ePredigt vom 23.05.2004 (Apostelgeschichte 1;3-4+8-11)

Liebe Lesergemeinde!
Recht herzlichen Dank für Ihre Zuschriften.
Ich grüße Sie am Sonntag nach dem Himmelfahrtstage Christi,
am Sonntag Exaudi.

Als Predigtwort lesen wir den Himmelfahrtstext aus der
Apostelgeschichte im 1.Kapitel, die Verse 3-4 und 8-11:²

„Ihnen hat er sich auch als der Lebendige erzeigt nach seinem Leiden in mancherlei Erweisungen, und ließ sich sehen unter ihnen vierzig Tage lang und redete mit ihnen vom Reich Gottes. Und als er sie versammelt hatte, befahl er ihnen, daß sie nicht von Jerusalem wichen, sondern warteten auf die Verheißung des Vaters, welche ihr, so sprach er, gehört habt von mir.
…; ihr werdet aber die Kraft des heiligen Geistes empfangen, welcher auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein zu Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde.
Und da er solches gesagt, ward er aufgehoben zusehends, und eine Wolke nahm ihn auf vor ihren Augen weg. Und als sie ihm nachsahen, wie er gen Himmel fuhr, siehe, da standen bei ihnen zwei Männer in weißen Kleidern, welche auch sagten: Ihr Männer von Galiläa, was stehet ihr und sehet gen Himmel? Dieser Jesus, welcher von euch ist aufgenommen gen Himmel, wird so kommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen.“

Der Herr segne an uns SEIN Wort!

Liebe Gemeinde!
Der heutige Sonntag ist wie eine Momentaufnahme zwischen zwei Atemzügen. Diesen Zeitpunkt nehmen wir kaum wahr. Und doch leben wir nur, wenn auf jedes Atmen ein neues Atmen folgt.

Etwas ähnliches erzählt uns die Himmelfahrtsgeschichte von der Ebene unseres Lebens mit Gott. Die Gemeinde hat in der Begegnung und Gemeinschaft mit dem auferstandenen Jesus neues Leben empfangen. Von diesem Geschenk können wir als Gemeinde leben, wie Menschen mit dem Sauerstoff der eingeatmeten Luft.

Wir brauchen ständig die Erneuerung unseres Lebens durch Gott, so, wie wir als Menschen ständig neu atmen müssen.

Diese Erneuerung wirkt Gott durch SEINEN Geist. Das Geschenk SEINES Geistes verheißt Jesus zu Himmelfahrt SEINER Gemeinde:
– „Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen.“-

Mit dieser Zusage lässt ER die Gemeinde etwas vom Wirken dieses Geistes schauen:
– „Ihr werdet meine Zeugen sein“ – , in der Gemeinde und in der Welt.

Zugleich macht das Himmelfahrtsgeschehen deutlich:
Wir werden als Gemeinde Zeiten haben, wo wir die Gegenwart des auferstandenen Herrn nicht sehen. Da trägt Gottes zugesprochenes Wort hindurch. In diesem Wort ist Jesus gegenwärtig und in IHM geschenkte Kraft zum Leben.

Aber wie beim Abtauchen kann es geschehen, dass wir den Raum verlassen, wo wir Kraft zum Leben empfangen können. Dann gilt es umzukehren zu dem Raum, in dem uns die Möglichkeit zum Leben begegnet. Beim Auftauchen gerät mancher in Panik. Andere bemerken zu spät, dass es für sie Zeit zur Umkehr ist.

Gott hat SEIN Wort in diese Welt gegeben und ER ruft die Menschen durch Jesus unter SEIN Wort. Die Himmelfahrtsgeschichte erzählt von solchem Ruf und von solcher Sammlung der Jünger unter SEIN Wort.

40 Tage lang, gleichsam wie ein Intensivkursus, hat der auferstandene Herr Gemeinschaft mit den Jüngern gehabt und sie über das Reich Gottes unterwiesen. Nun versammelt ER sie unter der doppelten Botschaft:
– Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen. –
– Ihr werdet MEINE Zeugen sein in der Gemeinde und in der Welt. –

Diese Zusagen sind verbunden mit einem Auftrag:
– Wartet auf Gottes Wirken nach SEINEM Wort! –

Die Gemeinde wird in einen Bereitschaftsdienst versetzt:
– Seht, das hat Gott vor!
– Wartet auf Eure Ausrüstung und Euren Auftrag zum Einsatz!
– Gott will durch Euch der Welt mit der rettenden Liebe des Sohnes begegnen!
– Lebt in der Erwartung, dass Ihr Anteil haben werdet an Gottes Wirken zur
Rettung der Menschen!

Und Gott lässt durch eine Botschaft von Engeln diese Zukunftsausrichtung der Gemeinde bestätigen und erweitern. ER sagt der Gemeinde:
– Lasst Euch nicht gefangen nehmen von entschwindenden Bildern der Gegen-
wart des auferstandenen Jesus!
– Aus MEINEM Geist werden Eure Bilder von Jesus mit neuem Leben erfüllt!
– Ihr werdet IHN einmal in SEINER ganzen Herrlichkeit schauen, wenn ER
sichtbar wieder kommt!

Die Jünger sind nach den empfangenen Zusagen zurückgekehrt an den Ort, wo sie als Gemeinschaft sich zur Begegnung mit Gott im Gebet versammelten.

Die Gemeinde ist durch Gott zum Wirken für Gottes Zukunft berufen. Ihre Bereitschaft zu diesem Dienst kann nur unter dem Hören des Wortes und im Gebet wachsen.

Das hält und trägt sie auch in Zeiten, wo sie von Jesu Gegenwart und Wirken wenig wahr nimmt. Sie lebt aus zugesagter Verheißung. Und Gottes Geist wird es ihr schenken, dass sie erkennt, wie Jesus SEINE Herrschaft durch SEIN Wirken in der Gemeinde und in der Welt geschehen lässt.

In dem Spruch der Himmelfahrtstages, der zugleich der Wochenspruch dieser Woche ist, wird es uns zugesagt, dass Jesus an uns alle am Wirken ist. ER sagt:

„Wenn ich erhöht werde, will ich sie alle zu mir ziehen“ (Joh 12,32).

Vertrauend auf SEIN Wort wollen wir unter Gottes Segen in die Woche gehen.

Es grüßt herzlich
Ihr Pfr.i.R. Steinführer