Herrn zu reden. Sobald sich aber die Türen nach außen öffnen, sieht die Sache schon ganz anders aus.

Herr, jetzt gerade passt es gar nicht. Herr, was sollen die Leute von mir denken, wenn ich jetzt mit der Bibel anfange. Herr, die lachen bestimmt alle über mich. So ergeht es uns doch allen immer wieder in unserem Alltag. Wenn wir uns jetzt noch einmal den Missionsbefehl aus dem Matthäusevangelium anschauen, dann steht dort etwas ganz anderes.

Da steht nicht, „Machet zu Jüngern, wenn’s gerade passt…“, sondern „Machet zu Jüngern alle Völker…“ Punkt, Ende, ohne jedwede Ausrede.

Die Anweisung steht, wir hingegen sind schwache Menschen, die diesem Missionsbefehl nicht gerecht werden können. Aber, liebe Gemeinde, jetzt kommt das ganz große Aber, wir haben einen Heiland, der immer bei uns ist. Dieser Heiland gibt uns Kraft, wenn wir sie dringend benötigen.
Dieser Heiland gibt uns auch die rechten Worte, mit denen wir unsere Mitmenschen erreichen können. Und wenn wir um Seines Namens willen verspottet werden, gerade dann gibt Er uns das rechte Wort zur rechten Zeit und lässt unsere Widersacher verstummen.

Ich bin ja nun schon einige Jahrzehnte mit dem Herrn Jesus unterwegs. Es war gewiss nicht immer einfach. Aber auf eines konnte ich mich immer in meinem Leben verlassen, nämlich auf SEINE Zusage, dass Er immer bei mir ist bis zum heutigen Tage. Ich wusste häufig nicht,was ich antworten sollte, wenn ich angefeindet wurde oder als frommer Spinner bezeichnet wurde. Aber im entscheidenden Moment kam immer das rechte Wort oder die rechte Tat zur rechten Zeit.

Ich glaube, es ist ganz wichtig, dass wir uns dies immer wieder in unser Gedächtnis rufen. Wir dürfen uns immer darauf besinnen, dass wir ja niemals allein da stehen. ER ist immer bei uns und lässt uns niemals im Stich.

Diese Tatsache der Allgegenwart unseres Herrn beschrieb der Liederdichter Gerhard Tersteegen sehr schön in dem ersten Vers seines Liedes „Gott ist gegenwärtig.“, der da lautet, wie folgt:

Gott ist gegenwärtig.
Lasset uns anbeten und in Ehrfurcht vor ihn treten.
Gott ist in der Mitte.
Alles in uns schweige und sich innigst vor ihm beuge.
Wer ihn kennt,wer ihn nennt,
schlag die Augen nieder; kommt, ergebt euch wieder.

Der Herr stärke und behüte Dich auf allen Deinen Wegen
Der Herr sei stets der Mittelpunkt in Deinem Leben
Der Herr lasse durch Dich viele Menschen den Weg zum Glauben finden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die kurze Woche vor Ostern. Bis zum Gründonnerstag verabschiede ich mich von Ihnen und grüße Sie alle recht herzlich

Ihr

Ulrich Naber

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