ePredigt vom 24.02.2013 (Johannes 8, 26b-30)

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag Reminiszere.
Natürlich geht es in jeder Predigt um unseren Glauben. Heute geht es um den Glauben in einer historischen Zeitachse. Bevor wir uns mit diesem Thema auseinandersetzen lassen Sie uns den Predigttext für den heutigen Sonntag gemeinsam lesen. Wir finden den Predigttext im
Johannesevangelium, Kapitel 8, die Verse 26-30:

Aber der mich gesandt hat, ist wahrhaftig, und was ich von ihm gehört habe, das rede ich zu der Welt. Sie verstanden aber nicht, dass er zu ihnen vom Vater sprach. Da sprach Jesus zu ihnen: Wenn ihr den Menschensohn erhöhen werdet, dann werdet ihr erkennen, dass ich es bin und nichts von mir selber tue, sondern, wie mich der Vater gelehrt hat, so rede ich. Und der mich gesandt hat, ist mit mir. Er lässt mich nicht allein; denn ich tue allezeit, was ihm gefällt. Als er das sagte,
glaubten viele an ihn.

Liebe Gemeinde,

in unserem Predigttext finden wir exakt zwei Zeitabschnitte, die ganz entscheidend für unseren Glauben sind und eine erstaunliche Begebenheit, die sich aus der Rede Jesu heraus ergibt. Lassen Sie uns diese heute morgen ein wenig intensiver betrachten:

1. Jesus damals- Jesus heute

„Sie verstanden aber nicht…“, so beginnt der zweite Satz unseres heutigen Predigttextes. Trotz aller Wunder, die von Jesus bewirkt wurden, verstand ihn die Bevölkerung nicht. Jesus stieß also auf taube Ohren, nahezu überall wo Er seinen Verkündigungsdienst wahrnahm.

Und wie ist es heute bei uns ? Es ist doch genau so. Schauen wir uns doch einfach einmal um in unserem Lande. Nur noch 2 % der Kirchenmitglieder gehen noch halbwegs regelmäßig zum Gottesdienst. Weihnachten, Hochzeit, Kindstaufe und Konfirmation, das sind doch die Events auf welche die Kirche beschränkt ist. Ohne will man irgendwie auch nicht, allein schon der Leute wegen.

Und die christliche Botschaft, ja wer die verkündet ist doch gleich ein christlicher Fundamentalist der übelsten Sorte. Diesem Jesus nachzulaufen, das ist ja fast schon kriminell geworden.

Es hat sich also seit damals nicht viel geändert. Und doch ist seit damals etwas ganz gewaltiges geschehen nämlich…

2. Ostern

Die Menschen, die Jesus zugehört hatten, verstanden Ihn also ganz und gar nicht. Und dann redet Jesus ganz konkret von Seiner Kreuzigung und Seiner Auferstehung.

„Ihr werdet erkennen…“, diese Zusage macht Jesus der Menge, die Ihm nunmehr gebannt lauscht, als Er von Seiner Kreuzigung und Auferstehung berichtet.

Und dieses „Ihr werdet erkennen“, das ist es, was uns auch heute immer wieder passiert, wenn uns der lebendige Herr begegnet. Aus eigener Kraft können wir nicht zu Ihm kommen. Aber ER kann uns unsere Augen auftun, dass auch wir erkennen können, wer ER ist und was ER für uns getan hat.

Religiöse Übungen, formelhafte Gebete und rituelle Handlungen helfen uns damals wie heute nicht weiter, wenn wir Jesus erkennen wollen. Was uns aber hilft ist eine Bitte an Ihn, doch bitte in unser Leben zu kommen. Mehr ist wirklich nicht notwendig, auch wenn es immer und immer wieder
anders gelehrt wird.

Es reicht aus, wenn wir uns vertrauensvoll an unseren Herrn wenden. Dann werden auch wir erkennen.

Jetzt nehmen wir einmal den Umkehrschluss und wir werden sofort erkennen, warum unsere Welt so „unchristlich“ ist. Alle, die IHN nicht bitten, werden nämlich nicht erkennen. Wer sein Herz vor dem Herrn verschließen möchte, der darf das. Wir haben ja keinen militaristischen Gottesstaat.

Gehen jetzt alle verloren, die ihr Leben nicht von sich aus dem Herrn übergeben haben ? Ich behaupte einmal, nein. Wenn wir unseren Predigttext näher betrachten, dann lesen wir im letzten Satz „und viele glaubten an ihn…“ Ich gehe einmal davon aus, dass Jesus selbst die verstocktesten Herzen aufbrechen kann und diese zur Umkehr aufrufen kann. Ich behaupte einmal, dass jeder Mensch die Möglichkeit der Umkehr hat und dass jeder Mensch diesen Weg erkennen kann. Wer ihn aber wider besseren Wissens nicht gehen möchte, den lässt Gott natürlich auch in Ruhe.

3. Der Glaube

„Viele glaubte an ihn…“, nehmen wir diesen Satz noch einmal kurz auf. Das ist auch eine Beauftragung an uns in unserer heutigen Zeit. Einfach glauben und Gott machen lassen. Einfach glauben und vertrauen, dass etwas geschieht. Einfach glauben, auch wenn ich nicht weiß, was passiert.

So, liebe Gemeinde, können wir auch heute noch den Weg zu Jesus finden. Der Weg zu Jesus geht einfach nur über unser Herz und nicht über wissenschaftliche Erkenntnisse. Dieser Weg beinhaltet doch einfach nur, dass ich aufgeschlossen bin für das, was Jesus mit mir vor hat. Man sagt uns Christen ja immer wieder gern nach, dass wir Schwärmer und Träumer sind, die von einer jenseitigen Welt her leben und auf diese zuleben. Das letztere stimmt, aber wir sind keine Schwärmer und Träumer.

Ein Nachfolger Jesu zu werden bedeutet ja nicht die Aufgabe des Verstandes, sondern nur die Aufgabe des Widerstandes. Und wenn ich den erst einmal aufgegeben habe, dann hat Jesus freie Bahn, um auch in meinem Herzen Einzug zu halten. Dann kann ich geborgen von der Liebe
Gottes in Ruhe abwarten, was ER noch so alles mit mir vorhat. Wie beschreibt es der Psalmist in Psalm 23 doch so schön: „Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir…“

Ich wünsche uns allen, dass wir wieder zu diesem Urvertrauen in Gott zurückfinden und ganz entspannt unseren Weg mit IHM zusammen gehen, immer in der festen Gewissheit, dass wir die Ewigkeit in SEINER Gegenwart verbringen werden.

Dieses Urvertrauen beschreibt der Liederdichter Walter Heinecke in dem ersten Vers seines Liedes „Du hast uns, Herr, in dir verbunden…“, sehr schön, wie folgt:

Du hast uns, Herr, in dir verbunden,
nun gib uns gnädig das Geleit.
Dein sind des Tages helle Stunden,
dein ist die Freude und das Leid.
Du segnest unser täglich Brot,
du bist uns nah in aller Not.

Der Herr ersetze Deine Zweifel durch Zuversicht
Der Herr lasse aus Deine Zuversicht den rechten Glauben wachsen
Der Herr stärke Deinen Glauben, dass Du nur noch IHM vertraust

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen fröhlichen Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber