ePredigt vom 23.06.2019 (Johannes 5, 39-47)

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 1. Sonntag nach Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im Johannesevangelium, Kapitel 5, die Verse 29-47. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Ihr sucht in der Schrift, denn ihr meint, ihr habt das ewige Leben darin; und sie ist’s, die von mir zeugt; aber ihr wollt nicht zu mir kommen, dass ihr das Leben hättet. Ich nehme nicht Ehre von Menschen; aber ich kenne euch, dass ihr nicht Gottes Liebe in euch habt. Ich bin gekommen in meines Vaters Namen und ihr nehmt mich nicht an. Wenn ein anderer kommen wird in seinem eigenen Namen, den werdet ihr annehmen. Wie könnt ihr glauben, die ihr Ehre voneinander annehmt, und die Ehre, die von dem alleinigen Gott ist, sucht ihr nicht? Ihr sollt nicht meinen, dass ich euch vor dem Vater verklagen werde; es ist einer, der euch verklagt: Mose, auf den ihr hofft. Wenn ihr Mose glaubtet, so glaubtet ihr auch mir; denn er hat von mir geschrieben. Wenn ihr aber seinen Schriften nicht glaubt, wie werdet ihr meinen Worten glauben?

Liebe Gemeinde,

wenn man ein Haus bauen möchte, dann benötigt man zunächst einen Grund, dann ein festes Fundament und danach kann das Haus in die Höhe wachsen.

Mit dem originären Christenleben ist es ähnlich. Auch dort benötigen wir einen Grund auf dem das Fundament gelegt wird, damit das Christenleben wachsen kann. Schauen wir uns dieses gedankliche Gebäude heute Morgen einmal ein wenig näher an.

1. Der Grund

Der Grund alles Christenlebens ist das Wort Gottes. Dies sagt uns der Herr Jesus auch klipp und klar in unserem heutigen Predigttext.

In letzter Zeit ist es leider ein wenig zur Modeerscheinung geworden, Bibelhopping zu betreiben. Was einem in der Bibel passt, das lässt man gelten, was unangenehm oder gar unbequem ist, das wird einfach herausgestrichen. So sagt Jesus, werden wir Gott nicht erkennen können.

Zu Zeiten Jesu gab es logischerweise das Neue Testament noch nicht, aber Jesus verweist in dem heutigen Predigttext auf das gesamte Schriftwerk, welches damals zur Verfügung stand. In diesem sollte man forschen und sich auf die Suche nach Gott begeben.

Heute haben wir es erheblich einfacher, wenn wir uns in der Bibel auf die Suche nach Gott begeben, und damit auf der Suche nach dem Grund unseres Glaubens. Im Alten Testament finden wir zahlreiche Verheißungen, deren Erfüllung wir im Neuen Testament nachlesen können.

Schauen wir uns nur vier dieser Verheißungen an. Der Prophet Micha weist auf Bethlehem hin als Geburtsort unseres Herrn. Und tatsächlich wird unser Herr, wie wir es im Neuen Testament nachlesen können, eben genau in dieser Stadt geboren.

In Jesaja 7, 14 beschreibt der Prophet die Jungfrauengeburt, deren Erfüllung wir im  1. Kapitels des Matthäusevangeliums nachlesen können.

Der Prophet Sacharja wies schon darauf hin, dass der Herr für 30 Silberstücke verraten werden wird. Im Matthäusevangelium finden wir genau die Erfüllung dieser Prophetie.

Psalm 16,10 berichtet schon von der Auferstehung unseres Herrn. Wir alle wissen, wird diese in allen Evangelien ausführlich beschrieben.

Jetzt aber mal wieder ab in die Gegenwart. Wenn sich das Jahr dem Ende neigt, dann finden wir in allen großen Zeitungen und Illustrierten die Vorhersagen für die Geschehnisse des nächsten Jahres. Am Ende des folgenden Jahres finden wir dann die Erklärungen der gleichen Wahrsager, warum alles ganz anders gelaufen ist.

Stellen wir uns nur einmal vor, ein Wahrsager hätte mit 5 Prophezeiungen recht und läge mit allen anderen daneben. Er würde die Aufmerksamkeit der Massen erhalten. Wenn er im nächsten Jahr seine Leistung auf 10 steigert, würde ihm die Welt zu Füßen liegen.

Wenn aber die Bibel hunderte Prophezeiungen aufführt, die erwiesenermaßen erfüllt worden sind, dann haben die meisten Menschen dafür nur ein Achselzucken übrig oder suchen krampfhaft nach Argumenten, dass dies nicht der Fall gewesen sein kann.

2. Das Fundament

Wenn wir uns ernsthaft mit den erfüllten Verheißungen der Bibel beschäftigen, dann werden wir irgendwann eine Entscheidung treffen müssen. Entweder glaube ich das, was uns die Bibel berichtet oder ich lehne die Wahrheiten der Bibel ab.

Liebe Gemeinde, wer der Bibel sein Vertrauen schenkt und ausgehend von den Verheißungen dem Wort Gottes vertraut, der kann auch getrost dem Wort unseres Herrn vertrauen, wenn er sagt, dass er der Weg, die Wahrheit und das Leben ist.

Diesen Herrn im Glauben zu vertrauen, also mein „Ja“ zu dem was bei Gott wahr ist, das ist unser Fundament. Das ist das, was man als Glauben bezeichnet.

Nun ist ja der Glaube keine einseitige starre Haltung von uns Gott gegenüber, sondern der Glaube ist eine lebendige Beziehung zu unserem Herrn. Wenn Jesus in unserem Predigttext sagt: „Und ihr nehmt mich nicht an..“ meint er auch die Tatsache, dass wir eine starre Glaubensentscheidung getroffen haben, aber die lebendige Beziehung zu ihm eben nicht eingehen wollen.

Jetzt klingt lebendige Beziehung ein  wenig hochtrabend. Wie unterhalte ich denn eine lebendige Beziehung? Indem mich mit meinem Gegenüber unterhalte; wir Christen nennen dies Gebet. Und indem ich möglichst viel von meinem Gegenüber erfahren möchte, wir nennen dies Bibelstudium.

3. Das Haus

Wir haben den Grund kennengelernt und das Fundament. Das Haus steht sinnbildlich für die Nachfolge. Wie ein Haus nach und nach in die Höhe wächst, wenn es erbaut wird, so wächst auch unser Glaube in der Nachfolge.

Wenn wir Jesus im Glauben annehmen, dann treten wir auch sogleich in seine Jüngerschule ein. In dieser Jüngerschule lernen wir von unserem Herrn, wie wir als seine Nachfolger leben sollen.

Und wenn wir uns exakt an das halten, was zum Beispiel in der Bergpredigt oder aber im Jakobusbrief steht, dann sind wir die perfekten Nachfolger. Also Jesus 2.0. Klappt leider nicht. Wär zwar schön, aber ich habe noch keinen Jünger gesehen, dem dies gelungen ist. Selbst Petrus hat das nicht hinbekommen.

Und die Nachfolge soll uns ja auch nicht dazu befähigen zu sein, wie Jesus ist, sondern auf seinen Wegen zu wandeln und den rechten Pfad vor Augen zu haben. Natürlich werden wir als seine Jünger immer wieder versagen. Aber wir haben einen Herrn an unserer Seite, der uns stets wieder auf die Beine hilft und uns auf dem rechten Weg begleitet, der in dem ewigen Leben endet.

Es kommt also nicht darauf an, perfekt zu sein, sondern das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Und dabei helfen uns unter anderem Gebet und die Gemeinschaft mit anderen Nachfolgern in seiner großen Gemeinde.

Natürlich werden wir manchmal auch auf diesem Wege zweifeln und ein wenig ängstlich werden. Lassen Sie uns dann und auch jetzt gleich in den ersten Vers des Liedes von Paul Gerhardt “ Befiehl du deine Wege…“ (EG 361) einstimmen, welcher uns immer wieder neuen Mut zuspricht und der da lautet, wie folgt:

Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt
der allertreusten Pflege des, den den Himmel lenkt.
Der Wolken, Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn,
der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

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