ePredigt vom 23.01.2005 (Lukas 17,7-10)

Liebe Lesergemeinde!

Ich grüße Sie herzlich am 3. Sonntag vor der Passionszeit, Septuagesimae.
Das Predigtwort für diesen Sonntag steht im Lukasevangelium,
im 17. Kapitel, in den Versen 7 – 10:

„Wer unter euch , der einen Knecht hat, der ihm pflügt oder das Vieh weidet, sagt ihm, wenn er heim kommt vom Felde: Komm sogleich und setze dich zu Tische? Ist´s nicht vielmehr so, daß er zu ihm sagt: Richte zu, was ich zu Abend esse, schürze dich und diene mir, bis ich esse und trinke; danach sollst du auch essen und trinken? Danket er auch dem Knechte, daß er getan hat, was ihm befohlen war? So auch ihr! Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen ist, so sprechet: Wir sind unnütze Knechte; wir haben getan, was wir zu tun schuldig waren.“

Der Herr segne an uns SEIN Wort!

Liebe Gemeinde! Immer wieder werden wichtige Preisverleihungen verbunden mit Dankesreden von Prominenten über die Fernsehsender ausgestrahlt. Sie begegnen großem Interesse. Ein öffentlicher Dank ist schon etwas Besonderes.

In weit bescheidenerem Maße ist das auch in der Kirche spürbar. Dankesreden für kirchliche Mitarbeiter haben durchaus ihre Berechtigung. Es sollte aber der Dank an Gott nicht fehlen, der all unseren Dienst ermöglicht und unser Tun wirkt. Im Grunde wissen wir, dass es in unserem Leben als Christen um einen Dienst für Gottes frohe Botschaft geht.

Jesus spricht in unserem Predigtwort vom Dienen.
ER benutzt dazu ein Beispiel seiner Zeit und Umgebung. Fragend erzählt er:
Stellt euch vor, ihr hättet einen Feldsklaven, der nach getaner Arbeit nach Hause kommt. Würdet ihr ihn nicht auch seine Hauspflichten erledigen lassen, bevor er seinen eigenen Bedürfnissen nachgeht? Würdet ihr ihm für seine Arbeit danken, er hat doch nur seine Pflichten erfüllt?

Bevor die Zuhörer antworten können, sagt er zu ihnen:
„So auch ihr! Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen ist, so sprechet: Wir sind unnütze (armselige) Knechte, wir haben getan, was wir zu tun schuldig waren.“

Diese Worte Jesu sprechen unser Verhältnis zu Gott an.
Das kann uns zum Grübeln bringen über Gottes Zuwendung und Liebe.

Wir fragen uns, will Gott uns so begegnen, wie viele Herren dieser Welt?
Das erfahren wir oft, dass sie über uns und unser Leben entscheiden. Sie bürden uns Lasten auf, denen wir kaum gewachsen sind. Und auf Dank und Anerkennung brauchen wir kaum zu warten.

Im Nachdenken merke ich, dass ich mich in meinen Gedanken verrannt habe. Ich spüre, wie Zweifel und Ablehnung meinen Glauben in einen Abgrund ziehen, wie ein unbedachter Schritt im Moor. Ich erinnere mich an die Beter der Psalmen. Sie haben ihre Not und Zweifel im Gebet vor Gott gebracht.

Im Beten wurde ihnen Gewissheit und Hoffnung geschenkt, dass Gott der erbarmende und sie liebende Gott ist.

So wage auch ich im Gebet zu Gott zu kommen. Ich gehe unter das Kreuz Jesu Christi. Dort kann ich erkennen:
– Herr, ich gehöre DIR!
– DU hast mein Leben mit DEINEM Blut erkauft!
– DU hast Gottes Anspruch an mein Leben erfüllt!

Nun bin ich frei, aus geschenkter Liebe zu handeln. Diese Liebe will Gott danken und die Ehre geben. Diese Liebe sucht nicht nach Dank. Jesus, DIR gehöre ich, wie ein Diener und bin doch beschenkt mit der Freiheit der Kinder Gottes. Wirke durch mich, Herr, dass ich an Vielen die Liebe Gottes weitergeben kann!

Wenn Dich der Text zum Zweifeln bringt, wag Dich mit Dein Gebet unter das Kreuz!

Jesus hat auch für Dich gelitten und ist auch für Dich gestorben. Jesus hat Gottes Forderung an Dir erfüllt. Wenn Du IHN annimmst, empfängst auch Du die Freiheit der Kinder Gottes. Du kannst aus geschenkter Liebe handeln. Und Du kannst Dein Handeln als geschenkte Möglichkeit sehen, zur Ehre Gottes zu wirken. In all dem begegnest Du Gott in der Demut, die Jesus mit SEINEN Worten anspricht.

Mit einem alleinigen Nachsprechen der Jesuworte kannst Du vielleicht Deine Glaubensschwestern und-brüder imponieren, aber nicht das liebende Gottesherz erfreuen.

SEIN liebendes Herz wartet darauf, dass Du aus dem Weitergeben SEINES Geschenkes mit frohem Herzen zu IHM kommst!

Während ich dies schreibe, lese ich den Wochenspruch als Zuspruch, dass viele Andere mit uns auf den Weg des Gesprächs mit Gott waren und sind.

Im Wochenspruch heißt es:
„Wir liegen vor dir mit unserm Gebet und vertrauen nicht auf unsere Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit.“ (Dan 9,18)

Gottes Barmherzigkeit will uns, will Dir und mir in Jesus begegnen!
Lasst Sie uns unter Gottes Segen ergreifen!

Es grüßt herzlich
Euer Pfr.i.R. Steinführer