Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen 14. Sonntag nach Trinitatis. Wir alle stehen tagtäglich vor diversen Entscheidungen.
Immer wieder müssen wir uns als Christen fragen, wie wir uns unserem Herrn gemäß verhalten sollen. Im heutigen Predigttext finden wir einige wertvolle Hinweise zu diesem Thema. Wir finden den Predigttext für den heutigen Sonntag im 1. Thessalonicherbrief, Kapitel 5, die Verse 14-24.
Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Wir ermahnen euch aber, liebe Brüder: Weist die Unordentlichen zurecht, tröstet die Kleinmütigen, tragt die Schwachen, seid geduldig gegen jedermann. Seht zu, dass keiner dem andern Böses mit Bösem vergelte, sondern jagt allezeit dem Guten nach untereinander und gegen jedermann.
Seid allezeit fröhlich, betet ohne Unterlass, seid dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus an euch. Den Geist dämpft nicht. Prophetische Rede verachtet nicht. Prüft aber alles, und das Gute behaltet. Meidet das Böse in jeder Gestalt. Er aber, der Gott des Friedens, heilige euch durch und durch und bewahre euren Geist samt Seele und Leib unversehrt, untadelig für die Ankunft unseres Herrn Jesus Christus. Treu ist er, der euch ruft; er wird’s auch tun.

Liebe Gemeinde,

das Gute tun, das Böse, meiden, alles vorher prüfen. So, das war die Predigt für heute. Einfacher geht es wohl kaum. Das kann doch jeder. Wir wissen doch alle, was gut und böse ist. Aber ist es wirklich so einfach? Wer sagt uns denn, was das Gute und was das Böse sind? Und schon sieht die Geschichte nicht mehr so einfach aus. Lassen Sie uns doch heute Morgen einmal gemeinsam über diese beiden Begriffe nachdenken.

1. Das Gute

Wo erfahren wir denn, was das Gute ist, das wir tun sollen? Natürlich auch in der Bibel. Nehmen wir exemplarisch die 10 Gebote, die uns ganz konkret darauf hinweisen, was erlaubt und was verboten ist. Nur dummerweise decken diese 10 Gebote nicht alle unsere Lebensbereiche ab.

Wenn Juristen vor einer Frage stehen, deren Lösung sich nicht direkt aus dem Gesetzestext ergibt, dann muss der Gesetzestext ausgelegt werden. Bei dieser Auslegung fragt sich der Jurist, welchen Zweck denn der Gesetzgeber mit diesem Gesetz erreichen will.

Sehen wir also die Bibel ruhig mal als unser Gesetzbuch an, welches eben nicht alle Fälle des Alltages abschließend regelt.

Was könnte als das Gute alles umfassen? Nun, ich denke, all das, was dem anderen gut tut. Wenn ich etwas tue, was einem anderen Menschen in irgendeiner Weise hilfreich ist, dann ist es in aller Regel auch gut für ihn.

Das kann zum Beispiel auch das Fürbittengebet sein. Mit der Fürbitte wirken wir über den Thron Gottes direkt in das Leben der anderen Menschen ein. Ein weiteres Indiz für das Gute besteht darin, dass wir dies ohne Hintergedanken machen.

Wenn wir dem Guten nachjagen, dann betrifft das aber nicht immer nur die anderen Menschen. Wir sollen auch dem Guten nachjagen, was für UNS gut ist. Da lesen wir dann auch im Predigttext etwas über die Dankbarkeit. Wir sollen dankbar sein in allen Dingen.

Liebe Gemeinde, für den Miesepeter ist sogar der herrlichste Sommertag nicht recht. Er sieht alles immer und überall negativ. Wenn wir uns mal wieder vergegenwärtigen für was wir alles im Leben dankbar sein können, dann kommt so nach und nach die fröhliche Gelassenheit wieder in unser
Leben. Und diese Gelassenheit erfüllt uns mit einer Heiterkeit, die uns unsere Mitmenschen ansehen und die sie auch unmittelbar spüren.

Sie wissen nicht wofür Sie Gott danken sollten? Ich hab einen ganz konkreten Tipp für Sie. Heute Abend vor dem Einschlafen überlegen Sie bitte, was heute so richtig toll gelaufen ist. Und dann danken Sie Gott dafür. Versuchen Sie es zunächst mit drei Dingen. Das können und sollen auch gerade die alltäglichen Kleinigkeiten sein. Denn auch diese sind nicht selbstverständlich, sondern kommen direkt von unserem Herrn.

Damit haben wir indirekt noch etwas Gutes angesprochen, nämlich das Gebet. Über das Fürbittengebet und das Dankgebet haben wir ja schon gesprochen. Es gibt aber noch, ich nenne es hier einmal das „allgemeine Gebet“. Gott möchte gern, dass wir in einer ununterbrochenen
Dauerverbindung zu ihm stehen. Er möchte, dass wir unseren gesamten Alltag mit ihm teilen. Er möchte an unserem ganzen Leben teilhaben.
Deshalb können, sollen und dürfen wir ihm alles erzählen. Alles, was uns Freude macht, aber auch alles, was uns bedrückt.

Warum soll dies gut sein? Nun, alles, was ich in Gottes Hand lege, darum muss ich mich nicht mehr sorgen, das macht jetzt Gott für mich. Ich darf frohgemut und heiter meinen Tag leben.

2. Das Böse

Jetzt haben wir so viel über das Gute geredet. Das ist auch gut so. Aber, wenn wir lesen, dass wir das Böse in jeder Gestalt meiden sollen, dann sollten wir auch hier noch kurz darauf eingehen.

Wir haben soeben erfahren, dass es das Böse in vielfältiger Gestalt gibt. Satan ist ein wahrer Verwandlungskünstler. Wenn sich das Böse immer sofort als das Böse zeigen würde, dann würde wohl kein Mensch etwas Böses tun, von Berufskriminellen vielleicht einmal abgesehen. Ich gehe mal davon auch, dass wir nicht zu dieser Kategorie gehören, die willentlich und wissentlich anderen Etwas Böses antun wollen.

Wir lesen dann auch in unserem Predigttext, dass wir alles prüfen sollen und das Gute dann behalten sollen. Wie erkennen wir denn dann das Böse. Zum Beispiel immer dann, wenn es etwas ist, dass mir oder einem anderen schaden könnte.

Das Böse in jeder Gestalt meiden, heißt aber auch auf vorschnelles urteilen, also auf Vorurteile zu verzichten. Wir sollen erst alles prüfen und dann entscheiden. Wie schnell fällen wir Vorurteile über
andere Menschen. Und wie schnell beteiligen wir uns an Klatsch und Tratsch.

Im Übrigen hilft uns hier beim Trachten nach dem Guten auch beim Erkennen des Bösen die Bibel und das Gebet weiter.

Ein gutes Hilfsmittel ist die geistige Himmelsleiter. In unserer Familie praktizieren wir dies seit Jahren immer wieder mit ganz tollen Erfolgen. Bevor ich etwas tue oder mich entscheide etwas zu machen, gehe ich im Geist ein paar Stufen auf der Himmelsleiter nach oben und schaue mir die ganze Sache in Ihrer Gesamtheit von oben an. Manch eine schon sichere Entscheidung, manch eine feste Meinung haben sich dort ganz schnelle revidiert. Probieren Sie es einfach mal aus.

Wenn wir den Weg des Guten gehen, dann sind wir auf der rechten Straße unseres Lebens, der Straße die uns dereinst auch direkt in den Himmel bringen wird. Dies beschreibt der Liederdichter Paul Gerhardt sehr schön in dem 6. Vers seines Liedes „Ich bin ein Gast auf Erden…“ (EG 529), der da lautet, wie folgt:

So will ich zwar nun treiben mein Leben durch die Welt,
doch denk ich nicht zu bleiben in diesem fremden Zelt.
Ich wandre meine Straße, die zu der Heimat führt,
da mich ohn alle Maßen mein Vater trösten wird.

Der Herr gebe Dir die Kraft gegen jedermann Gutes zu tun
Der Herr bewwahre dich vor allen Angriffen des Bösen
Der Herr gebe seine Fröhlichkeit in Dein Herz hinein und sei Dir gnädig

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

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