ePredigt vom 22.09.2011 (Markus 1; 40-45)

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen 14. Sonntag nach Trinitatis. Der heutige Sonntag steht unter dem Thema „Heilung“. Obschon es in unserem heutigen Predigttext um die Heilung eines körperlichen Gebrechens geht steckt doch viel mehr dahinter. Es geht heute um die Reinigung der Seele, also die Reinigung von unseren Sünden. Wir finden den Predigttext für den heutigen Sonntag bei dem Evangelisten Markus im 1. Kapitel, die Verse 40-45. Lassen Sie uns diesen Text zunächst
gemeinsam lesen:

Die Heilung eines Aussätzigen

Und es kam zu ihm ein Aussätziger, der bat ihn, kniete nieder und sprach zu ihm: Willst du, so kannst du mich reinigen. Und es jammerte ihn, und er streckte die Hand aus, rührte ihn an und sprach zu ihm: Ich will’s tun, sei rein ! Und sogleich wich der Aussatz von ihm und er wurde rein.
Und Jesus drohte ihm und trieb ihn alsbald von sich und sprach zu ihm:
Sieh zu, dass du niemandem etwas sagst; sondern geh hin und zeige dich dem Priester und opfere für deine Reinigung was Mose geboten hat, ihnen zum Zeugnis. Er aber ging fort und fing an, viel davon zu reden und die Geschichte bekanntzumachen, sodass Jesus hinfort nicht mehr öffentlich
in eine Stadt gehen konnte; sondern er war draußen an einsamen Orten; doch sie kamen zu ihm von allen Enden.

Liebe Gemeinde,

Wie werden wir rein, rein von unseren Sünden ? Darum geht es am heutigen Sonntag. Was müssen wir tun, damit wir gleiches erleben, wie der Aussätzige aus unserem heutigen Predigttext ? Es sind, glaube ich drei christliche „Kardinaltugenden“, die den Aussätzigen auszeichnen:

1. Das Wissen

Der Aussätzige weiß sehr wohl um seine Krankheit. Wie sieht dies in unserer Gesellschaft im 21. Jahrhundert aus ? Weiß überhaupt jemand, dass er an seiner Seele erkrankt ist ? Fragen wir überhaupt noch nach, ob alles richtig ist, was wir machen ? Ist es nicht vielmehr so, dass die Mehrheit der Bevölkerung erst dann, wenn überhaupt, ein Stoßgebet zu Gott sendet, wenn es keinen menschlichen Ausweg mehr zu geben scheint ?

Für uns bedeutet das: Wir müssen wieder sensibler für unsere Sünden werden. Nur wenn wir diese erkennen, dann können wir uns auch auf den Weg zu dem machen, der uns unsere Sünden vergeben kann. C.S.Lewis gibt uns einen guten Rat, wie wir unsere eigene Schlechtigkeit erkennen können: „Kein Mensch kennt das Ausmaß seiner eigenen Schlechtigkeit, solange er nicht ernstlich versucht hat, gut zu sein.“

Ich habe es selber einmal versucht. Sie glauben gar nicht, wie schnell ich erkennen musste, dass ich in jedem Augenblick meines Lebens der Vergebung unseres Herrn Jesus Christus bedarf.
Probieren Sie es selber einmal aus.

2. Das Vertrauen

Der Aussätzige setzt alles auf eine Karte, um wieder gesund zu sein.
Diese Karte heißt Jesus Christus. Auf welche Karten setzen wir eigentlich in unserem Leben ?
Da ist die Karte Geld, die uns einen gewissen Wohlstand erlaubt. Dann ist da noch die Karte Familie, in welcher wir uns sozial geborgen fühlen. Und dann ist da noch die Karte Versicherung, die uns ganz nach unserem Belieben gegen alle Unbillen des Lebens absichert.

Und jetzt nehmen wir dieses Kartenhaus einmal auseinander. Nehmen wir mal die Karte Geld. Ich bin kein Börsenprofi, aber wenn ich mir den DAX anschaue, dann begreife sogar ich, dass ich unter Umständen innerhalb weniger Monate meine Ersparnisse halbiert hätte, so ich diese an der
Börse angelegt hätte. Also die Karte Geld ist nicht besonders sicher. Zudem besitzt diese Karte ein nicht unerhebliches Suchtpotential. Einmal zu Geld gekommen, will man immer mehr und mehr und noch mehr. Also keine besonders gute Karte, um darauf zu setzen.

Dann ist da noch die Karte Familie. Angefangen hat alles mit einem kleinen Familienkrach und auf einmal spricht man nicht mehr miteinander. Jeder geht seine eigenen Wege. Man lebt nebeneinander her, bis der eine einen neuen Partner kennenlernt und die ganze Familie sich in Wohlgefallen auflöst. Da können Zeitschriften die sogenannte Patchwork-Familie noch so sehr idealisieren; so richtig wohl geht es den Kindern in diesen Familien meist nicht. Also, die Karte Familie ist auch eine wackelige Angelegenheit.

Kommen wir zur Karte Versicherungen. Da ist man gegen alles und jedes versichert. Komme, was kommen mag, irgendeine Versicherung wird den Schaden schon beheben. Und dann kommt sie auf einmal, die niederschmetternde Diagnose einer tödlich verlaufenden Krankheit. Dann ist auf einmal keine Versicherung mehr da, die diesen „Schaden“ beheben kann.

Aber es gibt eine Karte, die auch hier noch helfen kann. Die Karte Jesus Christus. Wer sein Leben allein dem Heiland anvertraut, der hat wirklich auf die richtige Karte gesetzt. Dieser Heiland kann Finanzsorgen lindern. Dieser Heiland kann in zerrüttete Familien gehen und dafür sorgen, dass dort wieder Friede einkehrt. Und dieser Heiland steht uns auch dann noch bei, wenn wir mit einer tödlich verlaufenden Krankheit kämpfen.

Für alle, die allein auf IHN vertrauen, ist ER immer als Retter zugegen. Überall, wo in unserem Leben Unordnung herrscht kann dieser Heiland wieder Ordnung hineinbringen.

3. Die Demut

Der Aussätzige wendet sich mit seiner Bitte ganz demutsvoll an Jesus.
„Nur wenn du willst“ so lauten seine Worte an Jesus. Demut heißt, ich habe keinen Anspruch auf irgendetwas, aber ich wende mich doch mit meinen Anliegen an einen, der helfen kann. Und genau diese Geisteshaltung müssen wir auch Gott gegenüber wieder einnehmen.

Der heilige mächtige erhabene Gott ist kein Wunscherfüllungsautomat, der nichts anderes zu tun hat, als gefälligst alle unsere Anliegen sofort und zu unserer vollsten Zufriedenheit zu erfüllen. Genau diesen Anspruch haben aber heutzutage sehr viele Menschen. Wir müssen uns wieder bewusst werden, dass wir von Gott gar nichts zu beanspruchen haben. Das einzige, was wir tun können, ist vor IHM auf die Knie zu gehen und IHN um Hilfe zu bitten.

Nachdem der Aussätzige sich so an Jesus gewandt hatte, erleben wir eine außergewöhnliche Reaktion. Jesus sprach „Ich will’s tun, sei rein.“ Und sogleich wurde der Aussätzige rein. Also doch ein Gebetserfüllungsautomat, der heilige große und allmächtige Gott ? Nein, liebe Gemeinde, gewiss nicht.

Jesus erhört jeden Hilferuf, der ernst gemeint ist. Jesus erhört jedes Gebet, welches aus vollstem Vertrauen an Ihn gerichtet ist. Und Jesus erkennt die demutsvolle Haltung unseres Herzens. Wenn wir mit unseren Anliegen derart zu unserem Herrn kommen, dann können wir uns darauf
verlassen: ER hilft.

Das wo, das wann und vor allem das wie dürfen wir ganz entspannt unserem Herrn überlassen.
Er weiß am besten, was das Beste für uns ist. Und dies ist nicht immer identisch von dem, was wir meinen, was uns helfen könnte.

Diese tiefe Geisteshaltung des Aussätzigen ist auch gleichzeitig ein innerer Befreiungsschlag. Wir müssen nicht mehr alles selber regeln. Wir können unsere Angelegenheiten getrost aus der Hand legen und unserem Herrn überlassen. Wir müssen uns nicht ständig Sorgen machen, ob wir von
allem genug haben. ER wird schon für uns sorgen. Wenn wir diese Sorgen an unseren Herrn abgeben, dann können wir auch das tun, was der Herr von uns erwartet, nämlich SEIN Wort weitersagen und uns um unsere Mitmenschen kümmern.

Ein Lied, welches unseren Sorgengeist vertreiben hilft ist das aus dem oberhessichen stammende Lied „Herz, lass dein Sorgen sein'“, dessen erster Vers lautet, wie folgt:

Herz, lass dein Sorgen sein
Sorgen schafft Angst und Pein
und hilft doch nicht.
Vertrau auf Gott, den Herrn
sein Hilf ist dir nicht fern,
Gott schlummert nicht.

Der Herr schenke Dir die Sensibilität,damit Du erkennen kannst, dass Du ein sündiger Mensch bist
Der Herr schenke Dir Vertrauen, damit Du Dich allein auf IHN verlässt
Der Herr schenke Dir Demut, damit Du niemals hochmütig wirst

Amen.

Liebe Gemeinde,

Ihnen allen wünsche ich noch einen gesegneten Sonntag und einen fröhlichen Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber