ePredigt vom 21.11.2004 (1.Thessalonicher 4;13-18)

Liebe Lesergemeinde!
Ich grüße Sie herzlich am letzten Sonntag im Kirchenjahr, dem Ewigkeitssonntag.
Als Predigtwort lesen wir Verse aus dem 1. Thessalonicherbrief im 4. Kapitel, die Verse 13 – 18:²

„Wenn Jesus wiederkommt
Wir wollen euch nicht im unklaren lassen, Brüder, wie es mit denen steht, die gestorben sind. Dann braucht ihr nicht traurig zu sein wie die anderen, die keine Hoffnung haben. Wir glauben, daß Jesus gestorben und auferstanden ist. Ebenso gewiß wird Gott auch die, die im Vertrauen auf Jesus gestorben sind, mit Jesus zusammen zu sich holen. Ihr könnt ganz ruhig sein:
Die, die schon gestorben sind, werden gegenüber uns, die beim Kommen des Herrn noch am Leben sind, nicht benachteiligt sein. Ich kann mich dafür auf ein Wort des Herrn berufen, das besagt:
Wenn Gottes Befehl ergeht, der oberste Engel ruft und die himmlische Posaune ertönt, wird der Herr selbst vom Himmel kommen.
Zuerst werden dann alle, die im Vertrauen auf ihn gestorben sind, aus dem Grab auferstehen. Danach werden wir, die noch am Leben sind, mit ihnen zusammen auf Wolken dem Herrn entgegengeführt, um ihn zu empfangen. Dann werden wir für immer mit ihm zusammensein. Macht euch damit gegenseitig Mut!“

Der Herr segne an uns SEIN Wort!

Liebe Gemeinde!
Am Ende eines Kirchenjahres gedenken wir heute der Verstorbenen in unseren Gemeinden. Mit jedem Fortgang eines Gemeindegliedes verändert sich etwas in der Gemeinde. Jeder ist in seiner Art, in seiner Lebens- und Glaubenserfahrung einmalig. In der Gemeinde ist nicht nur der tätige Einsatz wirksam, sondern auch das stille Gebet in den Häusern und in den Krankenstuben. In Verbundenheit mit Jesus empfangen wir erbetenen Segen und leiden mit am Versagen und der Not von Schwestern und Brüdern.

Wo der Tod Menschen aus unserer Gemeinschaft reißt, werden auch Verbindungen untereinander abgerissen. Je enger solche Verbindungen waren, um so schmerzhafter sind die Wunden, die der Tod hinterlässt.

Das spüren wir erst recht in der Familie und unter Freunden.
Und unser Erinnern bringt Verlassenheit, Traurigkeit und Tränen.
Jeder braucht für sich seine Zeit, um loszulassen und sein Leben neu zu ordnen.
Die Verstorbenen werden auch danach Teil unseres Lebens bleiben.

Aber das Erinnern wird einen anderen Stellenwert bekommen:
– Dankbarkeit für Empfangenes und gemeinsam Erlebtes
– Verständnis für manche Schwierigkeiten, die wir mitenander hatten.

Und wir können lernen, belastende Schuld zu Jesus zu bringen, damit ER uns und unseren Verstorbenen vergibt.

Denn Jesus ist der Herr über Lebende und Verstorbene!
In IHM bleiben wir im Gedächtnis Gottes!
In IHM ist uns und unseren Verstorbenen ein Leben in der Gemeinschaft Gottes verheißen!

Menschen können lange Zeit im Gedächtnis Anderer gegenwärtig sein. Das gilt nicht nur für bekannte Persönlichkeiten, die mit ihrem Lebenswerk Großes hinterlassen haben. Das gilt auch für einfache Menschen, die in ihrem Leben empfangene Liebe weiter gegeben haben.

Im Erinnern haben auch die Menschen Platz, die anderen Schreckliches zugefügt haben. An vieles aus ihrem Leben und Tun erinnern wir uns in der Geschichte. Während von ihren Opfern oft wenige Namen und Lebenswege bekannt sind.

Aber nicht im Gedenken und Erinnern liegt die Zukunft, die über den Tod hinausreicht, sondern bei Gott.

Bei Gott ist es anders als bei uns Menschen. In SEINEM Gedächtnis sind Alle umschlossen. ER verheißt denen das Leben, die Jesu Tod und Auferstehung als Rettung zum Leben angenommen haben. SEIN Sohn, Jesus sagt:
„Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer mich annimmt wird leben, auch wenn er stirbt“ (Mt 11,25).

In dieser Hoffnung können wir leben und sterben. Durch Jesus wird uns Lebenden und den Verstorbenen gemeinsam das Leben in Gottes Gemeinschaft zuteil, wenn Jesus sichtbar wiederkommt.

Paulus sagt in unserem Predigtwort der Gemeinde Jesu Christi damals und auch heute:
„Wir wollen euch nicht im unklaren lassen, Brüder, wie es mit denen steht, die gestorben sind. Dann braucht ihr nicht traurig zu sein, wie die anderen, die keine Hoffnung haben. Wir glauben, daß Jesus gestorben und auferstanden ist. Ebenso gewiß wird Gott auch die, die im Vertrauen auf Jesus gestorben sind, mit Jesus zusammen zu sich holen.“

Auch wir werden und dürfen traurig sein, wenn von uns geliebte Menschen sterben. Aber wir müssen nicht darauf warten bis die Zeit Wunden heilt und unser Vergessen Räume zum Leben freimacht, sondern wir dürfen in der Hoffnung auf das verheißene Leben Gottes unsere Toten in unserem Leben Platz geben.

Sie gehören zu uns und unserem Leben, nicht als drückende Last, sondern als von Gott geschenkte Gemeinschaft auf Zeit. Sie sind Strecken unseres Lebens mit uns gegangen und gemeinsam warten wir auf die Zukunft, die uns Jesus bei Gott bereitet hat.

Diese Zukunft wird sich für uns Lebende und für die Verstorbenen gemeinsam vollenden, wenn Jesus sichtbar wiederkommt. Das sagt uns Paulus:

„Wenn Gottes Befehl ergeht, der oberste Engel ruft und die himmliche Posaune ertönt, wird der Herr selbst vom Himmel kommen. Zuerst werden dann alle, die im Vertrauen auf ihn gestorben sind, aus dem Grab auferstehen. Danach werden wir, die noch am Leben sind, mit ihnen zusammen auf Wolken dem Herrn entgegengeführt, um ihn zu empfangen. Dann werden wir für immer mit ihm zusammensein.“

Paulus hat in dieser Zeit des Thessalonicherbriefes das Wiederkommen Jesu in seinem irdischen Leben erwartet. Das ist nicht geschehen. So bleibt sein Wort bis zum Wiederkommen Jesu ein Hoffnungswort:

Lebende und Verstorbene, die im Leben auf Jesus vertrauen, werden gemeinsam in Gottes Zukunft geführt und allezeit beim Herrn sein.

Auf diese Gemeinschaft bei Gott dürfen wir uns freuen und auch in Leid und Trauer auf diese Gemeinschaft hoffen!

Wir dürfen Gott bitten, dass ER uns durch das Tal der Tränen führt.
Wir dürfen IHN bitten, dass wir auf IHN zuleben,
in empfangender und schenkender Liebe.

Dafür mögen auch die letzten Tage des vergehenden Kirchenjahres unter SEINEM Segen stehen.

Es grüßt herzlich
Pfr.i.R. Steinführer